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EU soll Energie- und Wasserverbrauch von Rechenzentren verheimlichen, während die KI-Nachfrage steigt

Lighthouse Reports hat diese Woche förmlich Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingereicht. Die Organisation wirft der Behörde vor, einen "Mantel des Schweigens" um den Energie- und Wasserverbrauch einzelner Rechenzentren zu legen. Darüber berichtete POLITICO am 30. September.

KonjunkturErklärtDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 30. September 20263 Min. LesezeitQuellen 5
EU soll Energie- und Wasserverbrauch von Rechenzentren verheimlichen, während die KI-Nachfrage steigt

Die Beschwerde stützt sich auf die Aarhus-Konvention. Die EU-Regeln, so heißt es darin, hielten die Öffentlichkeit bewusst davon ab, die Verbrauchszahlen einzelner Anlagen einzusehen. POLITICO, wo zuerst über die Einreichung berichtet wurde, schreibt, die Kommission habe auf Anfrage keine Stellungnahme abgegeben.

Der Zeitpunkt ist heikel. Brüssel hat öffentlich zugesagt, die Rechenzentrumskapazität zu verdreifachen, um mit den USA und China Schritt zu halten. Gleichzeitig steigen die Energiepreise, und in ganz Europa wächst der Widerstand vor Ort gegen stromhungrige KI-Anlagen.

Was die Zahlen zeigen und was nicht

Nach den eigenen Angaben der Kommission haben Europas Rechenzentren im Jahr 2025 20,7 Terawattstunden Strom verbraucht, etwa so viel wie Kroatien, dazu mehr als 8 Millionen Kubikmeter Wasser. Das sind 26 Prozent mehr Strom und 52 Prozent mehr Wasser als 2024. Diese Summen stammen aus unvollständigen Daten und werden nur aggregiert veröffentlicht. Ein Gesetz von 2024 verbietet es Brüssel und den EU-Hauptstädten, "alle Informationen und zentralen Leistungsindikatoren für einzelne Rechenzentren" offenzulegen. Große Tech-Konzerne hatten zuvor dagegen lobbyiert und kommerzielle Interessen geltend gemacht.

Lighthouse Reports ist eine in den Niederlanden ansässige gemeinnützige Organisation für grenzüberschreitende Recherchen. Sie erklärt, die Kommission trage "die Hauptverantwortung dafür, dass die Öffentlichkeit nichts über die Folgen des massiven Ausbaus der Rechenzentren in Europa erfährt". Die Gruppe argumentiert in ihrer Beschwerde, die EU verstoße gegen die Aarhus-Konvention, der sie seit 2005 angehört. Der Ausschuss zur Überwachung der Einhaltung der Konvention tagt im November und entscheidet dann über die Zulässigkeit des Falls.

"Transparenz sollte der Ausgangspunkt sein", sagte Diego Solier, konservativer Abgeordneter des Europäischen Parlaments, der an der Gesetzgebung zur digitalen Kapazität der EU mitarbeitet. Zur Beschwerde selbst äußerte er sich nicht, sie war zu diesem Zeitpunkt noch nicht öffentlich. "Zugleich muss Transparenz verhältnismäßig sein und darf Unternehmen nicht dazu zwingen, wirklich kommerziell sensible Informationen offenzulegen."

Die Kommission hat vergangene Woche ein neues Transparenz-Label vorgestellt. Ab dem kommenden Sommer müssen Betreiber damit Energieeffizienz, Wasserverbrauch und den Anteil sauberer Energie mit Noten von A bis G bewerten. Lighthouse Reports hält dem entgegen, das Label verschleiere weiterhin den Gesamtverbrauch und andere Kennzahlen, die für die Bewertung des CO2-Fußabdrucks nötig sind. "Die Entscheidung für Verhältniswerte statt tatsächlicher Verbrauchszahlen hat keine technische Grundlage", heißt es in der Beschwerde.

Die Nachfrage hinter dem Streit

Der Streit um die Offenlegung fällt mitten in einen Ausbau, der selbst die Kapitalmärkte umformt. In seinem am 30. September veröffentlichten Bericht State of Markets II schrieb Andreessen Horowitz, die Tech-Branche habe Ende August etwa 76 Prozent des gesamten Gewinnwachstums im S&P 500 für 2026 beigesteuert. Getrieben sei das von der Nachfrage nach Rechenleistung, Strom und Netzwerken. Die Firma beschreibt eine Verschiebung "von Bits zu Atomen": Hardware und Infrastruktur führen nun, nach Jahren hinter der Software.

Diese Nachfrage hat einen physischen Fußabdruck. BloombergNEF meldete am 30. September, der weltweite Absatz mittelschwerer und schwerer Elektro-Lkw habe im ersten Halbjahr 2026 mit 158.000 Einheiten einen Rekord erreicht, 75 Prozent mehr als im Vorjahr. Mehr als neun von zehn wurden in China verkauft. In Europa kamen Elektro-Lkw auf 5,5 Prozent aller Lkw-Verkäufe. Entlang der Frachtrouten bauen Betreiber Megawatt-Ladestationen, wie es die EU-Verordnung über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe vorsieht.

Beide Entwicklungen speisen dasselbe Netz. Dan Jørgensen, der Energiereferent der Kommission, sagte POLITICO, ohne die Abstimmung dieser großen Stromverbraucher auf die Ziele des Bündnisses "riskieren sie, unsere Fähigkeit zu untergraben, unsere eigenen Ziele zu erreichen".

In einer separaten Studie, veröffentlicht am 30. September in Communications Earth & Environment, fanden Forscher heraus, dass das Hydrothermalsystem, das der Einschlag des Chicxulub-Asteroiden vor 66 Millionen Jahren schuf und das die nicht-vogelartigen Dinosaurier auslöschte, 8 Millionen Jahre lang heiß blieb. Das ist viermal länger als bisher angenommen. Die Arbeit unter Leitung von Annemarie Pickersgill von der University of Glasgow befasst sich mit der Bewohnbarkeit der frühen Erde und nicht mit EU-Politik. Sie erinnert aber daran, dass große Energiefreisetzungen sehr lange nachwirken können.

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Quellen

5
  1. 01EU accused of hiding environmental impact of data centersEN
  2. 02The Electric Trucking Market's Record Rise: Three Things to KnowEN
  3. 03State of Markets IIEN
  4. 04Dinosaur-killing impact crater might have been teeming with lifeEN
  5. 05A16Z State Of The Markets Sep/26EN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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