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OpenAI und Anthropic holen Asien-Chefs von den großen Tech-Konzernen, während die EU über die Regeln des AI Act streitet

OpenAI und Anthropic holen Führungskräfte von Google, Microsoft und Amazon ab, um in Indien und Singapur Teams aufzubauen. Mindestens neun solcher Wechsel gab es im vergangenen Jahr, während Brüssel die Regeln für Allzweck-KI-Modelle fertigstellt.

WeltNachrichtDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 27. September 20266 Min. LesezeitQuellen 2
OpenAI und Anthropic holen Asien-Chefs von den großen Tech-Konzernen, während die EU über die Regeln des AI Act streitet

OpenAI und Anthropic werben Führungskräfte von Google, Microsoft und Amazon ab, um ihr Geschäft in Asien zu leiten, wie Rest of World berichtet. Für Europa ist das wichtig, denn dieselben Unternehmen verhandeln über die Regeln, die Brüssel noch schreibt.

Mindestens neun Führungskräfte sind im vergangenen Jahr von amerikanischen Big-Tech-Firmen in Asien zu US-KI-Unternehmen gewechselt, berichtete Rest of World am 11. September. Die jüngste ist Sandhya Devanathan. Sie verbrachte ein Jahrzehnt bei Meta, zuletzt als Vizepräsidentin für Indien und Südostasien. Im vergangenen Monat kam sie als Vizepräsidentin für Südostasien und Australien zu OpenAI.

Bei diesen Einstellungen geht es nicht um Forschung. In den USA konkurrieren die Frontier-Labore um die besten Modellbauer. In Asien, so Rest of World, sind die gefragten Leute diejenigen, die ein Modell in Marktakzeptanz verwandeln können, also Partnerschaften, Politik und Geschäftsentwicklung.

Diese Unterscheidung hat ein europäisches Gegenstück. Das KI-Büro der Europäischen Kommission will seinen Verhaltenskodex für Allzweck-KI-Modelle im Juli fertigstellen. Die zentralen GPAI-Pflichten des AI Act treten am 2. August in Kraft, wie The Next Web am 2. Juli berichtete. Dieselben Frontier-Labore, die in Asien regierungsnahe Führungskräfte einstellen, müssen diese Pflichten erfüllen. Die Kommission hat erklärt, sie wolle mit den Regeln die wirkungsvollsten oder potenziell schädlichsten Modelle erfassen.

"Das ist eine große, ausgefeilte Technologie, und wir wollen es richtig machen", sagte Eoghan O'Neill, leitender Politikreferent im KI-Büro, auf der TNW Conference in Amsterdam am 20. Juni, laut The Next Web. "Wir brauchen spezifische Pflichten, um einige der wirkungsvollsten oder potenziell schädlichsten Modelle unter dem AI Act zu erfassen."

Ein kleiner Kreis von Leuten, die ein Land führen können

Die Einstellungen in Asien sind durch Knappheit begrenzt. Arjun Jaggi, angewandter KI-Forscher und Executive Adviser für Fortune-500-Unternehmen, sagte Rest of World, die Zahl der Führungskräfte in Indien sei klein. Es seien diejenigen, die eine landesweite Gewinn- und Verlustrechnung für ein globales Tech-Unternehmen geführt, mit indischen Regulierern verhandelt und Unternehmensvertrauen in großem Maßstab aufgebaut hätten.

"Vielleicht ein paar Hundert Leute im gesamten Big-Tech-Indien-Geschäft", sagte er.

OpenAIs erste Einstellung in Indien, Pragya Mishra, kam von Truecaller, war aber die erste Einstellung von WhatsApp in dem Land gewesen. Sein Asien-Pazifik-Direktor Kiran Mani kam im März von JioStar, Indiens größtem Medien- und Unterhaltungskonzern, nach 13 Jahren bei Google. Devanathans Meta-Laufbahn umfasste Verbraucherplattformen, Gaming, Handel, Business-Messaging, Zahlungen, Werbetreibende und Partnerschaften.

Deepali Vyas, globale Leiterin der Führungskräftesuche für Daten und KI bei ZRG Partners, sagte Rest of World, sobald ein Unternehmen entscheide, dass eine Region ein strategischer Wachstumsmarkt sei, beginne es, Führungskräfte zu suchen, die als Mini-CEOs arbeiten könnten. Sanchit Vir Gogia, Chefanalyst bei Greyhound Research, beschrieb das begehrte Gut als doppelte institutionelle Kompetenz: zu wissen, wie ein in den USA ansässiges Unternehmen Kapital und Risiko allokiert, und zu wissen, wie indische Kunden, Regierungen und Partner globale Strategie in lokale Realität übersetzen.

Brüssel hört dieselbe Klage von seinen eigenen Unternehmen

Die EU-Debatte hat eine andere Form, aber eine verwandte Sorge. Die GPAI-Regeln des AI Act sollen ab dem 2. August gelten. Die Rufe, den Start zu verschieben, sind lauter geworden, von Schwedens Ministerpräsident Ulf Kristersson, Bosch-Chef Stefan Hartung und der Lobbygruppe CCIA Europe, zu deren Mitgliedern Alphabet, Meta und Apple gehören, laut The Next Web.

O'Neill sagte, die Leitlinien seien von einer breiten Verhaltenskodex-Gruppe entworfen worden, der Modellanbieter, zivilgesellschaftliche Organisationen, NGOs, Akademiker, KI-Sicherheitsexperten, KMU und europäische Industriegiganten angehörten. "Das ist ein großes Zelt mit all diesen Stimmen aus der Stakeholder-Gemeinschaft", sagte er.

Tech-Führungskräfte auf derselben Konferenz argumentierten, die Last sei bereits zu schwer. Fabrizio Del Maffeo, CEO des niederländischen Chipunternehmens Axelera AI, sagte, Europa habe viele Sprachen, viele Märkte und viele Vorschriften, sowohl europäische als auch lokale. Diese erstickten das Wachstum, weil sie Grenzen schüfen, die es Unternehmen schwer machten, zu expandieren. Er hat die Petition für EU Inc unterzeichnet, einen Vorschlag für eine standardisierte Rechtsform, die Startups den einfacheren Betrieb über Mitgliedstaaten hinweg ermöglichen würde.

Ursula von der Leyen, Präsidentin der Kommission, sagte im Januar in Davos, das 28. Regime würde Gesellschaftsrecht, Insolvenzrecht, Arbeitsrecht und Steuerrecht in einem einzigen und einfachen Rahmen zusammenführen, laut The Next Web.

Del Maffeo argumentierte zudem, das Problem sei nicht nur die Regulierung. Er sagte, der Fokus auf die Gründung neuer Startups müsse mit der Skalierung bestehender ausbalanciert werden, was mehr Kapital als Politik erfordere. Die Zahlen, die er nannte, waren deutlich: Europa macht nur 8% der Scaleups der Welt aus, gegen 60% in Nordamerika, und kein in der EU gegründetes Startup der vergangenen 50 Jahre hat eine Bewertung von 100 Milliarden Euro überschritten.

"Wenn man sich die Maschinenbauer ansieht, führen wir die Welt an", sagte er. "Im Automobilbau sind wir großartig, aber wir verlieren an Boden. In der Robotik sind wir großartig, aber wir verlieren ebenfalls an Boden."

Die Finanzierungsdaten unterstreichen die Lücke. Europäische Startups sammelten im vergangenen Jahr rund 52 Milliarden Dollar, also 44 Milliarden Euro, Wagniskapital ein, weit weniger als die 209 Milliarden Dollar, also 177 Milliarden Euro, die ihre US-Pendants anzogen, laut The Next Web.

Peter van der Putten, Direktor des AI Lab und leitender Wissenschaftler bei Pegasystems, sagte, die EU müsse für inländische und internationale Investitionen attraktiver werden, und schlug vor, Vorschriften so anzupassen, dass Kapital, das die USA verlässt, nach Europa fließt. Elise de Reus, Mitgründerin von Cradle, verwies auf europäische Ingenieure, die von Big-Tech-Jobs in den USA zurückkehrten, angezogen von sinnstiftender Arbeit und besserer Lebensqualität.

"Wir sind vielleicht auch ein bisschen zu bescheiden", sagte sie. "Wir sollten Glück messen, nicht BIP, das keine nachhaltige Kennzahl ist. Ich glaube nicht, dass wir das amerikanische System kopieren und einfügen sollten."

Zwei Uhren laufen gleichzeitig

Die Geschichte der Asien-Einstellungen und die Geschichte der Brüsseler Regelsetzung teilen ein Personal und einen Kalender. OpenAI und Anthropic antworteten nicht auf die Interviewanfragen von Rest of World zu ihren jüngsten Einstellungen oder auf Fragen zu ihrer Einstellungsstrategie im Asien-Pazifik-Raum. Die eigene Sicht der Unternehmen, wie regulatorische Arbeit in diese Rollen passt, ist damit nicht aktenkundig.

Aktenkundig ist der Mangel. Neeti Sharma, CEO von TeamLease Digital, der Personal- und Tech-Rekrutierungssparte des Personaldienstleisters TeamLease Services, sagte Rest of World, auf Führungsebene sei die Knappheit ausgeprägter, weil Erfahrung nicht über Nacht entstehe. Die meisten großen Technologieunternehmen konkurrierten um dieselbe relativ kleine Gruppe bewährter Führungskräfte. Mit der Zeit, sagte sie, werde der Pool wachsen, wenn Führungskräfte aus globalen Kompetenzzentren, SaaS-Unternehmen, Startups und digitalen Geschäften hervorgingen.

Für Europa ist dieser Zeitplan unbequem. Die ersten GPAI-Pflichten des AI Act greifen im August, der Verhaltenskodex sollte im Juli fertiggestellt werden, und das Europäische Parlament muss noch seine Position zu den Standards annehmen, so The Next Web. Unternehmen, die im vergangenen Jahr Leute eingestellt haben, die einen Regulierer in Delhi oder Singapur lesen können, sind dieselben Unternehmen, die nun das KI-Büro in Brüssel lesen müssen.

Keine der in einem der beiden Berichte zitierten Führungskräfte sagte, die beiden Bemühungen seien direkt verbunden, und weder OpenAI noch Anthropic haben ihre Asien-Einstellungen als regulatorischen Schachzug bezeichnet. Das Muster ist dennoch schwer zu übersehen: Die Leute, die eingestellt werden, sind diejenigen, die mit Regierungen, Partnern und Markteintritt umgehen, nicht diejenigen, die Modelle trainieren.

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Quellen

2
  1. 01The AI talent war is coming for Big Tech's Asia executivesEN
  2. 02'Europe is not the US': Tech insiders call for smarter AI rulesEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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