ASML verkauft in Europa nichts mehr, weil die Energiekosten drücken
ASML hat 2026 in Europa keine Lithografieanlagen verkauft. Das sagte Frank Heemskerk, Executive Vice President für öffentliche Angelegenheiten, auf einer Podiumsdiskussion in Amsterdam. Die Energiekrise und der stockende Fabrikbau lassen den Kontinent ohne Nachfrage nach seinem wertvollsten Exportgut zurück.

Frank Heemskerk, Executive Vice President für öffentliche Angelegenheiten bei ASML, sagte auf einer Podiumsdiskussion im Amsterdamer Kulturzentrum De Balie, der europäische Umsatzanteil des Unternehmens sei auf null gefallen. „Wir verkaufen in Europa absolut nichts“, sagte er, wie Tom's Hardware berichtet. „Weil Europa nicht investiert und weil in Europa keine Chipfabriken gebaut werden. Das ist wirklich besorgniserregend.“
Das niederländische Unternehmen ist der weltweit einzige Anbieter von EUV-Lithografiesystemen und nach Marktkapitalisierung das größte Unternehmen Europas, bewertet mit rund 660.000.000.000 Dollar. Sein europäischer Umsatzanteil lag 2024 bei 5 Prozent, 2025 bei 1 Prozent und in den ersten beiden Quartalen 2026 bei 0 Prozent. Das geht aus den Investorenpräsentationen und Quartalsberichten hervor.
Ein Nachfrageproblem, kein Angebotsproblem
Heemskerks Diagnose ist deutlich. Europa hat jahrelang das Angebot subventioniert und fast nichts dafür getan, Käufer zu schaffen. „Hier gibt es einfach keine Nachfrage nach dieser Art hochspezialisierter Maschinen“, sagte er. „Statt nur mit Kapital auf der Angebotsseite Investitionen anzulocken, sollten wir viel mehr tun, um Nachfrage zu schaffen.“
Die Europäische Union hat Fabriksubventionen vorangetrieben, darunter den European Chips Act, doch die Ergebnisse sind gemischt. Intel betreibt Fab 34 bei Leixlip in Irland und kündigte dort eine Erweiterung um 5.000.000.000 Euro an. ESMC, getragen von TSMC, Bosch, Infineon und NXP, baut bei Dresden eine Fabrik für rund 15.000.000.000 Euro. Dort entstehen Automobilchips der 12nm/16nm- und 22nm/28nm-Klasse. Intels rund 80.000.000.000 Euro teurer Komplex in Magdeburg hat das Unternehmen jedoch nicht wie erhofft gelockt. Die Chip Industry Week in Review von SemiEngineering vom 25. September berichtete zudem, dass ASML derzeit keine Chipfertigungsmaschinen in Europa verkauft. Sie warnte, der Kontinent riskiere weiter zurückzufallen, während die USA, China und Indien ihre heimische Produktion ausbauen.
Dieselbe Übersicht vermerkte, dass das US-Handelsministerium eine vorläufige Regel erließ, die das Horten von Polysilizium und dessen Derivaten einschränkt, bevor neue Einfuhrmaßnahmen nach Section 232 am 4. Dezember in Kraft treten. Das ist eine zweite Front im selben Kampf. Die Handelspolitik schreibt neu, wer was kauft und woher.
Die Energiepreise sind der Hintergrund
Europas Problem mit den Industriekosten ist nicht neu, doch die jüngsten Signale in diesem Dossier weisen in eine Richtung. Fortum, das nordische Energieunternehmen, ist Norrsken Evolve als Limited Partner beigetreten und investiert über seinen Innovations- und Venture-Arm, wie Tech.eu am 25. September berichtete. Der Schritt folgt auf das finale Closing des überzeichneten Fonds von Norrsken Evolve über 62.000.000 Euro in diesem Sommer. Norrsken Evolve ist ein Pre-Seed-Fonds, der mehr als 80 Unternehmen unterstützt hat, von denen 75 Prozent Folgeinvestitionen eingeworben haben.
„Das Energiesystem der Zukunft entsteht durch schnellere Innovation und engere Zusammenarbeit zwischen Unternehmern, Investoren und Industrie“, sagte Gustav Eilertsen, VP für Innovation und Venture bei Fortum. Johan Attby, General Partner bei Norrsken Evolve, beschrieb das Geld als operative Tiefe: „Was Fortum einbringt, ist die operative Tiefe, die Finanzinvestoren nicht haben: echtes Wissen darüber, wie Energie erzeugt, transportiert und verkauft wird.“
Fortums Investition steht neben Norrskens Electro-Union-Kampagne, einem offenen Aufruf an die EU, sich bis 2040 zu 50 Prozent Elektrifizierung des Endenergieverbrauchs zu verpflichten. Das ist eine politische Forderung, kein Marktergebnis. Sie trifft auf einen Kontinent, dem billiger Strom als Input fehlt.
Chipnachfrage und Energienachfrage sind dasselbe Argument
ASMLs Klage dreht sich eigentlich darum, wer die Fabriken baut, die Strom in großem Maßstab verbrauchen. Heemskerk sagte, das Unternehmen spreche mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und wolle, dass Regierungen die Nachfrage nach in Europa hergestellten Chips bündeln und garantieren. „Wir müssen dafür sorgen, dass einige dieser Käufer, die Kunden unserer Kunden, wieder viel enger mit europäischen Herstellern sprechen“, sagte er. In Bereichen wie künstlicher Intelligenz für die Industrie gebe es, so fügte er hinzu, „noch reichlich Möglichkeiten, die Europa ergreifen kann. Aber man muss das kollektiv organisieren.“
Tom's Hardware merkte an, Heemskerk sei womöglich zu pessimistisch. Intels Investition in Irland und das Dresdner Projekt sind real, auch wenn sie kleiner sind als die Schlagzeilenzahlen, die einst mit Magdeburg verbunden waren. Das Gegenargument lautet, dass ein Fabrikbauboom ohne billigen Strom und ohne verbindliche Käufer ein Subventionsprogramm ist, keine Industrie.
Auf der anderen Seite des Atlantiks wird dieselbe Dynamik eingepreist. Anza, ein Daten- und Analyseunternehmen für Solar- und Energiespeicher, erwartet nach Section 232 einen Anstieg der US-Solarmodulpreise um mindestens 40 Prozent, wie pv magazine am 26. September berichtete. Der Zoll von 15 Prozent auf Polysiliziumprodukte tritt am 4. Dezember in Kraft. Anza zufolge lag der Medianpreis für importierte Module vor der Proklamation vom 7. August bei 0,27 Dollar/W und beträgt nun 0,38 Dollar/W für Lieferungen nach dem 4. Dezember, bei den Anbietern, die neu bepreist haben. Bei Angeboten, wo Anza dieselbe SKU und dieselben Vertragsbedingungen vergleichen kann, sind die Preise um etwa 15 Prozent gestiegen.
Anza-Präsident Aaron Hall sagte, Entwickler träten in „das kritischste Beschaffungsfenster“ ein und könnten nicht bis zum 4. Dezember warten, weil Module Zeit zum Versand und zur US-Zollabfertigung brauchen. Die Solar Energy Industries Association gibt an, die USA hätten 75,3 GW Fertigungskapazität für Module, genug für die aktuelle Nachfrage, während Kapazitäten für Ingots, Zellen, Wafer und Polysilizium zurückbleiben.
Worüber Europa noch streitet
Die europäische Debatte hat sich davon entfernt, ob saubere Energie gebaut wird, hin zu der Frage, wer das Netz bezahlt und wer die Elektronen bekommt. Canary Media berichtete am 25. September, dass 87 Prozent der US-Stromerzeugung aus sauberer Energie in ländlichen Gebieten stattfinden, laut einer Analyse des Rural Climate Partnership, und dass mehr als 60 Prozent der US-Countys mit Einschränkungen für Erneuerbare ländlich sind. Das ist eine US-Geschichte, doch die Politik reimt sich: Land, Kosten und die Frage, wer den Wert abschöpft.
Unterdessen berichtete Politico am 24. September, europäische Tech-Führungskräfte und Cybersicherheitsexperten wehrten sich scharf gegen Warnungen vor einer KI-Auslöschung aus US-Labors. James Wise von Balderton Capital, Vorsitzender des souveränen KI-Fonds der britischen Regierung, sagte über das aktuelle Narrativ: „Leider ist es hochgesprungen zum Terminator kommt. Ich glaube überhaupt nicht, dass der Terminator kommt.“ Marcus Hutchins, der Forscher, der WannaCry stoppte, argumentierte, der Vorfall bei Hugging Face habe gezeigt, dass OpenAI ein Modell in einer Sandbox nicht halten konnte, statt dass eine KI ausgebrochen sei.
Der rote Faden für die europäische Industrie ist weniger dramatisch, als es die Untergangspropheten oder die Subventionsbroschüren nahelegen. Ein Kontinent, der seine eigenen Chipmaschinen nicht an sich selbst verkaufen kann, der bis 2040 50 Prozent des Endenergieverbrauchs elektrifizieren soll und der zusieht, wie die Handelspolitik die Preise der Bauteile erhöht, die er braucht, hat ein industriepolitisches Problem, das bei den Kosten einer Kilowattstunde beginnt.
ASMLs Null ist keine Prognose. Sie ist eine Zahl, die bereits in den Geschäftsberichten steht.
Quellen
6- 01ASML says it sold 'absolutely nothing' in Europe in 2026EN
- 02Chip Industry Week In ReviewEN
- 03Fortum backs Norrsken Evolve's €62M fund to accelerate Europe's electrificationEN
- 04Anza expects at least a 40% spike in U.S. solar module prices after Section 232EN
- 05The challenges and opportunities of clean energy in rural AmericaEN
- 06Don't believe the doomers: Europe's tech industry slams AI panicEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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