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Trump unterzeichnet "moralisch bindendes" KI-Abkommen, Brüssel setzt eigenes Regelwerk durch

Präsident Donald Trump sagte am Dienstag, er und Tech-Manager hätten im Weißen Haus ein "moralisch bindendes" KI-Dokument unterzeichnet. In derselben Woche trat der EU AI Act in die Durchsetzungsphase ein. Damit gelten zwei konkurrierende Regelwerke.

WeltAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 29. September 20267 Min. LesezeitQuellen 13
Trump unterzeichnet "moralisch bindendes" KI-Abkommen, Brüssel setzt eigenes Regelwerk durch

Präsident Donald Trump sagte am Dienstag, er habe nach einem Mittagessen im Weißen Haus ein "moralisch bindendes" Dokument zur künstlichen Intelligenz mit Tech-Größen unterzeichnet. So beschreibt es der CNBC-Bericht über den Termin. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, stand neben ihm und nannte denselben Text eine Grundsatzerklärung, die "freiwillig seitens der Industrie" sei. Zwischen dem Präsidenten und dem Sprecher liegen zwei Wörter. Genau darin steckt die gesamte US-KI-Politik im Kleinen.

Trump sagte, die Regierung erwäge einen Ausschuss aus 10 Personen zur Aufsicht über die KI-Branche. Einen neuen KI-Beauftragten werde er innerhalb von drei bis vier Tagen benennen. Große Rechenzentren bezeichnete er als "eine sehr positive Sache". Tech-Größen würden "die Gemeinden sehr, sehr glücklich machen" oder "gezwungen sein, ins Ausland zu gehen".

Zwei Regelwerke, eine Branche

Außerhalb des Weißen Hauses sagte Anthropic-Chef Dario Amodei, Regeln für KI-Risiken seien "noch in Diskussion". AMDs Lisa Su sagte, sie sei "sehr ermutigt" gegangen. Keine der beiden Aussagen ist ein Konformitätsdokument. In Brüssel ist der EU AI Act unterdessen in seine Durchsetzungsphase getreten. Die Fachpresse griff den Schritt diese Woche breit auf, auch in der Schlagzeilenliste des Dossiers: der Bericht von HR Executive vom 28. September über grenzüberschreitende HR-Inhalte und der Hinweis von App Developer Magazine zu den globalen Folgen für amerikanische Anbieter.

Für jedes Unternehmen, das Modelle oder Cloud-Kapazität nach Europa verkauft, liegt das praktische Problem nicht im Wortlaut des amerikanischen Abkommens. Das Abkommen enthält keinen Wortlaut, den eine Aufsichtsbehörde durchsetzen kann. Der EU-Text enthält ihn. Ein Anbieter kann keine "moralisch bindende" Erklärung einreichen. Er kann eine Konformitätsbewertung einreichen, eine technische Dokumentation oder nichts. Der Zeitpunkt ist kein Zufall.

OpenAI erklärte am Montag, das Unternehmen habe entschieden, sein Modell GPT-6.1 Astra nicht zu veröffentlichen. Man sei zu dem Schluss gekommen, es erfülle "die Anforderungen an Umfang und Autorisierung nicht ganz", so Saachi Jain, die Leiterin der Sicherheitssysteme des Unternehmens. Das Wall Street Journal berichtete zuerst über die Entscheidung, CNBC bestätigte sie. OpenAI hatte das frühere GPT-6 Astra bereits im September veröffentlicht und in der vergangenen Woche die Stufen GPT-6 Sol und GPT-6 Luna ergänzt.

Selbstregulierung trifft auf eine Abgabefrist

Trumps Antwort darauf ist Selbstregulierung. "Es gibt die Überzeugung, dass es eine enorme Selbstregulierung geben sollte", sagte er zu Reportern. Das Justizministerium und das FBI sorgten bereits für "Regulierung". Das ist kein Rahmen, das ist ein Glaubensbekenntnis. Es prallt auf ein europäisches Regime, das Dokumente verlangt statt Überzeugungen.

"Es scheint nicht möglich, dass ein Kunde ein neues Auto kaufen kann, das ihn nicht verfolgt." Sarah Elizabeth Gillespie, Northeastern University, in einer Studie von Consumer Reports

Die Durchsetzungslücke zeigt sich bereits in angrenzenden Märkten. Eine Studie der Northeastern University, veröffentlicht mit Consumer Reports, testete 21 Fahrzeuge und deren Begleit-Apps in einem Faraday-Zelt im Testzentrum von CR in Connecticut. Die Daten der Fahrer flossen zu Amazon, Google, Meta, Microsoft, Pinterest, Snap und Yahoo. Fast ein Viertel der Fahrzeug-Apps übermittelte personenbezogene Daten, darunter Namen, Fahrzeug-Identifikationsnummern und genaue Standorte. Die Studie wird diese Woche veröffentlicht. Keine US-Aufsichtsbehörde hat darauf reagiert. Keine europäische braucht dafür ein neues Gesetz.

Die Kapitalmärkte verhalten sich, als würde die Regulierungsfrage durch Ausgaben entschieden und nicht durch Regelsetzung. Torsten Slok, Chefvolkswirt bei Apollo, veröffentlichte am Dienstag eine Notiz. Darin weist er darauf hin, dass die Branchenanalysten der Wall Street sich intern widersprechen. Tech-Analysten erwarten, dass der operative Cashflow der Branche sich bis 2028 auf rund 2.400.000.000.000 Dollar mehr als verdoppelt, ein Anstieg um über 1.200.000.000.000 Dollar. Analysten, die die Kunden der Tech-Branche abdecken, erwarten deutlich weniger. "Beides kann nicht gleichzeitig richtig sein", schrieb Slok.

Sollten die Prognosen der Kundenseite näher an der Realität liegen, wird der KI-Ausbau gegen eine Nachfrage finanziert, die noch nicht vertraglich gesichert ist. Sollten die Prognosen der Tech-Seite stimmen, stehen die Kunden kurz davor, sehr viel mehr auszugeben, als ihre eigenen Analysten erwarten. So oder so schreibt jemand einen sehr großen Scheck. Niemand hat bisher geklärt, welche Aufsichtsbehörde zusieht, wenn er eingelöst wird.

Die Durchsetzungsfrage, die niemand beantwortet hat

Die Position der EU haben ihre eigenen Beamten wiederholt dargelegt. Dazu gehört die Aussage der Tech-Chefin vom 4. September, KI-Schutzgeländer seien für die Vereinigten Staaten "unvermeidlich". Das ist eine politische Vorhersage, kein Rechtsmechanismus. Der Mechanismus ist das Gesetz selbst. Es gilt für jeden Anbieter, der ein System auf den EU-Markt bringt, unabhängig davon, wo der Anbieter seinen Sitz hat.

Google testet diese Grenze bereits. Das Unternehmen hat EU-Anordnungen angefochten, Android und Suchdaten für konkurrierende KI-Dienste zu öffnen. Über den Streit berichteten chinadailyhk am 28. September und Crypto Briefing am 29. September. In diesem Disput geht es um Zugang und Interoperabilität, nicht um Sicherheitsversprechen. Er ist ein besserer Wegweiser dafür, wie die Durchsetzung tatsächlich aussehen wird, als jedes Gipfelkommuniqué.

Die amerikanische Seite bewegt sich unterdessen in die entgegengesetzte Richtung. Florida hat ein Gericht gebeten, OpenAI die Entwicklung neuer Modelle zu untersagen, wie Politico berichtete. Zusätzlich will der Staat verhindern, dass ChatGPT sich wie eine Person verhält, so The Verge. Der Abgeordnete Khanna hat vorgeschlagen, selbstverbessernde KI zu verbieten, berichtete CNBC. Senator Cruz blockierte einen Gesetzentwurf, der Aufsichtsbehörden 45 Tage Zeit für die Prüfung von KI-Modellen vor dem Start gegeben hätte, so die Darstellung von Pasquale Pillitteri vom 29. September.

Die Vereinigten Staaten haben also ein freiwilliges Abkommen, einen vorgeschlagenen Ausschuss aus 10 Personen, einen noch nicht benannten KI-Beauftragten, mindestens zwei Maßnahmen auf Bundesstaatenebene, einen blockierten Bundesgesetzentwurf und ein vorgeschlagenes Bundesverbot. Europa hat ein Gesetz, das diese Woche in die Durchsetzung gegangen ist. Das sind keine vergleichbaren Instrumente. Sie als transatlantischen "Dialog" zu behandeln, schmeichelt dem schwächeren.

Was das Abkommen nicht sagt

Der CNBC-Bericht zitiert keinen Text aus dem Dokument, das Trump unterzeichnet hat. Er beschreibt den Termin, die Teilnehmer und die Aussagen, die dort gemacht wurden. Amodei, Nvidias Jensen Huang und Teslas Elon Musk waren unter den Anwesenden. Das ist der gesamte Umfang dessen, was öffentlich über den Inhalt des Abkommens bekannt ist.

Anthropic hat seinerseits einen Börsengang angemeldet. Diese Anmeldung warnt davor, dass KI die Menschheit bedrohen könnte, so die Financial Times. Ein Unternehmen, das dieses Argument gegenüber Investoren an den öffentlichen Märkten vorbringt und gleichzeitig eine unverbindliche Erklärung des Weißen Hauses unterzeichnet, erhebt zwei verschiedene Ansprüche gegenüber zwei verschiedenen Zielgruppen. Beide sind aktenkundig.

Die Durchsetzungsasymmetrie hat eine kommerzielle Kante. Comcast erklärte am Dienstag, das Unternehmen setze Glasfaser-Sensorik ein, die Vibrationen in der Faser analysiert, um Bauarbeiten in der Nähe vergrabener Leitungen zu erkennen. Künftige Pläne könnten den Einsatz von Drohnen zur Inspektion von Schäden, Vandalismus oder Waldbränden umfassen. Spectrum-Chef Chris Winfrey sagte auf der SCTE TechExpo, der Ausbau auf mehrere Gigabit "öffne die Tür" für tiefer gehende Gespräche mit globalen Big-Tech-Anbietern. Kabelbetreiber wollten Produkte, die im gesamten US-Netz auf Multi-Gigabit-Fähigkeit ausgelegt sind. Beides sind Infrastrukturwetten, die ohne Bezug darauf getätigt werden, welches KI-Regelwerk für die darüber laufenden Dienste gelten wird.

Das Gemeinschaftsunternehmen Ultium Cells von GM mit LG Energy Solution erklärte am Dienstag, sein Werk in Spring Hill, Tennessee, werde "das erste weltweit sein, das prismatische LMR-Batteriezellen in Massenproduktion herstellt". Die Zellen haben bei vergleichbaren Kosten 33% höhere Energiedichte als LFP. Die Upgrades beginnen später in diesem Jahr, die Fertigstellung ist bis 2028 geplant, 500 zusätzliche Arbeitsplätze bringen den Standort auf 1.700. Alibaba wurde seinerseits offizieller Technologie- und Cloud-Partner sowie Trikotsponsor der Brooklyn Nets. Der am Montag angekündigte mehrjährige Vertrag treibt ab der Saison 2026-27 ein 360-Grad-Wiederholungssystem im Barclays Centre an.

Nichts davon wartet auf Brüssel. Das ist der Punkt. Die Durchsetzungsphase des EU AI Act ist jetzt das einzige verbindliche KI-Regelwerk mit globaler Reichweite, das tatsächlich in Betrieb ist. Sie läuft, während sich der größte KI-Markt der Welt auf ein Dokument stützt, dessen Unterzeichner es auf zwei verschiedene Arten beschreiben. Unternehmen werden die Version befolgen, an die Sanktionen geknüpft sind. Die andere werden sie als Grundsatzerklärung bezeichnen.

Die Lücke wird nicht durch ein weiteres Mittagessen geschlossen. Sie wird von dem Regime geschlossen, das zuerst jemanden groß genug mit einer Geldbuße belegt, dass es in die Abendnachrichten kommt.

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Quellen

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  1. 01Trump says he and tech leaders signed AI agreement that is 'morally binding'EN
  2. 02OpenAI abandons plan to release upcoming model as safety concerns escalateEN
  3. 03The Download: climate tech companies to watch and AI's discovery problemEN
  4. 04GM's new EV battery tech will cut costs without sacrificing performance or rangeEN
  5. 05Your Car Is Sharing Data With Big Tech Companies, Study FindsEN
  6. 06Tech's Trillion-Dollar Internal InconsistencyEN
  7. 07Comcast deploys fiber sensing technologyEN
  8. 08Multi-gig at scale will help cable engage with Big Tech – Spectrum CEOEN
  9. 09Alibaba deepens sports tech push with new Brooklyn Nets partnershipEN
  10. 10Beam sues YolTech and Serapha Bio for allegedly stealing its gene editing techEN
  11. 11These Tech Workers Made ChatGPT Drive a Toyota CorollaEN
  12. 12The Tech Industry: An AutopsyEN
  13. 13The Book Your Tech Boss Doesn't Want You to ReadEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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