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Wearables holen die Schlafforschung aus dem Labor, doch die Belege sind noch dünn

Schlaftracker für zu Hause erkennen Veränderungen der Schlafarchitektur, für die Forscher früher ein Labor brauchten. Das zeigt eine Studie der University of Texas at Austin, veröffentlicht in Nature Scientific Reports.

GesundheitAnalyseHanna VogtVeröffentlicht: 27. September 20264 Min. LesezeitQuellen 2
Wearables holen die Schlafforschung aus dem Labor, doch die Belege sind noch dünn

Das Team begleitete 82 junge Erwachsene über Wochen und Monate. Die Teilnehmer trugen einen Aktivitätstracker am Handgelenk, der Bewegung und Herzfrequenz aufzeichnete, dazu eine Smartphone-App, in der sie ihr Wohlbefinden selbst einschätzten. Das wichtigste Ergebnis laut UT Austin: Körperliche Aktivität verlängerte die REM-Latenz, also die Zeit bis zum Eintritt in den REM-Schlaf. Die Universität argumentiert, das könne bedeuten, dass Bewegung hilft, tiefere Schlafphasen zu festigen, bevor das Gehirn in die Phase wechselt, in der lebhafte Träume auftreten.

Das ist eine konkrete Aussage, keine allgemeine. Sie stützt sich zudem auf ein Gerät, das man kaufen kann, nicht auf einen Laboraufbau.

Benjamin Baird, Forschungsassistent für Psychologie und einer der Autoren der Studie, beschrieb das methodische Problem in der Darstellung der Universität. "Man kann aus Laborstudien viel lernen, aber natürlich gibt es Grenzen, wenn man die Schlafmuster einzelner Teilnehmer nur in einer Nacht untersucht", sagte er. Er verwies auf die ungewohnte, klinische Umgebung. Außerdem lasse sich ein Mensch so nicht über längere Zeit beobachten. David M. Schnyer, Mitautor und Leiter der Fakultät für Psychologie, ging weiter: "Wir haben mit einem handelsüblichen Fitbit gezeigt, das jeder tragen könnte, nicht einmal mit einem teuren wissenschaftlichen Gerät, dass es tatsächlich empfindlich auf solche Maße der Schlafarchitektur reagiert, und zwar so, dass sich vorhersagende Ergebnisse zeigen." Schnyer ergänzte, Forscher könnten die Schlafarchitektur nun im Feld untersuchen, im Zusammenhang mit Stimmung und Stimmungsstörungen. Das sei außerhalb eines Labors bisher für unmöglich gehalten worden.

Der Unterschied zwischen Labor und Feld klingt akademisch. Er ist es nicht. Er entscheidet, welche Fragen überhaupt gestellt werden können.

Jahrelang war die Standardmethode eine Nacht in einer Schlafklinik, verkabelt, in einem fremden Bett. Die UT-Austin-Studie schreibt, die Feldarbeit habe viele Befunde dieser Labore bestätigt: geringe Intensität und mäßige bis starke Aktivität hingen beide mit tieferem, erholsamerem Schlaf zusammen, und besserer Schlaf mit mehr Energie und weniger Stress am folgenden Morgen. Der Unterschied: Die neue Arbeit fand in den Wohnungen der Teilnehmer statt, bei der Arbeit und während alltäglicher Aktivitäten.

Dieser Ansatz verbreitet sich schnell. Wie ABC News am 24. September 2024 berichtete, hat die Schlaferfassung für Verbraucher Forschern Zugang zu Millionen Stunden an Daten verschafft. Die Größenordnung hat verändert, wonach sie suchen können. Als ein starkes Erdbeben New South Wales traf, entdeckten Datenwissenschaftler in Schweden eine überdurchschnittliche Zahl von Menschen, die zum Zeitpunkt des Bebens kurz aufwachten. Grundlage waren Daten der Schlaftracking-App Sleep Cycle. Michael Gradisar, Leiter der Wissenschaft bei Sleep Cycle, sagte dem ABC, Schlaf sei "eines der ersten Dinge, die bei der Gesundheit eines Menschen schiefgehen", und bezeichnete ihn als "den Kanarienvogel im Bergwerk".

Auch die klinische Seite bewegt sich, und zwar langsamer. Anfang 2024 erhielt das Schlafapnoe-Erkennungssystem der Samsung-Smartwatch nach einer achtmonatigen Prüfung die Zulassung der US-Gesundheitsbehörde. Laut ABC war sie die erste Verbraucher-Smartwatch, die diese Hürde nahm. Die Apple-Smartwatch erhielt dieselbe Zulassung später im selben Monat. Danny Eckert, Direktor des Adelaide Institute for Sleep Health an der Flinders University, sagte dem ABC, eine von ihm mitverfasste Studie aus 2022 habe ergeben, dass bis zur Hälfte der diagnostischen Einzelnacht-Untersuchungen für Schlafapnoe, dem derzeitigen Goldstandard, den Schweregrad falsch einordnet. "Die Einzelnacht-Tests sind extrem verrauscht und ungenau", sagte er. Die Überwachung zu Hause erlaube nun eine kontinuierliche Verfolgung über Wochen, Monate und Jahre.

Nichts davon macht die Befunde von UT Austin endgültig. Die Studie umfasste 82 Personen, und die Universität selbst nennt sie die bislang verlässlichste Validierung, nicht einen Beweis für Ursache und Wirkung. Die Schlafphasenbestimmung per Wearable wird aus Bewegung und Herzfrequenz abgeleitet, nicht direkt gemessen wie die Hirnaktivität über Elektroden im Labor. Die Studie formuliert selbst vorsichtig: Körperliche Aktivität hing mit Schlafergebnissen zusammen, und Schlaf hing mit Energie und Stress am nächsten Morgen zusammen.

Die vernünftige Lesart ist also enger als die Schlagzeilen nahelegen. Wearables haben es möglich gemacht, Fragen zu Schlaf und Verhalten in einer Größenordnung und Dauer zu stellen, die Laborstudien nicht bewältigen konnten. Automatisch sind die Antworten dadurch nicht.

Was das Feld mit diesem Zugang macht, ist die nächste Frage. Gradisars Omicron-Beispiel, bei dem nächtliches Husten in New York etwa eine Woche vor bestätigten Fällen zunahm, zeigt den Reiz: ein Signal auf Bevölkerungsebene, passiv gesammelt von Telefonen, die Menschen ohnehin besitzen. Es zeigt auch die Grenze. Ein Hustensignal ist keine Diagnose, und eine vom Handgelenkstracker abgeleitete Schlafphase ist kein Polysomnogramm.

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Quellen

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  1. 01Move More, Sleep Better, UT Study FindsEN
  2. 02Sleep-tracking devices are wiring the world for the study of sleep. What will we find?EN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Hanna Vogt

Hanna Vogt

Wissenschaft und Gesundheit

Hanna Vogt schreibt für FLASH24 über Wissenschaft und Gesundheit und stützt sich dabei auf Primärstudien, Behördenberichte und Rohdaten statt auf Pressemitteilungen. Bei Zahlen prüft sie Stichprobengrößen, Konfidenzintervalle und ob die zitierte Quelle die Aussage tatsächlich deckt. Für ihre Texte spricht sie mit Studienautorinnen, wartet auf Peer-Review-Fassungen und vergleicht Vorabdrucke mit der finalen Publikation. Dass sie privat Materialphysik verfolgt und mit eigenem Teleskop den Himmel beobachtet, erklärt, warum sie bei Messmethoden und Instrumenten genau nachfragt. Sie publiziert keine Ergebnisse, deren Datengrundlage sie nicht selbst eingesehen hat.

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