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KI-Rechenzentren treffen auf Europas Energiekrise, während der Ölschock die Strommärkte umwälzt

Neufundland und Labrador bestätigte am 29. September, dass Unternehmen wegen KI-Rechenzentren an die Provinz herangetreten sind. In derselben Woche erreichte Öl 101 Dollar pro Barrel, und die US-Branche für saubere Energie verlor 36.949 Arbeitsplätze.

KonjunkturAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 29. September 20266 Min. LesezeitQuellen 8
KI-Rechenzentren treffen auf Europas Energiekrise, während der Ölschock die Strommärkte umwälzt

Der Energieminister von Neufundland und Labrador sagt, die Provinz sei für KI-Rechenzentren „offen für Geschäfte“. Die Aussage fiel während einer Sondersitzung des House of Assembly zum Churchill-Falls-Abkommen, über die CBC News am 29. September berichtete. Ein Sprecher des Ministeriums sagte CBC, die Regierung sei von Unternehmen angesprochen worden, wolle sich aber nicht zu einzelnen Interessenten oder Projekten äußern.

Das ist eine Provinz auf einer Seite des Atlantiks. Doch das Angebot zeigt den Zusammenstoß, der derzeit Europas Energiepolitik bestimmt: Der Strombedarf der KI trifft zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt auf eine Region ein. Sie verarbeitet noch einen Ölpreisschock, eine Gasknappheit und einen politischen Kurswechsel weg von Subventionen für saubere Energie.

Öl bei 101 Dollar und die Frage nach dem Sondergewinn

Die Zahlen hinter dem Druck sind deutlich. Einer am 29. September in The Conversation veröffentlichten Analyse zufolge lag der Preis am wichtigsten Rohölknotenpunkt der USA Ende Februar 2026 bei 66 Dollar pro Barrel, bevor die USA und Israel den Iran angriffen. Am 13. April waren es 101 Dollar pro Barrel. Der Artikel stammt von einem Energieökonomen und einem Außenhandelsökonomen. Er stellt fest, dass die Preise stark und innerhalb kurzer Zeit stiegen, als die Straße von Hormus geschlossen wurde.

„Der Großteil des Geldes fließt dorthin, wo das Öl herkommt, zu den Ölkonzernen“, schreiben die Autoren. Die Regierung Saudi-Arabiens besitzt und kontrolliert nahezu die gesamte Ölförderung des Landes, weshalb hohe Preise den Staatsfinanzen zugutekommen. In West Texas verzeichneten die Betreiber einen Sondergewinn, weil die Preise schneller stiegen als die Kosten. Aktionäre erhielten den Rest über Dividenden, Schuldenabbau, Aktienrückkäufe und Reinvestitionen.

„Wenn von etwas weniger vorhanden ist, kann der Wettbewerb zwischen Verbrauchern, die es wollen, und Unternehmen, die es brauchen, den Preis nach oben treiben.“

Dieser Mechanismus ist Lehrbuch. Die Politik darum herum ist es nicht. Europa hat die vergangenen drei Jahre damit verbracht, Haushalte vor genau solchen Preissprüngen zu schützen. Die Akten zeigen, dass dieses Bemühen auf immer härtere Grenzen stößt.

Der erste Rückschlag für saubere Energie

Die konkreteste Zahl kommt aus den USA, nicht aus Europa, doch sie ist wichtig für die Lieferkette, die beide Regionen teilen. Electrek berichtete am 28. September, dass die USA im Jahr 2025 36.949 Arbeitsplätze im Bereich saubere Energie verloren haben, der erste jährliche Rückgang seit der Pandemie. Die Beschäftigung fiel auf 3.520.000, womit fast 40% der 2024 erzielten Zuwächse wieder verloren gingen. Die Verluste erreichten 35 Bundesstaaten; Kalifornien verlor fast 21.000 Arbeitsplätze, mehr als jeder andere Bundesstaat.

Die Zahlen stammen von E2, das Beschäftigungsdaten des US-Energieministeriums ausgewertet hat. Der Projekt-Tracker von E2 verzeichnete 142 Projekte zur Herstellung, Erzeugung und Speicherung sauberer Energie, die 2025 abgesagt oder verkleinert wurden. Electrek führt den Abschwung auf die Umkehr der Bundespolitik unter der Trump-Regierung und einen von den Republikanern kontrollierten Kongress zurück. Die gesamte US-Energiewirtschaft verlor nach denselben Daten des Energieministeriums schätzungsweise 86.000 Arbeitsplätze. Auf saubere Energie entfielen rund 43% dieses Rückgangs, doch sie bleibt mit mehr als 3.500.000 Beschäftigten der größte Teil der Arbeitskräfte. Öl und Gas beschäftigen 958.000 Menschen, Kohle 125.000 und Kernkraft 70.000.

Der vollständige Bericht Clean Jobs America 2026 von E2 mit Details auf Bundesstaats- und Kreisebene soll im Oktober erscheinen.

Die Arithmetik der Elektrifizierung

Vor diesem politischen Hintergrund weist die Physik weiter in eine Richtung. Hannah Ritchies Substack vom 29. September arbeitet eine Studie des Oxford-Professors Nick Eyre durch. Sie zeigt, dass die globale Endenergienachfrage in einem System nach der Energiewende auf 247 Exajoule sinkt, von heute 416 EJ. Der Strombedarf steigt von 110 auf 189 EJ, doch die Gesamtnachfrage fällt um rund 40%, weil die Elektrifizierung die Verluste der Verbrennung beseitigt.

Die Details nach Sektoren sind der interessante Teil für die Industrie. Ritchie merkt an, dass Elektroautos etwa viermal so effizient sind wie Benziner, wobei rund 80% der Energie in Bewegung umgesetzt werden gegenüber 20% beim Verbrennungsmotor. Der Energiebedarf für Autos und Transporter sinkt nach der Wende auf etwa ein Viertel des heutigen Niveaus. Bei Gebäuden fällt er deutlich, wenn Gaskessel Wärmepumpen weichen. Die Industrie ist schwieriger: Manche Prozesse wie die Raumheizung lassen sich elektrifizieren, Hochtemperaturprozesse in der Industrie jedoch nicht, und für sie wird Wasserstoff angenommen.

„Es werden keine Effizienzgewinne angenommen außer durch Elektrifizierung oder die Umstellung auf Wasserstoff“, schreibt Ritchie und fügt hinzu, dass dies die Reduktion wahrscheinlich unterschätzt. Das Modell lässt außerdem das Energie-Wachstum durch die Entwicklung von Ländern aus, was laut Ritchie das Verhältnis zwischen den Szenarien nicht beeinflussen sollte.

Wer für die Rechenleistung zahlt

Der Rechenzentrums-Boom ist die Unbekannte auf der Nachfrageseite. Der CBC-Bericht vom 29. September zitiert Paris Marx, Technikjournalist und Autor von Hyperscale, eines Buches über den Aufstieg der Rechenzentren: „Das sind Produkte, die wirklich rechenintensiv sind. Und die Tech-Unternehmen haben natürlich festgestellt, dass sie viel mehr Rechenleistung brauchten, um sie zu betreiben.“ CBC merkt an, dass Meta und Bell dieses Jahr Milliarden von Dollar für Rechenzentren in Alberta, Ontario und Saskatchewan angekündigt haben.

Efficient Computer, ein Chipunternehmen, kündigte in einem am 29. September veröffentlichten Blogbeitrag eine Series B über 97.000.000 Dollar unter der Führung von TQ Ventures an. CEO und Mitgründer Brandon Lucia argumentiert, eng spezialisierte KI-Beschleuniger seien ein „Teufelspakt“, der die Programmierbarkeit aufgebe. Amdahls Gesetz begrenze den Nutzen, nur einen Teil einer Arbeitslast zu beschleunigen. „Selbst mit einem unrealistischen, idealisierten Beschleuniger, der die beschleunigbaren 90% Ihrer Berechnung auf magische Weise auf null Zeit- und Energiekosten drückt, ist der maximale Nutzen gerade einmal 10x“, schreibt er.

Die Behauptung des Unternehmens lautet, Effizienz und nicht roher Durchsatz sei die bindende Einschränkung. Europäische Regulierer beginnen, es ebenso zu sehen.

Brüssel baut seine eigenen Leitungen

Am 29. September berichtete Light Reading, dass Orange Business als vertrauenswürdiger Netzwerkpartner für TESTA-EIRIS ausgewählt wurde, die Enhanced Infrastructure for Reliable Interconnectivity and Security der EU. Der Vertrag umfasst ein privates Kommunikations-Backbone, das EU-Institutionen, -Einrichtungen, -Agenturen und Mitgliedstaaten verbindet. Es steht auf einem einzigen Backbone mit mindestens 12 Präsenzpunkten in fünf europäischen Regionen. Orange nennt eine Verfügbarkeit von 99,999% und erklärt, seine Evolution Platform werde dedizierte Hardware durch softwarebasierte virtuelle Dienste ersetzen.

Das sind Infrastruktur-Nachrichten, keine Energienachrichten. Doch es ist dieselbe Logik: Souveränität über die physische Ebene, ob diese Ebene nun Pakete oder Elektronen transportiert. Das DG DIGIT der Europäischen Kommission entwirft und verwaltet das Ökosystem, so Light Reading.

Nichts davon löst das unmittelbare Problem. Öl bei 101 Dollar wirkt auf Diesel, Düngemittel, Kunststoffe und Schifffahrt, und Europas Industriebasis ist bereits fragil. Die Kontext-Schlagzeilen der Akten verweisen auf stillgelegte Acetyls-Anlagen, steigende Rheinfrachtkosten und unter Druck geratene Gasprognosen. Der Fall für die Elektrifizierung ist über ein Jahrzehnt hinweg am stärksten. Der Preisschock kommt in diesem Quartal.

Zwei ältere Referenzen in den Akten umreißen die Lücke. David MacKays Sustainable Energy Without the Hot Air, erstmals 2008 veröffentlicht und weiterhin auf withouthotair.com gehostet, plädierte dafür, erst die Rechnung zu machen, bevor man einen Plan wählt; die Seite wurde 2015 zuletzt geändert, bleibt aber eine Standardquelle. Die Fotovoltaik-Zeitleiste der US Energy Information Administration, aktualisiert am 29. September, zeichnet den Bogen von der 6-%-Siliziumzelle von Bell Labs bis zu Zellen, die heute 40% Wirkungsgrad erreichen. Beides erinnert daran, dass die Technologiekurve zugleich steil und langsam war.

Die industrielle Frage für Europa ist nicht, ob Elektrifizierung funktioniert. Sie lautet, wer den Wert abschöpft, solange die Wende noch teuer ist. Den letzten Preissprung haben die Ölproduzenten abgeschöpft, so die Analyse von The Conversation. Rechenzentrumsbetreiber und ihre Chiphersteller positionieren sich für den nächsten. Die Rechnung landet wie immer irgendwo dazwischen.

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Quellen

8
  1. 01AI data centres in N.L.? The door is 'open for business,' says energy ministerEN
  2. 02When oil prices spike, where does the money go?EN
  3. 03US clean energy jobs fell for the first time since the pandemicEN
  4. 04Electrification is efficiency: The world will need less energy after the transitionEN
  5. 05Solving computing's energy problem with Efficient Computer's $97M Series BEN
  6. 06Orange Business to provide European Union's backbone network for trusted data exchangeEN
  7. 07Sustainable energy without the hot airEN
  8. 08Energy Timelines PhotovoltaicEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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