Kulturbehörde Abu Dhabi verschob Enthüllung des Salvator Mundi auf unbestimmte Zeit
Das Department of Culture and Tourism in Abu Dhabi hat die für den 18. September 2018 geplante Enthüllung des Salvator Mundi auf unbestimmte Zeit verschoben und keinen neuen Termin genannt. Das Gemälde wurde 2017 für 450.300.000 Dollar verkauft; seine Zuschreibung ist umstritten.

Die verschobene Enthüllung
Am 27. Juni 2018 kündigte das Department of Culture and Tourism in Abu Dhabi an, der Salvator Mundi werde ab dem 18. September jenes Jahres ausgestellt. Die Behörde teilte mit, das Ölgemälde der Renaissance, das Christus in blauem Gewand mit einer Kristallkugel zeigt, sei im November zuvor bei Christie's in New York verkauft worden. Auf Twitter gab die Behörde dann bekannt, die Enthüllung sei auf unbestimmte Zeit verschoben. Ein neuer Termin wurde nicht genannt.
Seit dem Verkauf war das Bild nicht öffentlich zu sehen, sein Aufbewahrungsort ist nicht bekannt, wie Aeon berichtet.
Im Dezember 2017 erklärte der Louvre Abu Dhabi auf Twitter, das Werk sei vom Department of Culture and Tourism in Abu Dhabi für das Museum erworben worden.
Umstrittene Zuschreibung
Nach Angaben von Christie's gelten weniger als 20 Gemälde allgemein als eigenhändige Arbeiten Leonardos, und dies ist das letzte bekannte in Privatbesitz. Lange hielt man es für eine Kopie; etwa ein Dutzend Jahre vor dem Verkauf von 2017 wurde es als echt eingestuft, wie ein Bericht vom Dezember 2017 festhielt. 2011 kam es in der National Gallery in London erstmals öffentlich zu sehen, als erster neu entdeckter Leonardo seit einem Jahrhundert.
Aeon berichtete, Forscher von gleichem Rang seien überzeugt, das Bild sei eine Ableitung und nicht von Leonardo. In diesem Fall wäre es womöglich nur 450.000 Dollar wert. Der Essay schrieb, die Zuschreibung sei der Grundpfeiler eines wirtschaftlichen und kulturellen Gefüges: Ohne sie brächen die Preise ein und die Kataloge gerieten durcheinander. Regierungen, Versicherer, Kreditgeber, Erben und Institutionen verließen sich darauf, dass die Zuschreibung stimmt, so der Essay, obwohl sie auf einer gewissen Ebene wüssten, dass sie es vielleicht nicht tut.
Laut Aeon beruht die Zuschreibung auf Kennerschaft, dem geschulten Blick, der Pinselstrich, Komposition und Handhabung im Werk eines Künstlers vergleicht. Sie ist subjektiv, und zwei gleich qualifizierte Fachleute können grundlegend unterschiedlicher Meinung sein, wie sie es seit Generationen sind. Der Essay schrieb, das 20. Jahrhundert habe die wissenschaftliche und forensische Analyse hinzugefügt: Materialtests, die Identifizierung anachronistischer Pigmente, die Untersuchung von Unterzeichnungen, die Datierung der Tafel oder Leinwand, auf der ein Gemälde entsteht. Diese Methoden hätten viele gefeierte Fälschungen entlarvt, so der Essay, die Zuschreibung aber nicht gelöst.
Verkauf und Eigentum
Christie's verkaufte das Gemälde am 15. November 2017 für 450.300.000 Dollar einschließlich Gebühren, ein Weltrekord bei Auktionen und mehr als das Doppelte des vorigen Rekords von 179.400.000 Dollar, der 2015 in New York für Picassos Frauen von Algier (Version O) gezahlt wurde. Das Auktionshaus nannte den Käufer nicht. Die New York Times nannte unter Berufung auf eingesehene Dokumente Prinz Bader bin Abdullah bin Mohammed bin Farhan al-Saud als Erwerber. Er war zuvor nicht als bedeutender Kunstsammler in Erscheinung getreten und ist ein Freund und Vertrauter von Kronprinz Mohammed bin Salman. Prinz Bader ist als Direktor der in Houston ansässigen Energy Holdings International eingetragen.
Das Wall Street Journal berichtete eine andere Darstellung. Prinz Bader sei der nominelle Käufer gewesen, hieß es dort, und Berichte des US-Geheimdienstes hätten Mohammed bin Salman als wahren Eigentümer identifiziert. Eine Größe der Kunstwelt am Golf sagte der Zeitung: "Er ist ein Strohmann für MBS."
Saudische Vertreter wiesen diese Darstellung zurück. Ein saudischer Beamter sagte zu Reuters: "Entgegen den Medienberichten hat Kronprinz Mohammed bin Salman dieses Kunstwerk nicht gekauft." Al Arabiya berichtete, ein Regierungsvertreter der VAE habe über das Werk gesagt: "Es gehört uns." Die Financial Times berichtete, Prinz Bader habe es im Namen der saudischen Regierung gekauft, mit der Verabredung, Saudi-Arabien werde es den VAE übergeben. Die Kulturbehörde von Abu Dhabi erklärte, das Gemälde sei für den Louvre Abu Dhabi erworben worden.
Die Darstellungen stimmen nicht überein. Der Preis ist dokumentiert; der wirtschaftlich Berechtigte nicht.
Quellen
9- 01Could AI replace human art experts in attributing paintings?EN
- 02Mohammed bin Salman Net WorthEN
- 03Louvre Abu Dhabi to put $450M Salvator Mundi on display this fallEN
- 04Da Vinci sold for $450 mn is headed to Louvre Abu DhabiEN
- 05Louvre Abu Dhabi: record breaking 'da Vinci's' mystery buyerEN
- 06LOUVRE ABU DHABIEN
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