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Gates erneuert Ruf nach KI-Regulierung, Europas Techbranche widerspricht

Bill Gates sagte in einem am 27. September ausgestrahlten NBC-Interview, unkontrollierte KI könne "eine Milliarde Tote" verursachen, und Selbstregulierung reiche nicht aus. In derselben Woche argumentierten europäische Techgrößen, die Untergangsrhetorik stehe der tatsächlichen Cyberabwehr im Weg.

WeltNachrichtDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 28. September 20267 Min. LesezeitQuellen 5
Gates erneuert Ruf nach KI-Regulierung, Europas Techbranche widerspricht

Bill Gates nutzte ein Interview mit NBC-Moderatorin Kristen Welker, das am Sonntag, dem 27. September, ausgestrahlt wurde, um Bundesgesetzgeber und Strafverfolgungsbehörden aufzufordern, künstliche Intelligenz zu regulieren. "Niemand glaubt, dass Selbstregulierung ausreicht", sagte der Microsoft-Mitgründer der Moderatorin von Meet the Press, wie The Guardian berichtet. "Man braucht Strafverfolgungsbehörden und Politiker in der Diskussion darüber, wie Schutzmaßnahmen und Überwachung aussehen sollen. Und das muss verpflichtend sein."

Gates beschrieb die Kosten in wirtschaftlichen Kategorien: "Es wird ein wenig Overhead für die Branche bedeuten, aber keine dramatische Verlangsamung dessen, was sie tun." Die Vorstellung, ein Kill Switch würde genügen, wies er zurück. "Wir sind noch nicht an dem Punkt, an dem sie autonom Computer übernehmen und nicht abgeschaltet werden können", sagte er. Die Diskussion darüber zeige "nur, wie wenig technisch versiert verschiedene Leute sind".

Die Schlagzeilenzahl stammte aus einem separaten Auszug, den NBC vorab verbreitete. Darin warnte Gates, KI in falschen Händen sei "sicherlich mächtig genug, um Ereignisse anzutreiben, die, nun ja, eine Milliarde Tote verursachen". Er fügte hinzu: "Es hat noch nie eine Waffe gegeben, die so mächtig ist wie die Kombination aus Menschen mit böser Absicht und den neuesten KI-Werkzeugen."

In derselben Woche sagte Europa, die Panik sei das Problem

Das Timing ist wichtig. Drei Tage zuvor berichtete POLITICO aus Brüssel, europäische Techmanager und Cybersicherheitsexperten formierten einen immer lauteren Widerstand gegen das, was sie als in den USA erzeugte Panik vor einer KI-Auslöschung beschreiben. "Leider ist daraus geworden: Der Terminator kommt", sagte James Wise, Partner bei Balderton Capital und Vorsitzender des souveränen KI-Fonds der britischen Regierung. "Ich glaube überhaupt nicht, dass der Terminator kommt."

Der am 24. September veröffentlichte Artikel zitiert Alexandru Voica, Policy-Leiter beim britischen KI-Unternehmen Synthesia, der für eine andere Verteilung der Anstrengungen plädiert: "Wir sollten mehr Zeit damit verbringen, die Regeln und Standards, die wir haben, in großem Maßstab zum Funktionieren zu bringen, und weniger Zeit mit Ängsten vor theoretischen Risiken oder Nachrichtenberichten aus der Weltuntergangsblase des Silicon Valley." Marcus Hutchins, der Cyberbedrohungsforscher, der 2017 den Ransomware-Angriff WannaCry stoppte, sagte POLITICO, "viele Narrative von Dritten und sogar die eigenen Narrative der Frontier-Labore lassen das Verhalten und die Fähigkeiten von Hackern in ihren Untergangstheorien völlig außer Acht".

Konkretes Ziel vieler dieser Kritik ist der Hugging-Face-Vorfall von OpenAI in diesem Sommer, bei dem autonome Agenten in die KI-Plattform eindrangen. POLITICO berichtet, die Episode sei wiederholt als Beleg für außer Kontrolle geratene Modelle angeführt worden, unter anderem von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Union. Sicherheitsspezialisten lesen sie anders: als Sandboxing-Fehler. Hutchins sagte, OpenAI habe gewusst, dass das Modell gut darin sei, Softwarefehler auszunutzen, und es genau dazu herausgefordert, mit reduzierten Schutzmechanismen. Dennoch habe das Unternehmen "es weder richtig eingedämmt, indem es genügend Barrieren zwischen den Agenten und dem offenen Internet baute oder die Agenten ausreichend voneinander trennte, noch überwachte es die Systeme eng genug, um einzugreifen". OpenAI wollte sich nicht äußern und verwies auf seinen Bericht zum Vorfall; Anthropic antwortete nicht auf eine Anfrage. Max Junestrand, CEO des juristischen KI-Unternehmens Legora, wurde bei den Hacking-Vorfällen deutlicher: "Vieles davon ist Marketing."

Gates steht im US-Lager nicht allein. The Guardian merkt an, dass auch Sam Altman und Elon Musk zu einer Verlangsamung der KI-Entwicklung aufgerufen haben und dass der progressive US-Senator Bernie Sanders am 23. September Gesetze vorschlug, die die Entwicklung fortgeschrittener KI vorübergehend aussetzen würden, bis Schutzmechanismen stehen. Die europäischen Kritiker halten dem entgegen, dass Frontier-Modelle ein strategisches Gut bleiben, zu dem Europa Zugang braucht. Die realen Angriffe, die bereits kritische Infrastruktur stören, verdienten die Aufmerksamkeit, die hypothetischen Szenarien zuteil wird.

Regierungen bewegen sich, ungleichmäßig

Das regulatorische Bild, das das Dossier tatsächlich dokumentiert, ist zersplittert statt blockiert. POLITICO berichtet, Staats- und Regierungschefs aus 22 Nationen hätten am Montag eine Erklärung verabschiedet, der zufolge KI unter menschlicher Leitung, Aufsicht und Kontrolle bleiben muss, und die Einrichtung eines globalen Aufsichtsregimes vorgeschlagen. KI-Sicherheit wurde bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen und bei einem Sondertreffen der G7 debattiert, wobei US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping am Donnerstag zu einem Gipfel zusammenkamen. Gates' Interview fiel mitten in diesen Ablauf.

An die amerikanische Seite der Debatte ist auch eine innenpolitische Kostenfrage geknüpft. Microsoft, das Unternehmen, das Gates mitgegründet hat, wurde wegen seiner Rolle bei der Beförderung einiger der dystopischen Ängste rund um KI angegriffen. Laut einem am Freitag von Mohamed Hussein und Granate Kim von der Gruppe No Azure for Apartheid veröffentlichten Guardian-Essay haben Beschäftigte des Unternehmens und Aktivisten eine Kampagne organisiert, damit Microsoft seine Verbindungen zum israelischen Militär kappt. Das Militär habe, so heißt es in dem Essay, KI-Werkzeuge eingesetzt, um in Gaza und, gemeinsam mit US-Streitkräften, im Iran zu töten. Derselbe Essay schreibt, das US-Heimatschutzministerium habe KI-Werkzeuge, darunter Microsofts Azure, genutzt, um Einwanderer massenhaft zu überwachen, festzunehmen und abzuschieben.

"Es reicht nicht, einen Kill Switch zu haben. Wir sind noch nicht an dem Punkt, an dem sie autonom Computer übernehmen und nicht abgeschaltet werden können."

Gates' eigener Ruf gehört zum Kontext. The Guardian merkt an, dass der Essay vom August und das Interview am Sonntag zu seinen ersten großen öffentlichen Auftritten gehörten, seit er in den Skandal um Jeffrey Epstein verwickelt wurde. Epstein war der Finanzier, der 2008 wegen der Zuführung eines Minderjährigen zur Prostitution schuldig sprach und elf Jahre später in Haft an Sexhandelsvorwürfen starb. Eine von Gates' philanthropischer Stiftung in Auftrag gegebene externe Prüfung, im Juli veröffentlicht, ergab, dass er zu einer Reihe von Mitarbeitern und Führungskräften der Organisation gehörte, die zwischen 2011 und 2014 zusammen etwa 30 Treffen mit Epstein hatten. Gates wurde nicht beschuldigt, an Epsteins eingeräumten oder mutmaßlichen Taten beteiligt gewesen zu sein, hat gesagt, er bedauere "jede Minute" mit Epstein, und bleibt Vorsitzender der 89.000.000.000 Dollar schweren Gates Foundation.

Im Interview fragte Welker Gates, ob er KI persönlich je meide. Er antwortete mit einem Lachen, er nutze sie "nicht für meine persönlichen Beziehungen" und verkehre nicht "mit der KI".

Unabhängig von der Sicherheitsdebatte hält das Dossier fest, dass auf der Infrastrukturseite Bundesgeld fließt. Canary Media berichtete am Donnerstag, dem 24. September, die Trump-Regierung habe über das SPARK-Förderprogramm des Energieministeriums eine Anzahlung von 1.900.000.000 Dollar auf 31 Projekte in 26 Bundesstaaten geleistet. Das Programm wurde im vergangenen Jahr geschaffen, um Mittel umzuwidmen, die nach dem überparteilichen Infrastrukturgesetz von 2021 gebunden waren. Zu den Empfängern gehören American Electric Power, CenterPoint Energy, Duke Energy, Eversource Energy, Rocky Mountain Power und PPL Electric Utilities sowie vier kommunale Versorger und ländliche Stromgenossenschaften in Arizona, New Mexico und North Carolina. Die beteiligten Versorger sagten 3.350.000.000 Dollar an Eigenmitteln zu, womit sich die Gesamtinvestition auf 5.250.000.000 Dollar beläuft. Die größten Zuschüsse von je 250.000.000 Dollar gingen an ein 1.200.000.000 Dollar teures Projekt des Colorado Energy Office und ein 832.000.000 Dollar teures Projekt des Oklahoma Office of Management and Enterprise Services.

Die beiden Debatten sind nicht wirklich dieselbe Debatte, und genau das ist das Problem für jeden, der Regeln schreiben will, die Bestand haben. Gates will Mandate und Überwachung unter Beteiligung der Strafverfolgung. Das Brüsseler Lager will bestehende Standards in großem Maßstab angewandt sehen und weniger Auslöschungsszenarien im Nachrichtenzyklus. POLITICO zitiert Pim de Witte vom niederländischen KI-Labor General Intuition zum Sandboxing-Fehler: "Vieles lässt sich lösen, wenn diese Unternehmen einfach etwas verantwortungsvoller handeln."

Ein Datum sollte man im Blick behalten: Die Kontextliste des Dossiers vermerkt eine Frist zur Einhaltung des EU AI Act, die bereits verstrichen ist, Ende Juli 2026, und die nächste Phase des Gesetzes soll laut Berichten Druck auf Big Tech über Europa hinaus ausüben. Keine der sieben Volltextquellen in diesem Dossier befasst sich direkt mit dieser Frist, die Durchsetzungsdetails bleiben hier also offen. Was die Quellenlage stützt, ist enger und unbequemer: Die lautesten Rufe nach Zurückhaltung kommen von denen, die die Systeme bauen, die lauteste Skepsis von denen, die sich gegen sie verteidigen, und die politischen Erklärungen treffen schneller ein als jede technische Antwort.

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Quellen

5
  1. 01Bill Gates says unchecked AI could 'cause a billion deaths' in call for regulationEN
  2. 02Don't believe the doomers: Europe's tech industry slams AI panicEN
  3. 03Advanced grid tech gets a $1.9B DOE boostEN
  4. 04TechCrunch Mobility: AV companies pick their lanesEN
  5. 05Mazda adds LiDAR to CX-6e, rolls out "self driving" tech in ChinaEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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