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China verschärft Reisebeschränkungen für KI-Talente, DeepSeek öffnet Werkzeuge für Huawei-Chips

China weitet die Ausreisebeschränkungen für führende KI-Fachkräfte aus der Privatwirtschaft auf Ehepartner und Kinder aus. Über diese Verschärfung der Ausreisekontrollen berichtete Bloomberg am 28. September. Peking treibt zugleich einen eigenen KI-Stack voran: DeepSeek hat Open-Source-Werkzeuge für Huaweis Ascend-Chips veröffentlicht, und US-Behörden haben Hack-Plattformen mit China-Bezug beschlagnahmt.

WeltAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 30. September 20266 Min. LesezeitQuellen 11
China verschärft Reisebeschränkungen für KI-Talente, DeepSeek öffnet Werkzeuge für Huawei-Chips

Die jüngste Wendung in Chinas Technologieexportpolitik ist kein Zoll und keine schwarze Liste. Sie ist ein Reiseformular für Familien.

China hat die Ausreisebeschränkungen für führende KI-Fachkräfte privater Unternehmen auf deren unmittelbare Angehörige ausgeweitet. Das geht aus einem Bloomberg-Bericht hervor, den Business Standard am 28. September veröffentlichte. Ehepartner und Kinder bestimmter KI- und Chip-Manager, deren Arbeit als wichtig für die staatliche Sicherheit gilt, brauchen demnach vor jeder Auslandsreise die Zustimmung Pekings, auch bei kurzen Trips. Ob alle betroffenen Familien die neuen Vorgaben befolgen müssen, sei unklar, heißt es in dem Bericht. Mehrere Regierungsstellen hätten bereits mehrere Personen informiert. Das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie antwortete nicht auf eine per Fax übermittelte Anfrage nach einer Stellungnahme.

Die Maßnahme erweitert eine Politik, die seit Anfang dieses Jahres bereits Gründer und Führungskräfte von Firmen wie Alibaba und DeepSeek erfasste. Sie steht neben Ausreisesperren, die am 15. September in Kraft traten und von Strafuntersuchungen bis zu möglichen Verstößen gegen Regeln der Industrie- und Technologiesicherheit reichen.

Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Die Einschränkung fällt in dieselbe Woche, in der chinesische KI-Firmen ihre Software-Stacks öffnen statt schließen. Am 30. September veröffentlichte DeepSeek sechs Softwaremodule als Open Source, die für Huaweis KI-Chips der Ascend-Reihe entwickelt wurden, wie die South China Morning Post berichtete. Eine der Veröffentlichungen ist eine Ascend-kompatible Version von TileLang, einer Programmiersprache für Hochleistungs-Kernel. Sie unterstützt nun offiziell Huaweis Ascend-950-Beschleuniger mit nativer Codegenerierung und automatischer Zeitplanung, so die GitHub-Seite des Projekts. DeepSeek bezeichnete die Veröffentlichung als Aufbau eines "unabhängigen und kontrollierbaren" GPU-Software-Ökosystems.

Zwei Politiken, eine Richtung. Peking will, dass Chinas KI-Entwicklung auf chinesischem Silizium und chinesischer Software läuft. Und es will, dass die Menschen, die diesen Stack bauen können, im Land bleiben. Ein drittes Element ist die Durchsetzung: Das US-Justizministerium und das FBI kündigten gerichtlich genehmigte Beschlagnahmungen zweier Hack-Plattformen an, QScan und QTRouter. Gerichtsdokumente, die im Southern District of California entsiegelt wurden, bringen sie mit einer staatlich geförderten Gruppe aus der Volksrepublik namens QTFY in Verbindung, die bei Nanjing Xinjiuwei Network Technology beschäftigt ist. Die Mitteilung des Justizministeriums vom 26. August nennt unter den Zielen die NASA, die Federal Reserve, das Energieministerium, das Justizministerium, das Gesundheitsministerium, die National Institutes of Health und den US-Senat.

Justizminister Todd Blanche erklärte in der Mitteilung, staatlich geförderte Hacker, die US-kritische Infrastruktur angreifen, "werden gestoppt und strafrechtlich verfolgt". FBI-Direktor Kash Patel sagte, die Werkzeuge hätten Cyber-Akteuren der Volksrepublik dazu gedient, die Herkunft ihrer Angriffe zu verschleiern. Chinas Außenministerium hat in dem hier geprüften Material nicht öffentlich reagiert. Der Vorwurf bleibt also eine Behauptung der US-Strafverfolgungsbehörden.

Ein Automarkt mit zwei Geschwindigkeiten

Wenn KI der Sektor ist, der nach Pekings Willen funktionieren muss, zeigen Elektroautos, was passiert, wenn staatliche Förderung auf schwache Nachfrage trifft. Chinas Einzelhandelsverkäufe neuer Energie-Fahrzeuge fielen in den ersten 27 Tagen des September um 20 Prozent im Jahresvergleich. Das ist ein stärkerer Rückgang als die 9 Prozent in den ersten 20 Tagen, wie aus dem Wochenbericht des chinesischen Pkw-Verbands hervorgeht, den CnEVPost am 30. September veröffentlichte. Das Einzelhandelsvolumen von NEV lag in diesem Zeitraum bei 827.000 Einheiten, 65,7 Prozent aller Pkw-Verkäufe. Der gesamte Pkw-Markt schrumpfte um 29 Prozent im Jahresvergleich auf 1.258.000 Einheiten. Der Verband führte einen Teil des Rückgangs auf eine hohe Vergleichsbasis aus dem Kaufrausch des vergangenen September vor regionalen Subventionsstopps zurück sowie auf den Zeitpunkt des Mittherbstfestes.

Die Ladeinfrastruktur erzählt eine andere Geschichte. Geelys 2,2-MW-Lader, erst eine Woche zuvor angekündigt, sind bereits in fünf chinesischen Städten in Betrieb, wie Electrek am 30. September unter Berufung auf CarNewsChina und National Business Daily berichtete. Das Unternehmen plant 15.000 Ladestandorte bis Ende nächsten Jahres. In den USA ist EVgos 750-kW-System von 2026 auf irgendwann im Jahr 2027 gerutscht. Gleiche Woche, entgegengesetzte Richtungen.

Analysten beobachten, ob der Nachfrageeinbruch zyklisch oder strukturell ist. In einem am 30. September veröffentlichten Substack-Essay schrieb der Investor David Cheng, der Verkehr in Peking sei der leichteste gewesen, den er in einem Jahrzehnt von Reisen erlebt habe. Er verwies auf eine Jugendarbeitslosigkeit von 17,9 Prozent im Juli sowie auf Einzelhandelsumsätze, die im Juli um 0,6 Prozent im Jahresvergleich stiegen statt der erwarteten 1,5 Prozent. Sein Argument: Chinesische KI entstehe nicht aus allgemeiner Stärke, sondern sei der eine Sektor, von dem der Staat entschieden habe, dass er funktionieren müsse, gestützt durch subventionierten Strom und beschleunigte Börsengänge.

Offenheit als Strategie

Die Open-Source-Offensive betrifft nicht nur Chips. Rest of World berichtete am 30. September, dass Alibabas ModelScope mehr als 170.000 Modelle hostet und OSChinas MoArk rund 20.000. Beide positionieren sich als inländische Alternativen zu Hugging Face, das Peking 2023 blockierte. "Nicht jeder kann ständig ein VPN nutzen", sagte OSChina-CEO Xu Yong zu Rest of World und argumentierte, China brauche ein eigenständiges KI-Ökosystem für chinesischsprachige Nutzer. Derselbe Bericht erwähnt, dass Nvidia im September angekündigt habe, Hugging Face für 12,9 Milliarden Dollar zu übernehmen, und dass chinesische Regulierer VPN-Umgehungen dulden, weil völlige Isolation die inländischen Labore von der globalen Forschung abschneiden würde.

Souveränität hat ihren Preis, wie Omdia in einer Pressemitteilung vom 30. September darlegte, die vier Kräfte für 2027 skizziert. Das Forschungsunternehmen erklärte, mehr als 100 Länder verfolgten inzwischen Initiativen zur digitalen Souveränität, und vollständige technologische Unabhängigkeit werde selten praktikabel sein. Es wies zudem darauf hin, dass Hardware-Verzögerungen bereits 60 Prozent der PC-Kanalpartner betreffen, und prognostizierte weltweite Lieferungen humanoider Roboter von mehr als 700.000 Einheiten bis 2030.

Der Konsummarkt liefert ein Gegenbeispiel zur Tristesse. Apple belegte in der Woche vom 14. bis 20. September mit 33 Prozent Anteil den ersten Platz im chinesischen Smartphone-Markt. Die Verkäufe des iPhone 18 Pro lagen in den ersten drei Tagen 12 Prozent über denen der gesamten ersten Woche der iPhone-17-Pro-Reihe, wie aus Counterpoint-Research-Daten hervorgeht, über die die South China Morning Post am 30. September berichtete. Counterpoint-Analyst Ivan Lam führte einen Teil des Zuwachses darauf zurück, dass das verspätete Basismodell iPhone 18 Käufer zu den Pro-Modellen trieb. Hinzu kamen Preiserhöhungen chinesischer Flaggschiffe um mehr als 200 Dollar, die den Preisanker hoben.

Auch die Kapitalmärkte bewegen sich. Suzhou Dongshan Precision Manufacturing, ein in Shenzhen börsennotierter PCB-Hersteller, hat seine Anhörung für eine Hongkong-Notierung bestanden und die Zustimmung der China Securities Regulatory Commission erhalten, bis zu 234 Millionen Aktien auszugeben. Quellen zufolge, die mit der South China Morning Post sprachen, will das Unternehmen damit bereits im Oktober bis zu 3 Milliarden Dollar einsammeln.

Nichts davon löst die zentrale Spannung. The Diplomat argumentierte am 30. September, die Rede von "China Plus One" habe einer "konstruktiven chinesisch-amerikanischen Beziehung strategischer Stabilität" Platz gemacht, die auf dem Gipfel der Staatschefs im Mai vereinbart wurde. Die Zeitung verwies auf Daten des McKinsey Global Institute, denen zufolge der Handel zwischen China und den USA allein 2025 um rund 30 Prozent fiel. Die These des Artikels: China Plus One habe China nicht aus den Lieferketten entfernt, sondern China in der Wertschöpfungskette nach oben verschoben, während Indien, Vietnam und Mexiko zu Montagelinien für chinesische Komponenten wurden. Das ist ein Argument, keine Messung, aber es passt zum Muster der vergangenen Woche. Exportkontrollen, Reisekontrollen und Open-Source-Veröffentlichungen sind inzwischen Instrumente derselben Politik.

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Quellen

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  1. 01China broadens travel curbs to encompass family of top AI talentEN
  2. 02China's DeepSeek open-sources tools to help Huawei chips supplant Nvidia in AIEN
  3. 03Justice Department and FBI Seize Platforms Operated and Used by China State-Sponsored HackersEN
  4. 04China NEV retail sales fall 20% in first 27 days of September as decline deepensEN
  5. 05China's 2,250kW chargers are already in service, while US thinks about 750kW next yearEN
  6. 06The open-source AI platforms vying to become China's Hugging FaceEN
  7. 07Four forces set to reshape technology in 2027 - OmdiaEN
  8. 08Apple leads China smartphone sales after launch of iPhone 18 Pro. Can the momentum last?EN
  9. 09Mainland China's PCB giant wins Hong Kong approval for planned US$3b listing: sourcesEN
  10. 10Goodbye, 'China Plus One': The Real Change in US China PolicyEN
  11. 11Involution Without Export Is Wasted EffortEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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