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Astronomen melden möglichen ersten Exomond um den Braunen Zwerg CD-35 2.722.000.000.000 B

Die ESO teilte im Oktober mit, ihr Very Large Telescope habe Hinweise auf einen möglichen Mond gefunden, der den Braunen Zwerg CD-35 2.722.000.000.000 B umkreist. Das Objekt ist mindestens so massereich wie Jupiter und wäre, falls bestätigt, der erste Satellit außerhalb des Sonnensystems.

WissenschaftAnalyseHanna VogtVeröffentlicht: 6. November 20265 Min. LesezeitQuellen 36
Astronomen melden möglichen ersten Exomond um den Braunen Zwerg CD-35 2.722.000.000.000 B

Das System liegt rund 73 Lichtjahre von der Erde entfernt. Im Zentrum steht ein Stern mit etwa der halben Masse der Sonne. Um ihn kreist der Braune Zwerg CD-35 2722 B, ein Objekt, das zu massereich für einen Planeten und zu leicht ist, um wie ein Stern Wasserstoff zu verbrennen. Der Kandidat für einen Satelliten umläuft den Braunen Zwerg, nicht den Stern. Damit ergibt sich eine dreistufige Hierarchie wie bei Erde, Mond und Sonne. Der Begleiter vollendet eine Umlaufbahn etwa alle 170 Tage. Der Braune Zwerg selbst ist mehr als 30-mal so massereich wie Jupiter, der Begleiter also deutlich leichter als das Objekt, das er umkreist. Die Studie erschien in Nature, die ESO gab das Ergebnis im Oktober bekannt.

Braune Zwerge besetzen ein schmales Band der Möglichkeiten. Oberhalb von etwa 80 Jupitermassen kann ein Objekt Wasserstofffusion aufrechterhalten und wird zum Stern; bei etwa 13 Jupitermassen kann es Deuterium verbrennen. Alles dazwischen ist weder das eine noch das andere. Deshalb stößt die Begrifflichkeit hier an ihre Grenzen, und deshalb griff das Team zum bewusst allgemeinen Ausdruck "Exosatellit". Der Begriff sagt nur, dass etwas ein größeres Etwas umkreist, ohne zu entscheiden, ob es als Mond zählt.

Astronomen haben mehr als 6.000 Exoplaneten katalogisiert und keinen einzigen Mond um einen von ihnen bestätigt. Die Suche hat einen strukturellen Nachteil. Transit- und Radialgeschwindigkeitsmethode funktionieren beide am besten bei Planeten, die ihrem Stern nahe stehen, und Simulationen legen nahe, dass solche nahen Planeten ihre Monde schnell verlieren. Die am leichtesten auffindbaren Planeten sind also die, bei denen ein Mond am unwahrscheinlichsten ist. Das eigene Sonnensystem liefert den Gegenpunkt: Sechs seiner acht Planeten haben bekannte Monde. Jahrzehnte der Suche brachten Kandidaten, aber keine Bestätigung.

Außerdem gibt es keine allgemein anerkannte Definition eines Exomonds.

Diese Definitionslücke wirkt sich auf die Einordnung des Objekts aus. Der Kandidat um CD-35 2722 ist massereich genug, um nach manchen Klassifikationsschemata als Planet zu gelten, doch er umkreist keinen Stern direkt. Eine bestätigte Entdeckung würde Astronomen zwingen, die Grenze zwischen Planet und Mond irgendwo zu ziehen. Ob das Signal ein echter Satellit ist oder eine Fehldeutung eines komplexen Dreikörpersystems, bleibt offen.

Wie das Team das Objekt aufspürte

Niemand hat den Begleiter fotografiert. Die Belege stammen aus 23 verwertbaren Radialgeschwindigkeitsmessungen, die zwischen Oktober 2023 und Februar 2026 mit CRIRES+ entstanden, einem hochauflösenden Infrarotspektrographen am Very Large Telescope der ESO. Wenn der Begleiter um den Braunen Zwerg schwingt, zieht er ihn zur Erde hin und dann wieder von ihr weg. Dadurch verschieben sich die Linien in seinem Spektrum um kleine, messbare Beträge.

Der Braune Zwerg steht etwa zwei Bogensekunden von seinem Wirtsstern entfernt, weit genug, dass das Teleskop sein Licht isolieren kann.

Die Radialgeschwindigkeit funktioniert hier ungewöhnlich gut. Der Braune Zwerg ist viel weniger massereich als ein normaler Stern, ein Begleiter von Planetenmasse bewegt ihn also stärker. CD-35 2722 B umkreist seinen Stern zudem in etwa 60-mal dem mittleren Abstand Erde-Sonne, was die beiden Lichtquellen getrennt hält. Braune Zwerge sind kühl genug, um den Großteil ihres Lichts im Infraroten abzustrahlen, wo CRIRES+ arbeitet.

Ein System, das sich Etiketten widersetzt

Ein Exosatellit ist jeder natürliche Satellit jenseits des Sonnensystems. Exomond meint meist einen Körper, der einen Planeten umkreist. Weil dieser Begleiter einen Braunen Zwerg umläuft, passt der zweite Begriff nur locker, und Astronomen haben keine Regel festgelegt, die den Fall abdeckt.

Die Massen sind das erste Rätsel. Die ESO beschreibt den Begleiter als mindestens so massereich wie Jupiter, während der Braune Zwerg mehr als 30-mal so massereich ist wie Jupiter. Der Braune Zwerg hat nur etwa 10 Prozent der Masse seines Wirtssterns.

Beide Bahnen sind exzentrisch. Die Exzentrizität des Braunen Zwergs liegt bei etwa 0,8, nach einer früheren Schätzung nahe 0,9, die des Kandidaten bei etwa 0,4.

Wie ein solches System entstanden ist, bleibt unklar. "Wir haben wirklich fast keine Ahnung, wie wir das System bilden", sagte Hoy. Das Team prüfte die gravitative Instabilität, bei der eine massereiche Scheibe unter ihrer eigenen Schwerkraft in Fragmente zerfällt. In diesem Bild wurde ein großes Fragment zum Braunen Zwerg und ein kleineres zum Begleiter von Jupitermasse. Exzentrische Bahnen passen schlecht zu dieser Geschichte, denn Scheibenbildung erzeugt im Allgemeinen eher kreisförmige Bahnen.

Die Skepsis und die offene Frage

Hoy hat sich bei der Schlagzeile zurückgehalten. "Im Moment sind wir uns nicht sicher, ob wir einen Exomond gefunden haben", sagte er in einem Gespräch bei SETI Live. "Ich würde sagen, wahrscheinlich nicht." Das Team sei überzeugt, dass das Objekt real ist, wisse aber nicht, wie es zu nennen sei.

Die Sprache der Arbeit folgt dieser Vorsicht. Die Forscher beschreiben einen möglichen ersten Exomond und keine bewiesene Entdeckung, und sie schreiben, der Nachweis brauche weitere Bestätigung.

Astronomen haben nun einen erprobten Weg, nach Satelliten zu suchen. Er funktioniert bei jungen, selbst leuchtenden Objekten, die weit genug von ihren Sternen entfernt stehen, um einzeln untersucht zu werden.

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Quellen

36
  1. 01Astronomers may have discovered the first moon beyond our Solar SystemEN
  2. 02Have astronomers discovered the first moon outside of our solar system?EN
  3. 03A Jupiter-mass exomoon candidate circles a failed star, not a planetEN
  4. 04Is This the First Exomoon? When Planets and Moons Defy DefinitionEN
  5. 05Astronomers have discovered a possible first exomoon — and it is the size of JupiterEN
  6. 06Exomoon Candidate Reported Orbiting Brown Dwarf CD-35 2722EN
  7. 07Tentative Exomoon Signal in HD 206893 B - Universe TodayEN
  8. 08Astronomers discover a cool lava planet that may resemble the young Earth - NEWS.am TECHEN
  9. 09‘First exomoon may have been discovered’EN
  10. 10‘First exomoon may have been found’EN
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Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Hanna Vogt

Hanna Vogt

Wissenschaft und Gesundheit

Hanna Vogt schreibt für FLASH24 über Wissenschaft und Gesundheit und stützt sich dabei auf Primärstudien, Behördenberichte und Rohdaten statt auf Pressemitteilungen. Bei Zahlen prüft sie Stichprobengrößen, Konfidenzintervalle und ob die zitierte Quelle die Aussage tatsächlich deckt. Für ihre Texte spricht sie mit Studienautorinnen, wartet auf Peer-Review-Fassungen und vergleicht Vorabdrucke mit der finalen Publikation. Dass sie privat Materialphysik verfolgt und mit eigenem Teleskop den Himmel beobachtet, erklärt, warum sie bei Messmethoden und Instrumenten genau nachfragt. Sie publiziert keine Ergebnisse, deren Datengrundlage sie nicht selbst eingesehen hat.

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