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Europas Chip- und Solarbranche spürt den Energiedruck: ASML verkauft zu Hause nichts

ASML hat im ersten Halbjahr 2026 keine Lithografieanlagen in Europa verkauft. Das sagte Frank Heemskerk, Executive Vice President für öffentliche Angelegenheiten des Unternehmens, am 25. September. Europas energieintensive Industrien kämpfen mit steigenden Kosten und schrumpfender Nachfrage im eigenen Markt.

KonjunkturAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 28. September 20266 Min. LesezeitQuellen 7
Europas Chip- und Solarbranche spürt den Energiedruck: ASML verkauft zu Hause nichts

ASML hat in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres in Europa nichts verkauft. Frank Heemskerk, Executive Vice President für öffentliche Angelegenheiten beim niederländischen Hersteller von EUV-Lithografiemaschinen, sagte das am 25. September auf einer Podiumsdiskussion in Amsterdam, wie Tom's Hardware berichtet. Seine Worte waren deutlich: „Wir verkaufen in Europa absolut nichts. Weil Europa nicht investiert und weil in Europa keine Chipfabriken gebaut werden.“

Heemskerk bezifferte den europäischen Anteil am ASML-Umsatz auf 0%, nach 1% im Jahr 2025 und 5% im Jahr 2024. Die Zahlen stammen aus den eigenen Investorenpräsentationen und Geschäftsberichten von ASML. Das ist kein Rundungsfehler. Das Unternehmen beliefert jede Leading-Edge-Fab in Asien und den Vereinigten Staaten. Seine Marktkapitalisierung liegt bei rund 660 Milliarden Dollar, damit ist ASML nach dieser Kennzahl das größte Unternehmen Europas. Die EU hat jahrelang die Angebotsseite subventioniert, also die Fabriken selbst. Zu wenig getan hat sie dagegen, um die Nachfrage nach den Chips zu sichern, die diese Fabriken produzieren würden. „Es gibt hier einfach keine Nachfrage nach dieser Art hochspezialisierter Maschinen“, sagte Heemskerk. „Statt nur mit Kapital auf der Angebotsseite Investitionen anzulocken, sollten wir viel mehr tun, um Nachfrage zu schaffen.“

Die Nachfrage ist das fehlende Stück

ASML spricht mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen darüber, die Nachfrage nach in Europa hergestellten Chips zu bündeln und zu garantieren. Die Idee soll Herstellern einen wirtschaftlichen Grund geben, auf dem Kontinent zu bauen oder zu erweitern. Heemskerk nannte Bereiche wie industrielle KI als Felder, in denen Europa noch Chancen hat. Das gilt aber nur, wenn sich die Käufer, also die Kunden der ASML-Kunden, kollektiv organisieren. Tom's Hardware merkt an, dass das Bild nicht durchweg düster ist. Intel betreibt Fab 34 bei Leixlip in Irland und hat kürzlich eine Investition von 5 Milliarden Euro angekündigt, um die CPU-Produktion dort auf den Prozesstechnologien Intel 4 und Intel 3 auszubauen. ESMC, getragen von TSMC, Bosch, Infineon und NXP, baut eine Fab bei Dresden. Sie soll rund 15 Milliarden Euro kosten und FinFET-Chips der 12nm/16nm-Klasse sowie planare Chips der 22nm/28nm-Klasse für Automobil- und Verbraucheranwendungen fertigen. Diese Projekte sind real. Sie sind zugleich klein im Vergleich zu dem, was die USA, China und Indien bauen. Ohne verbindliche Käufer könnte die nächste Investitionsrunde ausbleiben, darauf läuft Heemskerks Argument hinaus.

Solarpreise bewegen sich auf zwei Kontinenten in entgegengesetzte Richtungen

In derselben Woche, in der ASML null europäische Verkäufe meldete, veröffentlichte pv magazine am 25. September seinen Chinese PV Industry Brief, der steigende Preise ab Werk in China zeigt. Growatt kündigte an, die Preise für String-Wechselrichter, Hybrid- und Speicherwechselrichter, gewerbliche und industrielle Speicherschränke sowie private Speichersysteme ab dem 8. Oktober um rund 5% bis 10% zu erhöhen. Das Unternehmen begründete dies mit höheren Rohstoffkosten, knapperen Lieferungen einiger Kernkomponenten und steigenden Fertigungskosten. Sungrow hatte bereits ab dem 20. September Erhöhungen von rund 5% bis 15% für mehrere Solarwechselrichter-Kategorien umgesetzt. Auch die Komponentenpreise ziehen in chinesischen Ausschreibungen an. Die China South-to-North Water Diversion Group hat diese Woche ihre Rahmenbeschaffung für Module 2026-27 abgeschlossen, mit einem Volumen von 1,3 GW. Die Ausschreibung umfasst 1 GW TOPCon-Module zu einem durchschnittlichen Zuschlagspreis von rund CNY 0,72 (0,10 Dollar) pro Watt und 300 MW Back-Contact-Module zu etwa CNY 0,778/W. Longi, Aiko Solar und GCL System Integration gehörten zu den Gewinnern des BC-Loses. Die Differenz von rund CNY 0,058/W ergibt für BC-Module einen durchschnittlichen Aufschlag von etwa 8,1% gegenüber TOPCon im selben Rahmen. In den Vereinigten Staaten ist die Richtung dieselbe, die Ursache aber politisch. Anza, ein Datenunternehmen für Solar und Energiespeicher, erwartet einen Anstieg der US-Modulpreise um mindestens 40%, nachdem die Zölle nach Section 232 am 4. Dezember in Kraft treten, berichtete pv magazine am 26. September. Anza zufolge lag der Medianpreis für importierte Module vor der Proklamation vom 7. August bei 0,27 Dollar/W und beträgt nun 0,38 Dollar/W für Lieferungen nach dem 4. Dezember bei den Anbietern, die ihre Preise angepasst haben. Zum 9. September hatten 55% der aktiven Anbieter auf der Plattform eine Section-232-konforme Preisgestaltung, was 65% der Module auf der Plattform abdeckt. Für europäische Käufer zeigen die beiden Geschichten in dieselbe Richtung: Ausrüstung und Komponenten werden teurer, nicht billiger. Die chinesischen Erhöhungen gehen auf Vorleistungskosten und Komponentenknappheit zurück. Die US-Erhöhung ist ein Zoll. Keine von beiden ist eine Nachfragegeschichte.

Das Kapital bewegt sich weiter, langsam

Am 25. September berichtete Tech.eu, dass das nordische Energieunternehmen Fortum als Limited Partner bei Norrsken Evolve eingestiegen ist und über seine Innovations- und Beteiligungssparte investiert. Die Zusage folgt auf das finale Closing des überzeichneten Pre-Seed-Fonds von Norrsken Evolve über 62 Millionen Euro in diesem Sommer. Norrsken Evolve hat nach eigenen Angaben mehr als 80 Unternehmen unterstützt, von denen 75% anschließend Folgeinvestitionen eingeworben haben.

„Europa hat das Talent und die Technologie, seine Wirtschaft mit sauberem Strom anzutreiben, und unsere Gründer bauen die Unternehmen, die das möglich machen werden“, sagte Johan Attby, General Partner bei Norrsken Evolve. „Was Fortum einbringt, ist die operative Tiefe, die Finanzinvestoren nicht haben.“

Fortum versorgt mehr als zwei Millionen Kunden mit zuverlässiger Energie, mit Kernaktivitäten in kohlenstoffarmer Stromerzeugung, Kundenservice sowie Heizung und Kühlung. Die Investition steht neben der Electro-Union-Kampagne von Norrsken, die die EU auffordert, sich zu 50% Elektrifizierung des Endenergieverbrauchs bis 2040 zu verpflichten. Das ist ein Ziel, keine Politik, und es ist weit entfernt von den Nachfragegarantien, die ASML fordert. Unterdessen kündigte das US-Energieministerium am 21. September eine Förderrunde über 99 Millionen Dollar für 21 Geothermieprojekte der nächsten Generation an, wie CleanTechnica am 26. September berichtete. Quaise Energy kann mit bis zu 25 Millionen Dollar für sein Projekt Obsidian in Zentral-Oregon rechnen. Das DOE erklärt, die Daten der geförderten Projekte würden über sein Geothermal Data Repository öffentlich zugänglich. Die Zuschläge müssen noch verhandelt werden. Und in Utah erreichte Fervo Energy diese Woche die erste Stromerzeugung an seiner Anlage Cape Station im Beaver County, wie The Register am 25. September berichtete. Der erste von drei 33-MW-GeoBlocks hat begonnen, Strom ins Netz einzuspeisen, und soll nächste Woche den kommerziellen Betrieb aufnehmen, weitere 66 MW sollen bis Neujahr folgen. Fervo zufolge könnte der Standort irgendwann über vier Gigawatt hinaus skalieren, und das Unternehmen arbeitet auf 900 MW vertraglich gesicherte Kapazität hin. Google gehört zu den Nutznießern.

Woran es Europa tatsächlich fehlt

Nimmt man die Branchendetails weg, bleibt ein Muster. Europas Problem ist kein Mangel an Kapital oder Ideen. Es ist ein Mangel an Käufern, die bereit sind, sich in großem Umfang zu binden. Genau das sagte ASMLs Heemskerk unverblümt. Die EU hat Fabriken subventioniert und Elektrifizierungsziele veröffentlicht, doch die Nachfrageseite, die Kunden der Kunden, wurde nicht organisiert. Canary Media berichtete am 25. September, dass 87% der US-Stromerzeugung aus sauberer Energie im vergangenen Jahr in ländlichen Gebieten stattfand, laut einer Analyse der Rural Climate Partnership, und dass mehr als 60% der US-Countys mit Einschränkungen für erneuerbare Energien ländlich sind. Die Politik des Bauens ist überall schwierig. Europas Variante ist langsamer: keine Fabriken, keine Aufträge, kein Umsatzanteil. ASMLs 0% ist die Zahl, die man im Auge behalten sollte.

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Quellen

7
  1. 01ASML says it sold 'absolutely nothing' in Europe in 2026EN
  2. 02Chinese PV Industry Brief: Growatt raises inverter, battery prices by up to 10%EN
  3. 03Anza expects at least a 40% spike in U.S. solar module prices after Section 232EN
  4. 04Fortum backs Norrsken Evolve's €62M fund to accelerate Europe's electrificationEN
  5. 05The Geothermal Energy Wild Card Is Getting WilderEN
  6. 06Google-backed energy outfit brings 33 MW of 4 GW geothermal potential online in UtahEN
  7. 07The challenges and opportunities of clean energy in rural AmericaEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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