Helion erreicht 150 Millionen Grad, doch im Fusionsrennen zählt der Netzanschluss
Helions Prototyp Polaris ist laut Unternehmen die erste privat entwickelte Fusionsmaschine, die mit Deuterium-Tritium-Brennstoff lief und Plasmatemperaturen von 150 Millionen Grad Celsius erreichte. Die übrigen Meilensteine des Jahres weisen jedoch auf weniger spektakuläre Dinge hin: Magnete, Konverter und Kapital.

Die Anlage von Helion in Everett im US-Bundesstaat Washington lieferte eine Schlagzeile: 150 Millionen Grad Celsius. Das sind 50 Prozent mehr als die 100 Millionen Grad, die der Prototyp Trenta der sechsten Generation erreicht hatte. Mit dieser Zahl beansprucht Helion einen Branchenrekord. Nach der eigenen Mitteilung war Polaris zudem die erste private Fusionsmaschine, die eine messbare Deuterium-Tritium-Fusion nachwies. Kein anderes privates Unternehmen hat das bisher geschafft.
Zwei Details wiegen schwerer als die Temperatur. Helion zufolge nahm Polaris Ende 2024 den Betrieb auf, die D-T-Kampagne lief in diesem Januar. Das Unternehmen gibt außerdem an, als erstes die behördliche Genehmigung erhalten zu haben, Tritium für eine Fusionsdemonstration zu besitzen und einzusetzen.
Das sind keine physikalischen Ergebnisse. Es ist der Papierkram und die Hardware, die darüber entscheiden, ob eine Maschine überhaupt laufen darf. Der öffentliche Vergleichsmaßstab bleibt ITER im Süden Frankreichs. CNET beschrieb den Reaktor im Mai als größten der Welt, mit geschätzten Kosten von 22 Milliarden US-Dollar. Die ringförmige Vakuumkammer von ITER soll Plasma bei 150 Millionen Grad Celsius einschließen, derselben Temperatur, die Helion nun meldet. Supraleitende Magnete werden dabei wenige Grad über dem absoluten Nullpunkt gehalten. Risse in den Leitungen des Hitzeschilds, die 2020 entdeckt wurden, dazu Verformungen durch Schweißnähte und Störungen durch COVID-19 verzögerten den Zeitplan um Jahre und erhöhten die Reparaturkosten um 5 Milliarden US-Dollar.
"Das ist ein öffentlich finanziertes Projekt", sagte Javier Artola, ein Wissenschaftler, der das Plasmaverhalten von ITER modelliert. "Es ist das Wissen der Welt."
Diese Einordnung ist keine Schönfärberei. Die Mitgliedstaaten von ITER, mehr als 30 Länder, erhalten Zugang zur Forschung. Das Projekt hat eine globale Lieferkette für Fusionskomponenten aufgebaut. Laban Coblentz, leitender strategischer Berater von ITER, sagte CNET, die Zusammenarbeit zwischen China, Russland, den USA, Europa, Korea, Indien und Japan sei "entweder genial oder wahnsinnig". Private Unternehmen profitieren von jedem Problem, das ITER zuerst löst.
Effizienz, nicht Temperatur
Realta Fusion ging einen anderen Engpass an. Am 19. Juni 2026 zeigte das Unternehmen gemeinsam mit der University of Wisconsin-Madison an der Spiegelanlage WHAM die direkte Energieumwandlung von kinetischer Plasmaenergie in Elektrizität. Nach eigener Darstellung ist das eine Premiere für ein kommerzielles Fusionsunternehmen. Der Konverter sitzt an der Endring-Baugruppe. Er bremst geladene Teilchen, die den Verlustkegel des Spiegels verlassen, über ein elektrostatisches Potenzial ab und wandelt ihre kinetische Energie in Strom um. Realta zufolge zieht der Prototyp mehrere Ampere bei rund 100 Volt, genug für ein paar Glühbirnen.
Das Unternehmen benennt die Grenzen klar. Es handelt sich nicht um Netto-Stromerzeugung und nicht um die Umwandlung von Fusionsleistung im großen Maßstab. WHAM läuft nur mit Deuterium. Realta argumentiert, dass in einer Deuterium-Tritium-Anlage 80 Prozent der Ausbeute als Neutronen und 20 Prozent als geladene Alphateilchen anfallen. Wer die Alpha-Leistung direkt einfängt, muss nicht alles durch einen thermischen Kreislauf schicken.
Das Magnetproblem und das Geld
Thea Energy wurde 2022 aus der Princeton University und dem Princeton Plasma Physics Laboratory ausgegründet. Am 27. Mai 2026 sammelte das Unternehmen 100 Millionen US-Dollar in einer Series-B-Finanzierung ein, angeführt vom US Innovative Technology Fund von Thomas Tull. Thea baut Stellaratoren, eine Architektur, deren verdrillte Magnete sich historisch kaum fertigen ließen. Gaetano Crupi von USIT sagte, der Ansatz von Thea verschiebe die Komplexität von der präzisen mechanischen Fertigung zu softwaredefinierten Steuerungen. Thea plant eine zweite Magnetanlage im Norden von New Jersey, will in diesem Jahr einen Standort für seinen integrierten Stellarator Eos auswählen und strebt den Bau seines ersten Kraftwerks Helios noch vor Ende des Jahrzehnts an.
Helion wiederum begann im Juli 2025 mit dem Bau auf dem Gelände von Orion, seiner ersten kommerziellen Maschine, in Malaga, Washington. Die Anlage soll Fusionsstrom für Microsoft ins Netz einspeisen. Dieser Meilenstein wird die Debatte entscheiden. Temperaturen und Konverter sind notwendig. Ein unterzeichneter Abnahmevertrag und eine laufende Anlage sind der Prüfstein.
Quellen
4- 01Helion Achieves New Fusion Energy MilestonesEN
- 02A look inside ITER, the world's largest fusion energy projectEN
- 03Thea Energy Raises $100M Series B Funding to Build Scalable Fusion Power PlantsEN
- 04A Fusion First: Realta Demos Direct Energy ConversionEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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