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Chinas Technikoffensive: von den Docks in Melbourne bis zum KI-Streit in Washington

Ein Schiff mit 5.000 in China gebauten Elektroautos hat im Juni 2026 in Melbourne angelegt. Kaum etwas zeigt deutlicher, wie Chinas Technologiepolitik Märkte umbaut, von Australien bis ins Weiße Haus.

WeltAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 27. September 20264 Min. LesezeitQuellen 6
Chinas Technikoffensive: von den Docks in Melbourne bis zum KI-Streit in Washington

Im Juni legte die BYD Zhengzhou im Hafen von Melbourne an, ein LNG-Frachter in Rot-Weiß, auf seiner ersten Fahrt nach Australien. An Bord waren 5.000 neu gebaute Elektroautos. Laut einer von RNZ veröffentlichten Analyse von ABC News war es die größte einzelne EV-Lieferung, die je nach Australien ging.

Es blieb nicht bei dieser einen Lieferung. Im ersten Halbjahr 2026 sanken die Verkäufe jedes großen japanischen Herstellers in Australien, Honda ausgenommen. Mazda verlor 17 Prozent, Toyota 21 Prozent, Subaru und Mitsubishi je 25 Prozent, Nissan 32 Prozent. Chinesische Marken legten zu: BYD um 124 Prozent, Chery um 77 Prozent, Geely um 495 Prozent. Alle starteten von einer viel kleineren Basis.

Fast ein Viertel der im vergangenen Monat in Australien verkauften Autos war rein elektrisch, ein Jahr zuvor waren es 7 Prozent. Rechnet man Hybride hinzu, liegen batteriebetriebene Fahrzeuge jetzt gleichauf mit Benzinern und Dieseln.

Politik, nicht nur Produkte

Die Autozahlen sind das sichtbare Ende einer Politik, die in Peking begann, lange bevor chinesische EVs in australischen Einfahrten standen. Laut der RNZ-Analyse legte China schon 2000 eine strategische Politik fest. 2009 flossen Geld und Anreize in das Projekt, und Batteriefirmen wie BYD wurden ermutigt, in den Automobilbau zu wechseln. Ziele waren, die Abhängigkeit von importiertem Öl zu senken und die Umweltbelastung zu verringern. Daneben baute China eine Vormachtstellung bei der Raffinierung und Produktion von Industriemetallen auf, darunter Lithium, Kobalt, Mangan und Graphit. Heute steht das Land für 90 Prozent der weltweiten Batterieproduktion, heißt es in der Analyse.

Diese Kontrolle ist nun das Zentrum eines Streits in Washington. MIT Technology Review berichtete im September, die Trump-Regierung habe Ende August den nationalen Notstand ausgerufen und damit chinesische Batterien für netzgekoppelte Energiespeicher praktisch verboten. Die Einfuhrsteuern auf Batterien stiegen im Januar auf 25 Prozent, nach 7,5 Prozent zuvor. Ab 2026 müssen neue Speicherprojekte 55 Prozent der Materialkosten außerhalb Chinas und anderer eingeschränkter Länder beziehen, um für Steuergutschriften in Frage zu kommen.

"Ein vollständiges Verbot war einigermaßen überraschend, und es sorgt für einige Unruhe bei den heimischen Akteuren in den USA", sagte Shan Tomouk von Benchmark Mineral Intelligence dem MIT Technology Review.

Analysten von BloombergNEF sagten demselben Medium, das Verbot dürfte netzgekoppelte Speicherprojekte kurzfristig bremsen, einige stünden vor der Absage. Die USA dürften etwa 2030 genug heimische Batteriekapazität haben, doch das Angebot könnte die Nachfrage erst später in den 2030er Jahren decken. In den USA gefertigte Zellen bleiben deutlich teurer als chinesische.

Offene Modelle, geschlossene Argumente

Dasselbe Muster zeigt sich bei KI. Moonshots Kimi K3, ein kostenloses Modell mit offenen Gewichten, ist stark genug, um mit Bezahlprodukten von OpenAI und Anthropic zu konkurrieren, berichtete MIT Technology Review im Juli. Das hat die Berater von Präsident Donald Trump gespalten. David Sacks, sein früherer Beauftragter für KI und Krypto, kritisierte KI-Firmen, die "von der Regierung verlangen, ihre Open-Source-Konkurrenz zu beseitigen". Pentagon-Beamter Emil Michael griff einen früheren Trump-Berater, der für OpenAI arbeitet, als "obersten Dorftrottel" der Branche an.

The Guardian berichtete am 1. August, Microsoft, Nvidia, Palantir und Meta hätten einen Brief unterzeichnet, der Abgeordnete auffordert, offene Modelle nicht einzuschränken. Nvidia-Chef Jensen Huang sei zum Capitol gegangen, um in der Sache zu lobbyieren. Finanzminister Scott Bessent regte an, die USA könnten chinesische KI-Firmen wegen angeblichen Diebstahls geistigen Eigentums sanktionieren. Handelsminister Howard Lutnick erhielt Briefe von Gründerinnen und Gründern von Start-ups, die ihn baten, den Zugang zu offenen Modellen nicht abzuschneiden.

Trumps eigene Haltung, zitiert vom Guardian, war vorsichtig: "Wir müssen in beide Richtungen aufpassen. Wir wollen sie nicht einschränken, wenn wir plötzlich gegen China auf Platz zwei landen."

Nicht jeder Hebel ist wirtschaftlich. Die Federal Communications Commission kündigte ein Verbot humanoider Roboter aus China an und verwies auf nationale Sicherheitsrisiken. Ein Bericht, China habe mit der Massenproduktion spezieller KI-Chips begonnen, löschte bei anderen Chipherstellern Marktwert in Höhe von 1 Billion US-Dollar aus, berichtete der Guardian.

Auch die juristische Front läuft parallel. Huaweis Verfahren in den USA begann im September vor dem Bundesgericht in Brooklyn. Dort beschrieb der Anwalt des Justizministeriums, Taylor Stout, das Unternehmen als kriminelles Netzwerk, das Geschäftsgeheimnisse von fünf US-Firmen gestohlen habe, darunter Cisco und T-Mobile. Verteidiger Brian Heberlig hielt entgegen: "Es geht um Wettbewerb, nicht um Verschwörung. Um Innovation, nicht um Diebstahl." Das chinesische Außenministerium erklärte, es "widersetzt sich entschieden der Unterdrückung und Eindämmung chinesischer Unternehmen durch die US-Seite".

In The Conversation argumentierte ein China-Experte und Open-Source-Forscher, der Wettstreit um Open-Source-Standards, von RISC-V-Chips bis zu 6G-Netzen, werde entscheiden, wer über Jahrzehnte einen Wettbewerbsvorteil hält. Einige chinesische Modelllizenzen, etwa Moonshots Kimi K3 und MiniMax M3, legen zusätzliche Compliance-Pflichten auf. Zweisprachige Lizenzen geben chinesischen Gerichten das letzte Wort bei Streitigkeiten. Billige angebotene Technik und das Risiko, von einem einzigen Anbieter dafür abhängig zu sein: vor dieser Wahl stehen jetzt alle, von australischen Autokäufern bis zum US-Stromnetz.

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Quellen

6
  1. 01How China won the car wars with cheap EVs loaded with technologyEN
  2. 02Can the US battery market untangle from China?EN
  3. 03China's AI models have Trump's AI world at war with itselfEN
  4. 04China's tech advances are causing chaos from Silicon Valley to the White HouseEN
  5. 05China's Huawei branded a criminal enterprise as tech firm's US trial opensEN
  6. 06China is shaping the future of open-source technology – including AIEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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