Zum Inhalt
WeltzeitEU--:--UK--:--USA--:--CN--:--PLDEFRIT中文EN

portal über KI und Technologieereignisse · analysen · interviews · technischer hintergrund

Suche
LIVE
›

Speicherhersteller schreiben den PC- und Handymarkt um, nicht die KI

Die Preise für Verbraucherspeicher und Speichermedien sind seit September letzten Jahres um bis zu 483 Prozent gestiegen. Das geht aus einer Analyse hervor, die GamersNexus am 29. September veröffentlicht hat. Dieselbe Umleitung von DRAM- und NAND-Kapazität in Rechenzentren trifft inzwischen auch Smartphones und Konsolen.

KonjunkturAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 29. September 20267 Min. LesezeitQuellen 3
Speicherhersteller schreiben den PC- und Handymarkt um, nicht die KI

Der Speichermarkt verhält sich nicht mehr wie ein Speichermarkt. In einem Beitrag vom 29. September meldete GamersNexus, dass die Durchschnittspreise seit September letzten Jahres um 137 Prozent für 2 TB NVMe SSDs, um 183 Prozent für 2 TB SATA SSDs, um 363 Prozent für 32GB DDR5-Kits und um 294 Prozent für 32GB DDR4-Kits gestiegen sind. DDR5-6000 64GB-Kits kosteten dem Portal zufolge früher 240 Dollar und liegen heute bei rund 1.300 bis 1.400 Dollar, ein Plus von etwa 483 Prozent.

GamersNexus führt diese Verschiebung darauf zurück, dass Micron, Samsung und SK Hynix Kapazität aus den Verbraucherkanälen abziehen und in langfristige Verträge mit weniger, aber größeren Kunden lenken. Der Artikel erschien ursprünglich am 21. September als Video und wurde am 29. September als Text aufbereitet. Seine Zahlen beschreiben also die Lage Ende September und nicht einen einzelnen Handelstag.

Dieselbe Konzentration zeigt sich daran, wie die Unternehmen sprechen. GamersNexus zitiert Amazon mit der Aussage, mehr Nutzer als je zuvor würden wegen der steigenden Kosten für eigene Hardware die Cloud-Dienste des Konzerns in Betracht ziehen. Anders gelesen: Der Cloud-Anbieter profitiert davon, wenn die Hardware, die er vermietet, im Besitz teurer wird.

Die Rechnung erreicht Handys und Konsolen

Speicher ist kein Problem nur für PC-Enthusiasten. GamersNexus zitiert eine Prognose, nach der die weltweiten Smartphone-Auslieferungen 2026 um 16,7 Prozent sinken, während der durchschnittliche Verkaufspreis 581 Dollar erreicht, ein Plus von 27,6 Prozent in einem einzigen Jahr. Das Portal berichtet außerdem, dass Apple die Preise für seine MacBook-, iPad-, HomePod-, Apple TV- und Vision Pro-Reihen angehoben hat. In seinem letzten Earnings Call als CEO sagte Tim Apple laut GamersNexus, das Unternehmen habe die Preise "widerwillig erhöht", wegen einer, wie er es nannte, "100-Jahre-Flut bei der Speicherbepreisung mit exponentiellen Anstiegen der Speicherpreise".

Das Konsolengeschäft von Microsoft folgte. Dem Bericht von GamersNexus zufolge erklärte Xbox: "Ab dem 1. August 2026 werden wir die Preise weltweit aktualisieren. Der Preis der XBOX-Konsolen steigt um 100 US-Dollar für 512 GB-Modelle und um 150 US-Dollar für 1 TB-Modelle. Außerdem stellen wir unser 2 TB-Modell ein."

Da wird ein Markt für Unterhaltungselektronik von der Komponente her neu bepreist. Das trifft die breitere Wirtschaft zu einem unangenehmen Zeitpunkt, denn der Arbeitsmarkt wird bereits durch denselben Ausbau von Rechenzentren umgeformt, der den Speicher von den Verbrauchern abzieht.

Die andere Seite des Rechenzentren-Booms

Am 28. September berichtete Electrek, dass die USA 2025 36.949 Arbeitsplätze im Bereich saubere Energie verloren haben, der erste jährliche Rückgang seit der Pandemie. Das geht aus Ergebnissen von E2 auf Basis von Beschäftigungsdaten des US-Energieministeriums hervor. Die Beschäftigung in der sauberen Energie fiel auf 3.520.000 und löschte fast 40 Prozent der 2024 erzielten Zugewinne aus. Die Verluste erreichten 35 Bundesstaaten. Kalifornien verlor fast 21.000 Arbeitsplätze, die meisten aller Bundesstaaten, während Florida etwa 3.800 hinzugewann.

E2 verbindet den Rückgang mit der Umkehr der Bundespolitik unter der Trump-Regierung und dem von den Republikanern kontrollierten Kongress. Laut E2 führte das dazu, dass Unternehmen Projekte absagten oder zurückfuhren. Der Projekt-Tracker von E2 verzeichnete 142 Projekte in Fertigung, Erzeugung und Speicherung sauberer Energie, die 2025 abgesagt oder verkleinert wurden. Die Beschäftigungszahlen zeigen das Ausmaß des Rückgangs, belegen aber nicht, wie viele Arbeitsplätze wegen einer bestimmten politischen Änderung verloren gingen, merkt Electrek an.

Die gesamte US-Energiebranche verlor 2025 schätzungsweise 86.000 Arbeitsplätze, laut den von E2 zitierten DOE-Daten, wobei saubere Energie etwa 43 Prozent dieses Rückgangs ausmacht. Saubere Energie beschäftigt noch immer mehr als 3.500.000 Menschen. Zum Vergleich: Öl- und Gasunternehmen beschäftigen 958.000 Arbeitskräfte, Kohleunternehmen 125.000 und Atomunternehmen 70.000, nach denselben Zahlen. Das sind E2s vorläufige Ergebnisse. Der vollständige Bericht Clean Jobs America 2026 mit Details zu Bundesstaaten, Landkreisen und Branchen wird im Oktober erwartet.

Was die Datenpipeline darüber sagt, wohin das Geld fließt

Während Verbraucherhardware teurer wird, wird das Werkzeug, das die daraus entstehenden Marktdaten verarbeitet, immer schneller. Am 29. September veröffentlichte Polars eine Fallstudie von Thomas Jardine, Leiter Data Science für die Amerikas bei BMLL. Darin beschreibt das Unternehmen, wie es 1,5 TB Marktdaten in unter vier Minuten verarbeitet. BMLL liefert harmonisierte historische Marktdaten der Stufen 3, 2 und 1 über globale Aktien, ETFs, Futures und US-Aktienoptionen, normalisiert auf Nanosekunden-Genauigkeit über mehr als 100 Handelsplätze.

Die Zahlen in dieser Fallstudie erinnern daran, wofür der Rechenzentren-Ausbau da ist. Das Laden eines Tages US-Aktienhandelsdaten für alle mehr als 11.000 Reg NMS-Wertpapiere dauert in pandas, dem etablierten Werkzeug, fast 3,5 Minuten, bevor überhaupt Verknüpfungen oder Aggregationen erfolgen. Polars erledigt dasselbe Laden in 4,3 Sekunden, eine Verbesserung um etwa das 48-fache, auf dem vollständigen Datensatz ohne Stichprobe. Der Benchmark lief auf einer einzelnen Maschine mit 192 Kernen und 1,5 TB RAM im BMLL Data Lab.

Das ist dasselbe physische Profil, das die Verbraucherversorgung unter Druck setzt: sehr große Maschinen, sehr große Speicherbedarfe und Arbeitslasten, die es rechtfertigen, für Kapazität fast jeden Preis zu zahlen.

Die Job-Debatte läuft auf dünnerer Beweislage

Die politische Debatte über KI und Beschäftigung bewegt sich schneller als die Daten. Am 28. September berichtete die BBC, dass Großbritannien einen Plan für den Fall "beispielloser" Jobverluste durch KI brauche, unter Berufung auf einen Minister. City AM griff die Aussage am selben Tag auf. Die Warnung ist vorsichtig formuliert: Es geht um ein Szenario, nicht um ein beobachtetes Ergebnis.

Andere aktuelle Arbeiten deuten in verschiedene Richtungen. Forscher der Fed sagen, KI verändere die texanische Arbeitswelt, sei aber weit von einer Job-Apokalypse entfernt, laut NBC 5 Dallas-Fort Worth vom 28. September. Ein Bericht von CFO Dive vom 28. September zitiert den White-House-Ökonomen Kevin Hassett mit dem Argument, KI schaffe Arbeitsplätze, statt sie zu vernichten. Ein von economy.ac am 29. September aufgegriffener Bericht argumentiert, KI könne Arbeitsplätze still abbauen, ohne massenhafte Entlassungen auszulösen.

Wo Quellen sich widersprechen, sollte man das klar sagen. Die "beispiellose" Formulierung des britischen Ministers impliziert einen Bruch, der möglicherweise noch bevorsteht. Die Forschung der Fed in Texas und Hassetts Äußerungen beschreiben einen Arbeitsmarkt, der sich anpasst, statt zu zerbrechen. Goldman Sachs hat 300.000.000 Arbeitsplätze weltweit als KI-exponiert bezeichnet, eine Zahl, die Exposition misst, nicht Verdrängung. Beides wird in Schlagzeilen regelmäßig verwechselt.

Unstrittig ist die Richtung des Geldes. Die Ausgaben für KI-Infrastruktur sind inzwischen groß genug, um in den Inflationsdaten aufzutauchen. Fed-Gouverneurin Lisa Cook sagte am 29. September, die Ausgaben für KI-Infrastruktur trieben die Inflation zuerst nach oben, und erst ein kleiner Teil einer Investition von 2.000.000.000.000 Dollar sei ausgegeben, laut finance.biggo.com. EZB-Präsidentin Christine Lagarde warnte am 28. September vor einer KI-"Blase" und den Risiken für die Märkte durch Unternehmensschulden, berichtete Eunews.

Diese beiden Aussagen rahmen die nächsten Quartale. Wenn Cook recht hat, dass der größte Teil der 2.000.000.000.000 Dollar noch nicht ausgegeben ist, dann hat der Druck auf Speicher, Strom und Bauarbeitskräfte kaum begonnen. Und wenn Lagarde recht hat mit den Schulden, die dahinterstehen, wird die Korrektur, wenn sie kommt, nicht auf die Unternehmen beschränkt bleiben, die bauen.

Für Verbraucher ist die praktische Folge schon auf den Preisschildern sichtbar. Eine 4 TB Samsung 990 Pro, die GamersNexus 2024 für 390 Dollar kaufte, kostet heute 1.100 Dollar, ein Plus von 254 Prozent. Ein 128GB DDR5-6400 ECC Registered-Kit, 2024 für 1.060 Dollar gekauft, ist laut dem Portal bei Drittanbietern ab 6.800 Dollar für eine ähnliche Ausstattung zu finden. 512GB, die früher 4.200 Dollar kosteten, werden für 23.811 Dollar gelistet. GamersNexus nennt das Ergebnis eine K-förmige Wirtschaft: Alle zahlen mehr, aber wer eine High-End-Maschine braucht, um ein Unternehmen zu gründen, entscheidet sich vielleicht für Miete statt Kauf.

Das ist der Teil des KI-Booms, der in den Versionshinweisen der Modelle nicht auftaucht. Dieselben Investitionen, die die Rechenzentren finanzieren, bieten die Komponenten weg, aus denen gewöhnliche Maschinen bestehen. Und die Arbeitsmarkteffekte, über die in Westminster und Washington debattiert wird, stützen sich auf eine Beweislage, die bestenfalls vorläufig ist.

Kommentare 0

Quellen

3
  1. 01Memory Companies Have Destroyed the Consumer MarketEN
  2. 02US clean energy jobs fell for the first time since the pandemicEN
  3. 03How BMLL Processes 1.5 TB of Market Data in Under 4 MinutesEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

Redaktion →

Kommentare

0
  1. Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.

Kommentar schreiben

Kommentare sind öffentlich sichtbar. Wir veröffentlichen keine Beleidigungen, Werbung oder Spam.