BOJ-Chef Ueda sieht Aufwärtsrisiken bei der Inflation wenige Wochen vor der Dezember-Sitzung
Kazuo Ueda, Gouverneur der Bank of Japan, sagte am 6. November, die zugrunde liegende Inflation habe das Ziel von 2 Prozent weitgehend erreicht, berge aber weiterhin "some upside risks". Damit bleibt eine Zinserhöhung auf der Sitzung am 18. Dezember möglich.

Ueda hält Dezember im Spiel
Ueda sprach auf einem Seminar des Internationalen Währungsfonds in Washington. Dort sagte er, energiebezogene Preise schlügen allmählich auf die Verbraucherpreise durch. Der Preisanstieg werde sich bis zum Beginn des nächsten Jahres weiter beschleunigen. Die Inflation werde 2027 oder 2028 zu 2 Prozent zurückkehren, wenn im Nahen Osten Ruhe einkehrt. Die BOJ hatte auf ihrer Sitzung am 30. Oktober festgestellt, die zugrunde liegende Inflation habe 2 Prozent "generally" erreicht. Das war fast 14 Jahre, nachdem Regierung und Notenbank dieses Ziel 2013 festgelegt hatten. Der Meilenstein bedeutet nach Uedas Worten, dass die Notenbank die Inflation nun "for years to come through appropriate adjustment of monetary policy" dort halten muss.
Zugleich sagte er, die Inflation von 2 Prozent sei in Japan "hasn't quite become a social norm yet". Das erklärte Ziel der Notenbank ist, die zugrunde liegende Inflation um diesen Wert zu verankern.
Warum die Dezember-Sitzung zählt
Die BOJ hob ihren Leitzins im September auf rund 1,25 Prozent an, die zweite Erhöhung binnen drei Monaten. Mehr als 80 Prozent der Ökonomen in einer Bloomberg-Umfrage erwarten auf der Sitzung am 18. Dezember einen weiteren Schritt. Der Median dieser Umfrage setzt den Endzins für diesen Zyklus bei 1,75 Prozent an. Das entspricht zwei weiteren Erhöhungen um je einen Viertelpunkt. BNP Paribas und J.P. Morgan Securities gehören zu den Häusern, die einen Leitzins von 2,5 Prozent prognostizieren. Die BOJ schätzt den neutralen Zins auf irgendwo zwischen 1,1 Prozent und 2,5 Prozent. Sie betont, dass er sich kaum genau bestimmen lässt. Nachdem die Notenbank die Zinsen in der vergangenen Woche unverändert ließ, sagte Ueda, die zugrunde liegende Inflation habe ein Niveau erreicht, das dem Ziel von 2 Prozent weitgehend entspreche. Er betonte, wie wichtig es sei, dass Arbeitgeber und Gewerkschaften die Inflation von 2 Prozent in ihre Lohnverhandlungen einbeziehen.
Die Inflation ohne frische Lebensmittel lag in vier Haushaltsjahren in Folge bis März 2026 über dem Ziel. Nach den jüngsten Prognosen der Notenbank werden es sechs.
Die Löhne geben der BOJ Rückendeckung
Die Nominallöhne stiegen im September um 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der stärkste Zuwachs seit 1997, wie das Arbeitsministerium am 6. November meldete. Das Grundgehalt legte um 3,7 Prozent zu. Ein stabilerer Indikator ohne Bonuszahlungen, Überstunden und Stichprobenverzerrungen stieg bei Vollzeitbeschäftigten um 3,1 Prozent und damit so stark wie noch nie. Die realen Barverdienste, bereinigt um die Inflation und ohne Mieten, kletterten um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das war mehr als der revidierte Anstieg von 1,6 Prozent im August und lag über der Konsensschätzung von 1,3 Prozent. Ökonomen hatten wegen weniger Arbeitstage mit einem langsameren Wachstum gerechnet.
Im Oktober forderte der größte Gewerkschaftsdachverband seine Mitglieder auf, für 2027 Lohnsteigerungen von rund 6 Prozent zu verlangen. Dieses Ziel ist ehrgeiziger als 2026. Die Beschäftigten der Gruppe haben drei Jahre in Folge Erhöhungen von mehr als 5 Prozent durchgesetzt.
Yasunari Tanaka forscht am Mitsubishi Research Institute. "Ich erwarte, dass die Lohnsteigerungen in den Verhandlungen des nächsten Jahres bei rund 5 Prozent liegen, etwa im gleichen Tempo wie 2026", sagte er.
Der 2-Prozent-Meilenstein und die Zweifler
Shinichiro Kobayashi, Chefökonom bei Mitsubishi UFJ Research and Consulting, sagte, die BOJ habe womöglich zu spät erkannt, dass die zugrunde liegende Inflation das Ziel erreicht oder sogar überschritten habe. Die größte Bedeutung des Erreichens von 2 Prozent liege darin, dass ein expansives geldpolitisches Umfeld nicht mehr nötig sei, so Kobayashi. Daten der BOJ zeigen, dass die japanischen Großhandelspreise seit Mai um oder über 7 Prozent liegen. Das könnte die Verbraucherpreise in den kommenden Monaten deutlich nach oben treiben. Ueda hat vor hohen Großhandelspreisen gewarnt. Yuichi Kodama, Chefökonom am Meiji Yasuda Research Institute, argumentierte, mehr als 10 Jahre bis zum Erreichen des Ziels deuteten darauf hin, dass die Geldpolitik damit wenig zu tun hatte. Es sei die Aufgabe der BOJ, die zugrunde liegende Inflation über längere Sicht um 2 Prozent zu verankern, sagte Kodama. Die Erzeugerpreise für Dienstleistungen lagen im September bei 3,7 Prozent, nach revidiert 3,5 Prozent im August. Der Wert ohne internationalen Transport blieb bei 2,9 Prozent.
Die BOJ formuliert vorsichtig. Sie schreibt, die zugrunde liegende Inflation habe 2 Prozent "generally" erreicht, nicht, dass sie sich dort festgesetzt hat.
Wie es weitergeht
Die nächste Sitzung findet am 18. Dezember statt. Ueda ließ die Tür für eine Erhöhung offen. Die Notenbank müsse wachsam bleiben, damit die Inflation das Ziel nicht überschießt, möglicherweise schon auf ihrer nächsten Sitzung im Dezember. Die jährlichen Lohnverhandlungen, aus denen die Notenbank einen Großteil ihrer Belege zieht, enden im März. Ueda sagte, das Ziel sei, die Inflation "for years to come" bei 2 Prozent zu halten.
Quellen
17- 01BOJ chief warns of 'upside risks' to inflation after 2% target reachedEN
- 02BOJ chief Ueda sees 'some upside risks' to inflationEN
- 03Japan's nominal wages rise at fastest pace in about 30 yearsEN
- 04After decades of deflation, BOJ faces test of maintaining price stabilityEN
- 05Bank of Japan set to hold rate as inflation reaches long-awaited milestoneEN
- 06Japan's services inflation split complicates the BOJ outlook before Friday's decisionEN
- 07Early signs for Japan 2026 wages bolster case for near-term BOJ rate hikeEN
- 08Japan real wages rise for eighth straight month, backing case for BOJ hikesEN
- 09Japan real wages grow for first time in 13 months, boosting BOJ hike caseEN
- 10BOJ Chief Flags Upside Inflation RisksEN
- 11The New York Times Doesn’t Understand AI’s Role in Suppressing WagesEN
- 12Spectrum overhauls operating model in bid to reignite growthEN
- 13 ECB wage tracker suggests slightly higher wage growth in first three quarters of 2027 compared with the full year of 2026 EN
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