Wearables machen das Schlafzimmer zum Labor, doch die Genauigkeit bleibt begrenzt
Ein Team der University of Texas at Austin begleitete 82 junge Erwachsene mehrere Monate lang mit am Handgelenk getragenen Wearables. Wer sich mehr bewegte, erreichte die REM-Phase später. Die Arbeit gilt als bislang zuverlässigster Beleg für den Zusammenhang von Bewegung, Schlafqualität und psychischer Gesundheit.

Die Studie erschien in Nature Scientific Reports. Die Teilnehmer trugen einen handelsüblichen Fitbit-Tracker am Handgelenk, der Bewegung und Herzfrequenz aufzeichnete. Aus diesen Daten leitete das Team Phasen des Tiefschlafs ohne REM und des REM-Schlafs ab. Eine separate Smartphone-App sammelte die selbst berichteten Angaben der Teilnehmer zum Wohlbefinden. In ihrer Pressemitteilung vom 1. April schrieb die University of Texas at Austin, die Arbeit liefere den bislang zuverlässigsten Beleg für den Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität, Schlafqualität und psychischer Gesundheit.
Das ist deshalb wichtig, weil die Schlafforschung lange auf Labore beschränkt war.
"Man kann aus Laborstudien viel lernen, aber es gibt natürlich Grenzen, wenn man die Schlafmuster einzelner Teilnehmer in nur einer Nacht untersucht", sagte Benjamin Baird, Forschungsassistent für Psychologie und einer der Autoren, in der Mitteilung der Universität. "Es ist eine ungewohnte, klinische Umgebung, die Stress verursachen kann. Und man kann die Entwicklung über die Zeit nicht wirklich betrachten. Deshalb gibt es immer Fragen zur Übertragbarkeit solcher Studiendesigns."
Das Team aus Texas fand heraus, dass sowohl leichte als auch mittelschwere bis intensive körperliche Aktivität mit tieferem, erholsamerem Schlaf zusammenhing. Besserer Schlaf ging wiederum mit mehr Energie und weniger Stress am folgenden Morgen einher. Der entscheidende Unterschied zu früheren Arbeiten lag im Einsatz von Wearables für Verbraucher. Diese Geräte überwachten die Teilnehmer über Wochen und Monate kontinuierlich, nicht nur eine Nacht in einer Klinik.
David M. Schnyer, Mitautor und Leiter der Psychologischen Fakultät, beschrieb den Wandel in der Mitteilung der Universität deutlich. "Wir haben mit einem Standard-Fitbit gezeigt, den jeder tragen könnte, nicht einmal mit einem teuren wissenschaftlichen Gerät, dass er tatsächlich empfindlich auf solche Messgrößen der Schlafarchitektur reagiert, und zwar so, dass sich daraus Vorhersagen ableiten lassen", sagte er. "Die Welt steht Ihnen jetzt offen. Sie können dieses Gerät nutzen, um alle möglichen Daten zur Schlafarchitektur im Zusammenhang mit Lebensstil, mit Stimmung und Stimmungsstörungen im Feld zu untersuchen, nicht im Labor, was früher für unmöglich gehalten wurde."
Von 82 Teilnehmern zu Millionen von Nächten
Die Stichprobe aus Texas war klein: 82 junge Erwachsene. Doch der breitere Boom der Schlafmessung für Verbraucher hat Forschern Zugang zu Millionen von Stunden an Daten verschafft, wie ABC News am 24. September 2024 berichtete. Sleep Cycle, eine schwedische App mit etwa 2.000.000 aktiven Nutzern pro Nacht, erkannte in der Umgebung eines Erdbebens in New South Wales überdurchschnittlich viele kurze Aufwachphasen. Zuvor hatten sich seismische Wellen durch Sydneys Sandsteinuntergrund ausgebreitet.
Michael Gradisar, Leiter der Wissenschaft bei Sleep Cycle, sagte ABC News, Schlafdaten auf Bevölkerungsebene könnten als Frühwarnsystem dienen. Während der Omikron-Welle in New York habe das Unternehmen etwa eine Woche vor dem Anstieg der bestätigten Fälle in der Bevölkerung eine Zunahme des nächtlichen Hustens beobachtet, sagte er. "Schlaf ist eines der ersten Dinge, die bei der Gesundheit eines Menschen schiefgehen", sagte Gradisar dem Sender. "Schlaf ist der Kanarienvogel im Bergwerk."
Auch die Aufsichtsbehörden nehmen die Hardware inzwischen ernster. Anfang 2024 erhielt das Schlafapnoe-Erkennungssystem der Samsung-Smartwatch nach einer achtmonatigen Prüfung die Zulassung der US-Gesundheitsbehörde. Damit war sie die erste Smartwatch für Verbraucher, die diese Hürde nahm. Die Apple-Smartwatch, die beliebteste der Welt, erhielt dieselbe behördliche Zulassung im September 2024, wie ABC News berichtete.
"Die Tests über eine einzige Nacht sind extrem verrauscht und ungenau", sagte Danny Eckert, Direktor des Adelaide Institute for Sleep Health an der Flinders University, zu ABC News. "Wir konnten nie genau überwachen, was mit der Schlafapnoe zu Hause passiert. Jetzt können wir das jede einzelne Nacht über Wochen, Monate und Jahre tun."
Eine 2022 von Eckert mitverfasste Studie ergab, dass bis zur Hälfte der diagnostischen Einzelnacht-Untersuchungen für Schlafapnoe, dem derzeitigen Goldstandard, den Schweregrad falsch einordnet. Schlafapnoe könnte weltweit bis zu einer Milliarde Menschen betreffen und wird zu selten diagnostiziert, berichtete ABC News. Ein Grund: Die herkömmliche Diagnose erfordert eine unbequeme und oft teure Nacht im Schlaflabor.
Nicht alle begrüßten die erste Welle der Schlaftechnik für Verbraucher mit Begeisterung. Gabriel Pires, ein Schlafforscher in Brasilien, sagte ABC News, er und Kollegen hätten zunächst Arbeiten veröffentlicht, die warnten, dass die neuen Geräte nicht gut funktionierten. Mike Gradisar, damals Professor für Schlafwissenschaft an der Flinders University, war ebenfalls skeptisch, bevor er in die Privatwirtschaft wechselte. Die Pandemie veränderte den Markt: Die Verkäufe der Geräte stiegen, Investitionen folgten, und Apple ergänzte Sensoren für die elektrische Aktivität des Herzens, den Blutsauerstoffgehalt und die Körpertemperatur.
David Walsh, der Entwickler, der die erste Schlaf-Tracking-App für die Apple Watch baute, veröffentlichte AutoSleep Anfang 2016. Acht Jahre später hatte die kostenpflichtige App mehr als 5.000.000 Nutzer, sagte er ABC News. Er beschrieb, wie ihn das Testen seiner eigenen Entwicklung für kleine Verhaltenseffekte auf die Schlafdauer sensibilisierte. Dazu gehörte ein Bier nach der Arbeit, das Stunden von der Schlafzeit abziehen konnte.
Chinas paralleler Vorstoß
Wearables sind nur ein Strang einer breiteren digitalen Gesundheitsexpansion. In China buchen Patienten Krankenhaustermine über WeChat oder Alipay, konsultieren Ärzte auf Telemedizin-Plattformen und sprechen mit KI-Arzt-Avataren über Beschwerden von Schlaflosigkeit bis Diabetes, wie Rest of World am 24. September 2026 berichtete.
Ruby Wang, Ärztin und Beraterin, sagte Rest of World, der Unterschied in der Infrastruktur präge die Akzeptanz. "In Großbritannien und den USA ist Technik im Gesundheitssystem immer ein Zusatz", sagte sie. "Man versucht, ein zusätzliches Teil an eine verrostete Maschine zu schrauben, während in China, weil die Infrastruktur und die digitalen Schienen technologisch so weit ausgebaut sind, die Gesellschaft das als normal akzeptiert."
Wang argumentiert in ihrem kommenden Buch China Cure: The Rise of a Biotech, AI Medicine, and Global Health Superpower, westliche Beobachter sollten Chinas Ansatz untersuchen, auch wo er sich nicht direkt exportieren lässt. Sie sagte Rest of World, der Westen würde einen KI-Arzt-Avatar nie akzeptieren, doch das Bewusstsein dafür sei wichtig. China führe inzwischen mehr klinische Studien durch als die USA und stehe für die Hälfte aller weltweiten Arzneimittel-Lizenzgeschäfte, so das Interview.
Für die Wearable-Schlafforschung ist die ungeklärte Frage nicht, ob die Daten existieren. Sie lautet, ob die Geräte genau genug sind für die Behauptungen, die darauf aufbauen. Die Texas-Studie legt nahe, dass ein Fitbit für Verbraucher Messgrößen der Schlafarchitektur mit Vorhersagewert erfassen kann. Die frühere Skepsis, der Befund zur Schlafapnoe von 2022 und die behördlichen Prüfungen deuten in dieselbe Richtung: Das Feld wandert vom Labor ans Handgelenk, doch die Validierung hinkt noch hinterher.
Quellen
3- 01Move More, Sleep Better, UT Study FindsEN
- 02Sleep-tracking devices are wiring the world for the study of sleep. What will we find?EN
- 03China is excelling in health tech. That's good news for the worldEN
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