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Energiepreise vertreiben Playmobil aus Deutschland, die Spaltung der europäischen Industrie vertieft sich

Playmobil stellt die Produktion seiner Kunststofffiguren in Deutschland ein, schließt das Werk Dietenhofen in Bayern und verlegt die Fertigung nach Malta und Tschechien. Rund 350 Arbeitsplätze sind betroffen, während hohe Energiepreise weiter verschieben, wo europäische Produktion überleben kann.

KonjunkturAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 28. September 20266 Min. LesezeitQuellen 5
Energiepreise vertreiben Playmobil aus Deutschland, die Spaltung der europäischen Industrie vertieft sich

Die letzte Schicht in Dietenhofen endete diese Woche. Rund 350 Arbeitsplätze sind an dem Standort betroffen, der auf die Herstellung der Spielwaren spezialisiert war, berichtet Brussels Signal.

Die Horst Brandstätter Group, Eigentümerin von Playmobil, bestätigte, dass die Produktion in bestehenden Anlagen in Malta und Tschechien gebündelt wird. Das Unternehmen machte stark steigende Produktionskosten in Deutschland dafür verantwortlich. Es nannte ausdrücklich die hohen Energiepreise, dazu gestiegene Löhne und Lohnnebenkosten, und erklärte, das Kostenumfeld sei für arbeitsintensives Kunststoffspritzgießen nicht mehr tragfähig. Verwaltung und Logistik bleiben in Deutschland. Die Zahlen nicht.

Das ist eine Fabrik und eine Marke, und man könnte es unter Nostalgie abheften. Die Strompreise privater Haushalte in Deutschland gehören weiterhin zu den höchsten der Welt, aktuell die fünfthöchsten weltweit und die zweithöchsten unter den großen Industrienationen, berichtete Brussels Signal am 24. Juni. Energieintensive Prozesse sind seit der Energiekrise 2022 unter Druck, trotz teilweiser staatlicher Entlastungsprogramme. Gewerkschaften nannten den Schritt eine "Katastrophe" für die Region, während Wirtschaftsverbände ihn als jüngstes Beispiel eines mittelständischen Unternehmens bezeichneten, das zur Verlagerung gezwungen ist.

Was die Preisdaten tatsächlich zeigen

Wer eine Zahl sucht, die die Stimmung erklärt, sollte stattdessen auf den größten US-Großhandelsstrommarkt schauen. PJM Interconnection versorgt alle oder Teile von 13 Bundesstaaten und den District of Columbia, darunter Northern Virginia, Heimat des dichtesten Rechenzentrumsclusters der Welt.

Laut dem Marktbericht für das erste Quartal 2026 von Monitoring Analytics, dem offiziellen Marktwächter, stiegen die Gesamtkosten pro Megawattstunde Großhandelsstrom von 77,78 Dollar in den ersten drei Monaten 2025 auf 136,53 Dollar im gleichen Zeitraum dieses Jahres. Das ist ein Anstieg um 75,5 Prozent im Jahresvergleich. Monitoring Analytics verteilte die Schuld nicht breit. Der Bericht benannte das Lastwachstum der Rechenzentren als Haupttreiber der jüngsten Kapazitätsmarktbedingungen und der steigenden Preise in PJM.

"Das Lastwachstum der Rechenzentren ist der Hauptgrund für die jüngsten und erwarteten Kapazitätsmarktbedingungen, einschließlich des gesamten prognostizierten Lastwachstums, des angespannten Verhältnisses von Angebot und Nachfrage und der hohen Preise", heißt es in dem Bericht. "Ohne das Wachstum der Rechenzentren, sowohl tatsächlich als auch prognostiziert, hätte der Kapazitätsmarkt nicht dieselben angespannten Angebots- und Nachfragebedingungen erlebt."

Der Wächter warnte zudem, dass der Schaden bereits festgeschrieben ist. "Die Preisauswirkungen auf die Kunden waren sehr groß und sind nicht umkehrbar", hieß es, und sie "werden kurzfristig noch größer sein, wenn die mit der Last der Rechenzentren verbundenen Probleme nicht rechtzeitig angegangen werden". PJM erklärte gegenüber The Register, man arbeite mit Bundesstaaten und Mitgliedsunternehmen an den Verbraucherauswirkungen und verwies auf Marktobergrenzen seit der Auktion 2025/2026, Projekte zum Übertragungsnetzausbau und eine Reform der Großhandelsmarktregeln. Monitoring Analytics antwortete nicht auf Fragen.

Liest man diese beiden Geschichten nebeneinander, zeigt sich ein Muster. In den USA geht es darum, wer die neue Nachfrage der Rechenzentren bezahlt. In Europa geht es darum, ob energieintensive Produktion überhaupt bleiben kann. Beides sind Verteilungskonflikte, die als technische verkleidet sind.

Die Nachfrageseite in Europa bewegt sich

Nicht jede Reaktion auf hohe Preise ist eine Schließung. Die Verkäufe von Wärmepumpen für Wohngebäude stiegen im ersten Quartal 2026 in 11 europäischen Ländern um 17 Prozent im Jahresvergleich, wie der European Heat Pump Association mitteilte und pv magazine am 4. Mai berichtete. Von Januar bis März wurden rund 575.000 Einheiten verkauft, nach 494.000 im gleichen Zeitraum 2025.

Frankreich, Deutschland und Polen erreichten im Schnitt 25 Prozent Wachstum, wobei nationale Experten steigende Energiepreise und Sorgen um die Energieversorgungssicherheit nannten. Die EHPA führte den Sprung auf einen starken Anstieg der Gas- und Ölpreise zurück, nachdem der Iran am 2. März die Straße von Hormus geschlossen hatte. Österreich war der Ausreißer, mit einem Rückgang der Verkäufe um 30 Prozent wegen fehlender staatlicher Subventionen.

"Wenn Ihr Streamingdienst seinen Preis verdoppeln und dann seine Filme sperren würde, würden Sie einen besseren finden", sagte Paul Kenny, Generaldirektor der EHPA. "Die Verbraucher haben erkannt, dass Wärmepumpen die Lösung sind, wenn Gas und Öl bei Preis und Versorgung unberechenbar sind." Kenny sagte, die Europäische Kommission habe in ihrem Energiekrisenplan Mehrwertsteuer- und Steuersenkungen sowie soziale Leasingmodelle für einkommensschwächere Haushalte skizziert, und forderte die EU-Regierungen auf, sie schnell umzusetzen.

Niedrigere Betriebskosten sind der Punkt, doch die Anschaffungskosten sind die Hürde, und dort entscheidet die Subventionsgestaltung, wer wechselt und wer nicht. Der Rückgang um 30 Prozent in Österreich ist der klarste Beleg in diesem Dossier, dass Politik, nicht allein der Preis, die Zahl bewegt. Hohe Preise schaffen den Anreiz. Subventionen entscheiden, ob jemand danach handeln kann.

Angebot entsteht, langsam

Auf der Erzeugungsseite erreichte das von Google unterstützte Unternehmen Fervo Energy diese Woche erstmals Strom an seiner Anlage Cape Station im Beaver County, Utah, wie The Register am 25. September berichtete. Der erste von drei 33-MW-GeoBlocks hat begonnen, Strom ins Netz zu speisen, und soll nächste Woche den kommerziellen Betrieb erreichen, weitere 66 MW sollen bis Neujahr ans Netz gehen.

Fervo zufolge könnte die Anlage irgendwann über vier Gigawatt hinaus skalieren. Derzeit arbeitet sie auf 900 MW vertraglich gesicherte Kapazität hin, mit 100 MW bis zum 1. Januar und einer halben Gigawatt bis 2028. Die Methode ist von Öl und Gas entlehnt: Zwei parallele Bohrlöcher gehen etwa 8.000 Fuß in die Tiefe, das Gestein wird aufgebrochen, damit Wasser zwischen ihnen passieren kann, und das Wasser wird auf 190 Grad Celsius erhitzt.

Google unterstützt Geothermie seit mindestens 2008 und hat außerdem vereinbart, Strom von den konkurrierenden Anlagen von Ormat Technologies zu kaufen, darunter ein 150-MW-Vertrag mit Ormat und Nevadas NV Energy, der Anfang des Jahres angekündigt wurde. Meta ging 2024 eine Partnerschaft mit Sage Geosystems für bis zu 150 MW ein. Die Denkfabrik Rhodium schätzt, dass Geothermie bis zum Ende des Jahrzehnts bis zu 64 Prozent des Bedarfs von Rechenzentren decken könnte, wobei diese Anlagen einen Aufpreis von 20 Prozent zahlen könnten. Dieser Aufpreis ist wichtig. Rechenzentren können ihn tragen. Eine Spielwarenfabrik nicht.

Die Politik der Rechnung

In Washington hat die Debatte eine andere Form angenommen. Das Verkehrsministerium erklärt, es sei bereit, Kraftstoffeffizienzstandards anzukündigen, die die Benzinpreise um 76 Cent pro Gallone und den Kraftstoffverbrauch um 45 Prozent erhöhen würden, berichtete Electrek am 26. September. Der Vorschlag würde das Durchschnittsziel für 2031 von 50,4 mpg auf 34,5 mpg senken. Die NHTSA erklärt, die Änderung würde die Kraftstoffkosten um 185 Milliarden Dollar und die CO2-Emissionen um 5 Prozent erhöhen. Die überwiegende Mehrheit der 68.294 öffentlichen Stellungnahmen lehnte den Plan ab.

Eine von Electrek zitierte Analyse des Energieministeriums beziffert den Effekt auf den Zapfsäulenpreis auf 76 Cent pro Gallone. Der Kongress konnte keine Stimmen für die vollständige Abschaffung der Corporate Average Fuel Economy Standards aufbringen, also nutzte er ein Verfahrensmanöver, um die CAFE-Strafen auf null zu setzen, wodurch die Regeln faktisch nicht durchgesetzt werden. Klagen werden erwartet.

Europas Version dieser Debatte dreht sich weniger um Effizienzziele und mehr darum, wer die Kosten der Elektrifizierung trägt. Brussels Signal merkt an, dass der Ausstieg aus Kernkraft und Kohle ohne ausreichende Grundlastalternativen, zusammen mit Bürokratie und Lohndruck, beschleunigt, was manche Ökonomen schleichende Deindustrialisierung nennen. Das ist ein umstrittener Begriff, doch die Richtung der Entwicklung ist unbestritten. Die Wärmepumpenzahlen zeigen, dass Haushalte sich anpassen. Fervo zeigt, dass neues Angebot gebaut werden kann. Playmobil zeigt, was passiert, wenn ein Unternehmen auf keines von beidem warten kann.

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Quellen

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  1. 01Datacenters boosted prices 75% in largest US energy marketEN
  2. 02High energy prices force Playmobil to end production in GermanyEN
  3. 03Heat pump sales rise 17% across Europe in Q1 as energy prices surgeEN
  4. 04Google-backed energy outfit brings 33 MW of 4 GW geothermal potential online in UtahEN
  5. 05Trump plans to raise gas prices MondayEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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