Delhis Stromnetz und Europas Elektro-Lkw: die Ökonomie der Elektrifizierung wird enger
Eine neue Analyse des Oxford-Professors Nick Eyre kommt zu dem Ergebnis, dass die weltweite Endenergienachfrage in einem dekarbonisierten System um etwa 40% sinken würde. Die Internationale Energieagentur bringt es so auf den Punkt: „Elektrifizierung ist Effizienz“.

Die These erschien am 29. September in Hannah Ritchies Newsletter By the Numbers. Darin rechnet sie Eyres Zahlen durch: Die gesamte Endenergienachfrage sinkt von 416 auf 247 Exajoule, die Stromnachfrage steigt dagegen von 110 auf 189 EJ. Anders gesagt: Die Welt verbraucht insgesamt weniger Energie, sobald sie aufhört, Brennstoffe direkt zu verbrennen.
Delhi zeigt, was die Sanierung des Netzes wert ist
In derselben Woche veröffentlichte IEEE Spectrum eine Ich-Reportage darüber, wie Delhi die Stromverluste von 50% auf 5% gesenkt hat. Ein seltener Fall: Ein Verteilnetzbetreiber saniert sich selbst, statt Kapazität zuzubauen. Der Artikel vom 29. September stammt von einem Einwohner Delhis. Er beschreibt den Winter 2002, als Stromausfälle an der Tagesordnung waren und die Straßenlaternen aus blieben. Der Text ist eine Reportage, keine begutachtete Studie. Die Zahl 50 zu 5 ist deshalb als Darstellung des Magazins über die Leistung des Versorgers zu lesen.
Netzinvestitionen bedeuten nicht nur neue Kabel. Eine am 28. September veröffentlichte Analyse von Transport & Environment, nachgedruckt von CleanTechnica, ergab: In sechs von neun großen EU-Lkw-Märkten sind Elektro-Lkw gemessen an den Gesamtbetriebskosten bereits die günstigste Option. Die sechs Märkte stehen für 46% aller in der EU verkauften neuen schweren Lkw. Über fünf Jahre summiert sich die Ersparnis auf 100.000 € in den Niederlanden, 85.000 € in Deutschland und 69.000 € in Dänemark, bei einer Amortisation binnen zwei Jahren. Wer stattdessen einen chinesischen Lkw kauft, spart in den Niederlanden 128.000 €.
Der Bericht führt die Skaleneffekte an, niedrigere Lkw-Preise durch die EU-CO2-Ziele, nationale Kaufzuschüsse und niedrigere Straßenmaut. Er argumentiert, dass die Lücke größer wird, falls Europa eine weitere Energiekrise erlebt. T&E fordert die Mitgliedstaaten auf, am Ziel für 2030 festzuhalten, die CO2-Emissionen von Lkw um 43% zu senken, eine CO2-basierte Maut nach der Eurovignette-Richtlinie einzuführen und RED-III-E-Gutschriften für das Laden im Depot zu nutzen. Ohne all das ändert sich die Rechnung.
Laden, Fuhrparks und die fehlende Infrastruktur
Die Entfernung zum Netz ist anderswo die entscheidende Hürde. Der Kommentar von CleanTechnica vom 29. September zum 14. Philippine Electric Vehicle Summit, der im Oktober beginnt, weist darauf hin, dass das Land laut dem Electric Vehicle Industry Development Act bis 2028 311.700 Elektrofahrzeuge und 7.300 Ladestationen braucht. Zwei Jahre vor dem Ziel sei die Ladevorgabe das schwächste Glied, heißt es in dem Artikel. Regierungsstellen und gewerbliche Frachtbetreiber müssen mindestens 5% ihrer Flotten auf Elektrofahrzeuge umstellen. Auf dem Gipfel werde sich zeigen, ob lokale Hersteller Diesel-Jeepneys mit tragfähigen Margen verdrängen können, schreibt der Autor.
Die Hersteller machen weiter. Volkswagen teilte am 29. September mit, dass sein neuer ID. Tiguan Anfang Oktober Premiere feiert und Anfang 2027 auf die Märkte kommt. Er ersetzt den ID.4 und den ID.5, während der Verbrenner-Tiguan im Verkauf bleibt. Das Unternehmen hat mehr als 8,3 Millionen Tiguan gebaut, und ID.4 und ID.5 haben seit 2021 mehr als 950.000 Einheiten abgesetzt.
Tesla arbeitet an einem anderen Problem. Electrek berichtete am 29. September, dass das USPTO das Patent US 12,746,987 B1 erteilt hat, ein „Electric Fan Car“, das vier Kanalventilatoren im hinteren Diffusor nutzt, um unabhängig von der Fahrgeschwindigkeit Abtrieb zu erzeugen. Die Zeichnungen zeigen ein Model S, dessen Bau Tesla im April eingestellt hat. Das Patent wurde im Januar 2024 eingereicht und geht auf eine vorläufige Anmeldung vom 17. Januar 2023 zurück. Die Ventilatoren beziehen ihren Strom aus dem Haupt-Hochvolt-Akku.
Nichts davon beantwortet die Investitionsfrage. Die Elektrifizierung senkt den Energiebedarf, verlagert die Ausgaben aber auf Leitungen, Ladegeräte und Depots. Dort hängen die Renditen von einer Politik ab, die sich ändern kann. Das ist die Lücke zwischen der 40%-Ersparnis und dem Lkw für 100.000 €.
Quellen
8- 01Electrification efficiency: The world will need less energy after the transitionEN
- 02Here's How Delhi Achieved Its Epic Power-Grid FixEN
- 03Are Electric Trucks Cheaper To Operate Than Diesel?EN
- 04Op-Ed: Upcoming Philippine Electric Vehicle Summit is an Audit of National PolicyEN
- 05Electric Future, Established Name: The New ID. Tiguan Premieres in OctoberEN
- 06Tesla patents 'Electric Fan Car' with 4 ducted fans ahead of Roadster revealEN
- 07SK pharmteco unveils $200M+ investment to expand CDMO capabilitiesEN
- 08Dutch Police Arrest 24-Year-Old Amsterdam Man in ShinyHunters InvestigationEN
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