Privatfusion mit Premieren: Helion zündet D-T bei 150 Millionen Grad, Realta wandelt Plasma in Strom
Helions Polaris ist die erste privat entwickelte Fusionsmaschine, die mit Deuterium-Tritium läuft und 150 Millionen Grad Celsius erreicht. Das teilte das Unternehmen am 13. Februar 2026 mit. Realta Fusion meldete am 19. Juni 2026 die erste direkte Umwandlung von Plasmaenergie in Strom durch ein kommerzielles Fusionsunternehmen.

Helion Energy aus Everett im US-Bundesstaat Washington hat zwei Ergebnisse vorgelegt, die nach Darstellung des Unternehmens in der Branche neu sind. Der Prototyp Polaris der siebten Generation sei die erste privat entwickelte Fusionsmaschine, die eine messbare Deuterium-Tritium-Fusion (D-T) zeige, und die erste, die Plasmatemperaturen von 150 Millionen Grad Celsius (MºC) erreiche. Beides wurde am 13. Februar 2026 veröffentlicht. Polaris nahm Ende 2024 den Betrieb auf. Im Januar war die Maschine nach Angaben von Helion die erste und derzeit einzige private Anlage, die mit D-T-Brennstoff läuft.
Mit 150 Millionen Grad überbot Polaris den eigenen Rekord von 100 Millionen Grad, den der Vorgänger Trenta aufgestellt hatte. In der Fusionsbranche gelten 100 Millionen Grad als Schwellentemperatur für eine kommerziell nutzbare Maschine. Helion will die Temperatur weiter steigern und damit den zuverlässigen Betrieb mit Deuterium-Helium-3 belegen, dem Brennstoff für spätere kommerzielle Anlagen.
Was die D-T-Kampagne tatsächlich belegt
Der Betrieb mit D-T ist für Helion kein Endpunkt, sondern ein harter Ingenieurtest. Nach eigenen Angaben erhielt das Unternehmen als erstes die behördliche Genehmigung, Tritium zu besitzen und einzusetzen, um die Fusionsenergieerzeugung nachzuweisen. Die Kampagne zeige, dass die Technik mit mehreren Brennstoffen arbeitet und skaliert. Auch von außerhalb kam Resonanz. Jean Paul Allain, Associate Director for Fusion Energy Sciences im Office of Science des US-Energieministeriums, sagte, ihn beeindrucke das Tempo beim Risikoabbau, und die Daten zeigten starke Fortschritte. Ryan McBride, Experte für Trägheitsfusion und gepulste Leistung, sagte, er habe die Diagnosedaten geprüft. Die Belege für D-T-Fusion und Temperaturen über 13 keV, also 150 Millionen Grad, nannte er vielversprechend.
"Wir glauben, dass der sicherste Weg zur Kommerzialisierung der Fusion darin besteht, so schnell wie möglich zu bauen, zu lernen und zu iterieren", sagte David Kirtley, Mitgründer und CEO von Helion.
Fusion ist noch kein Netzprodukt. Im Juli 2025 begann Helion mit dem Bau des Standorts von Orion, seiner ersten kommerziellen Maschine, in Malaga, Washington.
Orion soll Strom aus Fusion für Microsoft ins Netz einspeisen. Das ist ein Bau-Meilenstein, kein Leistungs-Meilenstein. Zwischen den Polaris-Ergebnissen und dem kommerziellen Betrieb liegen nach Darstellung des Unternehmens selbst noch reichlich Tests. Die D-T-Kampagne ist ein Schritt im Testprogramm von Polaris, nicht dessen Abschluss.
Ein anderes Erstes, von einer anderen Maschine
Fünf Monate nach Helions Ankündigung meldete Realta Fusion ein Erstes anderer Art. Am 19. Juni 2026 zeigte das Unternehmen gemeinsam mit der University of Wisconsin-Madison am Gerät Wisconsin HTS Axisymmetric Mirror (WHAM) die direkte Energieumwandlung (DEC) von kinetischer Plasmaenergie in Elektrizität. Nach Angaben von Realta war dies das erste Mal, dass ein kommerzielles Fusionsunternehmen DEC an einem Fusionsplasma nachgewiesen hat. DEC fängt die Energie geladener Teilchen, die das Plasma verlassen, direkt als elektrischen Strom ab. Der übliche Weg führt sie stattdessen vollständig über einen thermischen Kreislauf mit seinen eingebauten Wirkungsgradgrenzen.
Der Prototyp ist bewusst bescheiden. Ein einstufiger Konverter sitzt am Endring-Aufbau anstelle der mittleren Scheibe und nutzt drei fein vermaschte Gitter: ein geerdetes Gitter, ein Elektronenabstoßungsgitter und ein Ionenkollektorgitter. Nach Angaben von Realta zieht der Aufbau mehrere Ampere Strom bei rund 100 Volt, genug für ein paar Glühbirnen. In den kommenden Wochen will das Unternehmen die Konverterspannung erhöhen, um mehr Strom zu ziehen. Es benennt auch ausdrücklich, was die Demo nicht zeigt: keine Netto-Stromerzeugung und keine großskalige Umwandlung von fusionserzeugter Leistung. WHAM läuft nur mit Deuterium. Der größte Teil der umgewandelten Energie stammte also aus der zugeführten Leistung, mit der das Plasma geheizt und aufrechterhalten wurde.
Geld fließt weiter in Richtung Netz
Die technischen Ergebnisse stehen in einem Finanzierungszyklus, der nicht langsamer geworden ist. Thea Energy, ein Stellarator-Unternehmen, das 2022 aus der Princeton University und dem Princeton Plasma Physics Laboratory ausgegründet wurde, kündigte am 27. Mai 2026 eine Serie B über 100 Millionen US-Dollar an. Die Runde führte Thomas Tulls US Innovative Technology Fund an, mit Beteiligung von General Innovation Capital Partners, Linse Capital und einer längeren Liste von Investoren, darunter Idemitsu Kosan. Nach Angaben von Thea fließt das Geld in die Magnetherstellung, einschließlich einer zweiten Anlage in Northern New Jersey, sowie in Standortsuche und Bau von Eos, einem großskaligen integrierten Stellarator. Das Unternehmen will noch in diesem Jahr einen Standort für Eos auswählen und sein Team verdoppeln.
Theas Argument ruht auf seiner Magnetarchitektur. Gaetano Crupi, Managing Director bei USIT, sagte, der Stellarator sei von Natur aus stabil, doch frühere 3D-Stellarator-Magnete hätten das System unpraktikabel zu bauen gemacht. Thea verschiebe die Komplexität von präziser mechanischer Fertigung zu softwaredefinierten Steuerungen. Das Unternehmen sagt, es habe das erste supraleitende Magnetarray gebaut und betrieben, das die komplexen Felder erzeugen kann, die kommerzielle Stellaratoren brauchen. Es halte außerdem eine Zertifizierung des Energieministeriums für seinen Helios-Vorkonzept-Design-Meilenstein, die es als erster Empfänger erhalten habe.
Das öffentliche Projekt in der Mitte
Private Meilensteine kommen, während ITER, der öffentlich finanzierte internationale Reaktor in Südfrankreich, eine schwierige Phase durchläuft. CNET berichtete im Mai 2026, das Projekt trage geschätzte Kosten von 22 Milliarden US-Dollar. 2020 in der Verrohrung eines Hitzeschilds gefundene Risse sowie Schweißverformungen und COVID-19-Störungen hätten den Zeitplan um Jahre zurückgeworfen und zusätzliche 5 Milliarden US-Dollar für Reparaturen erfordert. Die Maschine ist darauf ausgelegt, ein 150 Millionen Grad heißes Plasma mit supraleitenden Magneten einzuschließen, die nur wenige Grad über dem absoluten Nullpunkt gehalten werden. Zwischen der heißesten und der kältesten Umgebung liegt nur ein dünner Hitzeschild. Das ist derselbe Temperaturwert, den Helion nun für Polaris beansprucht, in einer Maschine, die einen Bruchteil der Größe und der Kosten hat.
Der Vergleich ist nicht geradlinig.
ITER ist gebaut, um physikalische und ingenieurtechnische Fragen in einem Maßstab zu beantworten, den kein privates Unternehmen versucht. Seine Ergebnisse werden unter mehr als 30 Mitgliedsländern geteilt. Javier Artola, ein Wissenschaftler, der das Plasmayerhalten von ITER modelliert, sagte CNET, das Projekt sei öffentlich finanziert und gehöre zum Wissen der Welt. Laban Coblentz, leitender strategischer Berater von ITER, bezeichnete die Zusammenarbeit selbst als die Leistung: Länder unterschiedlicher Überzeugung, die jahrzehntelang zusammenarbeiten.
Bei aller Dynamik ist die kurzfristige Bilanz gemischt. Helions 150 Millionen Grad sind ein Temperaturrekord, kein Leistungsrekord. Der Konverter von Realta brachte ein paar Glühbirnen zum Leuchten und lief überwiegend mit zugeführter Leistung. Theas Kraftwerk ist für die Zeit vor dem Ende des Jahrzehnts anvisiert. Thea sagt, es sei in Gesprächen mit mehr als einem Dutzend Stromabnehmern, Hyperscalern und Versorgungspartnern. Das signalisiert eher Nachfrage als Lieferung.
Was sich 2026 änderte, ist enger und konkreter als der übliche Fusionsoptimismus. Eine private Maschine lief mit dem Brennstoff, der die meisten Neutronen erzeugt. Eine andere verwandelte entweichende geladene Teilchen in messbaren Strom. Beides sind Schritte auf einem langen Weg, und beide Unternehmen sagen das auch. Der nächste Test ist, ob diese Schritte zu Geräten skalieren, die mehr erzeugen, als sie verbrauchen.
Quellen
4- 01Helion Achieves New Fusion Energy MilestonesEN
- 02A look inside ITER, the world's largest fusion energy projectEN
- 03Thea Energy Raises $100M Series B Funding to Build Scalable Fusion Power PlantsEN
- 04A Fusion First: Realta Demos Direct Energy ConversionEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
Kommentare
0- Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.