KI-Abkommen im Weißen Haus, Kartellrechtsgesetze und eine Billionen-Lücke im Cashflow
Präsident Donald Trump sagte am 29. September, er habe bei einem Mittagessen im Weißen Haus ein "moralisch bindendes" KI-Abkommen mit Tech-Managern unterzeichnet. Im Kongress liegen mehrere Gesetze zum Kartellrecht und zur KI-Aufsicht. Analysten sehen zugleich eine Unstimmigkeit von einer Billion Dollar in den Cashflow-Prognosen der Tech-Branche.

Trump sagte nach dem Mittagessen vor Reportern, er sehe "enorme Selbstregulierung". Seine Regierung erwäge einen Ausschuss aus 10 Personen, der die KI-Branche beaufsichtigen soll. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, der die Veranstaltung mit ausrichtete, nannte das Dokument eine Erklärung von Grundsätzen, die "freiwillig seitens der Industrie" seien, wie CNBC berichtete. Das Abkommen hat keinen Durchsetzungsmechanismus und keine gesetzliche Grundlage.
Zu dem Mittagessen kamen unter anderem Anthropic-CEO Dario Amodei, Nvidias Jensen Huang, Teslas Elon Musk, Metas Mark Zuckerberg, Googles Sundar Pichai, Microsofts Satya Nadella, Amazon-Gründer Jeff Bezos und Palantir-CEO Alex Karp. Eine Sitzordnung auf Trumps Truth-Social-Konto zeigte den Präsidenten zwischen Huang und Musk. Apples CEO John Ternus stand nicht auf der Gästeliste.
Freiwillige Grundsätze, anhängige Gesetze
Das Treffen im Weißen Haus fiel in eine Zeit, in der in den vergangenen Wochen in beiden Kammern des Kongresses mehrere Gesetzesentwürfe vorgelegt wurden, wie CNBC berichtete. Trump sagte, er wolle innerhalb von drei bis vier Tagen einen neuen KI-Beauftragten ernennen. Die Regierung werde die KI-Entwicklung nicht stoppen, wiederholte er. "Es gibt die Überzeugung, dass es enorme Selbstregulierung geben sollte, und wir haben automatisch Regulierung durch das Justizministerium, das FBI, all das", sagte er. "Aber die Selbstregulierung ist sehr wichtig." Vor dem Weißen Haus sagte Amodei, Regeln für KI-Risiken seien "noch in der Diskussion". Karp sagte zu CNBC: "Das Hauptproblem, das Sie und ich haben, ist, dass wir Verantwortung für die Gefahren übernehmen müssen, die wir kennen. Wir alle. Und übrigens wollen die Amerikaner keine eigenen Regeln für Tech-Leute und andere für sich selbst." AMD-CEO Lisa Su sagte, sie sei von der Veranstaltung "sehr ermutigt" gewesen, und beschrieb "viel Optimismus und ein Gefühl von Verantwortung" im Raum. Der Vorstoß zur Selbstregulierung fällt in eine Woche mit schwererer Regulierung für die Branche.
Florida hat ein Gericht gebeten, OpenAI die Entwicklung neuer Modelle zu untersagen, und will ChatGPT verbieten, sich wie eine Person zu verhalten. Das berichteten Politico und The Verge, zusammengefasst im Newsletter The Download von MIT Technology Review am 29. September. Der Abgeordnete Khanna hat vorgeschlagen, selbstverbessernde KI zu verbieten, wie CNBC berichtete. OpenAI verschob diese Woche die Veröffentlichung seines Modells GPT-6.1 Astra wegen Sicherheitsbedenken. In der vergangenen Woche hatte das Unternehmen erklärt, es führe eine "umfassende" Prüfung des Modellverhaltens durch.
Die Geldfrage
Während Washington über Regeln debattiert, veröffentlichte der Chefvolkswirt von Apollo, Torsten Slok, am 29. September eine Notiz. Darin argumentiert er, die Tech-Prognosen der Wall Street seien in sich widersprüchlich. Aktienanalysten, die die Tech-Branche abdecken, erwarten, dass sich der operative Cashflow des Sektors bis 2028 auf rund 2.400.000.000.000 Dollar mehr als verdoppelt, ein Anstieg um über 1.200.000.000.000 Dollar, schrieb Slok. Analysten, die den Rest des S&P 500 abdecken, also die Kunden der Tech-Branche, erwarten, dass diese Unternehmen deutlich weniger operativen Cashflow hinzugewinnen.
"Unterm Strich werden entweder die Kunden der Tech-Branche viel mehr Geld erwirtschaften, als ihre Analysten erwarten, oder die Cashflow-Prognosen der Tech-Branche sind zu optimistisch, was die Frage aufwirft, wer genau all diese Schecks ausstellen soll, um KI-Dienste zu kaufen", schrieb Slok.
Diese Lücke ist für die Kartellrechtsdebatte wichtig. Das Argument für leichtere Regulierung beruht oft auf der Behauptung, KI-Ausgaben würden die gesamte Wirtschaft ankurbeln. Wenn die Kunden von KI-Diensten nicht das Geld erwirtschaften, das Tech-Analysten annehmen, ändert sich die politische Rechnung. Slok bezog keine Position dazu, welche Seite falsch liegt. Er beschrieb es als Widerspruch, der nicht bestehen kann.
Die Akte enthält diese Woche keine neue Kartellrechtsentscheidung. Die jüngste in den Quellen erwähnte Gerichtsentscheidung ist älter: Ein Richter urteilte, Google habe gegen Kartellrecht in seinem Werbegeschäft verstoßen, erlaubte dem Unternehmen aber, seine Werbebörse zu behalten. Diese Entscheidungen von Anfang und Mitte September sind inzwischen Hintergrund und keine Neuigkeit mehr. Die Kartellrechtsgesetze im Kongress dagegen wurden laut CNBC in den vergangenen Wochen vorgelegt.
Daten, Autos und die Kosten der Einwilligung
Separat testeten Datenschutzforscher der Northeastern University 21 Fahrzeuge und deren Begleit-Apps im Auto-Testzentrum von Consumer Reports in Connecticut. Sie stellten die Autos in ein Faraday-Zelt, um den Datenverkehr zu isolieren. Die Studie, die diese Woche veröffentlicht und am 29. September von Consumer Reports gemeldet wurde, ergab, dass fast ein Viertel der Fahrzeug-Apps personenbezogene Daten versendete, darunter Namen der Besitzer, Fahrzeug-Identifikationsnummern und genaue geografische Standorte.
Zu den wichtigsten Empfängern der Fahrerdaten gehörten laut der Studie Amazon, Google, Meta, Microsoft, Pinterest, Snap und Yahoo. Mehrere Autohersteller sagten zu CR, einige Links in ihren vernetzten Apps öffneten externe Webseiten, auf denen Dritte Pixel und Cookies einbetten könnten. General Motors, Honda, Nissan und Stellantis sagten, einigen Empfängern sei es untersagt, die Daten eigenständig zu nutzen oder zu verkaufen. Nachdem Forscher Honda ihre Ergebnisse gezeigt hatten, wies das Unternehmen den Anbieter Amplitude an, alle erhaltenen Standortdaten zu löschen, und stellte den Versand ein.
Die Northeastern-Mitautorin Nicole Zagson sagte: "Ob Verbraucher es wissen oder nicht, die großen Tech-Firmen stecken in allen Fahrzeugen, die wir fahren." Mitautorin Sarah Elizabeth Gillespie sagte: "Es scheint nicht möglich, dass ein Kunde ein neues Auto kaufen kann, das ihn nicht verfolgt." Einem Tesla-Besitzer, der die Datenfreigabevereinbarung des Unternehmens ablehnt, wird eine Warnung angezeigt. Darin heißt es, dies könne "zu eingeschränkter Funktionalität, schweren Schäden oder Betriebsunfähigkeit Ihres Fahrzeugs führen", wie CR berichtete.
Hier überschneiden sich die Kartellrechts- und Datenschutzdebatten. Die Unternehmen, die als wichtigste Empfänger von Fahrzeugdaten genannt werden, sind dieselben Firmen, die wegen ihrer Marktmacht bei KI geprüft werden. Das in der Studie beschriebene Einwilligungsmodell, Opt-in-Bedingungen, die sich in der Praxis nicht ablehnen lassen, ist dasselbe Argument, das Regulierer gegen Plattform-Bündelung verwendet haben.
Selbstfahrende Benchmarks und Selbstfahr-Versprechen
Drei Tech-Arbeiter aus der Bay Area, die sich beim KI-Mathematik-Startup Axiom Math kennengelernt hatten, koppelten ChatGPT, Claude, Grok und andere Frontier-Modelle an einen gemieteten Toyota Corolla. Sie forderten die Modelle auf, einen Pylonenparcours auf einem öffentlichen Parkplatz zu fahren. Die Gruppe DrivingBench veröffentlichte ihren Code, ihre Prompts und Videos, wie 404 Media am 29. September berichtete. GPT-6 Astra absolvierte den Parcours nach Fehlerbehebung; Grok, Sol und Fable fuhren nur wenige Meter und beendeten ihn nicht.
Das Experiment ist eine Benchmark-Aktion, kein Produkt. Mitgründer Aditya Ramabadran sagte zu 404 Media: "Der Punkt war nicht zu zeigen, dass es praktikabel ist, ChatGPT in sein Auto zu stecken und sich fahren zu lassen." Das Team nutzte Comma, ein quelloffenes Fahrerassistenzsystem, um den Laptop mit Lenkung, Gaspedal und Bremsen des Autos zu verbinden. Die National Highway Traffic Safety Administration kündigte letzte Woche eine Untersuchung von Comma an, nachdem zwei Unfälle mit dem System drei Menschen getötet hatten.
Zusammengenommen beschreiben die Geschichten der Woche eine Branche, die für freiwillige Regeln argumentiert. Zugleich ist sie mit Gerichtsanträgen konfrontiert, mit vorgeschlagenen Gesetzen, mit einer Studie, die Datenflüsse dokumentiert, die sie nicht vollständig kontrolliert, und mit einer Analystennotiz, die die Cashflow-Annahmen unter dem KI-Ausbau infrage stellt. Keiner dieser Stränge hat bisher zu einem verbindlichen Kartellrechtsergebnis geführt.
Quellen
5- 01Trump says he and tech leaders signed AI agreement that is 'morally binding'EN
- 02The Download: climate tech companies to watch and AI's discovery problemEN
- 03Tech's Trillion-Dollar Internal InconsistencyEN
- 04Your Car Is Sharing Data With Big Tech Companies, Study FindsEN
- 05These Tech Workers Made ChatGPT Drive a Toyota CorollaEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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