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Alte DNA deutet auf eine bisher unbekannte Wanderung hin, die das frühe Germanische nach Skandinavien gebracht haben könnte

Zwei Nature-Studien unter Leitung der Universitäten Kopenhagen, Leiden und Göteborg haben DNA von mehr als 4.500 früheren Menschen untersucht. Sie fanden eine bisher unbekannte Wanderung nach Skandinavien vor rund 4.000 Jahren, die das frühe Germanische mitgebracht haben könnte.

WissenschaftAnalyseHanna VogtVeröffentlicht: 5. November 20264 Min. LesezeitQuellen 17
Alte DNA deutet auf eine bisher unbekannte Wanderung hin, die das frühe Germanische nach Skandinavien gebracht haben könnte

Das Team sequenzierte 712 Genome zum ersten Mal und verglich sie mit Tausenden bereits veröffentlichten, wie die Universität Göteborg mitteilte. Genetik, Archäologie und Linguistik wurden zusammengeführt, um Wanderungen zu rekonstruieren, die die heute in Europa gesprochenen Sprachen mitgeprägt haben.

Erstautor ist Hugh McColl, Assistant Professor am Globe Institute in Kopenhagen. Zu den Seniorautoren gehören Guus Kroonen und Eske Willerslev, berichtete La Brújula Verde.

Unbekannte Wanderung nach Skandinavien

Vor rund 4.000 Jahren tauchte in Ostskandinavien eine zweite Gruppe mit Steppenabstammung auf, die wahrscheinlich über die Ostsee kam, berichtete The Conversation. Diese bisher unbekannte Bevölkerung breitete sich über weite Teile Skandinaviens aus. Ihr Siedlungsgebiet deckte sich schließlich mit der Region, in der die Vorform des Germanischen im ersten Jahrtausend v. Chr. vermutlich gesprochen wurde. Ihre Abstammung lebt in den meisten späteren germanischsprachigen Populationen fort, heißt es in dem Artikel.

Die beteiligten Forscher sagen, die Neuankömmlinge könnten die Vorstufe des Germanischen etwa 800 Jahre später eingeführt haben als bisher angenommen. Eine Mitteilung der Universität Göteborg nennt für die sprachlichen Grundlagen des Englischen, Deutschen, Niederländischen und der skandinavischen Sprachen eine Verschiebung um tausend Jahre. Beide Darstellungen beschreiben dieselbe Wanderung, nennen aber unterschiedliche Größenordnungen für die Verschiebung.

Die traditionelle Darstellung verband die früheste Form des Germanischen mit den ersten Steppenwanderern vor rund 4.800 Jahren, berichtete The Conversation. Die neue Gruppe erschien vor rund 4.000 Jahren. Die ältesten Runeninschriften stammen etwa aus dem ersten bis vierten Jahrhundert n. Chr., berichtete La Brújula Verde.

Die Autoren beschreiben die Neuankömmlinge als archäologisch schwer fassbar, weil sie nur wenige erkennbare materielle Spuren hinterließen. Das früheste Germanische enthält Lehnwörter aus dem Keltischen im Süden und aus finno-samischen Sprachen im Osten, schreiben die Autoren. Das deutet darauf hin, dass es gegen Ende der Bronzezeit bereits irgendwo zwischen Norddeutschland und dem östlichen Baltikum gesprochen wurde.

Ankömmlinge aus Norddeutschland und die Entstehung des Alt-Nordischen

Vor rund 1.600 Jahren zogen Menschen aus dem heutigen Norddeutschland nach Dänemark und Südschweden, mehrere Jahrhunderte vor der Wikingerzeit. Die Wanderung fällt mit der Entstehung des Alt-Nordischen zusammen, teilte die Universität Göteborg mit.

"Die große Überraschung kam vor rund 1.600 Jahren, als in Skandinavien das Alt-Nordische entstand. Menschen aus Norddeutschland ersetzten in Dänemark und Südschweden weitgehend die lokale Bevölkerung. Sie brachten aber auch eine neue Religion mit, mit Odin als Hauptgott, und eine neue materielle Kultur, inspiriert von den Hunnen", sagte Kristian Kristiansen, Professor für Archäologie an der Universität Göteborg.

Die Neuankömmlinge waren genetisch eng mit den Angelsachsen verwandt, was gemeinsame künstlerische Traditionen und nah verwandte Sprachen erklären könnte, heißt es in der Mitteilung. Kristiansen sagte, viele dänische und schwedische Wikinger hätten daher gemeinsame Wurzeln mit den Angelsachsen.

Norwegen blieb von dieser Wanderung weitgehend unberührt, nahm aber dennoch an den sprachlichen Veränderungen teil, aus denen das Alt-Nordische entstand, berichtete The Conversation. Das lege nahe, dass sich sprachliche Veränderungen über kulturellen Kontakt zwischen eng verwandten skandinavischen Gemeinschaften verbreiteten, heißt es dort.

Keltische Ursprünge

Die Begleitstudie ging mit demselben Ansatz der Frage nach, ob das Keltische an der Atlantikküste Europas oder weiter östlich in Mitteleuropa begann. Diese Debatte dauert seit mehr als einem Jahrhundert an. Die DNA deutet auf eine Bewegung aus Mitteleuropa vor rund 3.000 Jahren nach Westen in Richtung Frankreich, Britannien, Irland und die Iberische Halbinsel hin, so die Mitteilung aus Göteborg. Vor 2.500 Jahren wurden keltische Sprachen in weiten Teilen Europas gesprochen.

Nach Ansicht der Forscher ist das die einfachste Erklärung für die Ausbreitung der keltischen Sprachen. Die Mitteilung zitiert auch Johan Ling, Professor für Archäologie an der Universität Göteborg, der sagte, die Ergebnisse erklärten die Ausbreitung der Urnenfelderkultur und Verschiebungen im Machtgefüge des bronzezeitlichen Europa.

Was DNA nicht klären kann

"DNA-Sequenzen sagen uns nicht direkt, welche Sprache die Menschen sprachen", sagte Eske Willerslev, Seniorautor und Professor am Globe Institute der Universität Kopenhagen.

Die Autoren verorten die Entstehung der germanischen Gruppe irgendwo zwischen Finnland und dem Nordosten Schwedens, doch aus dieser Region und Zeit sind keine Genome erhalten. Sie lassen auch Raum dafür, dass sich das Germanische durch kulturellen Kontakt mit kaum genetischer Spur verbreitete, oder sogar in die entgegengesetzte Richtung zu den Migranten. Nach Einschätzung der Studie sind die Ankömmlinge aus dem Baltikum der einfachste Erklärungsweg, nicht der einzig mögliche.

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Quellen

17
  1. 01Ancient DNA Reveals Origins Of LanguagesEN
  2. 02A Previously Unknown Migration Reveals the Origin of English, German and the Viking Tongue, 4,000 years agoEN
  3. 03We used ancient DNA to track the origins and spread of the Germanic and Celtic languages - new researchEN
  4. 04How Celtic languages spread across Britain and Ireland: why we need to reconsider the early storyEN
  5. 05Linguists start compiling first ever complete dictionary of ancient CelticEN
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Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Hanna Vogt

Hanna Vogt

Wissenschaft und Gesundheit

Hanna Vogt schreibt für FLASH24 über Wissenschaft und Gesundheit und stützt sich dabei auf Primärstudien, Behördenberichte und Rohdaten statt auf Pressemitteilungen. Bei Zahlen prüft sie Stichprobengrößen, Konfidenzintervalle und ob die zitierte Quelle die Aussage tatsächlich deckt. Für ihre Texte spricht sie mit Studienautorinnen, wartet auf Peer-Review-Fassungen und vergleicht Vorabdrucke mit der finalen Publikation. Dass sie privat Materialphysik verfolgt und mit eigenem Teleskop den Himmel beobachtet, erklärt, warum sie bei Messmethoden und Instrumenten genau nachfragt. Sie publiziert keine Ergebnisse, deren Datengrundlage sie nicht selbst eingesehen hat.

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