Zum Inhalt
WeltzeitEU--:--UK--:--USA--:--CN--:--PLDEFRIT中文EN

portal über KI und Technologieereignisse · analysen · interviews · technischer hintergrund

Suche
LIVE
›

Envision meldet erstes kommerzielles 800-Volt-Gleichstromsystem für Rechenzentren in der Inneren Mongolei

Envision Energy hat am 3. November mitgeteilt, weltweit erstmals ein integriertes 800-Volt-Gleichstromsystem kommerziell in einem Rechenzentrum einzusetzen. Standort ist das firmeneigene Galaxy-KI-Rechenzentrum in Ulanqab in der Inneren Mongolei.

WeltNachrichtDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 3. November 20267 Min. LesezeitQuellen 8
Envision meldet erstes kommerzielles 800-Volt-Gleichstromsystem für Rechenzentren in der Inneren Mongolei

Tom's Hardware berichtete über die Ankündigung. Seit August läuft das System auf dem Galaxy-Campus im Test. Nach den derzeitigen Plänen will Envision den Standort auf 3 GW Kapazität ausbauen. Langfristig soll er "bis zu einer Million KI-Beschleuniger" versorgen.

Die Angaben stammen vom Unternehmen selbst. Eine unabhängige Messung des Effizienzgewinns wurde nicht veröffentlicht. Die von Tom's Hardware zitierte Pressemitteilung nennt keine Zahl dafür, wie viel Strom der Umwandlungspfad gegenüber konventionellen Auslegungen spart. Genau dieses Fehlen fällt zuerst auf. Wer eine Premiere ankündigt, belegt damit noch keine Premiere. Die Mitteilung liefert keine Vergleichsbasis, kein Testprotokoll und keine Prüfung des Ergebnisses durch Dritte.

Was die 800-Volt-Gleichstromarchitektur tatsächlich ändert

Heutige Rechenzentren senken die Netzspannung über mehrere Wandlungsstufen, bevor sie das Serverrack erreicht. Jede Stufe kostet Energie. Jede braucht außerdem Platz im Gebäude. Das Dubhe-System von Envision wandelt direkt von 10 kV Mittelspannungswechselstrom auf einen 800-Volt-Gleichstrombus. Das verringert die Zahl der Stufen und verkleinert die Wandlungstechnik, so schildert Tom's Hardware die Mitteilung des Unternehmens.

Das Unternehmen nennt drei Eigenschaften, auf denen die Auslegung beruht. Ein Festkörpertransformator hält die Wandlung von 10 kV auf den 800-Volt-Bus unter allen Betriebsbedingungen stabil. Ein Batteriespeicher liefert sowohl Stützung im Sekundenbereich als auch Notstrom im Minutenbereich. Eine Koordination im Millisekundenbereich zwischen Transformator und Speicher nimmt Lastsprünge der GPUs direkt vor Ort auf. Der Speicher ist wichtig, weil Trainingslasten stark schwanken. Sie am Rack abzufangen statt an der Netzübergabestelle, darin unterscheidet sich der Ansatz von einer reinen Spannungsänderung.

Envision ist hier kein neutraler Anbieter. Das Unternehmen verkauft den Controller, den Speicher und die Energiemanagement-Software. Der Galaxy-Standort gehört ihm selbst. Der Einsatz belegt, dass die Hardware in einer kommerziellen Umgebung läuft. Er zeigt noch nicht, was sie kostet und wie sie sich gegen die Wechselstromverteilung schlägt, die die meisten Betreiber weiterhin kaufen.

Die Verknappung bei Bauteilen trifft zuerst die Spieler

Dieselbe Nachfrage, die 3-GW-Campus-Pläne treibt, zeigt sich weiter unten im Markt. Valves Steam Survey vom Oktober wurde wie üblich ohne Kommentar veröffentlicht, Tom's Hardware griff sie am 3. November auf. Der Anteil der Systeme mit 32 GB Arbeitsspeicher fiel binnen eines Monats um 5,16 Prozentpunkte. In der vorigen Erhebung war 32 GB die beliebteste Konfiguration. Auch der Anteil der Spieler mit 1 TB oder mehr Gesamtspeicher sank um knapp 5 %.

Tom's Hardware deutet den Wandel als Symptom der durch KI ausgelösten Bauteilverknappung. Der Bericht merkt an, dass Fertig-PCs für Spieler inzwischen häufig mit 16 GB als Standard ausgeliefert werden. Das ist eine Schlussfolgerung aus den Umfragedaten, keine Aussage von Valve. Die Erhebung ist eine freiwillige Stichprobe unter Steam-Nutzern. Ein Ausschlag dieser Größe innerhalb eines Monats ist ungewöhnlich genug, dass ein Teil davon auch daher rühren kann, wer diesmal geantwortet hat, und nicht von einem massenhaften Abspecken der Rechner.

Noch im Vormonat war 32 GB laut derselben Erhebung die beliebteste Konfiguration unter Spielern.

Wie auch immer: Die Richtung passt zu dem, was die Speicherpreise im Jahr 2026 getan haben. Tom's Hardware führt eine Seite zur Verfolgung der RAM-Preise. Dort heißt es, der aktuelle Markt mache Aufrüstung in Eigenregie teuer. Der Ausbau der Rechenzentren und der Aufrüstungspfad am Schreibtisch konkurrieren um dieselbe DRAM-Versorgung.

Ältere Hardware verliert zuerst ihre Software

Das Ende von Support-Zeiträumen ist die leisere Seite derselben Geschichte. Heise meldete am 3. November, dass Meta keine neuen Systemfunktionen für Quest 2 und Quest Pro mehr entwickelt. Die Verteilung von Horizon OS 2.13 soll im Januar 2027 beginnen und bis März abgeschlossen sein. Danach gehen neue Systemupdates, Funktionen und APIs nur noch an Quest 3, Quest 3S und die kommende Meta VR Glasses.

Meta erklärte laut heise im Entwicklerblog, die älteren Headsets erhielten bis Ende 2027 nur noch vierteljährliche Sicherheitsupdates und kritische Fehlerkorrekturen. Entwickler können neue Apps und Spiele für Quest 2 und Quest Pro bis Dezember 2027 einreichen. Danach erscheinen im Horizon Store nur noch Aktualisierungen bestehender Anwendungen.

Gekaufte Apps bleiben spielbar, und der Store bleibt auf beiden Geräten geöffnet, berichtet heise. Cross-Play mit Nutzern von Quest 3 und Quest 3S läuft weiter, ebenso Quest Link für PC-VR. Der Verkauf der beiden Headsets endete 2024. Die Quest 2 kam vor rund sechs Jahren auf den Markt und soll sich mehr als 20.000.000 Mal verkauft haben. Sie bleibt das meistverkaufte VR-Headset, und laut Meta nutzen es weiterhin Millionen Menschen.

Heise weist darauf hin, dass Entwickler nun wählen müssen. Sie können einen abwärtskompatiblen Build pflegen oder getrennte Versionen für alte und neue Hardware ausliefern. Manche werden den Support streichen. Wird ein wichtiger Onlinedienst abgeschaltet, kann ein Spiel vollständig aufhören zu funktionieren. Entwickler, die den Zugang zu gekauften Inhalten oder wichtigen Diensten kappen, müssen den Nutzern mindestens 180 Tage vorher Bescheid geben.

Designwerkzeuge ächzen unter derselben Komplexität

Die Runde von Semiconductor Engineering vom 2. November zum Thema Shift Left übersetzt ein verwandtes Problem in Ingenieurssprache. Frank Schirrmeister von Synopsys beschrieb den Designablauf als "ein Labyrinth". Verpackung, Wärme, elektromagnetische und mechanische Randbedingungen müssen gemeinsam modelliert werden. Eine Entscheidung zum Packaging kann ein Jahr lang blockiert sein, weil eine Randbedingung niemand früh genug modelliert hat.

Ashish Darbari von Axiomise sagte in der Runde, durchgerutschte Fehler brächten heute Architekten, Designer, Verifikationsleiter und Softwareteams an einen Tisch. Sie fragen, warum ein Defekt durchkam, und jede Gruppe hat eine andere Vorstellung davon, was die Spezifikation gesagt hat. Jack Berg von Silvaco sagte, die Verifikation sei traditionell der längste und teuerste Teil eines Designs. Wie man alles nach links verschiebe, "lernen wir noch", sagte er. Die Runde war sich einig, dass agentische KI die Abstimmung zwischen Disziplinen verbessern kann, aber Simulation und Emulation nicht ersetzt.

Das sind die weniger sichtbaren Kosten dichterer Hardware. Der Aufwand für die Validierung wächst schneller, als das Transistorbudget schrumpft.

Governance-Experimente laufen parallel

Ein am 29. Oktober auf arXiv eingestelltes und am 2. November gelistetes Papier dokumentiert einen Pilot-Expertenworkshop zum "violet teaming". Die Methode führt technische, politische und gesellschaftliche Sichtweisen in der Bewertung neuer Technologien zusammen. Die Autorin Steph Batalis und vier Mitautoren spielten ein hypothetisches, biodefense-relevantes KI-Szenario in drei Stufen durch: Fähigkeitsentwicklung, Missbrauchspotenzial und Umsetzung.

Laut Abstract brachte die Übung nicht offensichtliche Missbrauchswege ans Licht. Sie erweiterte die Bandbreite möglicher Eingriffe über rein technische Schutzmaßnahmen hinaus und machte zugleich operative und politische Grenzen sichtbar. Es ist ein neunseitiger Bericht über einen Workshop, kein Bewertungsrahmen mit Ergebnissen. Die Autoren stellen ihn als gesammelte Lehren dar, nicht als validierte Methode.

Weiter weg vom Rechenzentrum untersuchte eine von der University of Michigan geleitete Forschungsgruppe das Doppelsternsystem 70 Ophiuchi AB in 16 Lichtjahren Entfernung. Die Arbeit erschien im The Astrophysical Journal, ScienceDaily berichtete am 29. Oktober. Das Team fand in den untersuchten Bereichen keine Jupiter-großen Planeten und schließt dort Riesenwelten aus. Damit bleibt die Möglichkeit von Saturn-großen oder kleineren Planeten in der habitablen Zone offen. Yiting Li, Postdoktorandin in Michigan, sagte: "Es ist eine Mischung aus Enttäuschung und Begeisterung." Das System zieht seit William Jacobs Vorschlag im Jahr 1855 immer wieder Planetenbehauptungen auf sich.

Die Technische Universität Istanbul meldete am 28. Oktober, ein internationales Team habe im Nordwesten des Iran ein bislang unerkanntes Vulkansystem identifiziert. Es trägt den Namen Azerbaijan Continental Magmatic Arc und war vor etwa 101 bis 97.000.000 Jahren aktiv. Die in Geoscience Frontiers veröffentlichte Arbeit nutzte Zirkon-U-Pb-Geochronologie, Hf-Isotopenanalyse und Gesteinsgeochemie. Der korrespondierende Autor Ali Mohammadi sagte, die Studie zeige, dass die magmatische Geschichte der Region "komplexer ist als bisher angenommen".

IEEE Spectrum berichtete am 28. Oktober über Beta Technologies, einen der drei größten Hersteller elektrischer Flugzeuge in den USA. Das Unternehmen zielt auf regionalen Fracht- und medizinischen Transport, bevor es den Passagiermarkt angeht. Neben dem Flugzeug Alia baut es Motoren, Batterien und ein Ladenetz auf. Die Wette des Unternehmens lautet, dass die begleitende Infrastruktur und nicht allein die Zelle darüber entscheidet, ob elektrisches Fliegen funktioniert.

Nichts davon beantwortet, ob Envisions 800-Volt-Bus die richtige Antwort für die Stromversorgung von KI ist. Es zeigt aber, dass sich der Engpass verschoben hat. Der Flaschenhals sind heute die Wandlungs- und Speicherhardware rund um die Beschleuniger und die Speicher- und Software-Supportzyklen dahinter, nicht mehr allein die Chips.

Kommentare 0

Quellen

8
  1. 01China deploys 'world's first' 800-volt DC power system for massive AI data centerEN
  2. 02Steam Survey shockwaves felt as proportion of 32GB RAM systems drops by more than 5%EN
  3. 03Meta Quest 2: Meta stellt Entwicklung neuer Systemfunktionen einEN
  4. 04Shift Left Is Becoming A System-Level ProblemEN
  5. 05Violet Teaming in Practice: Lessons from a Pilot Expert Workshop on Governing Complex AI SystemsEN
  6. 06A mysterious star system just 16 light-years away may be hiding habitable planetsEN
  7. 07Scientists discover a hidden 100-million-year-old volcanic systemEN
  8. 08How Beta Technologies Is Clearing the Runway for Electric FlightEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

Redaktion →

Kommentare

0
  1. Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.

Kommentar schreiben

Kommentare sind öffentlich sichtbar. Wir veröffentlichen keine Beleidigungen, Werbung oder Spam.