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Handelsministerium verschärft Chipregeln, Taiwan klagt zehn Personen an

Das US-Handelsministerium macht am 9. Oktober aus unverbindlichen Warnbriefen bindende Vorschriften. Der Schritt fällt mit einer Anklage in Taiwan zusammen: Zehn Führungskräfte sollen US-Militärchips nach China umgeleitet haben.

WeltErklärtDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 9. Oktober 20264 Min. LesezeitQuellen 9
Handelsministerium verschärft Chipregeln, Taiwan klagt zehn Personen an

Washington handelt schnell. Das US-Handelsministerium verwandelt unverbindliche Warnbriefe in hartes Recht, bevor der aktuelle Waffenstillstand ausläuft, meldet Startup Fortune. Zeitgleich klagen taiwanesische Staatsanwälte zehn Führungskräfte von Unternehmen an. Ihnen wird vorgeworfen, Hochgeschwindigkeitsbauteile an chinesische Raketen- und Radarprogramme geschmuggelt zu haben, berichtete Tom's Hardware am 8. Oktober. Das Timing deutet auf eine abgestimmte Eskalation hin. Beide Maßnahmen ziehen das Netz um kritische Halbleiterströme enger. Washington betrachtet diese Ströme als existenzielle Bedrohung seines militärischen Vorsprungs.

Der Hintergrund ist eine beschleunigte Entkopplung.

Peking wartet nicht auf eine Genehmigung, um Alternativen zu bauen. Huawei hat damit begonnen, seine Chips auf Basis der Tau-Architektur in der Mate-90-Serie auszurollen. Die South China Morning Post beschreibt das als Schritt, um die strengen US-Exportbeschränkungen zu überwinden. Das Unternehmen gibt an, seit der Markteinführung des Modells am 12. September bereits etwa 100.000 Mate XT 2 Trifold-Telefone ausgeliefert zu haben. Diese heimischen Anstrengungen zielen darauf, die Abhängigkeit von Nvidia und anderen US-Größen zu verringern. DeepSeek etwa hat am 30. September sechs Softwaremodule für Huaweis Ascend-KI-Chips als Open Source veröffentlicht. Ziel ist laut seinem offiziellen WeChat-Konto ein "unabhängiges und kontrollierbares" Software-Ökosystem für Grafikprozessoren. Diese Softwareebene ist ebenso wichtig wie das Silizium selbst. Ihre Offenlegung beseitigt einen zentralen Reibungspunkt für chinesische Hardwareentwickler. Sie können sich nicht länger auf die von den USA geprägten CUDA-Stacks verlassen.

Der Schmuggelkanal

Staatliche Akteure bauen Alternativen, doch einzelne Akteure versuchen weiterhin, die US-Technik direkt zu kaufen. Die taiwanesische Anklage betrifft Hardware von Texas Instruments und Analog Devices, die als "Made in Taiwan" ausgegeben wurde. Ermittler glauben, dass die Chips bei chinesischen Forschungseinheiten landeten, die Raketen und militärische Radare bauen. Die Bestellungen sollen den Namen des National Chung-Shan Institute of Science and Technology genutzt haben, um eine inländische Verwendung vorzutäuschen. Diese falsche Herkunft ist eine klassische Methode des Graumarkts. Sie soll automatisierte Zollkontrollen umgehen. Diese Kontrollen stützen sich auf das angegebene Herstellungsland, nicht auf eine physische Prüfung des Bauteils selbst.

Es ist die jüngste in einer Reihe aufsehenerregender Festnahmen.

Anfang Oktober beschuldigte das US-Justizministerium Greg Lui, den CEO von Earthmade Computer, mit gefälschten Papieren Serverlieferungen im Wert von mehr als 300.000.000 US-Dollar verschleiert zu haben, berichtet Ars Technica. Das mutmaßliche Vorgehen begann im Oktober 2023 und lief bis August 2026. Es umfasste Nvidia A100 und H100 GPUs, die über Malaysia und Singapur geleitet wurden. Das finanzielle Ausmaß dieser illegalen Geschäfte ist erheblich. Luis Firma soll allein 2024 mehr als 176.000.000 US-Dollar aus dem Geschäft erhalten haben. Zahlungsunterlagen der Bank of America und von JP Morgan lieferten weitere Belege dafür, wie er das Schmuggelgeschäft mutmaßlich betrieb. Ihm drohen bis zu 20 Jahre Haft, sollte er schuldig gesprochen werden. Große Banken tauchen in der Spur der Transaktionen auf. Das zeigt, wie tief diese illegalen Ströme im legitimen Bankwesen stecken, was die Aufdeckung für Regulierer zu einer komplexen forensischen Aufgabe macht.

Globale Folgewirkungen

Diese Kontrollen verändern Lieferketten über die USA und China hinaus. Rohm Semiconductor weitet sein Outsourcing der Chipfertigung im Backend in Indien aus. Das Unternehmen arbeitet mit Tata Electronics und Suchi Semicon zusammen, wie EE Times am 8. Oktober berichtete. Die Waferfertigung bleibt im Haus, doch die lokale Montage wird getestet. Ziel ist es, die Märkte für Zweiräder und Vierräder zu bedienen.

Unterdessen diversifiziert TSMC seine Kapazitäten für fortgeschrittenes Packaging. Das Unternehmen hat vereinbart, dass GlobalFoundries ab 2028 Silizium-Interposer in seinem Werk in Malta, New York, herstellt, meldet heise online. Dieser Fünfjahresvertrag hat einen Wert von 2.000.000.000 US-Dollar. Er integriert GlobalFoundries in das CoWoS-Ökosystem, das Nvidia und AMD nutzen. Solche Schritte zeigen, dass selbst die fortgeschrittensten Fertigungsknoten geopolitischer Absicherung unterliegen. Unternehmen verteilen Risiken über Jurisdiktionen mit stabilerer Regulierung oder Zugang zu anderen Talentpools.

Anleger reagieren auf diese Verschiebungen. Biren Technology, ein chinesischer KI-Chiphersteller, sah seine Aktien am 8. Oktober um mehr als 12 Prozent fallen. Der Rückgang folgte auf die Ankündigung, über eine Aktienplatzierung 510.000.000 US-Dollar einnehmen zu wollen, berichtete die South China Morning Post. Der Ausverkauf spiegelt den verschärften Wettbewerb unter chinesischen Nvidia-Herausforderern. Er spiegelt auch die Unsicherheit über künftige US-Beschränkungen.

Die geopolitische Reibung beschränkt sich nicht auf Hardware. Nvidia-Chef Jensen Huang und AMD-Chefin Lisa Su traten am 29. September einem Beirat der Tsinghua-Universität bei. Die SCMP wertet das als Zeichen fortbestehender Verbindungen trotz der Rivalität. Die Berufungen bringen die beiden US-Führungskräfte in ein Gremium, das dafür bekannt ist, globale Manager mit hochrangigen chinesischen Beamten zusammenzubringen. Dieses Engagement deutet darauf hin, dass persönliche und institutionelle Kanäle trotz verschärfter Exportkontrollen offen bleiben. Sie könnten als Ventil für Spannungen dienen, die sich im Technologiesektor sonst weiter zuspitzen könnten.

Compliance ist inzwischen eine kritische operative Einschränkung. Die Grenze zwischen legitimem Handel und illegaler Umleitung wird dünner. Die Strafen für ihre Überschreitung werden härter.

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Quellen

9
  1. 01TSMC lässt Silizium-Interposer für größere Chips bei Globalfoundries fertigenEN
  2. 02Taiwan indicts 10 for smuggling US military-grade chips to ChinaEN
  3. 03Huawei steps up Tau chip roll-out, with Mate XT 2 on track for 1 million salesEN
  4. 04China’s DeepSeek open-sources tools to help Huawei chips supplant Nvidia in AIEN
  5. 05US arrests tech CEO accused of smuggling $300M in Nvidia chips into ChinaEN
  6. 06Rohm Semiconductor Expands Back-End Chip Manufacturing OutsourcingEN
  7. 07China’s AI chipmaker Biren tumbles 12% as it seeks US$510 million in share placementEN
  8. 08Nvidia and AMD chiefs join Tsinghua advisory board as US-China chip tensions persistEN
  9. 09How US-China RISC-V collaboration is deepening despite chip rivalryEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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