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Domyn-Chef: Europa hat die Technik für KI, es fehlt am Geld

Uljan Sharka, Chef des italienischen Unternehmens Domyn, sagte am 29. Oktober 2026 gegenüber der Financial Times, Europa habe die Technologie und die industrielle Erfahrung, um bei fortgeschrittener KI mitzuhalten. Es fehle aber an Investitionen und daran, die eigenen Modelle im Inland einzusetzen, berichtete EU Today.

TechnologieErklärtLena BrandtVeröffentlicht: 7. November 20265 Min. LesezeitQuellen 37
Domyn-Chef: Europa hat die Technik für KI, es fehlt am Geld

Die Aussagen fallen in eine Zeit, in der Domyn in Süditalien den Supercomputer Colosseum baut und ein europäisches Konsortium anführt, das ein Open-Source-Modell entwickelt. Das Unternehmen wurde 2016 in Mailand als iGenius gegründet und im vergangenen Jahr umbenannt. Nach Angaben von Sifted, auf die sich The Next Web beruft, hat Domyn mehr als 1.000.000.000 Dollar eingesammelt, überwiegend als Schulden.

Finanzierung und die Maschine

Domyn nahm insgesamt rund 1.100.000.000 Dollar auf, aufgeteilt in etwa 10 Prozent Eigenkapital und 90 Prozent Fremdkapital, so die Berichterstattung. Diese Struktur wähle man, wenn man Hardware kaufe statt Forscher einzustellen, schreibt The Next Web. Mistral ging denselben Weg in kleinerem Maßstab und sammelte 830.000.000 Dollar bei sieben Banken ein, um ein eigenes Rechenzentrum bei Paris zu bauen. Europäische KI-Firmen haben laut dem Bericht die Erfahrung gemacht, dass Kreditgeber ein Gebäude voller GPUs zu Bedingungen finanzieren, die kein Wagniskapitalfonds für ein Modell bieten würde.

The Next Web zitiert zudem Skepsis gegenüber dem größeren europäischen Vorstoß: Wer Kapazität über eine GPU-as-a-Service-Schicht miete, verstärke die Illusion von Souveränität, statt sie zu liefern. Das sei ein Grund, warum Domyns Entscheidung, die Hardware selbst zu besitzen, interessanter sei als die Schlagzeile, heißt es in dem Bericht.

Die Liste der Investoren, die Bewertung, die Identität der Kreditgeber und die Bedingungen der Schulden sind alle nicht öffentlich. Domyn hat keine Mitteilung zur Runde veröffentlicht. The Next Web berichtete von dem Ziel, über drei Jahre 10.000.000.000 Dollar zu investieren und im selben Zeitraum 1.000.000.000 Euro Umsatz zu erreichen, zusammen mit Sharkas Äußerungen gegenüber Semafor im April. Fachberichte beziffern die aktuelle Basis auf einen zweistelligen Millionenbetrag an wiederkehrenden Jahresumsätzen.

Sharka war offen über die Größenordnung des Rahmens. "1.000.000.000.000 Dollar sind der neue Einhorn-Maßstab gerade jetzt", sagte er zu Semafor. "Wenn du nicht über 1.000.000.000.000 Dollar sprichst, bist du nicht auf dem Laufenden."

Domyn sammelte zuletzt 2024 ein und nahm rund 650.000.000 Euro Projektfinanzierung bei einer berichteten Bewertung von 1.700.000.000 Euro auf, nach einer Series A über 70.000.000 Euro. Die neue Runde ist größer als diese gesamte Geschichte, und sie wurde gegen eine Maschine aufgenommen, nicht gegen einen Markt, schreibt The Next Web.

Colosseum

Colosseum entsteht in Süditalien mit Nvidia und Vertiv. Er läuft mit 80 Nvidia GB200 NVL72 Systemen, nahezu 6.000 Grace-Blackwell-Chips, zieht etwa 7MW und ist mit 115 Exaflops bewertet, was Domyn als eigens für Modelle mit mehr als einer Billion Parameter gebaut beschreibt.

Domyn verkauft an Banken, Versicherer, Pharmaunternehmen, Rüstungsfirmen und Regierungen, mit dem Argument, diese Käufer wollten das Modell besitzen, statt Zugang zu dem eines anderen zu mieten. Kunden erhalten die Codebasis und können auf ihren eigenen Daten vor trainieren, die Modelle werden über Microsofts Foundry-Plattform vertrieben. Domyn hat zwei Modelle ausgeliefert: ein kleines für allgemeine Unternehmensarbeit und ein größeres, missionskritisches System, das das Unternehmen gegen GPT-4o und Claude 3.5 Sonnet verglichen hat. Es sind die eigenen Vergleiche der Firma, unabhängig wurden sie nicht reproduziert.

Die Maschine zu besitzen heißt auch, sie tragen zu müssen. Ein Supercomputer schreibt sich nach einem in Santa Clara festgelegten Plan ab, und die Nutzungsdauer eines Blackwell-Racks ist kürzer als die Laufzeit der meisten Infrastrukturschulden, schreibt The Next Web. An anderer Stelle heißt es in dem Bericht, Domyn arbeite beim italienischen Supercomputer mit Nvidia und der Abu-Dhabi-Gruppe G42 zusammen.

EUROPA

Die Europäische Kommission wählte im Juni 2026 das von Domyn geführte Konsortium EUROPA als Sieger ihrer Frontier AI Grand Challenge aus, berichtete EU Today. Der im Februar gestartete Wettbewerb suchte ein europäisches Allzweckmodell mit mehr als 400.000.000.000 Parametern. Das geplante Modell von EUROPA soll etwa 500.000.000.000 Parameter umfassen und alle 24 Amtssprachen der EU unterstützen.

Das Konsortium vereint Domyn und die deutsche Fraunhofer-Gesellschaft, darunter die Institute Fraunhofer IAIS und IIS. Die Arbeit soll auf dem EuroHPC-Netz europäischer Supercomputer beruhen. Nach den Regeln des Wettbewerbs kann das siegreiche Konsortium ein Jahr lang Zugang zu bis zu 2,5 Prozent der gesamten Rechenkapazität von EuroHPC erhalten. Das fertige System soll unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht werden.

Der Bericht von EU Today merkt an, dass die Parameterzahl allein nicht zeigt, ob ein Modell konkurrenzfähig ist. Die Leistung hänge von Trainingsdaten, Architektur, Recheneffizienz, Evaluierungsergebnissen und Zuverlässigkeit über verschiedene Aufgaben hinweg ab.

Europäischer Hintergrund

Die EU hat eine Ausschreibung für bis zu sieben KI-Gigafactories gestartet. The Next Web beschrieb das Vorhaben als 30.000.000.000 Euro schweres Programm. Laut der Seite der Kommission wird die Initiative mit bis zu 10.000.000.000 Euro aus EU- und nationalen Mitteln gefördert und soll mindestens 20.000.000.000 Euro private Investitionen anziehen. KI-Gigafactories sind große Anlagen für das Training von Modellen mit Billionen Parametern, und das Programm soll mehr als 100.000 fortgeschrittene KI-Prozessoren zusammenbringen.

Derzeit werden 19 KI-Factories und 13 Antennen aufgebaut. Mindestens 9 neue KI-optimierte Supercomputer werden beschafft, was laut der Kommission die derzeitige KI-Rechenkapazität von EuroHPC mehr als verdreifachen wird.

Italien bewegt sich separat, mit einem nationalen KI-Fonds von 1.000.000.000 Euro und einer Reihe von Strafen für Missbrauch, die daneben erlassen wurden. The Next Web bezeichnet Domyn als den sichtbarsten privaten Nutznießer dieser Positionierung.

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Quellen

37
  1. 01Milan's Domyn raises over $1bn Europe's largest AI round, mostly in debtEN
  2. 02Europe's Bid for AI Independence Faces Its First Major Test as EUROPA Challenges US Technology GiantsEN
  3. 03AI FactoriesEN
  4. 04TIM and NVIDIA announce a sovereign AI platform for Italy, with no datesEN
  5. 05Eni Opens World's Most Powerful Industrial Supercomputer to AI Startups in EuropeEN
  6. 06Cadence Design Systems, Inc.: Cadence Unveils Europe's First Sovereign AI Platform for Semiconductor, System and AI Factory Design in Collaboration with NVIDIAEN
  7. 07THE SOVEREIGN AI IMPERATIVEEN
  8. 08AI Supercomputing Infrastructure Market Expands as Generative AI Drives Demand for Scalable GPU, Networking, and Cooling SystemsEN
  9. 09What Is Sovereign AI? Inside Wall Street's Next Big AI TradeEN
  10. 10South Korea targets ' highest performance' sovereign AI modelEN
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  37. 37Bias in Qwen3-Coder ModelEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Lena Brandt

Lena Brandt

KI, Modelle und Technik

Lena Brandt schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Herstellerangaben, Studien und öffentlich zugängliche Datensätze, statt Pressemitteilungen ungeprüft zu übernehmen. Bei Modellvergleichen kontrolliert sie Benchmark-Werte, Trainingsdaten und Versionsnummern und rechnet Angaben zu Rechenleistung und Kosten selbst nach. Sie spricht mit Entwicklern und Forschern, wartet auf angekündigte Updates und vergleicht Releases, bevor sie eine Einschätzung abgibt. Privat beschäftigt sie sich mit 3D-Druck, alten Rechnern und der Frage, wie Modelle aus Internetmüll lernen – Themen, die regelmäßig in ihre Texte einfließen. Sie publiziert keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst überprüfen konnte.

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