PJM-Strompreise steigen um 75 Prozent, Playmobil verlässt Deutschland, Wärmepumpen legen 17 Prozent zu
Der Großhandelspreis für Strom im größten US-Strommarkt ist im ersten Quartal 2026 um 75,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Playmobil hat die Figurenproduktion in Deutschland beendet, in Europa wurden 17 Prozent mehr Wärmepumpen verkauft. Drei Zahlen, die zeigen, wie Energiekosten bestimmen, wo Industrie noch arbeiten kann.

Die Zahlen kommen von beiden Seiten des Atlantiks und erzählen dieselbe Geschichte über Energie und Industriestandorte. Im Osten der Vereinigten Staaten sind die Großhandelspreise für Strom im Markt der PJM Interconnection im ersten Quartal 2026 um 75,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. In Bayern ist die letzte Schicht in einem Playmobil-Werk bereits beendet. In elf europäischen Ländern wurden im selben Quartal 17 Prozent mehr Wärmepumpen für Wohngebäude verkauft.
Keine dieser Zahlen ist eine Prognose. Es sind gemeldete Ergebnisse aus den ersten drei Monaten des Jahres 2026. Zusammen zeichnen sie ein Jahr, in dem Energiekosten entscheiden, welche Fabriken laufen, welche Werke schließen und was Haushalte einbauen, wenn Gas und Öl unzuverlässig werden.
Monitoring Analytics, der offizielle Marktwächter für PJM, hat die Strompreiszahlen in seinem Bericht zum Marktzustand im ersten Quartal 2026 veröffentlicht. Laut The Register, das am 15. Mai 2026 über den Bericht schrieb, stiegen die Gesamtkosten je Megawattstunde Großhandelsstrom von 77,78 Dollar in den ersten drei Monaten des Jahres 2025 auf 136,53 Dollar im gleichen Zeitraum dieses Jahres. PJM versorgt 13 Bundesstaaten ganz oder teilweise sowie den District of Columbia.
Der Wächter hielt sich nicht zurück. "Das Lastwachstum der Rechenzentren ist der Hauptgrund für die jüngsten und erwarteten Bedingungen am Kapazitätsmarkt, einschließlich des gesamten prognostizierten Lastwachstums, des angespannten Verhältnisses von Angebot und Nachfrage und der hohen Preise", heißt es in dem Bericht. "Ohne das Wachstum der Rechenzentren, sowohl tatsächlich als auch prognostiziert, hätte der Kapazitätsmarkt nicht dieselben angespannten Angebots- und Nachfragebedingungen erlebt."
Last der Rechenzentren und wer zahlt
Das vorgeschlagene Gegenmittel des Wächters ist deutlich: Rechenzentren sollen ihre eigene Erzeugung mitbringen. Er fordert einen beschleunigten Netzanschluss für sogenannte BYOP-Rechenzentren, andernfalls eine Warteschlange, die sie erst anschließt, wenn ausreichende Kapazität vorhanden ist. PJM erklärte gegenüber The Register, man arbeite mit Bundesstaaten und Mitgliedsunternehmen zusammen, um diese Auswirkungen auf die Verbraucher an mehreren Fronten anzugehen. Das Unternehmen verwies auf Preisobergrenzen seit der Auktion 2025/2026, Projekte zum Netzausbau und eine Reform der Regeln des Großhandelsmarkts. Monitoring Analytics antwortete nicht auf Fragen.
Was den PJM-Fall aus europäischer Sicht interessant macht, ist der Mechanismus, nicht die Megawatt. Der Einwand des Wächters gegen eine vorgeschlagene einmalige Backstop-Auktion lautet, sie würde "im Allgemeinen erhebliche Risiken auf andere PJM-Kunden verlagern", eine Versuchung, der man laut Bericht "widerstehen sollte". Er fügt hinzu: "Andere PJM-Kunden, ob private, gewerbliche oder industrielle, sollten nicht als kostenlose Quelle für Versicherung oder Sicherheiten oder Finanzierung für Rechenzentren behandelt werden."
Das ist ein Subventionsargument, verkleidet als Argument zur Marktgestaltung. Und der Bericht warnt, die Rechnung sei bereits festgeschrieben: "Die Preisauswirkungen auf die Kunden waren sehr groß und sind nicht umkehrbar", heißt es darin. Sie "werden kurzfristig noch größer sein, wenn die Probleme im Zusammenhang mit der Last der Rechenzentren nicht rechtzeitig angegangen werden".
Der politische Druck bewegt sich schneller als die Auktionen. Die Backstop-Auktion wurde von der Trump-Regierung und den Gouverneuren der PJM-Bundesstaaten gefordert. Die öffentliche Meinung deckt sich nicht mit dem Ausbau: The Register zitiert eine Gallup-Umfrage, in der 71 Prozent der Befragten Projekte für Rechenzentren in ihrer Nachbarschaft ablehnten. Projekte in mehreren Bundesstaaten wurden nach lokalem Widerstand wegen Strompreisen, Lärm, Schandflecken und Umweltschäden aufgegeben.
Playmobil: 350 Arbeitsplätze und eine Ära
In Deutschland hat der Kostendruck bereits zu einer Entscheidung geführt. Playmobil stellt die gesamte Figurenproduktion im Heimatland ein und schließt das Werk Dietenhofen in Bayern, wie Brussels Signal am 24. Juni 2026 über die Schließung berichtete. Rund 350 Arbeitsplätze am Standort sind betroffen, der auf die Herstellung der Kunststofffiguren spezialisiert war. Die letzte Schicht endete in jener Woche, die verbleibenden Beschäftigten waren vor der offiziellen Stilllegung Ende Juni freigestellt.
Die Horst Brandstätter Group, Eigentümerin der Marke Playmobil, bestätigte, dass die Produktion in bestehenden Anlagen in Malta und Tschechien gebündelt wird. Das Unternehmen nannte stark steigende Produktionskosten in Deutschland als entscheidenden Faktor und führte hohe Energiepreise neben gestiegenen Löhnen und Lohnnebenkosten an. Das Management erklärte, das Kostenumfeld sei für die arbeitsintensive Kunststoff-Spritzgießfertigung untragbar geworden. Verwaltung und Logistik bleiben in Deutschland. Die Figuren nicht.
Brussels Signal merkt an, dass die Strompreise für Haushalte in Deutschland weiterhin zu den höchsten der Welt zählen, derzeit die fünfthöchsten global und die zweithöchsten unter den großen Industrienationen. Der Bericht verweist zudem auf den schnellen Ausstieg des Landes aus Kernkraft und Kohle ohne ausreichende Grundlastalternativen, verbunden mit Bürokratie und Lohndruck. Einige Ökonomen beschreiben diese Faktoren als schleichende Deindustrialisierung.
Die Symbolik ist kaum zu übersehen. Ein Spielzeug, das lange stolz als "Made in Germany" vermarktet wurde, wird künftig vollständig außerhalb des Landes hergestellt, das es geschaffen hat. Gewerkschaften nannten den Schritt eine "Katastrophe" für die Region, Wirtschaftsverbände werteten ihn als jüngstes Beispiel für die Verlagerung eines mittelständischen Unternehmens. Keine der beiden Reaktionen ändert die Rechnung, die die Entscheidung ausgelöst hat.
Wärmepumpen: 575.000 Einheiten in einem Quartal
Haushalte können wechseln, Fabriken nicht. Der Absatz von Wärmepumpen für Wohngebäude stieg im ersten Quartal 2026 in elf europäischen Ländern um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das teilte die European Heat Pump Association mit, pv magazine berichtete am 4. Mai 2026 darüber. Von Januar bis März wurden rund 575.000 Einheiten verkauft, gegenüber 494.000 im gleichen Zeitraum des Jahres 2025.
Frankreich, Deutschland und Polen erreichten im Quartal ein durchschnittliches Wachstum von 25 Prozent. Nationale Experten führten das auf steigende Energiepreise und Sorgen um die Energieversorgungssicherheit zurück. Der Verband erklärte den Anstieg mit einem starken Sprung der Gas- und Ölpreise, nachdem der Iran am 2. März 2026 die Straße von Hormus geschlossen hatte. Der Gesamtdurchschnitt wurde durch Österreich gedrückt, wo der Absatz um 30 Prozent zurückging, weil staatliche Subventionen fehlten.
"Wenn Ihr Streamingdienst den Preis verdoppelt und dann seine Filme blockiert, würden Sie einen besseren suchen", sagte Paul Kenny, Generaldirektor der EHPA. "Die Verbraucher haben erkannt, dass Wärmepumpen die Lösung sind, wenn Gas und Öl bei Preis und Versorgung unberechenbar sind."
Kenny sagte, die Europäische Kommission habe in ihrem Energiekrisenplan Schritte zur Förderung von Wärmepumpen skizziert, darunter Mehrwertsteuer- und Steuersenkungen sowie soziale Leasingmodelle für Haushalte mit niedrigem Einkommen. Er rief die EU-Regierungen auf, diese Maßnahmen zügig umzusetzen.
Zusammengelesen beschreiben die drei Datenpunkte eine Zwangslage mit zwei Auswegen. Industrie, die nicht umziehen kann, trägt die vollen Kosten für Strom und Gas, wie das bayerische Playmobil-Werk. Industrie, die umziehen kann, tut es, weshalb die Produktion in Malta und Tschechien landete. Haushalte werden unterdessen durch Preissignale statt durch Klimapolitik zur Elektrifizierung gedrängt. Das kehrt die übliche Argumentationsreihenfolge in europäischen Energiedebatten um.
Die PJM-Erfahrung fügt einen dritten Weg hinzu, den niemand bewirbt: andere Kunden das Risiko tragen lassen. Monitoring Analytics nennt das einen Vermögenstransfer und erklärt, man sollte ihm widerstehen. Ob die Regulierer in Virginia zustimmen, wird in Auktionen entschieden, nicht in Berichten.
Ein Detail aus dem PJM-Bericht verdient Aufmerksamkeit, weil es leicht zu überlesen ist. Geplante Aktualisierungen der Software des Netzbetreibers für Kraftwerksbindung und Einsatz wurden mehrfach verschoben, ohne dass ein Umsetzungstermin im Kalender steht. "Das derzeitige Kapazitätsangebot in PJM reicht nicht aus, um die Nachfrage großer Rechenzentrumslasten zu decken, und wird in absehbarer Zukunft nicht ausreichen", stellt der Wächter fest.
Das ist dieselbe Schlussfolgerung, die die deutsche Industrie über ihre eigene Energiebasis zieht, und dieselbe, nach der europäische Haushalte in diesem Frühjahr gehandelt haben, indem sie Wärmepumpen kauften. Der Unterschied ist, dass ein Netzbetreiber eine Aktualisierung verschieben kann. Eine Fabrik kann eine Schließung nicht verschieben, wenn die letzte Schicht beendet ist.
Quellen
3- 01Datacenters slurping juice help drive 75% jump in PJM power pricesEN
- 02High energy prices force Playmobil to end production in GermanyEN
- 03Heat pump sales rise 17% across Europe in Q1 as energy prices surgeEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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