HBM-Schmuggel zeigt die Lücke in den Chip-Exportkontrollen
Ein Speicher-Schmuggler hat beschrieben, wie HBM-Chips von Samsung und SK hynix in Servern nach China gelangen, die um billige, nicht sanktionierte Prozessoren herum gebaut werden. Das berichtet The Information, wiedergegeben von Tom's Hardware am 3. November.
Der Trick ist fast peinlich einfach. Ein Schmuggler, dem eine Chipdesign-Firma gehört, baut leistungsschwache Serverprozessoren. Diese bleiben unter den Grenzwerten der US-amerikanischen und südkoreanischen Exportkontrollen. Die Prozessoren werden dann mit Hochbandbreitenspeicher von Samsung und SK hynix kombiniert. Dieser Speicher allein darf nicht nach China geliefert werden. Die Regeln bewerten nur die Leistung des Serverprozessors, nicht die daran angebrachten Bauteile. Die gesamte Baugruppe kann Südkorea also als legaler Export verlassen. Das berichtet The Information, wiedergegeben von Tom's Hardware am 3. November.
Laut Tom's Hardware kommen die fertigen Platinen in Hongkong an. Pendler, die täglich die Grenze überqueren, tragen sie dann im Gepäck nach Shenzhen.
Der Rest des Verfahrens läuft in Werkstätten. Techniker erhitzen die Platinen, um das Lot zu erweichen, heben die Speicherchips ab und werfen den Rest weg. Die Ausfallquote ist hoch. Der Preis von HBM macht es trotzdem lohnend, so dieselbe Darstellung. Keiner der beiden Berichte sagt, wie viel Speicher auf diesem Weg bewegt wird. Auch zum Wert des Handels nennt niemand eine Zahl.
Washington prüft die Mietvariante
Die Schmuggelgeschichte fällt in dieselbe Woche wie ein zweiter, leiserer Versuch, eine andere Lücke zu schließen. Nvidia hat einige Cloud-Kunden aufgefordert, weniger Geschäft mit chinesischen Firmen anzunehmen, berichtete The Information. Der Bericht stützt sich auf drei mit der Sache vertraute Personen, zusammengefasst vom Decoder am 3. November. Die Vorgabe ist nicht verpflichtend und gilt für künftige Verträge, nicht für bestehende Geschäfte. Cloud-Anbieter werden zudem gebeten, offenzulegen, wer die Endnutzer der Chips sind. Laut Financial Times erging die Anweisung mündlich über Vertriebsmitarbeiter und regionale Teams.
Das ist wichtig, weil die US-Exportregeln Lieferungen von Hardware beschränken. Den Fernzugriff über Cloud-Dienste erfassen sie in der Regel nicht. Ein chinesischer KI-Entwickler kann Rechenkapazität in einem Rechenzentrum im Ausland mieten und nie einen Chip einführen. Der Decoder merkt an, dass die US-Behörden den chinesischen Zugang zu solchen Chips über ausländische Rechenzentren geprüft hatten. Auslöser waren Vorwürfe gegen Moonshot AI, den Entwickler hinter dem Chatbot Kimi. Ob eine mündliche Vorgabe eines Herstellers die Arbeit einer Regel leisten kann, ist offen. Eine Antwort darauf gibt es nicht.
Peking bewegt sich zur selben Zeit in die andere Richtung. Am 28. Oktober berichtete Reuters, China habe eigene Exportbeschränkungen für KI und andere Technologien vorgeschlagen. Das Land begründet sie mit nationaler Sicherheit. Der Vorschlag fällt in dieselbe Woche wie die Nvidia-Vorgabe, das zugrunde liegende Dokument ist hier allerdings nicht enthalten.
Beim Speicher ist der Kampf am härtesten
ChangXin Memory Technologies, der DRAM-Hersteller aus Hefei, verteidigte seine Entscheidung, eine neue Speicherarchitektur zu verfolgen. Das Unternehmen beschrieb den Schritt als Weg um die US-Beschränkungen herum, berichtete die South China Morning Post am 2. November. Die Firma jagt zugleich Größe. Ein separater Bericht besagt, CXMT wolle mit einer sechsten Mega-Fab bis 2030 einen Anteil von 30 Prozent am DRAM-Markt erreichen. Diese beiden Ziele ziehen gegeneinander. Eine neue Architektur ist eine Wette auf die nächste Generation und nicht auf Stückzahlen von heute, doch CXMT trägt beide Argumente öffentlich vor.
Der Speicherhandel hat eine finanzielle Seite, die leicht übersehen wird. CleanTechnica berichtete am 1. November unter Verweis auf Reuters und Futurism, der STAR50-Index chinesischer KI- und Halbleiterfirmen sei binnen vier Monaten um 40 Prozent gefallen. Das löschte 480.000.000.000 Dollar Börsenwert aus. Die Aktien von Unitree, dem Robotikunternehmen, haben sich seit dem Börsengang im August halbiert. CXMT hat binnen eines Monats mehr als ein Viertel seines Werts verloren. Ein Fondsmanager in Peking, Dong Baozhen, sagte zu Reuters: "The stock market later evolved into a speculative crazy bull, and now we see the bubble bursting."
Nichts davon ändert den Preis eines Speicherchips auf dem Schwarzmarkt. Wenn überhaupt, macht ein billigerer heimischer Börsenwert das geschmuggelte Bauteil für Käufer attraktiver, die weiterhin Kapazität brauchen.
Designwerkzeuge, der leisere Engpass
Empyrean Technology ist Chinas größter Anbieter von Software für elektronische Designautomatisierung. In einer Mitteilung an die Börse Shenzhen am Sonntag erklärte das Unternehmen, es wolle für 218.800.000 Yuan, etwa 33.000.000 Dollar, einen Anteil von 50,38 Prozent an Easy-Logic Technology kaufen, berichtete die South China Morning Post am 2. November. Easy-Logic wurde 2021 gegründet, sitzt in Shenzhen und baut Werkzeuge zur Logikoptimierung. Empyrean erklärt, die Algorithmen des Start-ups hätten internationale EDA-Wettbewerbe gewonnen. Die Produkte würden von fast 100 Firmen für digitales Chipdesign weltweit genutzt.
Die Mitteilung betrifft für Halbleitermaßstäbe wenig Geld. Sie ist zugleich die Art von Übernahme, die mehr zählt als ihr Umfang. EDA ist einer der Bereiche, in denen westliche Anbieter noch zwischen chinesischen Designern und einem funktionierenden Chip stehen. Der SCMP-Bericht bringt den Deal mit Unterstützung für Huaweis Halbleiterarbeit und mit dessen "Tau Scaling Law" in Verbindung. Ob ein Anteil von 50,38 Prozent an einem fünf Jahre alten Start-up daran etwas ändert, belegt die Mitteilung in der geschilderten Form nicht.
Chinas eigener Vorstoß beim Rechnen brachte diese Woche ein greifbareres Ergebnis. HPCwire berichtete am 2. November, das Land habe endlich sein viertes Exascale-System vorgestellt, den Sugon 8000. Leistungszahlen nennt niemand für die Maschine, die Meldung ist also eine Vorstellung und nichts darüber hinaus.
Chips reisen auch in Autos und Lastwagen
Exportpolitik betrifft nicht nur Hardware für Rechenzentren. Handelsblatt berichtete am 30. Oktober, chinesische Halbleiterzulieferer drängten in den deutschen Automobilmarkt. Infineon aus München ist dort der größte Anbieter, NXP aus den Niederlanden folgt. Calterah, ein auf Radar spezialisierter Chiplierer aus Shanghai, hat neun Mitarbeiter in seinem Münchner Büro. Sein Europa-Chef Peter Wiese sagte der Zeitung, weltweit nutzten mehr als 300 Automodelle Radar-Chips von Calterah. Das Unternehmen habe bereits mehrere europäische Autohersteller als Kunden, weitere seien in Aussicht. Wiese sagte zudem, die chinesische Produktion sei "more than competitive in international comparison", so das Handelsblatt.
Auch das Bild der Autoindustrie in China verschiebt sich. CnEVPost berichtete am 3. November, Teslas Wholesale-Absatz der in China gebauten Fahrzeuge habe im Oktober 67.829 Fahrzeuge betragen. Das seien 10,30 Prozent mehr als im Vorjahr, aber 28,88 Prozent weniger als im September und der niedrigste Wert seit Februar, nach vorläufigen Daten des China Passenger Car Association. Die Chery Group verkaufte im Oktober 295.934 Fahrzeuge, 5,25 Prozent mehr, davon 200.618 im Export, berichtete CnEVPost am 1. November. Toyota dagegen verkaufte in den ersten neun Monaten von 2026 in China nur knapp über 1.050.000 Fahrzeuge, 18,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, berichtete Electrek am 2. November.
Diese Zahlen sind für das Chip-Argument wichtig. Autos sind der Ort, an dem chinesische Bauteile auf europäische und japanische Marken auf neutralem Boden treffen, ohne dass eine Exportlizenz in Sicht ist.
Europa setzt eine Zahl, Peking teilt zu
Auf der Handelsseite sind chinesische Autohersteller Berichten zufolge nach Peking gegangen, um Zuteilungen im Rahmen einer Exportquote für Hybridfahrzeuge in die Europäische Union auszuhandeln. Cailian berichtete am Montag über die Gespräche unter Verweis auf mehrere mit der Sache vertraute Personen, weitergegeben von CnEVPost am 2. November. Eine dieser Personen sagte: "The total quota is limited, so each company will not receive a large export allocation. All the automakers are currently working to secure their share." Bloomberg berichtete am 11. Oktober unter Verweis auf ein Vorschlagsdokument, die Quote im ersten Jahr solle 350.000 Fahrzeuge betragen. Sie solle vier Jahre lang jährlich um 6 Prozent steigen, die Maßnahmen könnten am 1. Dezember beginnen und sowohl Hybride als auch Plug-in-Hybride erfassen.
Die Darstellungen stimmen nicht ganz überein, was vereinbart wurde. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic sagte am 9. Oktober, die Verständigung umfasse eine Halbierung der chinesischen Hybrid-Exporte in die EU, ohne die Bezugsgröße zu nennen. Chinas Handelsministerium erklärte am 12. Oktober, die Regelung erlaube Wachstum gegenüber den 302.000 Hybriden, die die EU 2025 aus China eingeführt habe. CnEVPost stellt beide Aussagen nebeneinander, ohne sie zu versöhnen, und dieser Text tut es auch nicht.
Das größere Exportbild ist gemischt. Bloomberg berichtete am 2. November, die chinesische Industrieproduktion sei gewachsen, habe aber eine Serie schnelleren Wachstums beendet. Euronews berichtete am selben Tag über eine Studie, nach der Chinas Exporte sauberer Technologien die weltweiten Emissionen senken. Das erinnert daran, dass dieselbe Exportmaschine, die Brüssel Sorgen macht, auch die Waren liefert, die Europa will.
Für die Chip-Schmuggler in Shenzhen klärt nichts davon etwas. Die Regel, die sie ausnutzen, ist weiterhin um die Prozessorleistung herum geschrieben. Bis sie um die ganze Platine herum neu geschrieben wird, haben die Werkstätten Arbeit.
Quellen
12- 01AI chip smugglers exploit trade control loophole to bring banned HBM from South Korea into ChinaEN
- 02Nvidia pushes cloud customers to cut back on China businessEN
- 03Tesla China October wholesale sales total 67,829, lowest since FebruaryEN
- 04Wie chinesische Chiphersteller ins deutsche Autogeschaeft draengenDE
- 05Lexus is taking a page from China for its next electric SUV launching in 2027EN
- 06Chinese automakers reportedly head to Beijing for talks on EU hybrid export quotasEN
- 07China's EDA champion buys start-up to address weak link, support Huawei's Tau Scaling LawEN
- 08Chery October sales rise 5.3% as NEVs hit record and exports top 200,000 againEN
- 09AI Balloon in China Deflates by Half a Trillion DollarsEN
- 10China Finally Debuts Fourth Exascale System, Sugon 8000EN
- 11China's CXMT defends bet on risky new DRAM architecture to circumvent US chip curbsEN
- 12Toyota's EV sales more than doubled in a year, but gas cars are getting crushed in ChinaEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
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