Nachrüstung von Rechenzentren auf Flüssigkühlung stößt an Rohrleitungen und Bodenlasten
Die Nachrüstung bestehender Rechenzentren mit Flüssigkühlung ist machbar, aber selten einfach, heißt es in einer am 2. November veröffentlichten Analyse von Data Center Knowledge. Voll bestückte KI-Racks überschreiten inzwischen 3.000 Pfund in Hallen, die für Luftkühlung gebaut wurden.
Die Nachrüstung bestehender Rechenzentren mit Flüssigkühlung ist machbar, aber selten einfach, heißt es in einer am 2. November veröffentlichten Analyse von Data Center Knowledge. Das erste Hindernis sind die Rohrleitungen. Vor- und Rücklauf müssen nah an den Servern verlaufen. Strom- und Netzwerkkabel füllen in diesen Hallen bereits den Platz.
Das zu lösen kann bedeuten, Racks umzustellen, Kabelwege neu zu führen oder neue Kühlmitteltrassen zu bauen. Es kann auch heißen, die White Space schlicht zu erweitern. Das Gewicht ist das zweite Problem. Data Center Knowledge berichtet, dass voll bestückte Racks in KI-lastigen Umgebungen 3.000 Pfund überschreiten können. Doppelböden sind in älteren luftgekühlten Hallen üblich. Ohne Verstärkung tragen sie die Last möglicherweise nicht. Ausfallzeit ist das dritte Problem. Bau- und mechanische Arbeiten können Monate dauern.
Neubauten auf der grünen Wiese umgehen all das. Planer berücksichtigen Rohrleitungen, Racklasten, Redundanz und Wärmeabfuhr von Anfang an.
Sobald die Flüssigkeit die Chips erreicht, ändert sich das Betriebsmodell. Ein zweiter Beitrag von Data Center Knowledge, ebenfalls vom 2. November, listet auf, was Betreiber jetzt messen müssen. Die Liste umfasst Flüssigkeitstemperatur, Druck, Durchflussrate und Füllstand. Sie umfasst auch Leckageerkennung und Kennzahlen zum Zustand des Kühlmittels wie pH-Wert, Trübung, Leitfähigkeit und Brechungsindex. Der Taupunkt wird zum akuten Risiko. Rohre, die kälter sind als die umgebende Luft, können Wasser in der Nähe der Geräte kondensieren lassen. Eine gängige Praxis ist, die Kühlmittelzufuhr mindestens 2°C über dem gemessenen Umgebungstaupunkt zu halten.
Die Hardware kommt ohnehin. Auf dem OCP Global Summit 2026 in San Jose zeigte ASRock Rack ein vollständiges NVIDIA Vera Rubin NVL72 Rack, so der Bericht von ServeTheHome vom 2. November. Das XGMRACK-VR/NVL72 sitzt in einem 48RU-Gehäuse mit einer 5000A-Stromschiene und einem Flüssigkeitsverteiler. Darin stecken 18 Compute-Trays und neun NVLink 6 Switch-Trays, für 36 Vera CPUs und 72 Rubin GPUs. Die vier Netzteileinschübe sind jeweils mit 110kW angegeben.
Kleinere Systeme folgen demselben Weg. ServeTheHome beschrieb außerdem eine 2U16X-GNR2/DLC Rubin Maschine. Sie bringt ein HGX Rubin NVL8 Board mit acht GPUs in 2U unter, ganz ohne Lüfter.
Die Stromversorgung wird parallel zum Kühlkreislauf umgebaut. Am 3. November berichtete Tom's Hardware, dass Envision Energy die nach eigener Darstellung erste kommerzielle Bereitstellung eines integrierten 800-Volt-Gleichstromsystems abgeschlossen hat. Der Standort ist das eigene Galaxy AI data center in Ulanqab in der Inneren Mongolei. Envision testet es seit August. Das Dubhe-System wandelt Mittelspannungswechselstrom mit 10kV direkt in einen 800V-Gleichstrombus um. Envision zufolge soll der Campus auf 3GW skaliert werden und langfristig bis zu einer Million Beschleuniger unterstützen.
In Großbritannien ist das Netz die bindende Einschränkung. The Guardian berichtete am 3. November, dass Drax, Brookfield und Radiant im Rahmen eines 20 Mrd. Pfund schweren Deals ein Rechenzentrum mit mehr als 1 Gigawatt am Drax-Standort in North Yorkshire planen. Der Plan umfasst bis zu 100MW Rechenleistung ab dem ersten Quartal 2028. National Grid kaufte laut Guardian vom 1. November 29,5 Hektar in Dorman Point an der Teesside. Die Seite könnte laut Guardian 3,2GW Kapazität erreichen.
Wasser ist die andere Front. Data Center Knowledge berichtete am 23. Oktober, dass Verdunstungskühlung pro MW IT-Last rund 20.000 bis 50.000 Gallonen Wasser pro Tag verbrauchen kann. Matt Green, Vorstandschef des Klimatechnikherstellers Brucker, sagte der Publikation, ein offenes System könne in der Anschaffung 60% bis 70% weniger kosten als eine geschlossene Alternative. Brendan Mark von Capture H2O argumentierte, wassergekühlte Systeme seien etwa 25% bis 40% effizienter als geschlossene Luftkühlung.
Zwei kleinere Meldungen weisen in dieselbe Richtung. CATL unterzeichnete am 28. Oktober eine Absichtserklärung mit dem deutschen Unternehmen Intilion, um über fünf Jahre 3 GWh Natrium-Ionen-Speicher in Europa aufzustellen, wie CnEVPost berichtete. Tutor Intelligence gab am 2. November bekannt, 75 Millionen Dollar in einer Series-B-Finanzierung eingesammelt zu haben, so The Robot Report.
Quellen
10- 01Liquid Cooling Retrofits: Hard, but Sometimes Worth ItEN
- 02Liquid Cooling Is Changing What Data Centers Need to MeasureEN
- 03Can Evaporative Cooling in Data Centers Still Make Sense?EN
- 04Liquid-Cooled NVIDIA Servers at the ASRock Rack OCP 2026 BoothEN
- 05China deploys 'world's first' 800-volt DC power system for massive AI data centerEN
- 06UK's most polluting power plant could power country's largest AI datacentreEN
- 07National Grid to site biggest substation in UK near planned Teesside datacentreEN
- 08CATL signs deal with Germany's Intilion to deploy 3 GWh of sodium-ion storage over 5 yearsEN
- 09Tutor Intelligence raises Series B to scale model training, robot deploymentsEN
- 10Astronauts deploy solar array on 100th US spacewalk by International Space Station crew membersEN
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