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Chinas technologiepolitischer Vorstoß: billige E-Autos, Open-Source-KI und der Export-Gegenschlag

Die Verkäufe chinesischer Elektroautos in Australien stiegen bei BYD im ersten Halbjahr um 124 Prozent. Chinesische KI-Modelle mit offenen Gewichten und die Batterielieferketten erzwingen inzwischen politische Reaktionen von Washington bis Brüssel.

WeltNachrichtDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 27. September 20264 Min. LesezeitQuellen 5
Chinas technologiepolitischer Vorstoß: billige E-Autos, Open-Source-KI und der Export-Gegenschlag

Chinas Technologiepolitik ist längst kein Industrieprogramm mehr. Auf sie reagieren heute US-Regulierer, europäische Autobauer und australische Verbraucher.

Im Juni legte ein eigens gebauter LNG-Frachter, die BYD Zhengzhou, im Hafen von Melbourne an. An Bord waren 5.000 neu gebaute Elektroautos, die größte einzelne EV-Lieferung, die je nach Australien ging. Das berichtet Ian Verrender, Chef-Wirtschaftskorrespondent von ABC News, in einem Beitrag für RNZ. Die Lieferung traf auf einen Markt ohne eigene Autoindustrie und mit wenigen Handelshemmnissen. Verrender nennt das einen internationalen Lackmustest für die Branche. Chinesische Marken waren schnell: Im ersten Halbjahr stiegen die Verkäufe von BYD um 124 Prozent, bei Chery um 77 Prozent und bei Geely um 495 Prozent. Toyota verlor 21 Prozent, Mazda 17 Prozent, Nissan 32 Prozent. Alle chinesischen Zuwächse gingen von einer viel kleineren Basis aus, was die Prozentwerte überzeichnet. Die Richtung lässt sich trotzdem kaum bestreiten.

Im vergangenen Monat war fast ein Viertel der in Australien verkauften Autos vollelektrisch, nach 7 Prozent ein Jahr zuvor. Das geht aus demselben Bericht hervor.

Die Politik hinter diesen Zahlen war lange vor der Ankunft der Schiffe festgelegt. China drängte Batteriefirmen wie BYD schon im Jahr 2000 in die Automobilbranche, steckte 2009 Geld und Anreize in das Projekt und wollte die Abhängigkeit von importiertem Öl verringern und zugleich die Städte sauberer machen. Das Land setzte auch darauf, Raffinerie und Produktion von Lithium, Kobalt, Mangan und Graphit zu beherrschen. Heute steht es für 90 Prozent der weltweiten Batterieproduktion, so Verrender. Südkorea wählte die teurere Nickel-Mangan-Kobalt-Chemie, China die billigere Lithium-Eisen-Phosphat-Chemie. Toyota-Vizechef Koji Sato sagte im März auf einem jährlichen Lieferantentreffen: "Wenn sich nichts ändert, werden wir nicht überleben."

Software ist die nächste Front. In The Conversation argumentiert ein China-Experte und Open-Source-Forscher, Peking habe die Open-Source-Entwicklung in seine nationale Technologiestrategie eingebettet. Die Länder, die die technischen und rechtlichen Standards setzen, hätten jahrzehntelang einen Vorsprung. Chinesische Firmen nutzten offene Lizenzen als Umweg um Sanktionen und Exportkontrollen. Nachdem die USA Huawei auf die schwarze Liste setzten, kappte Google die lizenzierten Android-Dienste. Huawei baute weiter auf dem Open-Source-Code von Android auf und brachte dann HarmonyOS NEXT und eine Open-Source-Version namens OpenHarmony heraus. Die staatlich gelenkte OpenAtom Foundation und Gitee, eine inländische Alternative zu GitHub, tragen diesen Stack heute mit, zusammen mit openKylin und openEuler.

Der KI-Streit ist noch schärfer. Große chinesische Modelle wie Qwen, DeepSeek, Kimi und GLM haben in der Regel offene Gewichte statt vollständiger Open-Source-Freigabe. Die Parameter werden also veröffentlicht, nicht aber die Trainingsdaten oder die Methode. Die Lizenz von Moonshots Kimi K3 verlangt von großen Lizenznehmern, den Modellnamen deutlich sichtbar zu machen. Die Community-Lizenz von MiniMax M3 verbietet Nutzungen, die nach "geltenden Gesetzen oder Vorschriften" untersagt sind, wobei offen bleibt, welche Gerichtsbarkeit gilt. Zweisprachige Lizenzen wie Mulan PSL v2 und die OpenAtom Model License legen fest, dass bei Streitigkeiten der chinesische Text maßgeblich ist.

MIT Technology Review berichtete am 20. Juli, Kimis Veröffentlichung habe die KI-Berater von Präsident Donald Trump in offenen Streit gestürzt. David Sacks, bis März KI- und Krypto-Beauftragter des Präsidenten, nannte die Modelle von Anthropic "lobotomisiert" und "woke". Er kritisierte KI-Firmen, die "wollen, dass die Regierung ihre Open-Source-Konkurrenz beseitigt". Pentagons Beamter Emil Michael nannte den neuen Leiter für strategische Zukunftsfragen bei OpenAI einen "obersten Dorftrottel". Zuvor hatte der frühere Trump-Berater Dean Ball ein Prüfverfahren des Weißen Hauses für Modelle als "faktisches Lizenzregime für Frontier-KI" bezeichnet.

Peking hat auf den Druck der Exportkontrollen vor Gericht und in Ministeriumserklärungen geantwortet. The Guardian berichtete am 10. September, der US-Prozess gegen Huawei habe im Bundesgericht in Brooklyn begonnen. Dort sagte Justizministeriums-Anwalt Taylor Stout den Geschworenen: "Diebstahl, Lügen, Vertuschung. 20 Jahre lang hat Huawei, ein riesiges chinesisches Telekommunikationsunternehmen, amerikanische Firmen geschädigt und das amerikanische Finanzsystem missbraucht." Verteidiger Brian Heberlig hielt entgegen, der Fall gehe "um Wettbewerb, nicht um Verschwörung. Um Innovation, nicht um Diebstahl." Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte, die Regierung "widersetzt sich entschieden der Unterdrückung und Eindämmung chinesischer Unternehmen durch die US-Seite".

Die Batterien zeigen, wie schwer die Entflechtung wird. MIT Technology Review berichtete am 10. September, eine Executive Order von Ende August habe den nationalen Notstand ausgerufen und verbiete chinesische Batterien praktisch für netzgekoppelte Speicher. Die Einfuhrsteuern auf Batterien stiegen im Januar von 7,5 Prozent auf 25 Prozent. Ab 2026 müssen 55 Prozent der Materialkosten für neue Speicherprojekte von außerhalb Chinas und anderer eingeschränkter Länder kommen, um für Steuergutschriften in Frage zu kommen. Analyst Shan Tomouk von Benchmark Mineral Intelligence nannte das vollständige Verbot "einigermaßen überraschend". Isshu Kikuma von BloombergNEF sagte, Projekte könnten sich verzögern oder im "schlimmsten Fall" abgesagt werden. In den USA hergestellte Zellen bleiben deutlich teurer als chinesische, und die heimische Versorgung dürfte die Nachfrage erst später in den 2030er Jahren decken.

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Quellen

5
  1. 01How China won the car wars with cheap EVs loaded with technologyEN
  2. 02China is shaping the future of open-source technology – including AIEN
  3. 03China's AI models have Trump's AI world at war with itselfEN
  4. 04China's Huawei branded a criminal enterprise as tech firm's US trial opensEN
  5. 05Can the US battery market untangle from China?EN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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