Berentzen-Gremien empfehlen Sazeracs Angebot von 5,55 Euro je Aktie
Vorstand und Aufsichtsrat von Berentzen haben am 3. November 2026 den Aktionären empfohlen, das Barangebot von Sazerac Germany Holding über 5,55 Euro je Aktie anzunehmen. Es bewertet den deutschen Getränkehersteller mit rund 53.300.000 Euro. Die Annahmefrist endet am 20. November.

Gremien empfehlen das Angebot
Der unabhängige Finanzberater ValueTrust steuerte für die gemeinsame begründete Stellungnahme eine Fairness Opinion bei. Die Gremien verglichen den Preis von 5,55 Euro außerdem mit der historischen Kursentwicklung der Aktie und mit Multiples vergleichbarer Unternehmen. Sie halten den Preis für angemessen und fair, auch mit Blick auf mögliche Folgen einer angekündigten Erhöhung der Alkoholsteuer und einer geplanten Zuckerabgabe.
Die Vorstandsmitglieder Oliver Schwegmann und Ralf Brühöfner erklärten: „Wir betrachten die geplante Übernahme als herausragende Chance für die Berentzen-Gruppe.“ Sazerac bekenne sich zur mehr als 260-jährigen Tradition von Berentzen, zur Position im deutschen Spirituosenmarkt, zum europäischen Vertriebsnetz und zu den Produktionsstandorten. Die gemeinsame begründete Stellungnahme wurde nach deutschem Übernahmerecht veröffentlicht.
Angebotsbedingungen und Delisting-Plan
Die Sazerac Germany Holding GmbH, früher Blitz 26-877 GmbH, macht ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot nach dem Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz. Der Bieter ist eine Holdinggesellschaft der Sazerac Company. Für das Angebot reicht eine Annahmequote von 50 Prozent plus einer Aktie. Nach Angaben von Sazerac sind keine regulatorischen Genehmigungen nötig.
Das Angebotsdokument wurde am 23. Oktober 2026 nach Zustimmung der BaFin veröffentlicht. Aktionäre können ihre Aktien bis zum 20. November 2026 um 24:00 Uhr Frankfurter Zeit andienen. Sazerac will Berentzen nach der Abwicklung von der Börse nehmen, sobald das Unternehmen mit Unterstützung des Berentzen-Vorstands eine einfache Mehrheit am Grundkapital hält. Das Angebotsdokument warnt: Wer investiert bleibt, könnte eine weniger liquide Aktie halten, mit weniger Finanzberichterstattung und begrenzten Möglichkeiten, zu einem fairen Preis zu verkaufen.
Der Preis im Vergleich zum Markt
Das Barangebot von 5,55 Euro je Aktie bewertet Berentzen mit rund 53.300.000 Euro. Nach Angaben von Sazerac liegt das etwa 68 Prozent über dem unbeeinflussten volumengewichteten Dreimonatsdurchschnittskurs im XETRA vor dem 16. September 2026, dem Tag, an dem die Gespräche öffentlich wurden.
Vor Bekanntwerden der Gespräche lag die Marktkapitalisierung von Berentzen bei rund 35.000.000 Euro. Als der Deal am 21. September 2026 angekündigt wurde, sprangen die Aktien um etwa 21 bis 22 Prozent auf rund 5,50 bis 5,56 Euro. Am Freitag vor dem Start des Angebots hatten sie bei 4,53 Euro geschlossen.
Schwache Ergebnisse bei Berentzen
Berentzen verkauft seit mehr als 260 Jahren Getränke in Deutschland. Zu den Marken gehören Berentzen Apfelkorn und Puschkin Vodka, zu den alkoholfreien Produkten Mio Mio. Der Umsatz sank 2025 um 10,4 Prozent auf 162.900.000 Euro.
Im ersten Halbjahr fiel der Umsatz auf 71.000.000 Euro von 79.900.000 Euro im Vorjahr. Das EBIT ging auf 600.000 Euro von 3.200.000 Euro zurück. Im Juli senkte das Management die Umsatzprognose für 2026 auf 151.000.000 bis 156.000.000 Euro, zuvor lag sie bei 163.000.000 bis 173.000.000 Euro. Auch die EBIT-Prognose wurde auf 3.500.000 bis 5.000.000 Euro gesenkt, nach zuvor 7.000.000 bis 9.000.000 Euro.
Sazeracs Vorstoß nach Europa
Sazerac ist ein Privatunternehmen mit Sitz in Louisville, Kentucky. Zu den Marken gehören Buffalo Trace Bourbon, Fireball Cinnamon Whisky, Southern Comfort und Svedka Vodka. Svedka kaufte das Unternehmen im Dezember 2024 von Constellation Brands. Der Kauf des britischen Unternehmens Au Vodka wurde eine Woche vor der Vereinbarung mit Berentzen abgeschlossen. Brown-Forman hatte in diesem Jahr eine unaufgeforderte Übernahmeavance von Sazerac abgelehnt.
Wie es weitergeht
Sazerac will den Deal im vierten Quartal 2026 abschließen. Das Unternehmen will die bestehenden Standorte von Berentzen weiterbetreiben und durch zusätzliche Investitionen ausbauen.
Vorstandschef Jake Wenz sagte: „Wir schätzen die lange und bewegte Geschichte der Berentzen-Gruppe im deutschen Markt sehr.“ Der Zusammenschluss solle es beiden Unternehmen ermöglichen, Spirituosen für Europa und darüber hinaus „mit größerer Flexibilität und Geschwindigkeit“ herzustellen und zu vertreiben, auch Eigenmarken.
Quellen
12- 01Sazerac continues acquisition drive with takeover deal of Germany's Berentzen GroupEN
- 02US Spirits Maker Sazerac Launches Takeover Bid For BerentzenEN
- 03Berentzen-Gruppe Aktiengesellschaft (XETR:BEZ) Gets €5.55-Per-Share Takeover Offer From SazeracEN
- 04Acceptance Period Of Sazerac's Voluntary Public Takeover Offer For Berentzen-Gruppe Aktiengesellschaft CommencesEN
- 05Sazerac Launches €53.3 Million Offer for German Drinks Maker BerentzenEN
- 06EQS-WpÜG: Takeover Offer / Target company: Berentzen-Gruppe Aktiengesellschaft; Bidder: Blitz 26-877 GmbHEN
- 07Berentzen Gets a Shot of Takeover SpeculationEN
- 08EQS-News: Sazerac's intended acquisition of the Berentzen Group – Executive Board and Supervisory Board recommend accepting the offerEN
- 09Berentzen boards back Sazerac's €5.55-a-share offerEN
- 10Industry experts discuss China blocking SoftBank acquisition of ABB RoboticsEN
- 11Fox completes its $22B acquisition of RokuEN
- 12Chinese regulators block SoftBank’s $5.4B acquisition of ABB RoboticsEN
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