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Angst vor KI trifft auf einen Arbeitsmarkt, der sich spaltet statt einzubrechen

Hochschulabsolventen zwischen 22 und 27 Jahren hatten im Juni 2026 eine Arbeitslosenquote von 5,7 Prozent. In derselben Woche, in der CNBC diese Zahlen meldete, beschrieb eine andere CNBC-Recherche KI-Rechenzentren, die gut bezahlte Jobs für Facharbeiter schaffen. Der Arbeitsmarkt bricht nicht gleichmäßig weg.

KonjunkturErklärtDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 28. September 20265 Min. LesezeitQuellen 6
Angst vor KI trifft auf einen Arbeitsmarkt, der sich spaltet statt einzubrechen

Am 25. September berichtete CNBC, dass Hochschulabsolventen in einen Arbeitsmarkt eintreten, der schwieriger ist, als es die Schlagzeilen vermuten lassen.

Laut der Federal Reserve Bank of New York lag die Arbeitslosenquote von Absolventen zwischen 22 und 27 Jahren im Juni 2026 bei 5,7 Prozent. Das ist ein voller Prozentpunkt mehr als zwei Jahre zuvor in dieser Gruppe. Die Unterbeschäftigungsquote, also der Anteil der Absolventen, die in Jobs arbeiten, für die kein Bachelor nötig ist, erreichte bei Berufsanfängern 42 Prozent. Bei allen Hochschulabsolventen lag sie bei 33,7 Prozent. Das ist die Angsteite der Geschichte.

Am nächsten Tag beschrieb ein anderer CNBC-Bericht vom 26. September fast das Gegenteil: Schweißer, Rohrschlosser, Elektriker und Klimatechniker werden für den Bau von Rechenzentren gesucht, und die Löhne steigen schnell. Nicole Bachaud, Arbeitsökonomin bei ZipRecruiter, sagte CNBC, das durchschnittliche Mindestgehalt für Jobs in Rechenzentren sei im Jahresvergleich um 125,1 Prozent auf fast 208.000 Dollar gestiegen. Stellenanzeigen für Schweißer und Rohrschlosser lagen 164 Prozent über dem Vorjahr.

Zwei Arbeitsmärkte, ein KI-Boom

Die beiden Berichte heben sich nicht gegenseitig auf. Sie beschreiben verschiedene Segmente desselben Umbruchs, und diese Segmente sind in den Gesamtdaten nicht gleich sichtbar. Maria Flynn, Präsidentin und Geschäftsführerin der gemeinnützigen Organisation Jobs for the Future, sagte CNBC, Rechenzentren seien nur ein Teil eines größeren Puzzles. Gleichzeitig entstehe Nachfrage durch Netzausbau und Verkehrsmodernisierung. "Wir sehen große Nachfragequellen, die gleichzeitig zusammenkommen", sagte sie. Justin Sinkovich, außerordentlicher Professor am Columbia College Chicago, bezifferte diese Nachfrage für CNBC genauer.

Er verwies auf Louisiana, wo Amazon 12 Milliarden Dollar in ein neues Rechenzentrum mit 540 Arbeitsplätzen vor Ort investierte, darunter 1.700 Elektriker, Techniker und Sicherheitskräfte. Metas Hyperion-Projekt in Louisiana, sagte er, sei 27 Milliarden Dollar wert. "Diese Projekte schaffen Nachfrage nach Arbeitskräften vor Ort und können deshalb nicht ins Ausland verlagert oder aus der Ferne erledigt werden, anders als Fertigung und Software", sagte Sinkovich dem Sender.

Nicht jede Region bekommt die Aufträge. Bachaud sagte, Houston und Birmingham hätten besonders starkes Wachstum erlebt, während Küstenmetropolen mit höheren Kosten und strengeren Vorschriften zu kämpfen hätten. Ihr Fazit: Ein Elektriker in Birmingham dürfte einen besseren Markt haben als einer in Boston.

Die Baujobs sind jedoch weitgehend befristet. CNBC merkte an, dass viele der Ausbaurollen enden, wenn das Gebäude fertig ist. Damit bleibt die Frage, was aus diesen Arbeitskräften wird, wenn das Rechenzentrum läuft.

Der Einstiegsmarkt für Bürojobs wird unterdessen von derselben Technologie umgeformt. Der CNBC-Beitrag vom 25. September zitierte eine LinkedIn-Untersuchung, nach der 66 Prozent der Recruiter Anfang 2026 planten, KI stärker für Vorauswahlgespräche zu nutzen. 81 Prozent der Stellensuchenden gaben an, KI bei der Suche verwendet zu haben oder verwenden zu wollen. Handshake, eine Plattform für Berufseinsteiger, die mit OpenAI zusammengearbeitet hat, stellte fest, dass Absolventen des Jahrgangs 2026 KI-Kenntnisse doppelt so häufig in ihren Lebensläufen nannten wie der Jahrgang 2022. 74 Prozent dieser Nennungen waren an praktische Projekte statt an Kursarbeit gebunden. Die National Association of Colleges and Employers teilte mit, KI-Kenntnisse seien im Frühjahr in 16,5 Prozent der Stellenbeschreibungen aufgetaucht, nach 10,5 Prozent im Herbst zuvor. Insgesamt gaben 28 Prozent der Arbeitgeber an, sie suchten Berufseinsteiger, die KI nutzen können.

Was die Daten nicht zeigen

Die sorgfältigste Lesart der Belege kommt von der New York Fed, und sie ist weniger dramatisch als die Panik oder die Beschwichtigung. Auf Basis ihrer Untersuchung von Stellenanzeigen schrieb die NY Fed, KI möge zwar zu den jüngsten Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt beitragen, sei aber "nicht der Haupttreiber der Einstellungsflaute". Ihre Umfragen unter Arbeitgebern ergaben, dass diese KI "überwiegend durch Umschulung einführen wollen, mit begrenzten Auswirkungen auf die Einstellung".

Das ist eine nützliche Korrektur zu einer Woche voller alarmierender Schlagzeilen. Das Dossier enthält auch eine Schlagzeile von finance.biggo.com vom 26. September: "Fears of AI-Driven Entry-Level Hiring Collapse Not Yet Backed by US Jobs Data". Dieselbe vorsichtige Einordnung zieht sich durch eine Kolumne der Pioneer Press vom 27. September und einen Kommentar in The News Pakistan vom Tag zuvor. Beide argumentieren, dass der vorhergesagte Einbruch bei Einstiegsjobs in den Zahlen noch nicht sichtbar ist.

Was bedeutet das also für einen Absolventen, der entscheiden muss, wie es weitergeht? Die ehrliche Antwort lautet, dass der Markt sich spaltet statt zu schrumpfen. Berufe rund um die physische Infrastruktur zahlen mehr, und KI baut keine Umspannwerke oder Kühlsysteme. Einstiegsstellen im Bürobereich werden strenger geprüft, und Bewerber reagieren darauf, indem sie Projekte vorführen statt Fähigkeiten aufzulisten. Die Forschung der Fed deutet darauf hin, dass Umschulung und nicht Ersatz der vorherrschende Plan der Arbeitgeber ist, soweit bisher erkennbar. Es gibt noch eine weitere Variable, und sie ist politisch, nicht technologisch.

Der CNBC-Bericht vom 26. September merkte an, dass Bundesstaaten wie New York und Texas den Ausbau von Rechenzentren gebremst haben und auf öffentlichen Widerstand örtliche Moratorien folgten. Wenn sich solche Beschränkungen ausbreiten, könnte der Boom für Facharbeiter, den KI mit ausgelöst hat, das Erste sein, was die Branche verliert. In der Arbeitslosenquote von Absolventen würde das nicht auftauchen. Es würde auf den Gehaltszetteln von Schweißern auftauchen.

Keine der Quellen in diesem Dossier behauptet zu wissen, wohin das führt. Die New York Fed sagt, KI sei nicht der Haupttreiber der Einstellungsflaute. Die Daten von ZipRecruiter sagen, spezialisierte Jobs in Rechenzentren zahlen so gut wie nie zuvor. Beides kann gleichzeitig stimmen, in einem Arbeitsmarkt, der sich nicht mehr in eine Richtung bewegt.

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Quellen

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  1. 01How recent grads and college students should be thinking about AI, the CV, and the job marketEN
  2. 02The blue-collar AI job market is booming. Will data center backlash make it go bust?EN
  3. 03Tone-Deaf Trillionaire Launches $200,000 Electric Car Into Sour US MarketEN
  4. 04Chinese province moves grid-side batteries into spot marketEN
  5. 05The inevitable problem with measuring B2B marketing by leadsEN
  6. 06Artificial Intelligence and Labor Market ReallocationEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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