Bosch streicht bis Ende 2029 750 Stellen in Abstatt
Bosch streicht bis Ende 2029 750 Stellen am Entwicklungsstandort Abstatt. Das bestätigte das Unternehmen am 5. November 2026 gegenüber Handelsblatt und Südwestrundfunk. Die Entwicklung von Bremsen und Lenkungen rückt damit näher an die chinesischen Kunden.

Was Bosch den Beschäftigten sagte
Im Geschäftsbereich Vehicle Motion in Abstatt im Landkreis Heilbronn fallen bis Ende 2029 750 Stellen weg. Der Bereich entwickelt und verkauft Bremssysteme, Software für Fahrzeugbewegung, Insassenschutzsysteme und Fahrzeugsensoren. Die Beschäftigten erfuhren am Dienstagabend davon. Am Donnerstag, 5. November 2026, bestätigte Bosch den Plan gegenüber Handelsblatt und Südwestrundfunk.
Am Standort arbeiten etwa 5.300 Menschen. Der Abbau trifft damit rund eine von sieben Stellen, verteilt über den Zeitraum bis Ende 2029. Bosch will die Kürzungen nach eigenen Angaben so sozialverträglich wie möglich umsetzen. Welche Teams, Produktlinien oder Tätigkeiten die 750 Stellen betreffen, sagt das Unternehmen nicht. Offen ist auch, wie viele Stellen über natürliche Fluktuation, Altersteilzeit, Vorruhestand oder Abfindungen wegfallen.
Zwei benachbarte Bereiche sind von dieser Runde nicht betroffen: Cross-Domain Computing Solutions und die Tochtergesellschaft Bosch Engineering GmbH. Abstatt soll nach Angaben von Bosch ein Entwicklungsstandort bleiben. Welche Kompetenzen dort langfristig erhalten bleiben, teilte das Unternehmen nicht mit.
Warum die Arbeit abwandert
Steer-by-Wire- und Brake-by-Wire-Systeme führt Bosch zunehmend zuerst bei chinesischen Kunden ein. Entwickelt werden sie gemeinsam mit dem eigenen Entwicklungsstandort in China. Dadurch braucht Abstatt weniger Ressourcen, erklärte das Unternehmen.
"Kundennahe Aufgaben entfallen daher in Abstatt", sagte Mohammed Abraham, Finanzvorstand des Bereichs. "Um die Rolle von Abstatt langfristig zu sichern, müssen wir unsere Strukturen und Kosten anpassen."
Bosch nannte eine stagnierende globale Fahrzeugproduktion und eine sinkende Nachfrage in Europa. Das Unternehmen verwies außerdem auf wachsenden Wettbewerb bei Kosten, Entwicklungstempo und Produktivität. Wettbewerber in Asien drückten mit günstigeren Angeboten auf die Preise, erklärte Bosch. Integrierte Bremssysteme stehen unter härterem Preisdruck, weil Kunden billigere Lösungen verlangen.
Die größere Kostenschere
Der Abbau in Abstatt gehört zu einem Programm, das Bosch ausgeweitet hat. Im September 2025 bezifferte das Unternehmen eine jährliche Kostenlücke von etwa 2.500.000.000 Euro. Bis Ende 2030 sollen rund 13.000 Stellen wegfallen, vor allem an deutschen Standorten. Die Lücke will Bosch mit mehr KI in Fertigung und Entwicklung schließen, mit niedrigeren Material- und Betriebskosten und mit geringeren Investitionen in Werke und Gebäude.
"Leider werden wir weitere Stellenstreichungen über die bereits kommunizierten hinaus nicht vermeiden können", sagte Stefan Grosch damals. Grosch ist das für die industriellen Beziehungen zuständige Vorstandsmitglied.
Heise zählt seit 2024 fast 24.000 angekündigte Stellenstreichungen im deutschen Mobilitätsbereich von Bosch, einschließlich der 750 in Abstatt. Diese Zählung umfasst den deutschen Mobilitätsbereich über mehrere Ankündigungen hinweg. Sie ist nicht dieselbe Größe wie die 13.000 Stellen, die Bosch im September 2025 für den Mobilitätsbereich bis 2030 angekündigt hat.
Die jährliche Lücke von 2.500.000.000 Euro entspricht etwa 2,7 Prozent des Umsatzes von 91.000.000.000 Euro, den Bosch 2025 erzielte. Die 750 Stellen in Abstatt sind weniger als 0,2 Prozent der mehr als 400.000 Beschäftigten des Konzerns.
Was noch offen ist
Über eine Vereinbarung von Betriebsrat oder IG Metall zu genau diesen Kürzungen ist nichts bekannt. Eine Vereinbarung zwischen IG Metall und dem Gesamtbetriebsrat aus dem Jahr 2023 schloss betriebsbedingte Kündigungen für Beschäftigte der Mobilitätssparte in ihrem Geltungsbereich bis Ende 2027 aus. Die Kürzungen in Abstatt reichen bis Ende 2029.
Damit entsteht eine Lücke: Der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen gilt bis 2027, die Kürzungen in Abstatt laufen bis 2029. Wie die Stellen auf die Teams verteilt werden und welche Kompetenzen langfristig in Abstatt bleiben, hat Bosch nicht mitgeteilt.
Quellen
11- 01Bosch to cut another 750 jobs in AbstattEN
- 02Bosch to cut 750 more jobs in Germany amid Chinese competitionEN
- 03Bosch to cut another 750 jobs in Germany amid tough Asian competitionEN
- 04Bosch Mobility to cut 13,000 Jobs by 2030 in $2.5 billion restructuringEN
- 05Germany's industrial engine sputters as Bosch axes 20,000 jobsEN
- 06Bosch CEO unexpectedly steps down after leading a massive job cut pushEN
- 07Bosch Spins Off Mobility Division: 62,500 Employees Move to SubsidiariesEN
- 08Bosch: Banking on Software-Driven Mobility for Future Growth - Manufacturing DigitalEN
- 09Hyundai Motor Group Outlines Future Mobility Technology Roadmap at FISITA World Mobility Summit 2026EN
- 10Regulating Autonomous Mobility-on-Demand Operators with Fixed and Adaptive Penalties: A Multi-Agent Reinforcement Learning ApproachEN
- 11Bosch plans to cut another 750 jobs in Germany — Anadolu AgencyEN
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