Rückruf der INMO Air3: linker Bügel wird zu heiß, CPSC und Health Canada handeln
Wegen Überhitzung im linken Bügel haben die USA und Kanada die AR-Brille INMO Air3 zurückgerufen. In den USA gingen 1.643 Einheiten an Kunden, in Kanada 120.

Die US Consumer Product Safety Commission hat die AR-Brille INMO Air3 offiziell zurückgerufen. Darüber berichtete das deutsche Tech-Magazin t3n am 27. September. Health Canada schloss sich der Aktion an und warnt davor, das Modell im aktuellen Zustand zu tragen.
Das Problem sitzt im linken Bügel. Laut CPSC-Mitteilung kann er bei längerer Nutzung überhitzen und schwere Verbrennungen verursachen. In diesem Arm steckt die Hardware der Brille, darunter ein Akku mit 660 Milliamperestunden.
Was betroffen ist und wer die Brille herstellt
Ausgeliefert wurden die Einheiten zwischen Dezember 2025 und August 2026, berichtet t3n. In den Vereinigten Staaten gingen 1.643 Stück über verschiedene Vertriebskanäle an Kunden. In Kanada wurden 120 Stück im Laden verkauft oder direkt an Käufer verschickt. Die betroffenen Brillen sind schwarz und tragen die Aufschrift "AIR3" und "INMO" auf der Innenseite des rechten Bügels.
Hersteller ist INMO International Technology Limited mit Sitz in Shenzhen. Das Unternehmen hat eine eigene Website eingerichtet und bietet Unterstützung per Hotline und E-Mail an, damit Besitzer eine Firmware-Aktualisierung installieren, so t3n. Statt Hardware auszutauschen oder das Produkt vom Markt zu nehmen, setzt INMO auf ein Software-Update: Besitzer sollen die Brille nicht wieder aufsetzen, bevor das Betriebssystem auf Firmware-Version 3.16 aktualisiert ist. Das deutet auf den Versuch hin, die Wärme per Software-Drosselung zu begrenzen. Die Brille läuft mit einem Android-basierten System, das ein Micro-OLED-Display ansteuert. So lässt sich die Prozessorleistung begrenzen.
Der empfohlene Verkaufspreis liegt je nach Konfiguration zwischen 900 und 1.300 US-Dollar, so t3n.
Zehn offizielle Berichte über Überhitzung im Betrieb in den USA haben den Hersteller bisher erreicht. Verletzungen wurden in keinem der beiden Länder gemeldet, heißt es in den aktuellen Dokumenten der Behörden.
Was frühere Tests gezeigt hatten
Warnungen vor dem Hitzeproblem waren nicht neu. t3n beruft sich auf Futurism. Dort hieß es, thermische Probleme seien schon in frühen Tests aufgetreten, Monate vor dem Eingreifen der Aufsichtsbehörden. Der US-Hardware-YouTuber "Non-Tech Tech Guy" sagte in einem Video vom Februar 2026, das Gerät werde nach wenigen Minuten zu heiß zum Tragen. Er beschrieb Temperaturen, die am Ohr schmerzen können.
Der Tester sagte, die Brille werde nicht nur leicht warm, sondern erreiche Temperaturen, die am Ohr Schmerzen verursachen können.
Seinem Video zufolge bestand die erste Reaktion des Herstellers offenbar darin, eine Abdeckung für den Bügel zu verschicken. Sie sollte den direkten Hautkontakt mit der Kunststoffoberfläche verhindern. Die Wärmequelle in der Elektronik blieb damit unberührt.
Health Canada ergänzt eine rechtliche Warnung für den Gebrauchtmarkt, heißt es in der Rückrufmitteilung: Das kanadische Verbraucherschutzrecht verbietet den Weiterverkauf und sogar die Weitergabe der betroffenen Modelle.
Das Muster ist nicht auf ein Gerät beschränkt
Der Rückruf fällt in eine größere Debatte darüber, wie viel Vertrauen Menschen Geräten und Systemen entgegenbringen, die sich als autoritativ präsentieren. Eine Studie, über die The Decoder am 26. September berichtete, umfasste fünf Experimente mit 3.132 Teilnehmenden. Sie prüfte, ob der Zugang zu einem Sprachmodell den Umgang mit Unsicherheit verändert. Mit verfügbarer KI-Beratung schwand die Bereitschaft, "Ich weiß es nicht" zu sagen, fast vollständig, fanden die Forscher.
In den ersten beiden Studien konnten die Teilnehmenden wählen, ob sie eine KI um Rat fragen. In der Kontrollgruppe ohne KI-Zugang enthielten sie sich bei 36 und 44 Prozent der Fragen eines Urteils. Mit KI-Zugang sanken diese Werte auf 6 und 3 Prozent. In Studie 2 erreichte die Zuversicht mit KI-Zugang 75,9 Punkte auf einer Skala von 100, gegenüber 29,6 ohne KI. Der Anteil richtiger Antworten fiel von 27,6 auf 10,0 Prozent. Die Fragen waren ausgewählt, weil das verwendete Modell Step 3.5 Flash bei ihnen fast immer falsch lag: feine visuelle Details aus Filmen, etwa die Farbe einer Teamuniform in Bend It Like Beckham. Solche Details tauchen selten in Online-Texten auf und sind typische Ziele für Halluzinationen.
Über alle Studien hinweg beantworteten Teilnehmende ohne Anreize mit KI-Zugang 9,2 Prozent der Fragen richtig, gegenüber 27,5 Prozent ohne KI. Finanzielle Anreize in den Studien 2 bis 4, 10 Cent für eine richtige Antwort und 10 Cent Abzug für eine falsche, führten dazu, dass die Leute seltener KI-Rat suchten: 4,53 gegenüber 5,27 Anfragen von sechs in Studie 3. Wenn KI verfügbar war, antworteten sie öfter richtig. Keine der drei Studien zeigte eine statistisch signifikante Wechselwirkung zwischen Anreizen und KI-Verfügbarkeit.
Dieselbe Vertrauensfrage zieht sich durch das Geld im Gesundheitswesen. Eine Analyse der Blue Cross Blue Shield Association, über die TechCrunch am 26. September berichtete, ergab: Der Einsatz von KI-Werkzeugen durch Krankenhäuser beim Einreichen von Versicherungsansprüchen führte über zwei Jahre zu zusätzlichen 942.000.000 US-Dollar Gesundheitsausgaben. Die BCBSA-Analyse stellte "einen starken Anstieg von Patienten fest, bei denen komplexe Erkrankungen dokumentiert werden". Sie argumentierte aber, es gebe eine "klare Diskrepanz zwischen [medizinischer] Kodierung und Behandlung", da "keine Belege für eine entsprechende Veränderung der erbrachten Versorgung" vorlägen.
Die New York Times, zitiert von TechCrunch, nannte die Analyse das jüngste Zeichen dafür, dass KI zu höheren Gesundheitskosten beiträgt. Versicherer und Krankenhäuser streiten seit Jahren über Behandlungen und Zahlungen, doch laut NYT verschärft KI auf beiden Seiten die Lage. Dr. Shiv Rao, Gründer des KI-Start-ups Abridge, sagte, der Einsatz von KI könne zu "einer schrecklichen dystopischen Zukunft führen, in der niemand leben will", mit "Bots, die gegen Bots kämpfen, Agenten, die gegen Agenten kämpfen". Er sagte aber auch, sie könne Spannungen abbauen und Kosten senken. Luke Chalker, Senior Vice President bei der BCBSA, wehrte sich gegen das Bild eines Kampfes: "Es ist kein Krieg. Es ist ein völlig einseitiges Blutbad", sagte er, mit den Versicherern auf der Verliererseite.
Ein Zählproblem mitten in einem Ausbruch
Messstreitigkeiten beschränken sich nicht auf Geld. In einem Meinungsbeitrag, den STAT am 25. September veröffentlichte, stellten zwei ehemalige Führungskräfte des National Center for Health Statistics eine Änderung der CDC-Zählung von Maserntoten infrage. Bis Mitte September hatte das Pennsylvania Department of Health vier bestätigte masernbedingte Todesfälle gemeldet. Damit war die höchste Jahreszahl masernbedingter Todesfälle in den Vereinigten Staaten seit 1992 übertroffen. Landesweit liegen die Fälle über 800, mit Häufungen in Gemeinden mit einer Geschichte von Impfskepsis. Die Masern-Dashboard-Seite der CDC zeigte jedoch bislang nur einen masernbedingten Todesfall in diesem Jahr, mit einem Sternchen.
Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hat gesagt, die CDC werde nur "masernverursachte Todesfälle melden, wenn das National Center for Health Statistics (NCHS) Masern als zugrunde liegende Ursache auf Basis der von den Bundesstaaten übermittelten Sterberegisterdaten meldet". Die Autoren Lau und Schoendorf argumentieren, dies weiche von der bisherigen Praxis der Behörde ab. Diese habe sich während aktiver Ausbrüche auf staatliche Medizinbeamte für Echtzeitfälle "im Zusammenhang mit" der Krankheit gestützt. Die neue Regel liefere nicht die Überwachungsinformationen, die zu Beginn eines Ausbruchs bei niedrigen Zahlen nötig sind. Sie weisen auch auf die Unterdrückungsregeln des NCHS hin: Die Behörde meldet in keiner Kategorie Todeszahlen von eins bis neun. Die nationale Gesamtzahl muss also 10 überschreiten, bevor das Dashboard eine tatsächliche Zahl zeigt.
Unterdessen veröffentlichte Rest of World am 24. September ein Interview mit der Ärztin und Beraterin Ruby Wang, Autorin des kommenden Buches China Cure, über die Expansion der chinesischen Gesundheitstechnik. Wang sagte, die chinesische Gesellschaft behandle digitale Gesundheit als normale Infrastruktur und nicht als Zusatz. In China würden mehr klinische Studien durchgeführt als in den USA, wobei China die Hälfte aller globalen Arzneimittellizenzgeschäfte ausmache. Den Anteil Chinas an den globalen Auslizenzierungsgeschäften für Arzneimittel in diesem Jahr bezifferte sie auf bis zu 60 Prozent. Sie merkte an, dass China bei Immunologie und der Vermarktung eigener Medikamente schwächer sei.
Für Besitzer der Air3 ist die unmittelbare Frage enger als all diese Debatten. Auf Firmware 3.16 aktualisieren oder die Brille weglassen. Die Support-Seite des Herstellers, Hotline und E-Mail stehen in der Rückrufmitteilung.
Quellen
5- 01Wenn das Wearable zur Gefahr wird: Behörden warnen vor smarter BrilleDE
- 02Insurers claim AI is already increasing healthcare costsEN
- 03AI access makes people almost entirely unwilling to say "I don't know," study findsEN
- 04Opinion: RFK Jr.'s use of the National Center for Health Statistics will add confusion to measles deaths countEN
- 05China is excelling in health tech. That's good news for the worldEN
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