Angst vor KI und die Datenlage: Was die neueste Forschung wirklich zeigt
Am 25. September erscheinen die neuesten US-Arbeitsmarktdaten zu KI und Beschäftigung. Sie machen die Sache komplizierter: Die New York Fed erklärt, KI sei nicht der Haupttreiber der Einstellungsflaute. Arbeitgeberbefragungen deuten auf Umschulung statt Kürzungen hin.

Am 25. September veröffentlichte CNBC den jüngsten Bericht in diesem Dossier dazu, wie KI die Einstellung von Berufseinsteigern verändert. Die Schlagzeilenzahlen sind für Absolventen unbequem. Die einfachste Version der Geschichte stützen sie nicht.
Laut der Federal Reserve Bank of New York, zitiert von CNBC, lag die Arbeitslosenquote von Hochschulabsolventen im Alter von 22 bis 27 Jahren im Juni 2026 bei 5,7%. Das liegt über dem nationalen Durchschnitt und einen vollen Prozentpunkt höher als bei derselben Gruppe zwei Jahre zuvor. Die Arbeitslosenquote aller jungen Arbeitskräfte betrug im Juni 7,2%. Die Unterbeschäftigungsquote, also der Anteil der Absolventen in Jobs, die keinen Bachelorabschluss erfordern, erreichte 42% bei den jüngsten Absolventen, gegenüber 33,7% bei allen Hochschulabsolventen. Diese Zahlen beschreiben einen schwachen Markt für Berufseinsteiger. Für sich genommen belegen sie nicht, dass KI die Ursache ist.
Die eigene Studie der New York Fed zu Stellenanzeigen ist an diesem Punkt eindeutig.
"While AI may be contributing to recent labor market developments, it is not the main driver of the slowdown in hiring," schrieb die NY Fed laut CNBC. Ihre Arbeitgeberbefragungen ergaben, dass Unternehmen "mostly intend to incorporate AI mainly via retraining, with limited effects on hiring." Das ist eine deutlich engere Aussage als die, die in Kommentaren kursiert. Sie stammt von derselben Institution, deren Arbeitslosenzahlen für Absolventen zur Begründung des Gegenteils herangezogen werden.
Was sich klar verändert, ist das Einstellungsverfahren selbst. Eine von CNBC zitierte LinkedIn-Studie ergab, dass 66% der Recruiter Anfang 2026 planten, KI häufiger für Vorauswahlgespräche einzusetzen. 81% der Stellensuchenden gaben an, KI bei ihrer Suche genutzt zu haben oder nutzen zu wollen. Beide Seiten des Geschäfts sind inzwischen teilweise automatisiert. Eine einzelne Einstellungsstatistik lässt sich damit kaum noch als sauberes Maß der Nachfrage lesen.
Die Qualifikationsdaten zeigen in eine andere Richtung
Die Belege zu Qualifikationen bewegen sich in eine andere Richtung als das Narrativ der Verdrängung. Handshake, eine Plattform für Berufseinsteiger, die mit OpenAI an Technikwerkzeugen für Studierende gearbeitet hat, meldet, dass Absolventen des Jahrgangs 2026 KI-Kenntnisse doppelt so häufig in ihren Lebensläufen erwähnten wie der Jahrgang 2022. Die Analyse des Unternehmens ergab, dass 74% dieser Nennungen an reale Projekte gebunden waren und nicht an Kursarbeit. "The data tells us that early talent isn't being displaced by AI, they're being amplified by it," schrieb Handshake in einem von CNBC zitierten Blogbeitrag.
Die National Association of Colleges and Employers meldet eine ähnliche Verschiebung der Nachfrage. KI-Kenntnisse tauchten im Frühjahr in 16,5% der Stellenbeschreibungen auf, gegenüber 10,5% im Herbst zuvor. Insgesamt 28% der Arbeitgeber geben an, Berufseinsteiger zu suchen, die KI bei der Arbeit nutzen können. NACE beschreibt eine "striking disconnect" zwischen manchen Gen-Z-Bewerbern und dem Arbeitsmarkt: Arbeitgeber verlangen KI-Bereitschaft, während ein erheblicher Teil der Studierenden infrage stellt, ob KI überhaupt in ihre Jobsuche gehört.
Die blaue Seite desselben Booms
KI schafft auch Nachfrage in Berufen, die sich weder automatisieren noch verlagern lassen. CNBC berichtete am 26. September, dass Schweißer, Klempner, HLK-Techniker und Elektriker für den Bau von Rechenzentren stark gefragt sind, obwohl viele dieser Jobs befristet sind. Maria Flynn, Präsidentin und CEO von Jobs for the Future, sagte CNBC, Rechenzentren seien nur ein Teil eines größeren Puzzles, zu dem auch die Modernisierung des Stromnetzes und der Ausbau des Verkehrs gehörten.
Die Lohndaten sind auffällig. Nicole Bachaud, Arbeitsökonomin bei ZipRecruiter, sagte CNBC, das mittlere Mindestgehalt für Jobs in Rechenzentren sei im Jahresvergleich um 125,1% auf fast 208.000 US-Dollar gestiegen. Sie führte das auf hoch spezialisierte Ingenieurstellen zurück, die den Durchschnitt nach oben ziehen. Stellenanzeigen für Schweißer und Rohrschlosser liegen laut Bachauds Daten 164% über dem Vorjahr. Techniker auf Lehrlingsniveau können 40.000 bis 60.000 US-Dollar verdienen, sagte Flynn, erfahrene Elektriker mehr als 100.000 US-Dollar.
Justin Sinkovich vom Columbia College Chicago verwies CNBC auf Louisiana. Dort hat Amazon 12 Milliarden US-Dollar in ein Rechenzentrum mit 540 Arbeitsplätzen vor Ort investiert, darunter 1.700 Elektriker, Techniker und Sicherheitskräfte. Metas Hyperion-Projekt wird auf 27 Milliarden US-Dollar geschätzt. Diese Stellen, so merkte er an, lassen sich nicht aus der Ferne erledigen. Das Risiko dieses Teils der Geschichte ist politisch: CNBC berichtete, dass Bundesstaaten wie New York und Texas die Entwicklung gebremst haben. Auf öffentlichen Widerstand folgten lokale Moratorien, was den gerade entstandenen Arbeitsmarkttrend treffen könnte.
Ein am 22. September auf der Konferenzseite des NBER veröffentlichtes wissenschaftliches Papier mit dem Titel Artificial Intelligence and Labor Market Reallocation steht neben diesen Befunden, ohne sie zu klären. Das Dossier enthält das PDF, aber keine lesbare Zusammenfassung seiner Schlussfolgerungen. Sein Beitrag lässt sich hier deshalb nicht fair einordnen.
Zusammengenommen deuten die neuesten Quellen auf Umverteilung statt Zusammenbruch hin: schwächere Einstellungen für Berufseinsteiger, stärkere Nachfrage nach KI-Kenntnissen und nach Handwerksberufen, und Arbeitgeber, die umschulen statt zu ersetzen. Der Widerspruch zwischen dem Befund der NY Fed, KI sei "not the main driver", und den Arbeitslosenzahlen der Absolventen ist real. Eine weitere Kommentarrunde wird ihn nicht auflösen.
Quellen
5- 01How recent grads and college students should be thinking about AI, the CV, and the job marketEN
- 02The blue-collar AI job market is booming. Will data center backlash make it go bust?EN
- 03Artificial Intelligence and Labor Market ReallocationEN
- 04The inevitable problem with measuring B2B marketing by leadsEN
- 05Chinese province moves grid-side batteries into spot marketEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
Kommentare
0- Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.