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China erwägt Kehrtwende bei Nvidia, während die Ausreiseregeln für die eigenen Ingenieure enger werden

Das chinesische Technologieministerium hat einigen Unternehmen mitgeteilt, dass es den Kauf von Nvidias neuem RTX Pro 5500 genehmigen will. Das berichtet The Information am Sonntag. Es wäre eine Lockerung von Pekings eigener Beschränkung fortschrittlicher Chips.

WeltAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 28. September 20268 Min. LesezeitQuellen 5
China erwägt Kehrtwende bei Nvidia, während die Ausreiseregeln für die eigenen Ingenieure enger werden

The Information meldete die Nachricht am Sonntag und beruft sich auf zwei mit der Sache vertraute Personen. Das Technologieministerium habe kürzlich einige Unternehmen gefragt, wie viele der Chips sie kaufen wollen und wofür, heißt es in dem Bericht. Einigen dieser Unternehmen habe das Ministerium gesagt, es beabsichtige, die Käufe zu genehmigen.

Reuters erklärte, der Bericht lasse sich nicht sofort überprüfen. TNW hat ihn nicht unabhängig verifiziert. Weder Nvidia noch Alibaba, ByteDance oder das Ministerium hatten sich bis Sonntag öffentlich geäußert.

Bei dem Chip handelt es sich um eine Workstation-Grafikkarte, die Nvidia in diesem Monat vorgestellt hat. Sie basiert auf dem Blackwell-Design des Unternehmens und hat 84 GB Speicher. Mit solchem Silizium werden keine Frontier-Modelle trainiert. Aber genau solche Hardware konnten chinesische Cloud- und Konsumunternehmen seit Jahren nicht frei kaufen.

Washington lockerte, Peking verschärfte

Anfang dieses Jahres gaben die USA den Verkauf von Nvidias H200-Chips an chinesische Unternehmen frei. ByteDance und Tencent wurde jedoch nahegelegt, die ersten Lieferungen in Hongkong zu belassen, statt sie ins chinesische Festland zu bringen. Das berichtete TNW im August.

Diese Regelung zeigt, wo die Reibung tatsächlich sitzt. Washingtons Exportkontrollen setzen die äußere Grenze. Pekings eigene Beschränkungen entscheiden darüber, was die Grenze überquert. Der H200-Fall hat gezeigt: Ein grünes Licht aus den USA ist nicht dasselbe wie eines aus China.

Der Bericht zum RTX Pro 5500 deutet darauf hin, dass sich diese Kalkulation verschieben könnte, zumindest bei Hardware unterhalb der Frontier. Nvidias Verkäufe in China sind durch US-Exportkontrollen und durch Pekings Beschränkungen begrenzt, das die eigenen Chiphersteller stützen will. Ließe man Alibaba und ByteDance eine Workstation-Karte auf Blackwell-Basis kaufen, käme importiertes Silizium in die Hände der beiden sichtbarsten KI-Käufer des Landes. Inländische Anbieter wie Huawei skalieren derweil weiter.

Nichts davon ist bestätigt. Die Information stützt sich auf zwei Personen, und das Ministerium hat nichts veröffentlicht. Der Bericht vom Sonntag ist ein Signal, keine Politik.

Die andere Richtung: Menschen, nicht Chips

Sechs Tage vor diesem Bericht, am 24. September, meldete DW, dass Chinas neue Ein- und Ausreiseregeln in der Vorwoche in Kraft getreten seien. Sie geben den Behörden die Macht, Ingenieure, Gründer und andere Spezialisten an der Ausreise zu hindern. Das gilt, wenn ihr Fachwissen in den Bereichen Batterien, Seltene Erden oder künstliche Intelligenz als Bedrohung für die "industrielle und technologische Sicherheit" eingestuft wird.

Die beiden Geschichten ziehen in entgegengesetzte Richtungen, und genau das ist der Punkt. Peking scheint bereit, bestimmte Chips zu importieren. Gleichzeitig erschwert es den Menschen, die sie entwerfen, das Land zu verlassen.

DW berichtete außerdem, dass China die Regeln für Auslandsinvestitionen verschärft, gegen Staatsangehörige mit Vermögen im Ausland vorgegangen ist und die Entsendung technischen Personals ins Ausland eingeschränkt hat. Henry Gao, Juraprofessor an der Singapore Management University, sagte DW, zusammengenommen böten die Beschränkungen "einen seltenen Einblick in den wahren Zustand der chinesischen Wirtschaft".

"Diese Maßnahmen legen nahe, dass Peking zutiefst besorgt ist über wirtschaftliche Schwäche und erhebliche Kapitalabflüsse", sagte Gao zu DW. Die Behörden seien ebenso entschlossen, "Unternehmer und Fachkräfte an der Ausreise zu hindern", fügte er hinzu.

Der wirtschaftliche Hintergrund, den DW anführt, ist nicht subtil. Die Bankkredite fielen im Sommer auf ein Rekordtief. Die Neuwagenverkäufe gingen im August im Jahresvergleich um fast ein Viertel zurück, obwohl die Exportnachfrage nach Hightech-Gütern stark blieb.

Bloomberg Intelligence schätzte, dass im vergangenen Jahr rund 1.000.000.000.000 an chinesischem Vermögen das Land verließen, der größte Abfluss von "heißem Geld" seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2.006. Peking hat die jährliche Devisenquote von 50.000, die Haushalte ausführen dürfen, nicht angetastet. Verschärft haben sich laut Alicia Garcia-Herrero, Chefökonomin für Asien-Pazifik bei Natixis, die inoffiziellen Wege um diese Obergrenze.

"Sie haben die Quote von 50.000 nicht geändert. Sie drücken jetzt die Menschen und Agenten, mit denen das Geld üblicherweise reist", sagte Garcia-Herrero zu DW.

Sie argumentierte, der Talentstopp werde mehr wiegen als der Druck auf das Kapital. "Man kann Geld noch langsam bewegen, mit Genehmigungen", sagte sie zu DW. "Man kann einen Verfahrensingenieur nicht leicht ersetzen, der nicht an Bord eines Flugzeugs gehen kann oder der wegen eines unbefristeten Verbots keine Stelle im Ausland annimmt."

Pässe, Genehmigungen und die KI-Labore

Die Reisebeschränkungen kamen nicht aus dem Nichts. Im Mai berichtete Bloomberg, chinesische Behörden verlangten von führenden KI-Forschern, Gründern und Führungskräften bei Firmen wie Alibaba und DeepSeek eine Genehmigung vor Auslandsreisen. Im vergangenen Jahr mussten einige DeepSeek-Mitarbeiter laut The Information ihre Pässe abgeben. Peking hat die Praxis weder bestätigt noch dementiert.

Der prominenteste Fall, den DW anführt, ist Manus, ein KI-Startup, das in Peking von zwei chinesischen Staatsangehörigen gegründet wurde. Das Unternehmen verlegte seinen Hauptsitz im vergangenen Jahr nach Singapur, auch um US-Investitionsbeschränkungen zu umgehen und ins Ausland zu expandieren. Als Meta im vergangenen Dezember versuchte, Manus für 2.000.000.000 (etwa 1.740.000.000 Euro) zu übernehmen, blockierte Peking den Deal und verhängte gegen die beiden Gründer ein Ausreiseverbot.

Diesen Monat füllten sich chinesische soziale Medien mit Gerüchten, Huawei-Gründer Ren Zhengfei und seine Tochter, CFO Meng Wanzhou, hätten das Land verlassen. Taiwanische und indische Medien griffen die Behauptungen auf. Am Mittwoch teilten chinesischsprachige Medien ein Foto von Ren in Shenzhen vom Vortag. Darauf unterzeichnet er einen Kooperationsvertrag mit einem chinesischen Autohersteller. Das ist der Zustand des Informationsumfelds in all dem: erst das Gerücht, später das Foto.

Ein KI-Wettrennen, gemessen in Vertrauen

Rest of World veröffentlichte am 22. September einen Beitrag von Rumman Chowdhury und Konstantinos Komaitis. Darin argumentieren die Autoren, Washington habe den Wettbewerb völlig falsch gelesen. In den USA werde das "KI-Rennen" als Kampf gegen China verstanden, gerahmt um Modellleistung. China dagegen habe ein umfangreicheres Regelwerk dafür aufgebaut, wie KI mit Nutzern interagiert. Die Autoren sagen ausdrücklich, Chinas Ansatz sei kein Modell für liberale Demokratien, da seine Regeln in umfassender staatlicher Kontrolle und Zensur stünden. Es wäre jedoch ein Fehler, die wettbewerbliche Lehre zu ignorieren.

Ihre Zahlen sind es wert, genau zitiert zu werden. Sie schreiben, 87 % der chinesischen Bürger vertrauten KI, verglichen mit 23 % in den USA. Sie merken außerdem an, Airbnb-CEO Brian Chesky habe gesagt, sein Unternehmen nutze Alibabas Qwen-Modell, weil "es sehr gut ist. Es ist auch schnell und günstig". Die Sora-Deepfake-Episode habe OpenAI einen Lizenzvertrag über 200 mit Disney gekostet.

Dasselbe Medium brachte zwei Tage später, am 24. September, einen separaten Beitrag. Darin beschrieb die Ärztin und Beraterin Ruby Wang Chinas Aufstieg in der Gesundheitstechnik. Wang sagte zu Rest of World, in China würden mehr klinische Studien durchgeführt als in den USA, und China mache inzwischen die Hälfte aller globalen Arzneimittellizenzverträge aus. Ihr zufolge könnte Chinas Anteil an globalen Auslizenzierungsverträgen für Arzneimittel in diesem Jahr 60 % erreichen.

Wang war offen über die Grenzen. China sei am stärksten in der Onkologie, sagte sie, und weniger reif in Bereichen wie der Immunologie. Chinesische Biotech-Firmen, fügte sie hinzu, seien schwach bei der Vermarktung: Sie wüssten, wie man ein Medikament entwickelt, aber nicht, wie man es verkauft oder daraus ein Gesundheitsökosystem baut.

Gespräche ohne Techniker im Raum

Die politische Ebene ist dünner als die industrielle. Ars Technica berichtete am 23. September, vor dem für Donnerstag und Freitag angesetzten Treffen von Donald Trump und Xi Jinping habe Finanzminister Scott Bessent bekannt gegeben, beide Seiten hätten die Einrichtung eines neuen KI-Sicherheitsbenachrichtigungsmechanismus erörtert. Vorgesehen ist eine offene Leitung, über die jede Seite Alarm schlagen kann, wenn ihre KI-Systeme Bedrohungen darstellen oder sich unvorhersehbar verhalten.

China hat das vorgeschlagene Alarmsystem nicht öffentlich anerkannt. Mit Bessents Plan vertraute Personen sagten zu Politico, der Plan wirke oberflächlich. Es seien keine Beamten mit technischer Expertise beteiligt, die die Dringlichkeit der in Mitteilungen beschriebenen Risiken einschätzen könnten. Eine Quelle verspottete ihn gegenüber Politico mit den Worten, "der wissenschaftliche, technische Begriff ist BS".

Sam Bresnick, Forschungsstipendiat am Center for Security and Emerging Technology der Georgetown University, sagte zu Ars, das Fehlen eines technischen Gremiums sei ein Warnsignal. "Es ist ein bestehender Kanal, was ich für besser halte, als einen ganz neuen Kanal zu schaffen", sagte Bresnick. Er fügte aber hinzu: "Ich halte es für sicher besser als nichts, aber ich habe nicht viel Vertrauen, dass es künftig einen großen Unterschied machen wird."

Su Lian Jye, Chefanalyst beim Forschungsunternehmen Omdia, sagte zur South China Morning Post, die Alarme könnten helfen, "mehr Transparenz zu fördern", ohne eine der beiden Seiten weniger misstrauisch zu machen. "Um den Vorschlag in ein wirksames Instrument zu verwandeln, müssten beide Länder Risikoklassifizierungen, Auslöser für Benachrichtigungen, Reaktionsprotokolle und regelmäßige Überprüfungsverfahren vereinbaren", sagte er.

Das Bild am 28. September ist also ein China, das zwei seiner größten Unternehmen möglicherweise eine neue Nvidia-Workstation-Karte kaufen lässt. Gleichzeitig bestätigt es nicht, ob die eigenen KI-Forscher ein Flugzeug besteigen dürfen, und sagt nicht, ob es eine amerikanische Alarmleitung beantworten wird. Diese Leitung ist mit Leuten besetzt, die die Systeme nicht bauen, vor denen sie warnen würden. Der Chip-Bericht ist die neueste Tatsache. Die Richtung der Reise bleibt offen.

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Quellen

5
  1. 01China reportedly may let Alibaba and ByteDance buy new Nvidia chipsEN
  2. 02China's new travel rules unsettle tech giants and talentEN
  3. 03China is excelling in health tech. That's good news for the worldEN
  4. 04Trump's China rivalry and "AI race" delusion may endanger US, experts sayEN
  5. 05America is in the wrong AI race with ChinaEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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