Chinesische E-Autos, Open-Weight-KI und Batterieverbote: der Exportstreit ordnet die Techbranche neu
Chinas Technologieexporte verschieben sich von billiger Hardware hin zu Open-Weight-KI-Modellen und Batterielieferketten. Die Antwort aus Washington hat das Silicon Valley, das Weiße Haus und die US-Industrie gespalten. Das zeigen mehrere Berichte der vergangenen zwei Monate.

Im Juni legte die BYD Zhengzhou im Hafen von Melbourne an. Der Frachter fährt mit LNG und hatte 5000 neu gebaute Elektroautos an Bord. Es war die größte einzelne EV-Lieferung, die je nach Australien ging. RNZ veröffentlichte den Bericht am 24. Juli und nannte als Quelle Ian Verrender, Chef-Wirtschaftskorrespondent von ABC News.
Australien hat keine eigene Autoindustrie und kaum Handelshemmnisse. Das Land taugt deshalb als Lackmustest für den Geschmack der Käufer. Die Zahlen dort sind brutal für die alten Hersteller. Im ersten Halbjahr fielen die Verkäufe von Mazda um 17 Prozent, von Toyota um 21 Prozent, von Subaru und Mitsubishi um jeweils 25 Prozent und von Nissan um 32 Prozent, berichtete RNZ. Die chinesischen Marken entwickelten sich in die andere Richtung: BYD plus 124 Prozent, Chery plus 77 Prozent, Geely plus 495 Prozent. Alle drei starteten von einer viel kleineren Basis, was die Prozentwerte nach oben treibt. Die Richtung steht trotzdem außer Frage.
Im vergangenen Monat war fast ein Viertel der in Australien verkauften Autos vollelektrisch, gegenüber 7 Prozent ein Jahr zuvor.
Das Angebot ist einfach. Riz Akhtar, Gründer der Forschungsgruppe carloop, sagte RNZ, er fahre ein chinesisches E-Auto für rund 40.000 A$. Es stecke voller Technik. Ein vergleichbares japanisches oder europäisches Auto wäre mehr als 25 Prozent teurer. "Die Verbraucher sind nicht dumm. Sie geben kein Geld aus, das sie nicht ausgeben müssen", sagte er.
Die etablierten Hersteller wissen, dass sich der Boden bewegt. Toyota-Vizechef Koji Sato sagte im März auf einem jährlichen Treffen der Zulieferer: "Wenn sich nichts ändert, werden wir nicht überleben." Volkswagen-Chef Oliver Blume hat einen Stellenabbau von bis zu 100.000 Beschäftigten in Aussicht gestellt, berichtete RNZ. Der Aktienkurs von VW hat sich halbiert, seit sein Vorgänger vor vier Jahren entlassen wurde.
Die KI-Front
Der Streit um Autos ist der sichtbare. Der leisere Wettbewerb dreht sich um die Software und die Modelle, die auf der Hardware laufen. MIT Technology Review berichtete am 20. Juli, ein kostenloses Open-Source-Modell namens Kimi, veröffentlicht vom chinesischen Unternehmen Moonshot, scheine mit Modellen von OpenAI und Anthropic mithalten zu können, die nicht kostenlos sind. Die Veröffentlichung löste öffentliche Beschimpfungen unter aktuellen und früheren KI-Beratern von Trump aus.
David Sacks, bis März KI- und Krypto-Beauftragter des Präsidenten, nannte die Modelle von Anthropic "lobotomiert" und "woke". Emil Michael, ein hochrangiger Vertreter des Pentagon, bezeichnete den neuen Leiter für strategische Zukunftsfragen bei OpenAI als "größten Dorftrottel". Sacks argumentierte zudem, chinesische Modelle seien beliebt, weil sie mit weniger Nutzungsbeschränkungen kämen. Die eingebaute staatliche Zensur ließ er beiseite, so MIT Technology Review. Eine formelle Beraterrolle hat er nicht mehr.
The Guardian berichtete am 1. August, chinesische Open-Weight-Modelle hätten die US-Industrie gespalten. Auf der einen Seite stehen Chiphersteller und Unternehmen, die die Dominanz von OpenAI und Anthropic fürchten. Auf der anderen stehen diese beiden Labore, die argumentieren, chinesische Modelle seien ein Sicherheitsrisiko. Microsoft, Nvidia, Palantir und Meta unterzeichneten einen Brief, in dem sie Abgeordnete auffordern, offene Modelle nicht einzuschränken, und Nvidia-Chef Jensen Huang ging zum Lobbyieren zum Kapitol. Finanzminister Scott Bessent brachte Sanktionen wegen angeblichen Diebstahls geistigen Eigentums ins Spiel. Handelsminister Howard Lutnick erhielt Briefe von Startup-Gründern, die ihn baten, den Zugang nicht zu kappen.
Trumps eigene Haltung war zwiespältig. "Wir müssen in beide Richtungen vorsichtig sein. Wir wollen sie nicht einschränken, wenn wir plötzlich Zweiter hinter China werden", sagte er, so der Guardian.
Wer die Lizenzen schreibt, ist genauso wichtig wie wer den Code schreibt. The Conversation berichtete am 15. August, chinesische Modelle wie Qwen, DeepSeek, Kimi und GLM seien in der Regel Open-Weight und nicht vollständig Open Source: Die Software und die fertigen Parameter werden veröffentlicht, die Trainingsdaten und die Methodik nicht. Manche bringen zusätzliche Pflichten mit. Die Lizenz von Moonshots Kimi K3 verlangt von Nutzern oberhalb bestimmter Umsatz- oder Nutzerschwellen, den Modellnamen deutlich sichtbar zu machen. Die Mulan Permissive Software License 2.0 und die OpenAtom Model License 1.0 sind zweisprachig. Bei widersprüchlicher Auslegung ist der chinesische Text maßgeblich, besonders in chinesischen Rechtsordnungen.
OpenAI und Anthropic haben den Herstellern chinesischer Open-Weight-Modelle vorgeworfen, in großem Umfang unerlaubt zu destillieren und proprietäre Modelle über deren Ausgaben zu kopieren. Im April kündigte die Trump-Regierung an, gegen diese Praxis vorzugehen.
Batterien und das Verbot
Ende August rief die Trump-Regierung einen nationalen Notstand aus, der chinesische Batterien für netzgekoppelte Energiespeicher praktisch verbietet, berichtete MIT Technology Review am 10. September. Die Anordnung untersagt die Installation "jeglicher im Ausland hergestellter elektrischer Betriebsmittel für das Massenstromsystem", die als Risiko für die nationale Sicherheit gelten, und nennt Batteriespeichersysteme, Wechselrichter und Transformatoren.
Shan Tomouk von Benchmark Mineral Intelligence nannte ein vollständiges Verbot "eine ziemliche Überraschung", die US-Entwickler beunruhige. BloombergNEF erwartet kurzfristige Verzögerungen. Analyst Isshu Kikuma sagte, einige Projekte könnten alternative Zellquellen brauchen, die mehr kosten, im schlimmsten Fall drohe die Absage. Die Einfuhrsteuern auf Batterien stiegen im Januar von 7,5 Prozent auf 25 Prozent. Ab 2026 müssen 55 Prozent der Materialkosten neuer Speicherprojekte aus Ländern außerhalb Chinas und anderer beschränkter Staaten kommen, um für Steuergutschriften in Frage zu kommen.
Die USA könnten bis etwa 2030 genug heimische Kapazität haben. Einige Werke laufen jedoch möglicherweise nicht mit voller Leistung, was das tatsächliche Angebot über dieses Datum hinaus verschiebt.
Neben dem rechtlichen Druck steht der Druck auf die Hardware. Der US-Prozess gegen Huawei begann am Mittwoch vor dem Bundesgericht in Brooklyn, berichtete der Guardian am 11. September. Taylor Stout, Anwalt des Justizministeriums, sagte zu den Geschworenen: "Diebstahl, Lügen, Vertuschung. 20 Jahre lang hat Huawei, ein riesiges chinesisches Telekommunikationsunternehmen, amerikanische Firmen geschädigt und das amerikanische Finanzsystem missbraucht." Die Regierung wirft eine Verschwörung zum Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen bei fünf US-Unternehmen vor, darunter Quellcode eines Router-Betriebssystems von Cisco und ein Roboterarm für Handytests von T-Mobile.
Verteidiger Brian Heberlig hielt dagegen: "Es geht um Wettbewerb, nicht um eine Verschwörung. Um Innovation, nicht um Diebstahl." Die Vorfälle bei Cisco und T-Mobile seien "Handlungen einzelner Mitarbeiter" gewesen, und die Führung habe reagiert, als sie davon erfuhr. Der Prozess soll drei Monate dauern.
Quellen
6- 01How China won the car wars with cheap EVs loaded with technologyEN
- 02China's AI models have Trump's AI world at war with itselfEN
- 03China's tech advances are causing chaos from Silicon Valley to the White HouseEN
- 04China is shaping the future of open-source technology – including AIEN
- 05Can the US battery market untangle from China?EN
- 06China's Huawei branded a criminal enterprise as tech firm's US trial opensEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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