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Der Universalitätsanspruch beim Quantencomputer fällt auf dasselbe Wochenende wie eine nationale Roadmap

Am 27. September meldete ScienceDaily, ein Team habe auf 54 Qubits von Quantinuums H2-Prozessor aus nicht-Abelschen Anyonen einen universellen Gattersatz gebaut, die erste experimentelle Demonstration dieser Art, so die University of Chicago. Wenige Stunden zuvor hatte Fermilab die Quantencomputer-Roadmap des US-Energieministeriums veröffentlicht.

TechnologieAnalyseKatrin HoffmannVeröffentlicht: 28. September 20266 Min. LesezeitQuellen 5
Der Universalitätsanspruch beim Quantencomputer fällt auf dasselbe Wochenende wie eine nationale Roadmap

Das Ergebnis erschien laut dem ScienceDaily-Bericht vom 27. September in Nature. Das Team kombinierte zwei Operationen, Braiding und Fusion, auf 54 verschränkten Qubits von Quantinuums H2-Ionenfallenprozessor. Dafür nutzte es eine Symmetriegruppe namens S3: die Drehungen und Spiegelungen, die ein gleichseitiges Dreieck unverändert lassen.

Ruben Verresen, Assistant Professor an der Pritzker School of Molecular Engineering der University of Chicago und Mitautor, beschreibt das Ergebnis in der Mitteilung mit einfachen Worten. "We demonstrated a so-called universal gate set, meaning that if you store information in these emergent versions of quarks, and you move them around, you can do any quantum computation you might want to do", wird er zitiert.

Beteiligt waren die UChicago PME, Harvard, die Stony Brook University und Quantinuum. Die Arbeit baut auf einem Experiment von 2024 auf, an dem einige derselben Forscher mitwirkten und das Anyonen zu einer anderen Symmetriegruppe, D4, auf Quantinuum-Hardware erzeugte. Dieser frühere Lauf zeigte, dass sich die Teilchen herstellen und manipulieren lassen. Er zeigte nicht, dass sie zum Rechnen ausreichen.

Warum ein Gattersatz mehr zählt als eine Qubit-Zahl

Die Lücke zwischen dem Schutz quantenmechanischer Information und dem Rechnen mit ihr ist das zentrale Ingenieursproblem des Feldes. Fehlerkorrektur verteilt ein logisches Qubit über viele physische. Das hält die Daten am Leben, verhilft aber in der Regel nicht jeder Operation zu der Fähigkeit, die eine universelle Maschine braucht. Ingenieure stopfen das Loch mit Magic States, die ein Reinigungsverfahren namens Destillation erzeugt.

Destillation ist teuer. Sie verschlingt einen großen Teil der verfügbaren Qubits einer Maschine, also genau der Ressource, an der alle Mangel haben. Das neue Paper argumentiert, dass nicht-Abelsche Anyonen diesen Schritt umgehen könnten. Henrik Dreyer, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter von Quantinuums Münchner Büro und Mitautor, nennt nicht-Abelsche Codes in der Mitteilung "a dark horse in the race to quantum error correction" und sagt, die Arbeit zeige, dass fehlertolerantes Rechnen prinzipiell ohne Magic-State-Destillation oder -Kultivierung laufen könne.

Das ist eine Aussage über einen Weg, nicht über eine fertige Maschine. Das Experiment lief auf 54 Qubits und zeigte einen Gattersatz. Es zeigte keinen nützlichen Algorithmus in großem Maßstab, und die Mitteilung nennt keine Zahl fehlerkorrigierter logischer Qubits.

Verresens eigene Einordnung ist aufschlussreich. "In that work, we didn't demonstrate that those emergent forces were enough to do quantum computation", sagte er über das Experiment von 2024. "That particular universe we created was not powerful enough."

Washington veröffentlicht seinen eigenen Zeitplan, mit 2028 darin

Am selben Tag veröffentlichte Fermilab einen Artikel des Office of Science im Energieministerium erneut, der die Herausgabe des "SCAC Quantum Committee Report: Path to an Integrated Quantum Future" ankündigt. Die Roadmap wurde von einem Unterausschuss erarbeitet, den Anna Grassellino leitete, Technikvorstand von Fermilab, mit Supratik Guha von der Pritzker School of Molecular Engineering der University of Chicago als stellvertretendem Vorsitz.

Der Bericht legt einen an Meilensteinen orientierten Weg fest, um den wissenschaftlichen Nutzen von Quantencomputern zu zeigen, mit dem erklärten Ziel eines wissenschaftlich relevanten, fehlerkorrigierten Quantencomputers bis 2028. Er schlägt drei Phasen vor: wettbewerbliche Quantum Grand Challenges von 2026 bis 2028, die nationale Labore, Universitäten und Industrie zusammenbringen; eine DOE Quantum Computing User Facility, die aus diesen Erfahrungen entsteht; und ab 2030 die Integration von Quanten-Coprozessoren in die Hochleistungsrechner- und KI-Infrastruktur des Ministeriums.

Der DOE-Text stellt ausdrücklich klar, dass die Einrichtung nicht als kommerzieller Cloud-Dienst gedacht ist. Er beschreibt ein offenes wissenschaftliches Instrument, an dem Forscher Hardware, Steuerungssysteme und Software gemeinsam mit Herstellern entwickeln, und bekennt sich zu Technologieneutralität. Als Anwendungen nennt er Probleme aus Chemie und Materialforschung: molekulare Eigenschaften für die Arzneimittelforschung, Katalysatoren für die Fertigung, fusionsrelevante Materialien und Physik des frühen Universums.

Ein Satz im Fermilab-Beitrag verdient es, vom Rest getrennt zu werden. Das DOE erklärt, Erfolg müsse am wissenschaftlichen Nutzen gemessen werden und nicht am größten Quantencomputer. Das ist ein politisches Argument so sehr wie ein technisches.

Drei Hardware-Wege, drei verschiedene Wetten

Das Wochenende brachte ein zweites Forschungsergebnis. ScienceDaily meldete am 26. September, Forscher unter Leitung des Duke Quantum Center hätten mit einem 13-Ionen-Quantensimulator das Aufbrechen von Strings nachgebildet, einen Prozess, der mit der Bildung von Teilchen und Antiteilchen nach dem Urknall zusammenhängt. Das Paper erschien am 23. September in Nature Physics, mit Beiträgen der University of Maryland, Oxford, Caltech, Cornell und KU Leuven.

Christopher Monroe von Duke, der die Forschung leitete, wird mit den Worten zitiert, Quantencomputersimulationen seien die beste verfügbare Plattform für Fragen wie die Entstehung von Materie, "short of having witnessed the Big Bang itself". Das Team glich die Quantenergebnisse mit einer klassischen Rechnung ab, und beide stimmten überein, was laut Mitteilung in diesem kleinen Maßstab zu erwarten war.

Dann ist da der industrielle Zeitplan. IBM meldete am 19. August in einer auf den 19. August datierten Mitteilung, die am 21. September in diesem Dossier auftauchte, man habe zwei kryogene Module verbunden und in einer gemeinsamen Umgebung abgekühlt, bis unter 15 Millikelvin. Jedes Modul bietet bis zu 12 Mal mehr Platz für Verkabelung als die am weitesten verbreiteten IBM-Quantensysteme. IBM will die Module noch in diesem Jahr mit Quantum-Nighthawk-Prozessoren bestücken, auf einer Roadmap zu einem System mit 1.000 programmierbaren Qubits im Jahr 2027 und dem fehlertoleranten IBM Quantum Starling im Jahr 2029.

Jay Gambetta, Leiter von IBM Research, nennt die Verbindung der Module in der Mitteilung "a leap forward" in Richtung Fehlertoleranz. Man beachte die Daten: IBMs Ziel liegt ein Jahr nach dem erklärten Meilenstein des DOE für 2028, eine wissenschaftlich relevante, fehlerkorrigierte Maschine. Die beiden Dokumente widersprechen sich nicht, weil sie die Ziellinie unterschiedlich definieren. Das DOE will einen nachgewiesenen wissenschaftlichen Nutzen. IBM will ein fehlertolerantes System. Das ist nicht dieselbe Aussage, und Leser sollten sie nicht mitteln.

Abseits der Schlagzeilen bewegt sich auch der Unterbau. Ein gesponserter Beitrag auf Semiengineering vom 24. September beschreibt einen Workflow von Keysight, der ein kompaktes BSIM-BULK-Modell an Daten bei Raumtemperatur anpasst und dann mit hybriden neuronalen Netzen das kryogene Verhalten lernt, das das Modell bei 4 Kelvin nicht erfassen kann. Er nennt eine jährliche Wachstumsrate von 41,8 Prozent für den Quantenmarkt von 2025 bis 2030, mit MarketsandMarkets als Quelle. Das ist Herstellermaterial und wirbt für ein Produkt, doch es zeigt auf einen echten Engpass: Die Steuer- und Ausleseelektronik neben den Qubits braucht Modelle, die es in Standardform noch nicht gibt.

Was das Wochenende tatsächlich gebracht hat

Ohne die Rahmung bleiben drei Dinge aus den letzten 72 Stunden. Ein Universalitätsanspruch auf 54 Ionenfallen-Qubits, veröffentlicht in Nature und gemeldet am 27. September. Eine nationale Roadmap des DOE mit einem Meilenstein für 2028 und einer erklärten Präferenz für wissenschaftlichen Nutzen statt Qubit-Zahlen. Und eine Physiksimulation im kleinen Maßstab auf 13 Ionen, die mit der klassischen Rechnung übereinstimmte, gemeldet am 26. September.

Nichts davon ist ein funktionierender Universalquantencomputer. Das Anyon-Ergebnis ist eine Demonstration eines Gattersatzes auf Hardware, die es heute gibt. Sein praktischer Wert hängt davon ab, ob nicht-Abelsche Codes besser skalieren als die Magic-State-Maschinerie, die sie ersetzen würden. Das Paper entscheidet das nicht. Die DOE-Roadmap ist ein Plan, kein Ergebnis. IBMs kryogene Module sind ein Ingenieursmeilenstein auf einem Ziel für 2029.

Ehrlich gelesen hat das Feld aufgehört, nur über Qubit-Zahlen zu streiten, und begonnen, über Wege zu streiten. Nicht-Abelsche Anyonen, Magic States, modulare Kryotechnik, Modellierung von Kryo-Elektronik: Das sind konkurrierende Wetten darauf, wie eine Maschine gebaut wird, und das Wochenende hat mehrere davon gleichzeitig öffentlich gemacht. Welche gewinnt, entscheidet kein einzelnes Nature-Paper.

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Quellen

5
  1. 01Quantum computing's "dark horse" just proved it can go universalEN
  2. 02DOE releases national quantum computing roadmap following field-wide effort led by SCAC subcommitteeEN
  3. 03Quantum computer simulates matter "popping into existence"EN
  4. 04AI-Driven Device Modeling For Next Generation Quantum ApplicationsEN
  5. 05IBM Connects Its First Modular Cryogenic Systems in Milestone Toward Fault-Tolerant Quantum ComputingEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Katrin Hoffmann

Katrin Hoffmann

KI, Modelle und Technik

Katrin Hoffmann schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Primärquellen wie Herstellerangaben, Studien und Protokolle statt auf Pressemitteilungen. Bei Benchmarks prüft sie Messmethoden, Testumgebungen und Reproduzierbarkeit, bevor sie Zahlen übernimmt. Für ihre Artikel spricht sie mit Entwicklern und Forschern, wartet auf Konferenzankündigungen und vergleicht Versionsstände von Modellen und Standards. Privat betreibt sie Selfhosting und Heimnetze und dokumentiert ihre eigene Infrastruktur, was ihrer Redaktionsarbeit zugutekommt. Sie veröffentlicht keine Zahlen ohne nachvollziehbare Quelle.

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