IWF-Chefin Georgieva warnt: schuldenfinanzierter KI-Boom könnte Finanzstabilität gefährden
IWF-Direktorin Kristalina Georgieva sagte am 3. November, KI werde innerhalb von drei bis fünf Jahren 60 Prozent der Arbeitsplätze in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften verändern. Sie warnte, schuldenfinanzierte KI-Investitionen könnten die Finanzstabilität gefährden.

Georgievas Warnung vom 3. November
Kristalina Georgieva äußerte die Warnung auf der International Banking Conference 2026, die Banco Santander ausrichtete. Die Bühne teilte sie sich mit Ana Botín, der Vorsitzenden des Verwaltungsrats von Santander.
60 Prozent der Arbeitsplätze in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften würden innerhalb von drei bis fünf Jahren durch KI verändert, sagte sie. Weltweit werde KI 40 Prozent der Stellen betreffen. Sie nannte das einen „langsamen Tsunami, aber einen Tsunami“. Der Nettoeffekt auf die Beschäftigung sei bislang leicht positiv, fügte sie hinzu. Doch die Struktur der Beschäftigung verändere sich. Routineaufgaben und Einstiegspositionen gingen in den Vereinigten Staaten bereits zurück. Die Nachfrage nach gering qualifizierten Dienstleistungen steige.
Sie nannte drei Risikoquellen. An erster Stelle stand die Finanzstabilität. Sollte die Investitionsbegeisterung rund um KI nachlassen, „wird es ernste Probleme geben“, sagte sie. Sie wies auch auf den wachsenden Anteil von KI-Projekten hin, die mit Schulden finanziert werden. Diese Schulden seien oft langfristig und enthielten einen hohen Anteil an zirkulären Investitionen. „Ich investiere in dich, du investierst in mich, wir sind alle sehr glücklich, außer dass es ein großes Problem wäre, wenn etwas schiefgeht“, sagte sie.
Die Früchte des KI-Booms konzentrierten sich auf eine kleine Gruppe von Produzentenländern, sagte Georgieva. Sie nannte die Vereinigten Staaten, China und Indien. Europa fehle, abgesehen von den Niederlanden.
Botín stimmte zu, dass KI eine Chance und „ein einzigartiges Ereignis in der Geschichte der Menschheit“ sei. Europa brauche globale Banken und Unternehmen, sagte sie. Außerdem sollten für KI die Regeln „gleiches Risiko, gleiche Regeln“ gelten, auch wenn neue Agenten auf Konten zugreifen.
Die Schulden hinter dem Ausbau
Auf dem Global Financial Leaders' Investment Summit der Hong Kong Monetary Authority bezifferte Pimco-Chef Emmanuel Roman die Finanzierungsfrage. Die KI-bezogenen Investitionsausgaben könnten in den nächsten fünf Jahren rund 10.000.000.000.000 Dollar erreichen, sagte er. Er berief sich auf eine Schätzung von Bill Ford, dem Chef von General Atlantic.
In diesem Jahr seien bislang etwa 550.000.000.000 Dollar an KI-Schulden in verschiedenen Formen begeben worden, sagte Roman. Dem stellte er einen globalen Markt für Unternehmensanleihen von rund 20.000.000.000.000 Dollar gegenüber. „Irgendwann wird es zu viel sein“, sagte er.
Goldman Sachs schrieb in einem am Montag veröffentlichten Bericht, die weltweite Nachfrage nach Rechenzentren erfordere in den nächsten fünf Jahren Investitionsausgaben von etwa 8.500.000.000.000 Dollar.
Blackstone-Präsident Jon Gray saß in derselben Runde. Das für KI nötige Kapital schaffe Konzentrationsrisiken für Anleiheinvestoren, sagte er. Diese Risiken beträfen den gesamten Sektor und einzelne Unternehmen.
Für Kreditgeber sei der Gewinn nach oben begrenzt, argumentierte Gray. Anders als Aktionäre erhielten sie Zinsen und Tilgung, nicht Wachstum. Die Finanzierung des Ausbaus brauche öffentliche Märkte, Banken und privates Kapital. Unternehmen griffen zu strukturierten Transaktionen, um ihre Schulden zu begrenzen. Auch Barmittel der Hyperscaler würden einen Teil der Ausgaben tragen, sagte er. „Die Kreativität ist nötig, weil der Kapitalbedarf enorm ist.“
Bei der Nachfrage blieb er optimistisch. Die Nachfrage nach Rechenleistung „liege deutlich über dem Angebot“, sagte er. Die Ausgaben für KI-Modelle in den Portfoliounternehmen von Blackstone seien im vergangenen Jahr um das 20-Fache gestiegen.
Konzentration und ein Börsengang als Test
Verena Ross, die ihr Amt als Vorsitzende der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde Ende Oktober niederlegen sollte, sagte gegenüber Politico, eine „erhebliche Konzentration des Marktwerts“ auf wenige Unternehmen „wirft einige Fragen auf, wie eine angemessene Diversifizierung der Anlegerportfolios sichergestellt werden kann“.
Ross sprach mit Politico einen Tag, nachdem Anthropic Unterlagen für den Börsengang des Unternehmens eingereicht hatte. Dieser Börsengang könnte der größte der Geschichte werden. Er ist zugleich ein Test für das Vertrauen der Anleger in den KI-Boom. Finanzaufsichtsbehörden weltweit beobachteten „die Lücke zwischen der Bewertungsfrage und dem makroökonomischen Bild“, sagte sie.
Zusammengenommen beschreiben die Äußerungen einen Ausbau, der von Schulden und konzentrierten Aktienbewertungen abhängt. Georgieva sagte, ein stockender KI-Investitionszyklus würde „ernste Probleme“ verursachen; Roman sagte, der Umfang der Finanzierung könne „zu viel“ werden; Ross stellte die Diversifizierung der Portfolios infrage.
Quellen
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- 02Blackstone president calls for more equity to fund AI buildout as debt risks mountEN
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