Fusionsbilanz 2026: Helion erreicht 150 Millionen Grad, ITER kostet 22 Milliarden Dollar, Thea sammelt 100 Millionen ein
Der Polaris-Prototyp von Helion ist die erste privat entwickelte Fusionsmaschine, die mit Deuterium-Tritium-Brennstoff läuft. Das Unternehmen meldete am 13. Februar 2026 Plasmatemperaturen von 150 Millionen Grad Celsius. Ein konkurrierendes Stellarator-Startup sammelte 100 Millionen Dollar ein. Das ITER-Projekt, das 22 Milliarden Dollar kostet, ging mit einem reparierten Hitzeschild in sein drittes Jahrzehnt.

Zwei Fusionsunternehmen meldeten 2026 innerhalb von vier Monaten technische und finanzielle Meilensteine. Die Zahlen dahinter sagen mehr über den Zustand der Branche als die Pressemitteilungen.
Die Polaris-Maschine von Helion erreichte 150 Millionen Grad Celsius (150MºC). Nach Angaben des Unternehmens vom 13. Februar 2026 ist sie die erste privat entwickelte Fusionsanlage, die eine messbare Deuterium-Tritium-Fusion (D-T) nachwies. Die Firma aus Everett, Washington, erklärte, Polaris sei zudem die erste und derzeit einzige private Fusionsmaschine, die D-T-Brennstoff nutzt. Diesen Meilenstein erreichte sie im Januar. Thea Energy, ein Stellarator-Entwickler, der 2022 aus der Princeton University und dem Princeton Plasma Physics Laboratory ausgegründet wurde, gab am 27. Mai 2026 bekannt, 100 Millionen Dollar in einer Series-B-Finanzierung eingesammelt zu haben. Angeführt wurde die Runde von Thomas Tulls US Innovative Technology Fund.
Was Helion tatsächlich nachgewiesen hat
Die Ankündigung von Helion ist präzise bei der Zahl und vorsichtig beim Brennstoff.
Die D-T-Fusion ist die am leichtesten zu erreichende Reaktion, weshalb ITER und die meisten öffentlichen Programme sie nutzen. D-T erzeugt jedoch den Großteil seiner Energie als hochenergetische Neutronen. Helion hat erklärt, dass seine kommerziellen Maschinen stattdessen mit Deuterium-Helium-3 laufen sollen. Das Unternehmen beschreibt diesen Stoff als Brennstoff für den kommerziellen Betrieb. Die D-T-Kampagne von Polaris ist daher eine Zwischenstufe, nicht das Ziel. Das Unternehmen will Polaris weiter testen, um optimale Temperaturen für D-3He zu erreichen.
Die Zahl von 150MºC übertraf Helions eigenen Branchenrekord von 100MºC. Den hatte der Prototyp Trenta der sechsten Generation aufgestellt. In der privaten Fusionsbranche gelten 100MºC als Schwellenwert für die Plasmatemperatur einer kommerziell relevanten Maschine. Polaris überschritt also eine Hürde, die der Sektor angestrebt hatte. Helion erklärte, zudem das erste Unternehmen zu sein, das die behördliche Genehmigung erhielt, Tritium zu besitzen und zu nutzen, um die Fusionenergieerzeugung nachzuweisen.
Externe Stimmen, die in der Ankündigung zitiert werden, widersprachen den Ergebnissen nicht. Ryan McBride arbeitete an den Sandia National Laboratories und lehrte an der University of Michigan. Der Experte für Trägheitsfusion und gepulste Leistung sagte, er habe die Diagnosedaten geprüft. Die Belege für D-T-Fusion und Temperaturen über 13 keV nannte er "spannend". Jean Paul Allain ist Associate Director für Fusion Energy Sciences im Office of Science des Energieministeriums. Er sagte, die Daten zeigten "starke Fortschritte". Der Anschluss der Fusion an das Netz erfordere Ansätze, die eine schnelle Umstellung in Konstruktion und Test ermöglichen, merkte er an.
Helion nahm Polaris Ende 2024 in Betrieb. Im Juli 2025 begann das Unternehmen mit dem Bau auf dem Gelände von Orion, seiner ersten kommerziellen Maschine, in Malaga, Washington. Sie soll laut Unternehmen Strom aus Fusion für Microsoft ins Netz liefern. Die Ankündigung nannte kein Datum für den Beginn dieser Lieferung und machte keine Angabe zum Fusionsgewinn der D-T-Kampagne.
Theas Wette auf eine andere Form
Thea Energys Runde über 100 Millionen Dollar, angekündigt am 27. Mai 2026, war überzeichnet. Beteiligt waren General Innovation Capital Partners, Linse Capital, Calm Ventures, Climate Capital, Divergent Capital, Emerald Technology Ventures, Gaingels, Idemitsu Kosan, Overlay Capital, Timescale Ventures und Whatif Ventures. Hinzu kamen bestehende Investoren wie Alumni Ventures, Hitachi Ventures, Lowercarbon Capital und Prelude Ventures.
Das Unternehmen vermarktet den Stellarator. Diese Magnetfusion-Architektur ist älter als der Tokamak, galt aber lange als undurchführbar, weil ihre verdrehten 3D-Magnete schwer zu bauen sind. Theas Ansatz ersetzt die präzise mechanische Fertigung durch Anordnungen massenhaft herstellbarer planarer Magnete und Softwaresteuerung. Gaetano Crupi, Managing Director bei USIT, sagte in der Ankündigung, frühere 3D-Stellarator-Magnete hätten das System undurchführbar gemacht. Theas Durchbrüche verlagerten die Komplexität von der Fertigung auf softwaredefinierte Steuerung.
Das Geld soll die Magnetfertigungskapazität erweitern, einschließlich einer zweiten Anlage in Nord-New-Jersey. Es soll außerdem die Standortwahl und den Bau von "Eos" unterstützen, einem großen integrierten Stellarator. Er soll eine kraftwerksrelevante stationäre Fusion erzeugen. Thea will in diesem Jahr einen Standort für Eos auswählen und sein Team verdoppeln. Das Unternehmen will vor Ende des Jahrzehnts mit dem Bau seines ersten Kraftwerks "Helios" beginnen. Nach eigenen Angaben spricht es mit mehr als einem Dutzend Stromabnehmern, Hyperscalern und Versorgungspartnern.
Thea ist Erstempfänger des Milestone-Based Fusion Development Program des Energieministeriums und hält sechs DOE-INFUSE-Auszeichnungen. Das Unternehmen erklärte, das DOE habe seinen vorkonzeptionellen Design-Meilenstein für Helios zertifiziert. Damit sei es der erste Empfänger dieser Auszeichnung. Zudem habe es das weltweit erste supraleitende Magnetarray gebaut und betrieben, das die für kommerzielle Stellarator-Systeme erforderlichen komplexen Magnetfelder erzeugen kann. Auch die planaren Formmagnete in vollem Maßstab für Eos habe es risikoärmer gemacht.
ITERs Rechnung
Gegen diese beiden ist ITER das Gegenbeispiel: größer, langsamer, öffentlich finanziert und weiterhin der Referenzpunkt der Branche.
CNET berichtete im Mai 2026, dass der Internationale Thermonukleare Experimentalreaktor, der in Südfrankreich gebaut wird, geschätzte Kosten von 22 Milliarden Dollar trägt. Er ist dafür ausgelegt, Plasma bei 150 Millionen Grad Celsius einzuschließen, zehnmal heißer als der Kern der Sonne. Um dieses Plasma einzuschließen, sind supraleitende Magnete nötig, die wenige Grad über dem absoluten Nullpunkt gehalten werden. Zwischen einer der heißesten jemals erzeugten Umgebungen und einer der kältesten liegt nur ein dünner Hitzeschild. Risse in der Rohrleitung des Hitzeschilds wurden 2020 gefunden, zusammen mit Schweißverformungen und COVID-19-Unterbrechungen. Das führte zu einer jahrelangen Verzögerung und zusätzlichen 5 Milliarden Dollar für Reparaturen.
ITERs leitender strategischer Berater, Laban Coblentz, beschrieb die Zusammenarbeit gegenüber CNET in deutlichen Worten. Dass China und Russland mit den USA und Europa plus Korea, Indien und Japan zusammenarbeiten, sei "entweder genial oder wahnsinnig". Javier Artola modelliert das Plasmayerhalten von ITER. Er rahmte das Projekt als öffentliches Wissen ein: "Dies ist ein öffentlich finanziertes Projekt. Es ist das Wissen der Welt." Jeder Mitgliedstaat des ITER-Abkommens, das mehr als 30 Länder umfasst, erhält Zugang zur Wissenschaft. Nichtmitglieder können profitieren, wenn die Mitglieder einer Weitergabe zustimmen.
Das Argument für ITER in einer Welt privater Startups ist, dass es Forschung und Entwicklung für alle risikoärmer macht. Jedes Problem, das ITER löst, müssen private Fusionsunternehmen nicht lösen. Der Reporter von CNET kam zu dem Schluss, dass wir möglicherweise im letzten Jahrzehnt leben, in dem Fusion noch als ferner Traum gilt.
Direkte Umwandlung und was sie nicht beweist
Ein kleineres Ergebnis verdient gerade wegen seiner bescheidenen Darstellung Aufmerksamkeit. Am 19. Juni 2026 gelang Realta Fusion zusammen mit der University of Wisconsin-Madison als erstem privaten Fusionsunternehmen der Nachweis der direkten Energieumwandlung (DEC) von Plasma-Kinetikenergie in Elektrizität. Zum Einsatz kam die Prototypanlage WHAM.
Der Konverter wurde an der Endring-Baugruppe von WHAM installiert und ersetzte die Zentralscheibe. Er verlangsamt geladene Teilchen, die durch den Verlustkegel des Spiegels austreten, mithilfe eines elektrostatischen Potenzials. Der erste Prototyp ist eine einstufige Vorrichtung mit drei miteinander verbundenen Gittern: einem elektrisch geerdeten Gitter, einem Elektronenabstoßungsgitter und einem Ionenkollektorgitter. Er zieht mehrere Ampere Strom bei etwa 100 Volt, was laut Realta ausreicht, um ein paar Glühbirnen zu beleuchten. Das Unternehmen will die Spannung in den kommenden Wochen erhöhen.
Realta äußert sich in seinem Beitrag ungewöhnlich direkt zu den Grenzen. Es stellt fest, dass dies weder ein Nachweis der Netto-Stromerzeugung noch eine großmaßstäbliche Umwandlung von fusionserzeugter Leistung in Elektrizität ist. Diese Meilensteine warteten auf zukünftige Anlagen. WHAM ist ein magnetischer Spiegel im Prototypmaßstab, der nur mit Deuterium läuft. Der größte Teil der direkt umgewandelten Energie ist daher Eingangsleistung, die das Unternehmen zum Erhitzen und Aufrechterhalten des Plasmas geliefert hat. Bei Qsci = 5 in einem D-T-Plasma, so Realta, würde die Alpha-Leistung in ihrer Größe der für den Dauerbetrieb nötigen Eingangsleistung entsprechen.
Das Argument für DEC ist Effizienz. In D-T-Anlagen der ersten Generation fallen etwa 80% der Ausbeute als hochenergetische Neutronen und 20% als geladene Alpha-Teilchen an. Neutronen werden in einem moderierenden Blanket in Wärme umgewandelt und als Prozesswärme genutzt oder treiben Turbinen an. Geladene Teilchen können stattdessen von DEC eingefangen werden. Dadurch entfällt ein Teil des thermischen Kreislaufs, der inhärente Effizienzgrenzen hat. Realta vergleicht eine DEC-Anlage mit D-T mit einem Hybridantrieb: Die Wärme leistet den größten Teil der Arbeit, eine elektrische Komponente verbessert die Gesamteffizienz.
Zusammen gelesen weisen die vier Ergebnisse in eine Richtung und warnen vor einer Schlussfolgerung. Die private Fusion erzeugt inzwischen messbare Physik, läuft mit dem Brennstoff, den die Branche als den schwierigsten ansieht, und zieht neunstellige Schecks an. Netto-Elektrizität hat sie nicht erzeugt. Keines der Unternehmen in diesem Dossier behauptet etwas anderes. Dasjenige, das dem am nächsten kam, Realta, betonte ausdrücklich, dass es das nicht getan habe.
Quellen
4- 01Helion Achieves New Fusion Energy MilestonesEN
- 02A look inside ITER, the world's largest fusion energy projectEN
- 03Thea Energy Raises $100M Series B Funding to Build Scalable Fusion Power PlantsEN
- 04A Fusion First: Realta Demos Direct Energy ConversionEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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