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Wie Chinas Technologiepolitik aus Exportkontrollen eine Waffe in der Lieferkette machte

China steht für rund 90 Prozent der weltweiten Batterieproduktion. Im Juni erreichten seine E-Auto-Exporte Australien auf einem einzigen Schiff mit 5.000 Fahrzeugen. So hat Peking diese Position aufgebaut, und das versucht Washington dagegen zu unternehmen.

WeltErklärtDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 27. September 20268 Min. LesezeitQuellen 5
Wie Chinas Technologiepolitik aus Exportkontrollen eine Waffe in der Lieferkette machte

Zwei Ereignisse im Abstand von sechs Wochen umreißen den Technologiewettbewerb zwischen Washington und Peking. Im Juni legte der eigens gebaute LNG-Frachter BYD Zhengzhou auf seiner ersten Fahrt nach Australien im Hafen von Melbourne an. An Bord: 5.000 neu gebaute Elektrofahrzeuge. Laut RNZ, das eine Analyse des Chef-Wirtschaftskorrespondenten von ABC News, Ian Verrender, nachdruckte, war es die größte einzelne E-Auto-Lieferung, die je nach Australien ging.

Ende August 2026 erklärte die Trump-Regierung dann den nationalen Notstand. Er verbietet chinesische Batterien für netzgekoppelte Energiespeichersysteme praktisch, wie MIT Technology Review am 10. September berichtete. Die Anordnung verbietet die Installation "jeglicher im Ausland hergestellter elektrischer Betriebsmittel für Energiesysteme", die ein nationales Sicherheitsrisiko darstellen. Ausdrücklich genannt werden Batterie-Energiespeichersysteme, Wechselrichter und Transformatoren.

Dieselbe Technologie. Zwei sehr unterschiedliche Reaktionen.

Was China tatsächlich aufgebaut hat

Die chinesische Position entstand nicht über Nacht, und sie war kein reines Ergebnis der Privatwirtschaft. Laut der RNZ-Analyse schmiedete Peking bereits 2000 eine strategische Politik für Elektrofahrzeuge, pumpte 2009 Geld und finanzielle Anreize in das Projekt und ermutigte Batteriefirmen wie BYD, in die Automobilherstellung einzusteigen. Die erklärten Motive waren zweifach: Chinas Abhängigkeit von importiertem Öl zu verringern, die es fremden Mächten auslieferte, und die Verschmutzung zu senken.

Neben dem Vorstoß bei Fahrzeugen verfolgte China eine parallele Strategie zur Beherrschung der Raffinierung und Produktion von Industriemetallen. Der RNZ-Beitrag merkt an, dass China neben Stahl auch für die Batterieproduktion wesentliche Mineralien beherrscht, darunter Lithium, Kobalt, Mangan und Graphit. Fast die gesamte weltweite Anoden- und Kathodenproduktion kommt aus China. Südkorea setzte auf die teurere Nickel-Mangan-Kobalt-Batteriechemie, China entschied sich für die billigere Lithium-Eisen-Phosphat-Version. Nach Darstellung von RNZ steht China heute für 90 Prozent der weltweiten Batterieproduktion.

Diese Zahl wiegt mehr als jede einzelne Modellvorstellung. Sie bedeutet: Selbst wenn ein nichtchinesisches Unternehmen ein konkurrenzfähiges Produkt entwirft, sind die Zelle darin, die verarbeiteten Mineralien hinter der Zelle und die Raffineriekapazität, die sie hervorbrachte, häufig chinesisch.

Der australische Testfall

Australien fungiert als Lackmustest für die internationale Autoindustrie. Seit dem Ende seiner eigenen Autobranche vor einem Jahrzehnt hat es keine heimische Fahrzeugindustrie mehr und kaum Handelshemmnisse. Das macht es zu einem brauchbaren Maßstab für den Geschmack der Verbraucher. Und der Geschmack hat sich schnell verschoben.

In der ersten Hälfte des Jahres 2026 sanken die Verkäufe jedes großen japanischen Autoherstellers außer Honda, so RNZ. Mazda verlor 17 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, Toyota lag 21 Prozent darunter, Subaru und Mitsubishi fielen um jeweils 25 Prozent, und Nissan büßte 32 Prozent ein. Jeder chinesische Anbieter verzeichnete dagegen spektakuläre Zuwächse von einer viel kleineren Basis, was die Prozentwerte überzeichnet: BYD-Sales sprangen um 124 Prozent, Chery um 77 Prozent, und Geely schnellte um 495 Prozent hoch.

"Es kostet rund 40.000 Dollar. Es ist leise, es ist komfortabel, fährt sich gut und ist voll mit Technik", sagte Riz Akhtar, Gründer der Forschungsgruppe carloop, über sein eigenes in China gebautes E-Auto. Er sagte RNZ, das entsprechende japanische oder europäische Fahrzeug wäre mehr als 25 Prozent teurer, und fügte hinzu: "Verbraucher sind nicht dumm. Sie werden kein Geld ausgeben, das sie nicht ausgeben müssen."

Im vergangenen Monat war fast ein Viertel aller in Australien verkauften Autos vollelektrisch, nach nur 7 Prozent ein Jahr zuvor. Rechnet man Hybride hinzu, liegen E-Autos nun Kopf an Kopf mit Benzinern und Dieselautos. Toyota-Vizechef Koji Sato hat zu mehr Zusammenarbeit zwischen japanischen Herstellern aufgerufen, um die Produktion zu straffen und Kosten zu senken. Auf einem jährlichen Zulieferertreffen im März sagte er: "Wenn sich nichts ändert, werden wir nicht überleben."

In Europa hat Volkswagen-Chef Oliver Blume einen Stellenabbau von bis zu 100.000 Beschäftigten in Aussicht gestellt, so RNZ. Das Unternehmen hatte über Jahre bei der Technologie den Anschluss verloren. Der Aktienkurs von VW hat sich halbiert, seit sein Vorgänger vor vier Jahren unter dem Druck von Donald Trumps Zöllen und Chinas schnellem Marsch zur Vorherrschaft in der Autoindustrie entlassen wurde.

Die KI-Front und die Spaltung, die sie auslöste

Wenn Batterien und E-Autos die reife Front dieses Wettbewerbs sind, dann ist künstliche Intelligenz die aktive. Auslöser war Kimi, ein kostenloses Open-Source-Modell, das das chinesische KI-Unternehmen Moonshot im Juli 2026 startete. Laut MIT Technology Review scheint es der Intelligenz von Modellen von OpenAI und Anthropic ebenbürtig zu sein.

Die Reaktion in Washington war keine einzelne Antwort, sondern ein öffentlicher Streit. David Sacks, bis März Trumps KI- und Krypto-"Zar", bezeichnete die Modelle von Anthropic als "lobotomiert" und "woke". Er kritisierte führende KI-Firmen, die "wollen, dass die Regierung ihre Open-Source-Konkurrenz beseitigt". Emil Michael, ein hoher Pentagon-Beamter, nannte OpenAIs neuen Leiter für strategische Zukunftsfragen einen "Oberdorfdeppen". Dean Ball, ein ehemaliger KI-Berater Trumps, der heute für OpenAI arbeitet, kritisierte ein neues Prüfverfahren des Weißen Hauses als "faktisches Lizenzregime für Frontier-KI". Das Verfahren prüft KI-Modelle vor der Veröffentlichung auf Sicherheit.

Die Trennlinie ist, ob billige chinesische Open-Weight-Modelle eine Bedrohung sind, die blockiert werden muss, oder ein Preisverfall, der zu begrüßen ist. Chiphersteller sehen Umsatzchancen durch mehr KI-Nutzung. Technikfirmen, die die Dominanz von OpenAI und Anthropic besorgt, neigen zur Offenheit. Anthropic und OpenAI, unter Profitdruck durch kostenlose Alternativen, argumentieren, in China gebaute Modelle stellten Sicherheitsrisiken dar. Der Guardian berichtete am 1. August, Finanzminister Scott Bessent habe angeregt, die USA könnten chinesische KI-Firmen wegen angeblichen Diebstahls geistigen Eigentums sanktionieren. Handelsminister Howard Lutnick erhielt Briefe von Startup-Gründern, die ihn baten, den Zugang zu offenen Modellen nicht abzuschneiden. Microsoft, Nvidia, Palantir und Meta veröffentlichten einen Brief, der Gesetzgeber auffordert, offene Modelle nicht einzuschränken. Nvidia-Chef Jensen Huang ging zum Capitol, um für sie zu lobbyieren.

Trumps eigene Haltung, wie vom Guardian zitiert, war in beide Richtungen vorsichtig: "Wir müssen in beide Richtungen vorsichtig sein. Wir wollen sie nicht einschränken, wenn wir plötzlich Zweiter hinter China werden." Er fügte hinzu: "Ich kenne viele dieser Leute. Ich will sie nicht daran hindern, großartige Arbeit zu leisten."

Der Standardkampf, den niemand im Fernsehen zeigt

Weniger sichtbar als Modellvorstellungen ist ein langsamerer Wettstreit um technische und rechtliche Standards. Dort war Chinas Politik am gezieltesten. In The Conversation beschreibt ein China-Experte und Open-Source-Forscher, wie die chinesische Regierung die Open-Source-Entwicklung zum Teil ihrer nationalen Technologiestrategie machte. Sie unterstützte inländische Plattformen wie die staatlich gelenkte OpenAtom Foundation und Gitee, eine chinesische Alternative zu GitHub.

Die Lizenzdetails sind der Punkt, an dem es konkret wird. Große chinesische KI-Modelle wie Qwen, DeepSeek, Kimi und GLM sind in der Regel Open-Weight statt Open-Source. Das heißt: Die Modellsoftware und ihre endgültigen Parameter sind verfügbar, nicht aber die Trainingsdaten und die Methodik. Die Lizenz von Moonshots Kimi K3 verlangt von Lizenznehmern, die bestimmte Umsatz- oder Nutzerschwellen überschreiten, den Modellnamen Kimi "prominent" anzuzeigen. Die Community-Lizenz von MiniMax M3 listet Nutzungen auf, die durch "geltende Gesetze oder Vorschriften" verboten sind. Das wirft die Frage auf, welche Gerichtsbarkeiten gelten. Zweisprachige Lizenzen, die unter chinesischer Regierungsanleitung entstanden, darunter die Mulan Permissive Software License Version 2.0 und die OpenAtom Model License Version 1.0, sind auf Englisch und Chinesisch verfasst. Bei widersprüchlicher Auslegung hat jedoch die chinesische Fassung Vorrang, besonders in chinesischen Gerichtsbarkeiten.

Chinesische Modelle sind zudem darauf ausgelegt, mit staatlicher Zensur und Propaganda übereinzustimmen, so derselbe Artikel. Das ist ein echtes Risiko für ausländische Nutzer. Daneben steht der bekanntere Vorwurf von Anthropic und OpenAI, chinesische Hersteller von Open-Weight-Modellen betrieben in großem Umfang unerlaubte Destillation, eine Technik zum Kopieren proprietärer KI-Modelle. Die Trump-Regierung kündigte im April 2026 Bemühungen an, diese Praxis einzudämmen.

Was das Batterieverbot kostet

Die USA sind auf der Seite der Lieferkette nicht untätig. Die Einfuhrsteuern für Batterien stiegen im Januar auf 25 Prozent, von 7,5 Prozent. Eine neue Gesetzgebung verlangt, dass ab 2026 55 Prozent der Materialkosten für neue Energiespeicherprojekte aus Ländern außerhalb Chinas und anderer beschränkter Staaten stammen müssen. Sonst qualifizieren sich die Projekte nicht für Steuergutschriften.

Die Executive Order vom August geht weiter. Von MIT Technology Review zitierte Analysten erwarten, dass sie den Ausbau netzgekoppelter Speicher kurzfristig bremsen wird. Shan Tomouk von Benchmark Mineral Intelligence nannte das vollständige Verbot "ein wenig überraschend" und sagte, es "schafft tatsächlich ein wenig Sorge bei inländischen Akteuren in den USA". Eine Analyse von BloombergNEF legt nahe, dass Projekte Verzögerungen erleben könnten, während Entwickler auf Klarheit warten. Isshu Kikuma, dort Analyst für Energiespeicher, sagte, einige müssten womöglich alternative Zellquellen finden, die wahrscheinlich teurer seien als chinesische Importe. "Im schlimmsten Fall könnten diese Projekte abgesagt werden", sagte er.

Inländische Kapazität kommt. Neue Fabriken von LG Energy Solutions, Samsung SDI, Ford und SK On sollen bis nächstes Jahr ans Netz gehen oder hochfahren. Ein sich abschwächender E-Auto-Markt drängt einige Werke, die ursprünglich für Fahrzeugbatterien gebaut wurden, zur Umrüstung auf Netzspeicher. Doch MIT Technology Review berichtet, dass die USA möglicherweise erst etwa 2030 genug Kapazität haben, um die eigene Nachfrage zu decken, und womöglich erst später in den 2030er Jahren, wenn die Fabriken nicht mit voller Leistung laufen. In den USA gebaute Batterien bleiben deutlich teurer als chinesische, und selbst ein Wechsel zu Importen aus Südkorea würde wahrscheinlich mehr kosten.

Das ist die Form des Problems im Jahr 2026. Die billige Technologie existiert, sie ist größtenteils chinesisch, und sie abzuschneiden bedeutet, mehr für einen langsameren Aufbau zu zahlen. Die Alternative ist die Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten für die Hardware, auf der das Netz läuft.

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Quellen

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  1. 01How China won the car wars with cheap EVs loaded with technologyEN
  2. 02China's AI models have Trump's AI world at war with itselfEN
  3. 03China's tech advances are causing chaos from Silicon Valley to the White HouseEN
  4. 04China is shaping the future of open-source technology, including AIEN
  5. 05Can the US battery market untangle from China?EN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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