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Wie Chinas Technologieexporte zum Zentrum eines globalen Politikstreits wurden

China produziert inzwischen 90 Prozent der weltweiten Batterien, und seine Open-Weight-KI-Modelle kann jeder kostenlos herunterladen. Diese Kombination hat die Exportpolitik aus den Handelsspalten ins Weiße Haus getragen, in die Vorstandsetagen des Silicon Valley und in einen Gerichtssaal in Brooklyn.

WeltErklärtDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 28. September 20267 Min. LesezeitQuellen 6
Wie Chinas Technologieexporte zum Zentrum eines globalen Politikstreits wurden

Die Zahlen sind deutlich. RNZ hat eine Analyse von ABC News nachgedruckt, vom leitenden Wirtschaftskorrespondenten Ian Verrender. Darin entfallen 90 Prozent der weltweiten Batterieproduktion auf China. Im Juni legte ein eigens gebauter Massengutfrachter mit LNG-Antrieb im Hafen von Melbourne an, die BYD Zhengzhou, mit 5.000 neu gebauten Elektrofahrzeugen an Bord. Es war die größte einzelne EV-Lieferung, die je nach Australien ging.

Das ist die Exportgeschichte in einem Bild. Neu ist im vergangenen Jahr etwas anderes: Dieselbe Geschichte führt heute durch KI, Chips, Roboter und Strafrecht.

Drei getrennte Auseinandersetzungen werden als eine einzige berichtet. In der ersten geht es um physische Güter: Batterien, Elektroautos und die Mineralien, die in sie hineingehen. In der zweiten geht es um Software, genauer um chinesische Open-Weight-KI-Modelle, die jeder kostenlos herunterladen kann. In der dritten geht es um Durchsetzung, und sie spielt sich in einem US-Bundesgericht in Brooklyn ab. Jede hat ihre eigenen Fakten, ihre eigenen Zahlen und ihre eigenen Leute, die sich nicht darauf einigen können, was als Nächstes zu tun ist.

Autos und Batterien: die Exportmaschine

Australien ist ein nützlicher Testfall. Das Land hat keine eigene Autoindustrie mehr, sie ging vor einem Jahrzehnt verloren, und es gibt kaum Handelshemmnisse, so der RNZ-Beitrag. Im ersten Halbjahr dieses Jahres sanken die Verkäufe jedes großen japanischen Herstellers außer Honda. Mazda fiel um 17 Prozent im Jahresvergleich, Toyota um 21 Prozent, Subaru und Mitsubishi um jeweils 25 Prozent, Nissan um 32 Prozent. Chinesische Marken legten zu: BYD um 124 Prozent, Chery um 77 Prozent und Geely um 495 Prozent. Alle drei wuchsen von einer viel kleineren Basis aus, was die prozentuale Veränderung nach oben treibt. Diese Einschränkung macht die Analyse selbst.

Im vergangenen Monat war fast ein Viertel aller in Australien verkauften Autos vollelektrisch, nach 7 Prozent ein Jahr zuvor. Rechnet man Hybride hinzu, liegen Elektro- und Hybridfahrzeuge mit Benzinern und Diesel gleichauf. Riz Akhtar, Gründer der Forschungsgruppe carloop, sagte der ABC, sein eigener EV habe rund 40.000 A$ gekostet. Ein vergleichbares japanisches oder europäisches Modell wäre mehr als 25 Prozent teurer. "Die Verbraucher sind nicht dumm", sagte er. "Sie werden kein Geld ausgeben, das sie nicht ausgeben müssen."

Toyota-Vizechef Koji Sato hat zu größerer Zusammenarbeit zwischen japanischen Herstellern aufgerufen, um Kosten zu senken. "Wenn sich nichts ändert, werden wir nicht überleben", sagte er im März auf einem jährlichen Lieferantentreffen. In Europa hat Volkswagen-Chef Oliver Blume einen Stellenabbau von bis zu 100.000 Beschäftigten in Aussicht gestellt. Die VW-Aktie hat sich halbiert, seit sein Vorgänger vor vier Jahren entfernt wurde. Das Unternehmen verkraftet zugleich US-Zölle und den Vormarsch Chinas.

Batterien sind die tiefere Abhängigkeit. MIT Technology Review berichtete am 10. September, dass die Trump-Regierung Ende August den nationalen Notstand ausrief und damit chinesische Batterien für netzgekoppelte Energiespeicher praktisch verbot. Die Einfuhrsteuern auf Batterien stiegen im Januar von 7,5 Prozent auf 25 Prozent. Neue Gesetze verlangen, dass ab 2026 55 Prozent der Materialkosten in neuen Speicherprojekten aus Ländern außerhalb Chinas und anderer eingeschränkter Staaten stammen. Sonst verlieren die Projekte ihre Steuergutschriften.

Analysten erwarten, dass das Verbot Projekte kurzfristig bremsen wird. Shan Tomouk von Benchmark Mineral Intelligence nannte ein vollständiges Verbot "eine kleine Überraschung", die "bei den heimischen Akteuren in den USA durchaus für etwas Besorgnis sorgt". Isshu Kikuma von BloombergNEF sagte, einige Projekte müssten Zellen möglicherweise woanders zu höheren Kosten beziehen, und "im schlimmsten Fall könnten diese Projekte gestrichen werden". In den USA hergestellte Zellen bleiben deutlich teurer als chinesische. Der Artikel merkt an, dass die USA bis etwa 2030 genug heimische Kapazität haben könnten, mit voller Deckung der Nachfrage möglicherweise später in den 2030er Jahren.

Das Problem der kostenlosen Modelle

Dann ist da die Software. Dort ist die Ökonomie seltsamer, weil das Produkt verschenkt wird.

MIT Technology Review berichtete am 20. Juli, dass Moonshots Kimi, ein kostenloses Open-Source-Modell, mit Modellen von OpenAI und Anthropic mithalten könne, die alles andere als kostenlos sind. Die Reaktion in Trumps Umfeld war öffentlich und persönlich. David Sacks, bis März KI- und Krypto-Beauftragter des Präsidenten, nannte die Modelle von Anthropic "lobotomiert" und "woke". Emil Michael, ein hochrangiger Pentagon-Beamter, nannte OpenAIs neuen Leiter für strategische Zukunftsfragen einen "Oberdorfdeppen".

Sacks argumentierte am 19. Juli, führende KI-Firmen "wollen, dass die Regierung ihre Open-Source-Konkurrenz beseitigt". Er sagte außerdem, chinesische Modelle seien beliebt, weil sie weniger Nutzungsbeschränkungen tragen. Derselbe Artikel schränkt diese Behauptung ein und weist auf eingebaute staatliche Zensur hin. Dean Ball, ein ehemaliger KI-Berater Trumps, heute bei OpenAI, kritisierte ein neues Prüfverfahren des Weißen Hauses für Modellveröffentlichungen als "De-facto-Lizenzregime für Frontier-KI".

The Guardian berichtete am 1. August, dass ein Brief, der Gesetzgeber auffordert, offene Modelle nicht einzuschränken, von Microsoft, Nvidia, Palantir und Meta unterzeichnet wurde, und dass Nvidia-Chef Jensen Huang zum Kapitol ging, um bei Parteiführern in dieser Sache zu lobbyieren.

Auch die Regierung ist in die andere Richtung gespalten. Finanzminister Scott Bessent regte an, die USA könnten chinesische KI-Firmen wegen angeblichen Diebstahls geistigen Eigentums sanktionieren. Handelsminister Howard Lutnick erhielt Briefe von Startup-Gründern, die ihn baten, den Zugang zu offenen Modellen nicht abzuschneiden. Trump sagte auf die Frage nach Sicherheitsbeschränkungen: "Wir müssen in beide Richtungen vorsichtig sein. Wir wollen sie nicht einschränken, wenn wir plötzlich Zweiter hinter China werden."

Das juristische Detail ist hier wichtig, und in der Berichterstattung geht es oft unter. The Conversation merkte am 15. August an, dass große chinesische Modelle wie Qwen, DeepSeek, Kimi und GLM in der Regel Open-Weight statt Open-Source sind: Die Software und die endgültigen Parameter werden veröffentlicht, die Trainingsdaten und die Methodik nicht. Einige tragen zusätzliche Pflichten. Die Lizenz von Moonshots Kimi K3 verlangt von Lizenznehmern über bestimmten Umsatz- oder Nutzerschwellen, den Modellnamen prominent anzuzeigen. Die Community-Lizenz von MiniMax M3 listet Nutzungen auf, die durch "geltende Gesetze oder Vorschriften" verboten sind. Zwei zweisprachige Lizenzen, die unter Anleitung der chinesischen Regierung entstanden, die Mulan Permissive Software License Version 2.0 und die OpenAtom Model License Version 1.0, sind auf Englisch und Chinesisch verfasst. Bei widersprüchlichen Auslegungen hat die chinesische Fassung Vorrang, besonders in chinesischen Gerichtsbarkeiten.

Anthropic und OpenAI haben chinesischen Herstellern von Open-Weight-Modellen groß angelegte unautorisierte Destillation vorgeworfen, also das Kopieren proprietärer Modelle durch Training auf deren Ausgaben. Die Trump-Regierung kündigte im April Bemühungen an, diese Praxis einzudämmen. Derselbe Beitrag in The Conversation merkt an, dass einige US-Bundesbehörden und Bundesstaatsregierungen ihren Beschäftigten und Auftragnehmern bereits die Nutzung von DeepSeek untersagt haben.

Roboter, Chips und ein Gerichtssaal

Die Durchsetzung bei Hardware ist schneller vorangekommen als die KI-Debatte. The Guardian berichtete, dass die Federal Communications Commission ein Verbot humanoider Roboter aus China ankündigte. Sie führte nationale Sicherheitsrisiken an und behauptete, die Maschinen könnten Daten stehlen oder US-Bürger überwachen. Derselbe Artikel sagte, ein Bericht, wonach China mit der Massenproduktion von Spezialchips begonnen habe, die für den KI-Boom entscheidend sind, habe einen Ausverkauf ausgelöst. Er vernichtete 1.000.000.000.000 US-Dollar Marktwert bei anderen Chip-Herstellern.

Und in Brooklyn ist der Streit strafrechtlich geworden. The Guardian berichtete am 10. September, dass ein US-Ankläger Huawei als kriminelles Unternehmen beschrieb, das von amerikanischen Firmen gestohlen habe. "Diebstahl, Lügen, Vertuschung", sagte Taylor Stout, ein Prozessanwalt des Justizministeriums. "20 Jahre lang hat Huawei, ein massives chinesisches Telekommunikationsunternehmen, auf diese Weise amerikanische Firmen geschädigt und das amerikanische Finanzsystem missbraucht." Die Anklage wirft Huawei vor, sich verschworen zu haben, Geschäftsgeheimnisse von fünf US-Firmen zu stehlen, darunter den Quellcode des Router-Betriebssystems von Cisco Systems und einen Roboterarm zum Testen von Telefonen von T-Mobile.

Verteidiger Brian Heberlig formulierte es anders: "Es geht um Wettbewerb, nicht um Verschwörung. Um Innovation, nicht um Diebstahl. Um gewöhnliche Geschäfte, nicht um kriminelles Verhalten." Er sagte, die Vorfälle bei Cisco und T-Mobile hätten einzelne Mitarbeiter betroffen, und das Management habe gehandelt, um sie zu beheben. Der Fall begann 2018 mit einer Anklage wegen angeblicher Falschdarstellung von Geschäften im Iran, um US-Sanktionen zu umgehen. Später wurde er um Racketeering erweitert. Huaweis Finanzchefin Meng Wanzhou wurde 2018 in Vancouver festgehalten und fast drei Jahre später im Rahmen einer diplomatischen Vereinbarung zwischen den USA, China und Kanada freigelassen. Die Anklage gegen sie wurde 2022 im Rahmen einer Deferred-Prosecution-Vereinbarung fallen gelassen, doch ihre damaligen Zugeständnisse sollen als Beweismittel eingeführt werden. Der Prozess dürfte drei Monate dauern.

Der rote Faden in allen drei Auseinandersetzungen ist Abhängigkeit, und die Kosten, sie aufzulösen. Billige chinesische Hardware und kostenlose chinesische Modelle stecken bereits in den Netzen, Autos, Codebasen und Rechenzentren anderer Länder. Die politische Frage, wie MIT Technology Review es formulierte, lautet, wie stark Länder billige verfügbare Technologie nutzen sollten, statt eine wichtige Quelle abzuschneiden, um heimische Produktion zu einem höheren Preis zu erzwingen. Niemand, der in einem dieser Berichte zitiert wird, behauptet, diese Wahl sei kostenlos.

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Quellen

6
  1. 01How China won the car wars with cheap EVs loaded with technologyEN
  2. 02China is shaping the future of open-source technology – including AIEN
  3. 03China's AI models have Trump's AI world at war with itselfEN
  4. 04China's tech advances are causing chaos from Silicon Valley to the White HouseEN
  5. 05China's Huawei branded a criminal enterprise as tech firm's US trial opensEN
  6. 06Can the US battery market untangle from China?EN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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