Genius Sports setzt auf Daten als neue Anlageklasse des Sports, während die Rechteerlöse sinken
Mark Locke, Vorstandschef von Genius Sports, sagte gegenüber SportsPro, Daten, digitale Dienste und direkte Fanbeziehungen würden zur nächsten Anlageklasse des Sports. Sinkende Medienrechte zwingen die Ligen, neue Einnahmequellen zu suchen.

Am 17. September veröffentlichte SportsPro ein Interview mit Mark Locke, dem Vorstandschef von Genius Sports. Darin legte Locke den Plan des Unternehmens dar, ein "Betriebssystem" für die Sportbranche zu werden. Sein Argument: Medienrechte wachsen nicht schnell genug für alle. Also müssen Ligen und Teams stattdessen Daten und direkte Fanbeziehungen verkaufen.
Locke sagte SportsPro, Genius erziele derzeit etwa 60 Prozent seines Umsatzes mit Wetten und 40 Prozent mit Medien. Er erwartet, dass sich dieses Verhältnis "in nicht allzu ferner Zukunft" umkehrt. Den Wandel stellte er als unvermeidlich dar, nicht als günstige Gelegenheit. "Der Konsum entfernt sich vom Rundfunk", sagte er und nannte es einen "absolut seismischen, fundamentalen und unglaublich schnellen Wandel". Hinter dieser Aussage stehen Zahlen. Sie beschreiben ein Geschäft, das jahrelang Datenleitungen für Live-Wettmärkte aufgebaut hat. Nun will es dieselbe Infrastruktur Ligen und Teams als umfassendere Betriebsebene verkaufen. Genius gibt an, mehr als 240.000 Sportveranstaltungen pro Jahr auszuwerten. Das Unternehmen betreibt eine Daten- und KI-Plattform namens GeniusIQ. Sie wandelt Computer-Vision-Tracking von Athleten, Offiziellen und dem Ball in das um, was das Unternehmen einen digitalen Zwilling eines Live-Ereignisses nennt. Daraus speisen sich Schiedsrichterwerkzeuge wie die halbautomatische Abseitstechnologie und Leistungsanalysen für Teams und Ligen.
Wenn das nach viel Technologie für einen Anbieter von Wettdaten klingt, dann ist genau das der Punkt. Locke argumentiert, dass der eigentliche Wert nicht der Datenstrom selbst ist, sondern die Fähigkeit, daraus immer neue Produkte zu erzeugen. "Wir sind im Geschäft damit, Sportfans im gesamten Ökosystem zu monetarisieren", sagte er. Ligen seien "keine Technologieunternehmen" und bräuchten Partner, um die Direkt-zu-Fan-Ebene aufzubauen.
Nicht jeder wird das beruhigend finden. Genius ist aus der Wettbranche entstanden, und Wetten bleiben seine größte Umsatzlinie. Das Argument des Unternehmens lautet, dass dieselben Datenleitungen, die Live-Märkte bepreisen, auch Analysen, Schiedsrichterwesen und Fanbindung stützen können. So gelesen muss ein sinkender Rechte-Markt nicht für alle sinkende Erlöse bedeuten.
Was der Rest der Branche sagt
Genius ist nicht allein damit, Sportdaten als Produkt statt als Nebenprodukt zu behandeln. Das Dossier zeigt eine breitere Bewegung in der Branche, von Analyseplattformen bis zum Athletentracking. Die meisten jüngeren Berichte sind allerdings entweder älter oder nur am Rande relevant.
- Genius gibt an, mehr als 240.000 Sportveranstaltungen pro Jahr per Computer-Vision-Tracking zu verarbeiten (SportsPro, 17. September).
- Das Unternehmen nennt heute ein Umsatzverhältnis von 60 zu 40 zwischen Wetten und Medien, wobei die Medien wachsen sollen (SportsPro, 17. September).
- Jüngste Schlagzeilen deuten darauf hin, dass Schießdaten in eine zentrale Basketball-Analyseplattform in Spanien aufgenommen werden (Bioengineer.org, 26. September). Diese Geschichte liegt jedoch außerhalb der verifizierten Quellen dieses Dossiers.
Der letzte Punkt ist nur als Kontext erwähnenswert. Das Dossier enthält den zugrunde liegenden Bericht nicht, also lässt er sich hier nicht als verifizierte Tatsache behandeln. Was das Dossier stützt, ist der breitere Trend: Sportorganisationen suchen Einnahmen, die nicht vollständig davon abhängen, Sendepakete an schrumpfende lineare Publikumsgruppen zu verkaufen.
Der unbequeme Teil
Durch Lockes Argument zieht sich eine Spannung. Genius stellt Daten und digitale Dienste als Weg dar, sinkende Medienrechte zu ersetzen. Doch diese Dienste hängen von demselben ab, was Rundfunk überhaupt wertvoll gemacht hat: exklusiver Zugang zu Live-Veranstaltungen und den Fans, die sie verfolgen. Wenn Fans sich vom Live-Sport abwenden, wird das Argument der direkten Monetarisierung schwieriger, nicht leichter.
Locke räumte so viel ein. "Jüngere, digital versierte Verbraucher interessieren sich weniger für das Ansehen von Live-Veranstaltungen als frühere Generationen", sagte er. Sie schauten "seltener lineares Fernsehen, geschweige denn, dass sie dafür bezahlen". Das ist das Problem, für das das Unternehmen eine Lösung verkaufen will.
Die andere Komplikation ist regulatorischer und reputativer Natur. Das Kerngeschäft von Genius sind Wettdaten, ein Bereich, der in jedem Markt, in dem das Unternehmen tätig ist, Prüfung auf sich zieht. Die Ausweitung auf Schiedsrichtertechnologie und Fananalysen bringt das Unternehmen näher an die Integritätsseite des Sports, wo Interessenkonflikte ernst genommen werden. Locke ging im Interview nicht darauf ein.
Worauf er einging, ist die Größenordnung. Genius beschäftigt mehr als 2.600 Menschen. Seit der Gründung 2001 hat sich das Unternehmen weit entfernt von den Anfängen, als es über einer lauten Druckerei in Southwark arbeitete. Dieses Detail stammt aus dem Interview mit SportsPro. Es erinnert daran, dass das Unternehmen seit einem Vierteljahrhundert Daten an den Sport verkauft. Ob das nächste Vierteljahrhundert ebenso reibungslos verläuft, ist die offene Frage. Lockes Wette lautet, dass Ligen weiterhin Technologiepartner brauchen werden, während die Rechteerlöse flach bleiben, und dass der Partner mit den meisten Daten gewinnt. Die alternative Lesart ist, dass er einen Markt beschreibt, in dem das Geld für alle knapper wird, auch für die Unternehmen, die Werkzeuge dagegen verkaufen.
Quellen
5- 01'Digitisation is the new asset class': Genius Sports CEO on how media fragmentation is transforming sport's monetisation modelEN
- 02Council backed Devon AI datacentre before it went public, Guardian reportsEN
- 03The blue-collar AI job market is booming. Will data center backlash make it go bust?EN
- 04New Jersey fines data center $1.1M after drone pics expose 62 gas generatorsEN
- 05South Africa joins the global resistance against American data centersEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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