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EU AI Act: Streit um die Verschiebung der Regeln für General-Purpose-KI

Die zentralen Regeln des EU AI Act für General-Purpose-KI-Modelle sollen am 2. August greifen. Doch aus der Industrie und von mindestens einem Regierungschef kommen immer lautere Rufe nach einer Verschiebung. Die Europäische Kommission will die Regeln weiterhin im Juli abschließen.

WeltErklärtDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 28. September 20264 Min. LesezeitQuellen 1
EU AI Act: Streit um die Verschiebung der Regeln für General-Purpose-KI

Die Regeln für General-Purpose-KI-Modelle in der Europäischen Union sind für den 2. August vorgesehen. Aus dieser Frist ist ein Streit geworden. Laut The Next Web mehren sich die Stimmen, die eine Verschiebung fordern. Dazu gehören der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson, Bosch-Chef Stefan Hartung und der Tech-Lobbyverband CCIA Europe, zu dessen Mitgliedern Alphabet, Meta und Apple zählen.

Am 20. Juni sprach Eoghan O'Neill auf der TNW Conference in Amsterdam über die mögliche Verzögerung. O'Neill ist Senior Policy Officer im AI Office der Europäischen Kommission. Die Kommission plane, ihre Regeln für General-Purpose-KI, kurz GPAI, im Juli abzuschließen, sagte er. Danach nehme das Europäische Parlament seinen Standpunkt zu den Standards an.

„Das ist eine große, hochentwickelte Technologie, und wir wollen es richtig machen", sagte O'Neill. „Wir brauchen spezifische Pflichten, um einige der wirkungsstärksten oder potenziell schädlichsten Modelle unter dem AI Act zu erfassen."

O'Neill beschrieb auch, wie die Leitlinien entstanden sind. Die Arbeit habe eine breite Gruppe für einen Verhaltenskodex geleistet, sagte er. Ihre Mitglieder kamen aus großen Modellanbietern, zivilgesellschaftlichen Organisationen, NGOs, der Wissenschaft, von Experten für KI-Sicherheit, aus KMU und von europäischen Industriegiganten. „Das ist ein großes Zelt mit all diesen Stimmen aus der Stakeholder-Gemeinschaft", sagte er.

Was die GPAI-Regeln tatsächlich abdecken

Die Unterlagen geben den vollständigen Text der Pflichten nicht wieder. Sie zeigen aber, worum gestritten wird. Die Kommission stellt die Regeln als gezielt auf die wirkungsstärksten oder potenziell schädlichsten Modelle gerichtet dar. Kritiker sehen darin eine Last, die kommt, bevor Europa seine tiefer liegenden Probleme gelöst hat.

Diese zweite Deutung wurde auf derselben Konferenz deutlich. Fabrizio Del Maffeo, CEO des niederländischen Chipunternehmens Axelera AI, forderte, die EU müsse ihre regulatorischen Lasten verringern. Seine Begründung war nicht abstrakt. „Europa ist nicht die Vereinigten Staaten", sagte er. „Wir haben viele Sprachen, viele Märkte und viele Vorschriften, europäische wie lokale. Diese ersticken das Wachstum, weil sie Grenzen schaffen und es Unternehmen schwer machen, zu expandieren."

Del Maffeo sagte, sein Unternehmen habe die Petition für EU Inc unterzeichnet. Der Vorschlag sieht eine standardisierte Rechtsform für Start-ups vor, die den Betrieb über Mitgliedstaaten hinweg erleichtern soll. EU Inc soll unter das 28. Regime des Blocks fallen, einen europaweiten Rechtsrahmen für die Expansion von Start-ups in der Union. In einer Rede in Davos im Januar sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die Regeln würden Gesellschaftsrecht, Insolvenzrecht, Arbeitsrecht und Steuerrecht in einem einzigen und einfachen Rahmen zusammenführen.

Die Zahlen hinter der Beschwerde

Del Maffeo betonte, die Regulierung sei nicht das einzige Problem. Die Fixierung auf die Gründung neuer Start-ups müsse mit dem Fokus auf die Skalierung bestehender Unternehmen ausbalanciert werden, argumentierte er. Dafür brauche es mehr Kapital als Politik.

Die Daten, die er nannte, sind deutlich. Europa steht für nur 8% der Scale-ups weltweit, verglichen mit 60% in Nordamerika. Kein in der EU gegründetes Start-up der vergangenen 50 Jahre hat eine Bewertung von 100 Milliarden Euro überschritten. Die Region ist laut derselben Darstellung der Geburtsort unzähliger Innovationen, tut sich aber schwer, daraus große Unternehmen zu machen.

„Wenn man sich die Maschinenbauer ansieht, führen wir die Welt an", sagte Del Maffeo. „Im Automobilbau sind wir großartig, aber wir verlieren an Boden. In der Robotik sind wir großartig, aber wir verlieren ebenfalls an Boden."

Peter van der Putten, Direktor des AI Lab und leitender Wissenschaftler beim Softwareunternehmen Pegasystems, griff den Punkt auf. Die EU müsse für Investitionen attraktiver werden, sagte er, für inländische wie für internationale. Die Finanzierungslücke ist leicht zu erkennen: Europäische Start-ups sammelten im vergangenen Jahr rund 52 Milliarden Dollar, also 44 Milliarden Euro, an Wagniskapital ein. Ihre US-Pendants zogen 209 Milliarden Dollar an, also 177 Milliarden Euro.

„Investitionen könnten aus der EU kommen, aber auch aus den USA", sagte van der Putten. „Vorschriften könnten angepasst werden, damit Kapital, das die USA verlässt, leichter und attraktiver nach Europa fließen kann."

Talente und eine Warnung vor Bescheidenheit

Europa könnte auch bei den Menschen eine Chance haben. Elise de Reus, Mitgründerin von Cradle, verwies auf einen wachsenden Trend. Europäische Ingenieure kehren von Jobs bei Big Tech in den USA zurück, angezogen von sinnstiftender Arbeit und besserer Lebensqualität.

„Wir begrüßen europäische Ingenieure, die früher bei Big-Tech-Unternehmen wie Facebook in den USA gearbeitet haben, zurückzukommen und dazu beizutragen, gesellschaftliche und globale Probleme wie den Klimawandel zu lösen", sagte sie.

Ihr Schlussargument betraf das Selbstbild ebenso wie die Politik. „Wir sind vielleicht auch ein wenig zu bescheiden", sagte sie. „Wir sollten Glück messen, nicht das BIP, das kein nachhaltiger Maßstab ist. Ich glaube nicht, dass wir das amerikanische System kopieren und einfügen sollten."

Nichts davon entscheidet, ob die GPAI-Regeln verschoben werden. Die Kommission selbst hält an ihrem Zeitplan fest: O'Neill zufolge werden die Regeln im Juli abgeschlossen, danach nimmt das Parlament seinen Standpunkt zu den Standards an. Das Lager der Verzögerung hat sich noch nicht durchgesetzt.

Was die Aufzeichnung zeigt, ist, dass der Streit nicht nur um Sicherheit geht. Es geht um Grenzen, Kapital und Größenordnung. Und darum, ob ein Binnenmarkt mit vielen Sprachen und vielen Regulierern schnell genug vorankommen kann, um die Unternehmen zu behalten, die er regulieren will.

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Quellen

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  1. 01'Europe is not the US': Tech insiders call for smarter AI rulesEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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