Energiepreise setzen Europas Industrie zu, Rechenzentren treiben die Stromkosten in den USA
Im größten Stromnetz der USA kletterte der Großhandelspreis binnen eines Jahres um 75,5 Prozent. In Europa hat Playmobil die Figurenproduktion in Deutschland beendet, und die Wärmepumpenverkäufe stiegen um 17 Prozent, weil Haushalte vom Gas weg wollen.

Der Großhandelsstrompreis in der PJM Interconnection, dem größten Strommarkt der USA, lag im ersten Quartal 2026 bei 136,53 Dollar pro Megawattstunde. Ein Jahr zuvor waren es 77,78 Dollar. Das ist ein Anstieg um 75,5 Prozent.
Monitoring Analytics, die offizielle Aufsichtsstelle des Netzes, nennt das Wachstum der Rechenzentrumslast als Hauptgrund für das knappe Angebot, die hohen Preise und die prognostizierte Nachfrage, die beides weiter nach oben treibt. Der Marktwächter benennt die Ursache unverblümt. Sein Bericht vom Donnerstag, 14. Mai, bleibt nicht bei der Diagnose stehen. "Ohne das Wachstum der Rechenzentren, das tatsächliche wie das prognostizierte, hätte der Kapazitätsmarkt nicht dieselben knappen Angebots- und Nachfragebedingungen erlebt", heißt es darin. Die Preiswirkungen auf die Kunden seien "sehr groß und nicht umkehrbar". Sie würden weiter zunehmen, wenn das Problem der Rechenzentrumslast nicht rechtzeitig angegangen werde. PJM versorgt alle oder Teile von 13 Bundesstaaten und den District of Columbia, darunter Northern Virginia, wo der dichteste Rechenzentrumscluster der Welt steht.
PJM erklärte gegenüber The Register, das Unternehmen arbeite mit Bundesstaaten und Mitgliedsunternehmen an den Folgen für die Verbraucher. Es verwies auf Preisobergrenzen, Übertragungsprojekte und Reformen der Großhandelsmarktregeln. Monitoring Analytics will etwas Einfacheres: Rechenzentren sollen ihre eigene Erzeugung mitbringen. Die vorgeschlagene einmalige Backstop-Auktion würde "im Allgemeinen erhebliche Risiken auf andere PJM-Kunden verlagern". Private, gewerbliche und industrielle Nutzer "sollten nicht als kostenlose Quelle für Versicherung, Sicherheiten oder Finanzierung für Rechenzentren behandelt werden".
Europas Rechnung sieht anders aus, und sie ist älter
Auf dieser Seite des Atlantiks ist der Schmerz nicht neu. Er ist strukturell, und inzwischen zeigt er sich in Werksschließungen.
Playmobil hat die gesamte Figurenproduktion in Deutschland beendet. Das Werk Dietenhofen in Bayern ist geschlossen, die Fertigung läuft nun an bestehenden Standorten in Malta und der Tschechischen Republik. Rund 350 Arbeitsplätze sind betroffen. Die letzte Schicht endete diese Woche, die verbleibenden Beschäftigten sind bezahlt freigestellt bis zur offiziellen Stilllegung Ende Juni, wie Brussels Signal am 24. Juni berichtete. Die Horst Brandstätter Group, Eigentümerin von Playmobil, nannte stark steigende Produktionskosten in Deutschland. Sie führte hohe Energiepreise neben erhöhten Löhnen und Lohnnebenkosten an. Gewerkschaften bezeichneten den Schritt als "Katastrophe" für die Region. Das Unternehmen kämpft seit Jahren mit sinkenden Umsätzen und finanziellen Druck. Die Geschäftsleitung aber war eindeutig: Das Kostenumfeld für arbeitsintensives Kunststoffspritzgießen war untragbar geworden. Verwaltungs- und Logistikfunktionen bleiben in Deutschland. Die eigentlichen Figuren nicht.
Die Strompreise deutscher Haushalte gehören weiterhin zu den höchsten der Welt. Derzeit sind sie die fünfthöchsten global und die zweithöchsten unter den großen Industrienationen, so Brussels Signal. Energieintensive Prozesse sind seit der Energiekrise 2022 exponiert, trotz teilweiser staatlicher Entlastung. Das Medium verbindet den Druck mit einem schnellen Ausstieg aus Kernkraft und Kohle ohne ausreichende Grundlastalternativen sowie mit Bürokratie und Lohnkosten. Manche Ökonomen beschreiben diese Mischung als schleichende Deindustrialisierung.
Haushalte wechseln, ungleichmäßig
Die Verbraucher reagieren zumindest auf Preissignale. Die Verkäufe von Wärmepumpen für Wohngebäude stiegen im ersten Quartal 2026 in 11 europäischen Ländern um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr, laut der European Heat Pump Association. Von Januar bis März wurden rund 575.000 Einheiten verkauft, nach 494.000 ein Jahr zuvor. Frankreich, Deutschland und Polen kamen auf durchschnittlich 25 Prozent Wachstum. Nationale Experten verweisen auf steigende Energiepreise und Energieunsicherheit, nachdem Iran am 2. März die Straße von Hormus geschlossen hatte. Das trieb die Gas- und Ölpreise stark nach oben.
Der Durchschnitt wurde von Österreich nach unten gezogen, wo die Verkäufe um 30 Prozent fielen, weil staatliche Subventionen fehlten. Dieses Detail wiegt schwerer als die Schlagzeile. Der Wärmepumpenmarkt profitiert also nicht einfach von einem Preisschock. Er reagiert empfindlich auf politische Förderung, und die kann verschwinden.
Paul Kenny, Generaldirektor der EHPA, sagte, die Europäische Kommission habe in ihrem Energiekrisenplan Mehrwertsteuer- und Steuersenkungen sowie Social-Leasing-Modelle für einkommensschwächere Haushalte skizziert. Er forderte die EU-Regierungen auf, sie zügig umzusetzen.
"Wenn Ihr Streamingdienst seinen Preis verdoppeln und dann seine Filme sperren würde, würden Sie einen besseren finden", sagte Kenny. "Die Verbraucher haben erkannt, dass Wärmepumpen die Lösung sind, wenn Gas und Öl bei Preis und Versorgung unberechenbar sind."
2024 veröffentlichte Studien ergaben, dass Kombinationen aus Wärmepumpe und Solaranlage innerhalb von 11 bis 14 Jahren günstiger werden als Gasheizungen. Luft-Wärmepumpen zählen mit oder ohne Solar zu den günstigsten Heizoptionen für Wohngebäude. In Deutschland blieb die öffentliche und politische Stimmung zur Wärmepumpenpolitik trotz breiter Unterstützung für die Technologie schwankend, wie pv magazine am 4. Mai berichtete.
Zwei Kontinente, zwei Versionen desselben Problems. In PJM hat der Nachfrageschock einen Namen und eine Wachstumskurve, und der Marktwächter kann ihn beziffern. In Europa ist der Schock älter, verteilt über Gas-, Öl- und Strommärkte. Er zeigt sich als geschlossene Werke und verschobene Haushaltsbudgets statt als einzelne Jahreszahl. Was beide verbindet, ist die Frage, wer zahlt. Monitoring Analytics warnt, dass ohne strukturellen Wandel bestehende Kunden die Kosten der neuen Last tragen. Playmobils 350 Beschäftigte in Bayern sind das andere Ende dieses Satzes. Und Österreichs Rückgang der Wärmepumpenverkäufe um 30 Prozent erinnert daran, dass Preissignale allein den Übergang nicht immer tragen, wenn die politische Förderung wegfällt.
Quellen
3- 01Datacenters slurping juice help drive 75% jump in PJM power pricesEN
- 02High energy prices force Playmobil to end production in GermanyEN
- 03Heat pump sales rise 17% across Europe in Q1 as energy prices surgeEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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