Argentiniens Wirtschaft dürfte im dritten Quartal erneut geschrumpft sein
Argentiniens Wirtschaft ist von Juli bis September wahrscheinlich das zweite Quartal in Folge geschrumpft, meldete Reuters am 2. November. Ökonomen rechnen mit einem Rückgang von rund 1,5 Prozent, nach einem Minus von 0,6 Prozent im zweiten Quartal.

Schwache Verkäufe und billigere Importe drücken auf Jobs und Einkommen, meldete Reuters.
Ökonomen erwarten den zweiten Quartalsrückgang
Das Bruttoinlandsprodukt fiel im zweiten Quartal gegenüber dem ersten um 0,6 Prozent, meldete Reuters. Zuvor war die Wirtschaftsleistung im Juli um 2,9 Prozent zum Vormonat gesunken. Die Juli-Zahl stammt von INDEC.
Ricardo Delgado, Leiter des Beratungsunternehmens Analytica, erwartet für Juli bis September einen weiteren Rückgang von rund 1,5 Prozent. Zwei Quartale mit Minus in Folge erfüllen die übliche Definition einer Rezession. "Argentiniens Wirtschaft befindet sich technisch in einer moderaten Rezession", sagte Delgado.
Der Konsum ist die Schwachstelle
Der private Verbrauch macht etwa zwei Drittel des BIP aus. Das Marktforschungsunternehmen Scentia meldet, dass der Konsum in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 gegenüber dem gleichen Zeitraum 2025 um 2,7 Prozent zurückging.
Bei Eseka, einem familiengeführten Hersteller von Socken und Unterwäsche in Buenos Aires, sind die Verkäufe seit Mileis Amtsantritt im Dezember 2023 um rund 40 Prozent gefallen. Die Firma produziert noch fast 3.000.000 Stück im Monat, darunter Unterwäsche und Badekleidung für die Marken Cocot und Dufour. Im vergangenen Jahr schrieb sie Verluste und baute nach Angaben der Eigentümer etwa 30 Prozent der Belegschaft ab. Über die Hälfte der Rundstrickmaschinen in der Sockenfabrik steht still. "Die Lage ist kritisch", sagte Ricardo Kuchikian, der Eseka mit seinem Bruder Gustavo führt. "Der Konsum ist in den vergangenen drei Jahren sehr stark eingebrochen", sagte er.
Schließungen und billigere Importe treffen die heimische Industrie
Die Denkfabrik Fundar zählt rund 32.300 Betriebsschließungen zwischen Dezember 2023 und Juli 2026. Das sind etwa 6 Prozent aller Unternehmen in Argentinien.
Der Stoffhändler Dakuba schätzt, dass die Verkäufe seit Ende 2023 um 40 Prozent gefallen sind. Sein Direktor Martin Abigador macht die harte Konkurrenz durch Importe verantwortlich, vor allem aus China. Die offiziellen Zahlen weisen in dieselbe Richtung. INDEC meldete, dass die Industrie im August gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent schrumpfte. Im selben Monat fiel der Einzel- und Großhandel um 3,5 Prozent, das Baugewerbe ging um 2,5 Prozent zurück, meldete INDEC. Energie, Bergbau und Landwirtschaft gehören zu den wenigen Sektoren mit Wachstum, gestützt durch Exporte und Investitionen in Schieferöl, Gas und Lithium. Diese Stärke hat den Einbruch in Textilindustrie, Autobau, Einzelhandel und Bau nicht ausgeglichen.
Die Inflation sinkt, die Armut steigt
Die Sparpolitik hat die Inflation von etwa 200 Prozent auf 30 Prozent gedrückt.
INDEC meldete am 24. September, dass die Armutsquote im ersten Halbjahr 2026 von 28,2 Prozent im zweiten Halbjahr 2025 auf 32,3 Prozent gestiegen ist. Die extreme Armut wuchs von 6,3 auf 7,5 Prozent. INDEC befragte 31 städtische Gebiete. Dort lebten rund 9.700.000 Menschen unter der Armutsgrenze, darunter 2.250.000 in extremer Armut. Die Katholische Universität von Argentinien schätzt, dass die Quote bis zum Jahresende 35 Prozent erreichen könnte. Wirtschaftsminister Luis Caputo schrieb in den sozialen Medien, beide Quoten lägen weiterhin deutlich unter den Werten des ersten Halbjahres 2024.
Eine Umfrage des Beratungsunternehmens Giacobbe y Asociados ergab für Oktober eine Zustimmung zu Milei von 36 Prozent. Die Ablehnung lag bei 56 Prozent. Eine AtlasIntel-Umfrage vom September fand, dass die Ablehnung unter Befragten mit niedrigem Einkommen auf fast 70 Prozent gestiegen war. Die Umfrage zählte zu dieser Gruppe Menschen mit einem Einkommen bis etwa 650 Dollar im Monat.
Wie es weitergeht
Die offiziellen BIP-Daten für das dritte Quartal kommen im November. Für 2027 rechnen Ökonomen mit einer leichten Erholung. Milei wird allgemein zugetraut, bei der Wahl im Oktober 2027 für eine zweite Amtszeit anzutreten. Bis dahin will die Regierung ihren Kurs nach eigener Aussage nicht ändern.
Quellen
7- 01Argentina's poverty rate rises above 30% under President Milei, reversing recent declineEN
- 02Poverty rate tests Argentina's Milei ahead of electionEN
- 03Argentina's austerity-hit economy reels towards recession, testing Milei ahead of 2027 voteEN
- 04Trump's Treasury Extended Argentine Leader Milei A $20 Billion Lifeline Last Year. Now Economists Warn Of Recession As Think Tank Says About 32,300 Argentine BuEN
- 05Argentina economy heads toward recession as austerity squeezes consumer sectorsEN
- 06Argentina's Economy Reels Towards Recession, Testing Milei Ahead Of 2027 VoteEN
- 07Argentine students protest on campus over Milei’s austerityEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
Kommentare
0- Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.