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Energiepreise bauen Europas Industrie um, von Playmobil bis zu Chipfabriken

Playmobil hat die Produktion seiner Figuren in Deutschland beendet, und ASML verkauft nach eigenen Angaben derzeit keine Chipmaschinen in Europa. Beide Entscheidungen stehen auf einer Energierechnung, die weiter steigt, während der Rest der Welt sie unterbietet.

KonjunkturAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 27. September 20265 Min. LesezeitQuellen 4
Energiepreise bauen Europas Industrie um, von Playmobil bis zu Chipfabriken

Playmobil hat Ende Juni die Herstellung seiner Kunststofffiguren in Deutschland eingestellt. Am Standort Dietenhofen in Bayern fallen rund 350 Stellen weg. Die Horst Brandstätter Group, der die Marke gehört, bündelt die Produktion in bestehenden Werken in Malta und Tschechien. Nach Angaben von Brussels Signal nannte das Unternehmen hohe Energiepreise als entscheidenden Faktor, neben gestiegenen Löhnen und Lohnnebenkosten. Verwaltung und Logistik bleiben in Deutschland. Der Spritzguss nicht.

Der Einschnitt ist klein bei der Beschäftigtenzahl und groß als Signal. Playmobil hat jahrzehntelang damit geworben, ein Produkt Made in Germany zu sein. Jetzt ist das Unternehmen der jüngste mittelständische Hersteller, der zu dem Schluss kommt: Die Kosten für den Betrieb von Maschinen in Deutschland gehen nicht mehr auf.

Die Strompreise für deutsche Haushalte gehören laut Brussels Signal zu den höchsten der Welt. Sie liegen global auf Platz fünf und unter den großen Industrienationen auf Platz zwei. Energieintensive Prozesse stehen seit der Energiekrise 2022 unter Druck, und teilweise staatliche Entlastungen haben die Lücke nicht geschlossen. Der Ausstieg aus Kernkraft und Kohle ohne ausreichende Grundlastalternativen, dazu Bürokratie und Lohndruck: Das bezeichnen manche Ökonomen inzwischen als schleichende Deindustrialisierung.

Wenn der Anlagenhersteller im eigenen Land nichts verkauft

Ein deutlicheres Datum kam diese Woche aus der Chipbranche. Frank Heemskerk, Executive Vice President bei ASML, sagte, das Unternehmen verkaufe derzeit in Europa überhaupt keine Chipmaschinen. Er beruft sich auf die wöchentliche Branchenübersicht von SemiEngineering. Als Gründe nannte er unzureichende Investitionen und fehlende neue Fabriken. Europa drohe weiter zurückzufallen, während die Vereinigten Staaten, China und Indien ihre heimische Chipproduktion ausbauen.

Es ist dasselbe Unternehmen, auf dem Europas Anspruch auf Halbleitersouveränität ruht. Wenn sein Auftragsbuch in Europa leer ist, liegt das Problem nicht bei einer Fabrik oder einer Subventionsrunde. Es liegt bei der Investitionsrechnung für alles, was ernsthaft Strom zieht.

Zugleich zieht sich die Lieferkette für Anlagen und Materialien auf eine Weise zusammen, die die Kosten weiter treibt. Vertreter der USA und Japans trafen sich, um Engpässe bei Yttrium und Permanentmagneten zu besprechen. Chinesische Exportkontrollen schränken die Versorgung mit kritischen Materialien weiter ein, und chinesische Zolldaten zeigen im Januar, Mai und Juni keine Lieferungen in die USA. Das US-Handelsministerium erließ eine vorläufige Regel, die das Horten von Polysilizium und seinen Derivaten vor den Einfuhrmaßnahmen nach Section 232 einschränkt, die am 4. Dezember in Kraft treten.

Ein Nachfrageschock, der die Heizökonomie neu schrieb

Nicht jede Geschichte über Energiepreise in Europa ist eine Schließungsgeschichte. Die Verkäufe von Wärmepumpen für Wohngebäude stiegen im ersten Quartal 2026 in 11 europäischen Ländern um 17% gegenüber dem Vorjahr, teilt die European Heat Pump Association mit. Frankreich, Deutschland und Polen erreichten im Schnitt 25% Wachstum. Von Januar bis März wurden rund 575.000 Einheiten verkauft, nach 494.000 ein Jahr zuvor.

Auslöser war ein Angebotsschock, nicht ein politischer Vorstoß. Der Iran schloss am 2. März die Straße von Hormus, was die Gas- und Ölpreise in ganz Europa stark nach oben trieb. Nationale Fachleute nannten steigende Energiepreise und Energieunsicherheit als wichtigste Treiber, wobei der Effekt ab März am deutlichsten ausfiel. Der Gesamtdurchschnitt wurde durch Österreich gedrückt, wo die Verkäufe um 30% fielen, weil staatliche Zuschüsse fehlten.

"Wenn Ihr Streamingdienst den Preis verdoppeln und dann seine Filme sperren würde, würden Sie einen besseren finden", sagte Paul Kenny, Generaldirektor der EHPA. "Die Verbraucher haben erkannt, dass Wärmepumpen die Lösung sind, wenn Gas und Öl bei Preis und Versorgung unberechenbar sind."

Kenny sagte, die Europäische Kommission habe in ihrem Energiekrisenplan Mehrwertsteuer- und Steuersenkungen sowie Sozialleasing für einkommensschwache Haushalte skizziert. Er rief die EU-Regierungen auf, diese Maßnahmen schnell umzusetzen. Das ist ein Ausweg: die Nachfrageseite elektrifizieren, damit ein Gasspreissprung weniger ausmacht. Es erfordert Kapital im Voraus und ein Netz, das die Last tragen kann.

Übertragungsleitungen, und das Risiko, wer zahlt

Am schärfsten ist das Lastproblem in den Vereinigten Staaten, wo die Zahlen inzwischen groß genug sind, um als Warnung für Europa zu gelten. Die Preise in PJM Interconnection, dem größten US-Großhandelsstrommarkt, stiegen von $77,78 pro Megawattstunde im ersten Quartal 2025 auf $136,53 im gleichen Zeitraum dieses Jahres. Das ist ein Anstieg um 75,5% gegenüber dem Vorjahr, nach Angaben von Monitoring Analytics, dem offiziellen Marktwächter, in seinem Bericht zum Marktzustand im ersten Quartal 2026.

Der Wächter nannte das Lastwachstum durch Rechenzentren als Hauptgrund für die jüngsten und erwarteten Bedingungen am Kapazitätsmarkt. Dazu zählen das prognostizierte Lastwachstum, das angespannte Verhältnis von Angebot und Nachfrage und die hohen Preise. Er fügte hinzu, die Preiswirkungen auf die Kunden seien sehr groß und nicht umkehrbar. Kurzfristig würden sie noch größer, wenn die mit der Last der Rechenzentren verbundenen Probleme nicht rechtzeitig angegangen würden.

PJM teilte The Register mit, man arbeite mit Bundesstaaten und Mitgliedsunternehmen an den Folgen für die Verbraucher. Dazu gehören die Verlängerung von Marktobergrenzen, die seit der Auktion 2025/2026 gelten, die Genehmigung von Übertragungsausbauprojekten, die sich in Entwicklung befinden, und die Reform der Regeln des Großhandelsstrommarkts. Monitoring Analytics antwortete nicht auf Fragen. Der bevorzugte Ansatz des Wächters ist, dass Rechenzentren ihre eigene Erzeugung mitbringen, mit beschleunigtem Netzanschluss für die einen und einer Warteschlange für die übrigen. Er argumentiert, die derzeit vorgeschlagene Backstop-Auktion würde erhebliche Risiken auf andere Kunden verlagern. Private, gewerbliche und industrielle Kunden sollten nicht als kostenlose Versicherung oder Finanzierungsquelle für Rechenzentren behandelt werden.

Europa steuert auf dieselbe Auseinandersetzung zu, mit weniger Erzeugung in Reserve. Die unmittelbare Rechnung zeigt sich als geschlossene Werke und leere Auftragsbücher. Die verzögerte Rechnung zeigt sich darin, wer für die Leitungen zahlt.

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Quellen

4
  1. 01High energy prices force Playmobil to end production in GermanyEN
  2. 02Chip Industry Week In ReviewEN
  3. 03Heat pump sales rise 17% across Europe in Q1 as energy prices surgeEN
  4. 04Datacenters slurping juice help drive 75% jump in PJM power pricesEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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