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Fusionsbilanz 2026: zwei Premieren, eine größere Rechnung

Helion meldet, dass seine Anlage Polaris 150 Millionen Grad Celsius erreicht hat und damit das erste privat entwickelte Gerät ist, das mit Deuterium-Tritium-Brennstoff läuft. Realta Fusion berichtet von der ersten direkten Umwandlung von Plasmaenergie in Strom durch ein kommerzielles Unternehmen. Beide Ergebnisse fielen in ein Jahr, in dem der Preis für ITER mit 22 Milliarden Dollar angegeben wurde.

WissenschaftAnalyseHanna VogtVeröffentlicht: 28. September 20264 Min. LesezeitQuellen 4
Fusionsbilanz 2026: zwei Premieren, eine größere Rechnung

Zwei privat finanzierte Fusionsunternehmen meldeten 2026 Premieren im Labor. Keines von beiden behauptet, das kommerzielle Problem gelöst zu haben.

Helion aus Everett im US-Bundesstaat Washington teilte am 13. Februar mit, sein Prototyp Polaris der siebten Generation habe eine messbare Deuterium-Tritium-Fusion gezeigt und Plasmatemperaturen von 150 Millionen Grad Celsius erreicht. Das liegt über den 100 Millionen Grad Celsius, die das Unternehmen auf seiner Maschine Trenta der sechsten Generation gemessen hatte. Dieses Niveau gilt in der Fusionsbranche allgemein als Schwelle für ein kommerziell relevantes Gerät. Helion nahm Polaris Ende 2024 in Betrieb. Nach Angaben des Unternehmens ist sie derzeit die einzige private Maschine, die D-T-Brennstoff verwendet hat. Die Behörden haben Helion genehmigt, Tritium für Fusionsvorführungen zu besitzen und zu nutzen.

„Wir glauben, dass der sicherste Weg zur Kommerzialisierung der Fusion darin besteht, so schnell wie möglich zu bauen, zu lernen und zu iterieren“, sagte David Kirtley, Mitgründer und CEO von Helion, in der Ankündigung.

Keine Ziellinie

Die D-T-Kampagne ist ein Schritt im Testprogramm von Polaris, nicht das Ziel. Helion will die Temperaturen in der Maschine weiter erhöhen, um Bedingungen für Deuterium-Helium-3 zu erreichen, den Brennstoff, der im kommerziellen Betrieb verwendet werden soll. Der Unterschied ist wichtig. Ein Temperaturrekord und eine Fusionsreaktion sind nicht dasselbe wie Strom im Netz.

Externe Gutachter, die Helion zitierte, wählten ihre Worte sorgfältig. Ryan McBride, Spezialist für Trägheitsfusion, der am Sandia National Laboratories und an der University of Michigan gearbeitet hat, sagte, er habe Diagnosedaten geprüft. Die Belege für D-T-Fusion und Temperaturen über 13 keV nannte er spannend. Jean Paul Allain, Associate Director für Fusionsenergiewissenschaft im Office of Science des Energieministeriums, sagte, die Polaris-Daten zeigten starke Fortschritte. Um Fusion ins Netz einzuspeisen, brauche es Ansätze, die schnelle Zyklen in Konstruktion und Test erlauben.

Helions kommerzieller Plan ist bereits an einen Kunden gebunden. Im Juli 2025 begann das Unternehmen mit dem Bau am Standort von Orion, seiner ersten kommerziellen Maschine, in Malaga, Washington. Laut Ankündigung soll sie Strom aus Fusion für Microsoft ins Netz liefern. Ein Anhörungsprüfer des Chelan County hat eine Genehmigung für die Anlage erteilt. Das berichten lokale Medien neben der Pressemitteilung des Unternehmens.

Realta misst Ampere, und was das nicht ist

Realta Fusion meldete eine andere Art von Premiere. Am 19. Juni zeigte das Unternehmen gemeinsam mit der University of Wisconsin-Madison am Wisconsin HTS Axisymmetric Mirror die direkte Energieumwandlung von kinetischer Plasmaenergie in Elektrizität. Ein Umrichter am Endring-Aufbau von WHAM nutzt ein elektrostatisches Potenzial, um geladene Teilchen abzubremsen, die den Verlustkegel des Spiegels verlassen. Ihre kinetische Energie wird dabei in Strom umgewandelt. Realta gibt an, der Aufbau ziehe mehrere Ampere bei rund 100 Volt, genug, um einige Glühbirnen zu betreiben.

Das Unternehmen benennt die Grenzen ausdrücklich. In der eigenen Darstellung heißt es, dies sei weder ein Nachweis der Netto-Stromerzeugung noch eine großtechnische Umwandlung von Fusionsleistung. WHAM laufe nur mit Deuterium, sodass der größte Teil der umgewandelten Energie aus der zugeführten Leistung stamme und nicht aus der Fusion. Die erklärte Philosophie lautet, es zuerst zum Laufen zu bringen und dann gut zu machen. Für kommende Geräte ist die Skalierung auf mehrere Kilowatt und später mehrere Megawatt geplant. Realta argumentiert, direkte Umwandlung könne für Magnetspiegelanlagen geeignet sein, weil sie einen Teil der Effizienzverluste eines thermischen Kreisprozesses umgeht.

Der öffentliche Maßstab wird immer teurer

Diesen privaten Meilensteinen steht ITER gegenüber, der internationale Tokamak im Bau im Süden Frankreichs. CNET bezifferte in einem Beitrag vom Mai die geschätzten Kosten des Projekts mit 22 Milliarden Dollar. Beschrieben wird eine ringförmige Vakuumkammer, die Plasma zehnmal heißer als der Sonnenkern halten soll, mit supraleitenden Magneten wenige Grad über dem absoluten Nullpunkt. Risse in der Kühlschildverrohrung aus dem Jahr 2020, Schweißverformungen und Pandemieunterbrechungen verzögerten den Zeitplan und verursachten 5 Milliarden Dollar an Reparaturkosten. Das berichtet derselbe Artikel.

ITERs leitender strategischer Berater Laban Coblentz beschrieb die Zusammenarbeit in diesem Artikel unverblümt: „Dass China und Russland mit den USA und Europa zusammenarbeiten wollten und dazu Korea, Indien und Japan kommen, ist entweder genial oder wahnsinnig.“ Verteidiger des Projekts argumentieren, seine öffentlich finanzierte Forschung senke Risiken für private Firmen. ITER hat mehr als 30 Mitgliedstaaten, und laut CNET erhalten alle Zugang zur Forschung, die dort entsteht.

Auch auf der privaten Seite fließt weiter Geld. Thea Energy, ein 2022 aus der Princeton University und dem Princeton Plasma Physics Laboratory ausgegründeter Stellarator-Entwickler, kündigte am 27. Mai eine Serie B über 100 Millionen Dollar an, angeführt vom US Innovative Technology Fund. Das Geld soll die Magnetherstellung ausbauen und den Bau des integrierten Systems Eos ermöglichen. Das Unternehmen gibt an, erster Empfänger einer Zertifizierung des Energieministeriums für einen Meilenstein im Vorentwurf eines Kraftwerks zu sein.

Stellt man die Ergebnisse nebeneinander, ist das Muster klar. Private Maschinen liefern inzwischen Daten, die Fachleute prüfen werden, bei Temperaturen und in Konfigurationen, die einst staatlichen Labors vorbehalten waren. Nichts davon zeigt bislang ein Kraftwerk, das Strom verkauft. Die Lücke zwischen einem Temperaturrekord und einem Zählerstand bleibt die ganze Geschichte.

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Quellen

4
  1. 01Helion Achieves New Fusion Energy MilestonesEN
  2. 02A look inside ITER, the world's largest fusion energy projectEN
  3. 03Thea Energy Raises $100M Series B Funding to Build Scalable Fusion Power PlantsEN
  4. 04A Fusion First: Realta Demos Direct Energy ConversionEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Hanna Vogt

Hanna Vogt

Wissenschaft und Gesundheit

Hanna Vogt schreibt für FLASH24 über Wissenschaft und Gesundheit und stützt sich dabei auf Primärstudien, Behördenberichte und Rohdaten statt auf Pressemitteilungen. Bei Zahlen prüft sie Stichprobengrößen, Konfidenzintervalle und ob die zitierte Quelle die Aussage tatsächlich deckt. Für ihre Texte spricht sie mit Studienautorinnen, wartet auf Peer-Review-Fassungen und vergleicht Vorabdrucke mit der finalen Publikation. Dass sie privat Materialphysik verfolgt und mit eigenem Teleskop den Himmel beobachtet, erklärt, warum sie bei Messmethoden und Instrumenten genau nachfragt. Sie publiziert keine Ergebnisse, deren Datengrundlage sie nicht selbst eingesehen hat.

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