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Ember-Analyse: Lastverlagerung in Rechenzentren senkt Spitzenlast kaum

Lastverlagerung in Rechenzentren kann Irlands Spitzenstrombedarf 2030 um rund 100 MW senken, etwa 1,5 Prozent. Eine Ember-Analyse vom 3. November zeigt: Eigenerzeugung hinter dem Zähler und Speicher könnten fast fünfmal so viel Entlastung bringen.

TechnologieAnalyseKatrin HoffmannVeröffentlicht: 3. November 20269 Min. LesezeitQuellen 10
Ember-Analyse: Lastverlagerung in Rechenzentren senkt Spitzenlast kaum

Am 3. November berichtete pv magazine über eine Analyse von Ember. Sie beziffert, was die Softwarebranche für Stromnetze seit Monaten lautstark verkauft: wie viel Lastflexibilität Rechenzentren tatsächlich liefern können. Die Antwort lautet, zumindest für Irland, etwa 100 MW bis 2030. Das sind 1,5 Prozent der prognostizierten Spitzenlast. In den anderen von Ember untersuchten Märkten liegen die Reduktionen zwischen 0,1 und 0,6 Prozent.

Das Ergebnis fällt mitten in eine arbeitsreiche Woche für Energiemanagement-Software. Anbieter preisen Plattformen an, die KI-Last in einen Vorteil für das Stromnetz verwandeln sollen. Embers Zahlen legen nahe, dass die Softwareebene zählt, aber anders, als es die Verkaufspräsentationen suggerieren.

Der Grund liegt im Mix der Arbeitslasten. Ember schätzt, dass Cloud-Dienste, Unternehmensanwendungen und KI-Inferenz bis 2030 rund 87 Prozent der weltweiten Rechenzentrumskapazität ausmachen. All das braucht niedrige Latenz. Flexibel ist das Training. Nach Embers Annahmen lassen sich 35 Prozent des Trainings verschieben, 5 Prozent der Inferenz und in klassischen Rechenzentren nichts. Daraus ergibt sich, dass etwa 6,5 Prozent der weltweiten Kapazität theoretisch beweglich wären. Eine durchschnittliche Auslastung von rund 48 Prozent drückt den effektiven Wert auf etwa 3 Prozent.

Irland ist der Belastungsfall. Dort entfallen bereits etwa 19 Prozent der Spitzenlast auf Rechenzentren, berichtet pv magazine. Im Januar 2025, als die Systemlast mit 6 GW ihren Höchststand erreichte, zogen Rechenzentren geschätzt 1,1 GW. Ember erwartet, dass dieser Anteil bis 2030 auf 24 Prozent steigt, mit einem Bedarf der Rechenzentren von 1,6 GW bei einer Systemspitze von 6,5 GW. Ein großes Rechenzentrum kann 200 MW bis 500 MW benötigen und wird in 18 bis 24 Monaten gebaut. Der Netzausbau dauert vier bis zehn Jahre.

Was die Software bewegen kann und was nicht

Die Alternative, die Ember prüft, ist eigene Kapazität: die Arbeitslast weiterlaufen lassen und Netzstrom durch Erzeugung oder Speicher vor Ort ersetzen. Daher stammt der Faktor fünf. In Texas könnten Erzeugung und Speicher hinter dem Zähler bis zu 2,7 GW abfedern, so die Analyse. Die Aufgabe der Software verschiebt sich vom Einteilen von Rechenleistung zum Echtzeit-Orchestrieren von Batterien, Generatoren und Netzvorgaben.

Das ist ein schwierigeres Ingenieursproblem, und ein vertrauteres für die Anbieter in diesem Markt. Irlands Regulierungsbehörde hat auf der Verteilnetzseite bereits Zahlen vorgelegt. CleanTechnica berichtete am 29. Oktober, dass die erste nationale Bewertung des Flexibilitätsbedarfs der Commission for Regulation of Utilities für 2028 rund 234 MW und 58 GWh potenziellen nach oben gerichteten Flexibilitätsbedarf in den Verteilnetzen identifiziert. Am Umspannwerk Naas 38 kV/10 kV liegt der modellierte Bedarf 2028 bei 0,6 MW und 3 MWh, konzentriert im Januar. Er fällt auf null, sobald die Verstärkung bis 2030 erfolgt ist.

Das Beispiel Naas ist der Punkt. Eine Batterie anderswo in Irland kann am Regelenergiemarkt Geld verdienen und zu dieser Einschränkung nichts beitragen. CleanTechnica merkt an, dass die Bewertung von UK Power Networks vom März 2026 festhält, der Netzbetreiber habe für bestimmte Umspannwerke mit einem einzigen Transformator keine Flexibilitätsausschreibungen mehr gesucht. Deren Einschränkungen dauerten typischerweise 24 Stunden, und der Markt konnte sie aus technischen und kaufmännischen Gründen nicht adressieren. Netzsoftware, die den elektrischen Ort einer Einschränkung nicht sieht, ist in diesem Zusammenhang ein Dashboard.

"We see a very, very significant penetration of battery storage and looking ahead, we'll see this scaling up even more," sagte Sally Bogle, Vice President Renewables and Power bei Rystad Energy, auf der All Energy Australia, laut pv magazine.

Der Speicherausbau ist real. Auf der Fachmesse in Melbourne am 28. und 29. Oktober berichtete pv magazine, dass in Australien im ersten Halbjahr neun Großbatterieprojekte mit zusammen 2,3 GW / 7,1 GWh ans Netz gingen. Das übertraf die 2 GW / 5,1 GWh, die im gesamten Jahr 2025 hinzukamen. Weitere 13 Projekte mit zusammen 1,6 GW / 6,5 GWh erreichten im selben Halbjahr die Finanzierungszusage. Mehr als 550.000 private Batteriespeicher wurden in den 15 Monaten seit dem Start des bundesweiten Programms Cheaper Home Batteries installiert. Veranstalter RX Global nannte mehr als 22.000 Besucher, rund 5.000 mehr als 2025, bei über 490 Ausstellern.

Jedes dieser Güter ist eine steuerbare Einheit, die eine Plattform bündeln, bieten und abrechnen muss. Darin liegt die kommerzielle Chance, die die Softwareanbieter verfolgen. Und hier beißt das Standortproblem. Eine Flotte privater Speicher in South Australia hilft einem eingeschränkten Transformator in Naas wenig, und dieselbe Logik gilt in Australiens eigenen Verteilnetzen.

Die Versorger bewegen sich, langsam

Auf der Versorgerseite tut sich etwas, aber im Tempo der Infrastruktur. National Grid vereinbarte vergangene Woche den Kauf von 29,5 Hektar (73 Acres) am Dorman Point auf dem Gelände von Teesworks. The Guardian berichtete am 1. November, der Standort könnte Großbritanniens größtes Umspannwerk werden und ein geplantes KI-Rechenzentrum von fast 500.000 Quadratmetern versorgen. Ben Houchen, Bürgermeister des Tees Valley, sagte Sky News, der Standort könne bis zu 3,2 GW Kapazität bieten. "Everyone who has tried to build a datacentre in this country knows the biggest problem is getting enough power to the site quickly," sagte er laut Guardian.

Das ist Kupfer und Stahl, kein Code. Doch der Wert des Umspannwerks hängt davon ab, wie sich die Last dahinter verhält, und dort kommen die Energiemanagement-Plattformen ins Spiel. Die vom Guardian zitierte Entwurfsfassung der nationalen Politikgrundsätze der britischen Regierung zu Rechenzentren, vergangene Woche veröffentlicht, nennt sie "as fundamental to our economy as the railways and electricity networks on which we have long depended". Sie hält außerdem fest, das Land müsse "take control over the development of datacentres".

Nicht alle bauen. The Guardian berichtete im Oktober, KI-Firmen hätten den Ministern gesagt, sie hätten zwölf Monate Zeit, um öffentlichen Widerstand gegen Rechenzentren abzuwenden, sonst drohten Proteste nach US-Vorbild. Kampagnengruppen haben Projekte von Auchtertool nördlich von Edinburgh bis Brick Lane im Osten Londons bekämpft. Software kann die Auslastung verbessern und Spitzen glätten; einen Planungsstreit löst sie nicht.

Jenseits des Atlantiks gehen die Pläne in die andere Richtung. Tucson Electric Power und Arizona Public Service reichten ihre integrierten Ressourcenpläne für 2026 am Freitag ein, berichtete CleanTechnica am 2. November. APS plant bis 2041 mehr als 4.000 MW neues fossiles Gas, darunter das Kraftwerk Desert Sun und acht Gasturbinen im Maricopa County im Rahmen der Redhawk Expansion. Der Versorger verlängerte den Kohlebetrieb in Four Corners bis 2038 statt 2031 auszusteigen. APS beantragt zudem eine Tariferhöhung von 14 Prozent, die die durchschnittliche Privatkundenrechnung um rund 240 Dollar pro Jahr erhöhen würde. TEP plant 300 MW neues Gas und hat erklärt, sein früheres Ziel einer CO2-Reduktion um 80 Prozent bis 2035 nicht zu erreichen.

Ein solches Nachfragewachstum wird meist als Grund für mehr Spitzenlastkraftwerke dargestellt. Es ist ebenso ein Grund zu messen, wie viel flexible Last tatsächlich verfügbar ist. Embers effektive 3 Prozent legen nahe, dass die Antwort geringer ausfällt als die Markterzählung annimmt, zumindest für Arbeitslasten, die sich nicht verschieben lassen.

Der Softwaremarkt füllt die Lücke

Die Anbieter warten nicht, bis die Analyse geklärt ist. Am 30. Oktober berichtete The Robot Report über den Start von Perceptos Plattform Axion, die hardwareunabhängig ist. Sie nimmt Inspektionsdaten von Drohnen und Sensoren Dritter auf und wendet mehr als 160 KI-Modelle an, um Geräteausfälle vorherzusagen. Das Unternehmen sitzt in Modi'in in Israel, mit US-Zentrale in Austin, Texas. Unter dem neuen CEO Julien Bellanger wandelt es sich von Drohnenhardware zu Software-as-a-Service. "When I looked at Percepto, I saw a company that had already done the hardest part: fully autonomous drones flying real missions every day at some of the most demanding industrial sites in the country," sagte Bellanger dem Robot Report.

Das ist eine andere Ecke desselben Markts. Netzbetreiber brauchen Zustandsdaten von Übertragungs- und Verteilungsanlagen, bevor sie einem Flexibilitätsangebot trauen. Inspektionsplattformen sind ein Weg zu diesen Daten. The Robot Report merkt an, Axion sei für die vorgelagerte Öl- und Gasindustrie, die Stromübertragung und -verteilung sowie die nachgelagerte Verarbeitung gedacht. Ebenso hält der Bericht fest, die Fertigung werde in die USA verlagert, um die American Drone Dominance Initiatives zu stützen.

Auch Kapital bewegt sich. CNBC berichtete am 2. November, OpenAI habe Vereinbarungen mit Einrichtungen in Abu Dhabi geschlossen, die Energie, Regierung und Investitionen umfassen. Dazu gehört ein Vertrag mit ADNOC und G42, um die eigene Spitzentechnologie in den Betrieben von ADNOC einzusetzen, sowie eine Fünfjahresvereinbarung mit Inception42 für Regierung, Unternehmen und Bildung. Sam Altman traf Kronprinz Khaled bin Mohamed bin Zayed Al Nahyan, teilte das Abu Dhabi Media Office mit. CNBC berichtete zudem, OpenAI wolle bis zu 20.000.000.000 Dollar in einer Runde einsammeln, die von Investoren aus den VAE mitgeführt wird.

Rechenverträge dieser Größe sind faktisch Netzverträge. Jedes Gigawatt neuer Last braucht einen Vertrag, einen Anschluss und eine Steuerungsebene. Embers Arbeit wirft die Frage auf, wie viel dieser Steuerungsebene Software sein kann und wie viel am richtigen Ort mit der richtigen Spannung gebaut werden muss.

Ältere Beispiele zeigen das Muster. Eugene in Oregon verabschiedete am 28. Oktober mit 6 zu 1 Stimmen im Stadtrat eine Verordnung zur Offenlegung des Home Energy Score, berichtete CleanTechnica. Damit ist es die fünfte Stadt Oregons mit einer solchen Regel, und der Anteil der erfassten Einwohner Oregons steigt über 1.000.000, also 24,4 Prozent der Bevölkerung. Die Politik ist Offenlegung, nicht Steuerung, doch sie erzeugt die Art von Daten auf Gebäudeebene, die Plattformen für Demand Response brauchen, um private Last zu bündeln.

Der elektrische Verkehr folgt einem ähnlichen Weg. CleanTechnica berichtete am 30. Oktober, das elektrische Tragflügel-Pilotboot EF-12 von Artemis habe 2026 die Seeerprobung begonnen, nachdem Brabo im August 2024 eines bestellt hatte. Ein Python-Modell bezifferte die diskontierten Kosten über fünfzehn Jahre auf etwa 5.320.000 Euro gegenüber 3.810.000 Euro für ein konventionelles Diesel-Tender, ein Aufschlag von rund 40 Prozent. Das Schiff wurde für null, rund 6 Prozent oder rund 13 Prozent seiner Fahrzeit als foilborne modelliert, je nach Hafen-Geschwindigkeitsfreigaben. Effizienzgewinne, die nur in einem engen Betriebsfenster greifen, zahlen sich nicht selbst. Das ist dieselbe Falle, die Flexibilitätssoftware droht, die nur funktioniert, wenn sich die Arbeitslast verschieben lässt.

Fords Pläne erinnern daran, dass Zeitpläne verrutschen. Electrek berichtete am 29. Oktober, ein Bericht von Ford Authority, der Escape kehre als Elektrofahrzeug auf der Universal Electric Vehicle Platform zurück, sei von einem Ford-Sprecher als "pure speculation" bezeichnet worden. CEO Jim Farley bestätigte in der Telefonkonferenz zum dritten Quartal, der Pick-up Fathom, das erste UEV-Modell, bleibe für das vierte Quartal des nächsten Jahres im Plan. Vorbestellungen starten Anfang 2027 bei 28.350 Dollar plus 1.595 Dollar Liefergebühr.

Für Netzsoftware ist der kurzfristige Test weniger eine Frage von Markteinführungen als von Nachweisen. Embers 1,5 Prozent für Irland und 2,7 GW für Texas setzen einen Maßstab, den Anbieter schlagen oder erklären müssen. Die Regulierungsbehörde in Irland hat die Zahlen auf Umspannwerksebene bereits veröffentlicht, die den Vergleich möglich machen. Die nächsten zwölf Monate an Einsätzen werden zeigen, ob die Plattformen Last dorthin bewegen können, wo die Einschränkung tatsächlich sitzt, oder ob stattdessen das Netz verstärkt wird.

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Quellen

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  1. 01Behind-the-meter generation could deliver five times more grid relief than data center load shiftingEN
  2. 02Key takeaways from All Energy Australia 2026EN
  3. 03More of the Same Expensive Dependence on Fossil Fuels in TEP and APS 2026 Energy PlansEN
  4. 04Ireland's Grid Flexibility Assessment Shows Why Location MattersEN
  5. 05Eugene Becomes 5th Oregon City to Adopt Home Energy Score RequirementEN
  6. 06Electric Hydrofoils Save Energy, But Do They Earn Their Price?EN
  7. 07National Grid to site biggest substation in UK near planned Teesside datacentreEN
  8. 08OpenAI deepens Abu Dhabi foothold as Sam Altman inks deals spanning energy, government and investmentEN
  9. 09Percepto launches Axion AI platform to unify inspection data analysisEN
  10. 10The Ford Escape may return as an EV based on the UEV platform [Update]EN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Katrin Hoffmann

Katrin Hoffmann

KI, Modelle und Technik

Katrin Hoffmann schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Primärquellen wie Herstellerangaben, Studien und Protokolle statt auf Pressemitteilungen. Bei Benchmarks prüft sie Messmethoden, Testumgebungen und Reproduzierbarkeit, bevor sie Zahlen übernimmt. Für ihre Artikel spricht sie mit Entwicklern und Forschern, wartet auf Konferenzankündigungen und vergleicht Versionsstände von Modellen und Standards. Privat betreibt sie Selfhosting und Heimnetze und dokumentiert ihre eigene Infrastruktur, was ihrer Redaktionsarbeit zugutekommt. Sie veröffentlicht keine Zahlen ohne nachvollziehbare Quelle.

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