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Widerstand gegen Rechenzentren wird zum politischen Risiko vor den US-Zwischenwahlen

OpenAI nennt seine Rechenzentren seit Montag „compute campuses“, also etwa Rechencampi. Der Namenswechsel fällt in dieselbe Woche, in der Wähler bei den US-Zwischenwahlen über lokalen Widerstand gegen solche Bauten entscheiden. Eine Datenbank fand unter 10.202 öffentlichen Stellungnahmen zu Rechenzentrumsprojekten 90,5 Prozent ablehnende.

WeltAnalyseDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 3. November 20265 Min. LesezeitQuellen 12
Widerstand gegen Rechenzentren wird zum politischen Risiko vor den US-Zwischenwahlen

Die neue Wortwahl steht in einer rund 900 Wörter langen Mitteilung, mit der OpenAI sein „Grid Protectors Program“ startet, wie The Verge berichtet. Das Programm beginnt mit einem Standort im Effingham County in Georgia. In dem Text erscheint „data center“ zweimal. „Compute campus“ steht dort häufiger. The Verge meldete am 3. November, eine Suche auf der Website von OpenAI habe keine frühere Verwendung des Begriffs ergeben.

Axios hatte einen Tag zuvor berichtet, der Namenswechsel sei für die Zeit nach den Zwischenwahlen geplant gewesen. Er kam stattdessen davor.

Hinter der Änderung steckt wenig Subtiles. Eine Datenbank des Start-ups Prophecy Gov aus San Francisco mit dem Namen American Sentiment hat 10.202 öffentliche Stellungnahmen aus 417 Sitzungen lokaler Verwaltungen in 48 Bundesstaaten zu einer durchblätterbaren Sammlung gemacht. Tom's Hardware meldete am 2. November, 90,5 Prozent dieser Stellungnahmen seien ablehnend und nur 7 Prozent zustimmend. Dem Bericht zufolge gab es bei 73 Prozent der erfassten Sitzungen überhaupt keine Befürworter von Rechenzentren. Wasser war das wichtigste Thema. Nur 21 Prozent der Stellungnahmen erwähnten KI. Die Anwohner streiten über Brunnen, Umspannwerke und Lärm, nicht über Modellgewichte. Das ist wichtig für jeden, der die Sache als KI-Debatte verkauft.

Wohin das Geld fließt

Manche Projekte kommen trotzdem durch. Google erhielt für ein Rechenzentrum in Hermantown in Minnesota einstimmige Zustimmung, wie MPR News über Tom's Hardware berichtete. Die Ratssitzung lief am Freitag, dem 30. Oktober, kurz vor Mitternacht. Das Projekt umfasst etwas mehr als 200 Acres mit drei Gebäuden von etwa 1,66 Millionen Quadratfuß. Das Unternehmen verkleinerte es und verzichtete auf eine Steuererleichterung von 80 Millionen Dollar. Klagen und eine separate Untersuchung zur Stromversorgung laufen weiter.

An anderer Stelle bewegt sich das Geld in Richtung Erzeugung. Drax besitzt das umweltschädlichste Kraftwerk Großbritanniens und ist im FTSE 250 gelistet. Das Unternehmen schloss einen Deal über 20 Milliarden Pfund mit Brookfield und der KI-Infrastrukturplattform Radiant, wie The Guardian am 3. November berichtete. Der Deal umfasst ein Rechenzentrum von mehr als 1 Gigawatt auf dem Gelände in North Yorkshire. Die erste Betriebsphase soll im ersten Quartal 2028 mit bis zu 100MW starten. Drax hofft, den Standort Anfang der 2030er Jahre direkt beliefern zu können. Die Aktie stieg auf die Nachricht um fast 9 Prozent auf einen Börsenwert von fast 3 Milliarden Pfund.

National Grid wiederum vereinbarte in der vergangenen Woche, 29,5 Hektar bei Dorman Point auf dem Gelände von Teesworks zu kaufen. The Guardian beschrieb den Kauf am 1. November als größtes Umspannwerk Großbritanniens, direkt neben einem geplanten KI-Rechenzentrum. Der Bürgermeister des Tees Valley, Ben Houchen, sagte Sky News, mit bis zu 3,2GW Kapazität könne das Vereinigte Königreich dort „endlich um diese Projekte konkurrieren“.

Bei der Erzeugung liegt das Durchsetzungsrisiko. Ein Bundesrichter wies den Antrag von SpaceX ab, eine Klage der NAACP über Gasturbinen für den Standort Colossus 2 von xAI in Southaven, Mississippi, abzuweisen, wie CNBC berichtete. Das Urteil wurde am späten Freitag, dem 30. Oktober, veröffentlicht. Der Richter schrieb, die „combustion turbines“ seien keine „mobile sources“ im Sinne des SIP von Mississippi. Das Southern Environmental Law Center und Earthjustice reichten die Klage im April 2026 ein. Sie werfen dem Unternehmen vor, zwischen August und Dezember 2025 27 Turbinen ohne Luftgenehmigung installiert und betrieben zu haben.

„Because the plaintiffs have statutory standing under the Clean Air Act, because the combustion turbines are not 'mobile sources' under Mississippi's SIP, and because the citizen suit provision does not violate Article II of the Constitution or the private nondelegation doctrine, the plaintiffs' claims will proceed.“

Tom's Hardware meldete am 2. November, das SELC gehe davon aus, dass die Anlage über 5.000 Tonnen Stickoxide pro Jahr ausstoßen könne. Außerdem könne sie 400 Tonnen Feinstaub und 47 Tonnen krebserregendes Formaldehyd pro Jahr ausstoßen. Separat berichtete Tom's Hardware am 3. November, xAI betreibe acht umgebaute Triebwerke von Düsenflugzeugen in einem Rechenzentrum in Mississippi. Diese Genehmigungen erlauben einen um 25 Prozent höheren Grenzwert für flüchtige organische Verbindungen, und auch diese Genehmigung hat das Southern Environmental Law Center angefochten.

Netzrechnung und politische Rechnung

Eine Analyse von Ember vom Oktober 2026, über die pv magazine am 3. November berichtete, beziffert den Anteil von Rechenzentren an der Spitzenstromnachfrage in Irland auf etwa 19 Prozent. Das sind geschätzt 1,1 GW von 6 GW Spitzenlast im Januar 2025, mit einem Anstieg auf 24 Prozent bis 2030. Lastverschiebung würde diese Spitze um rund 100 MW senken, etwa 1,5 Prozent. Erzeugung hinter dem Zähler und Speicher könnten fast fünfmal mehr Entlastung bringen, mit möglichen Einsparungen von bis zu 2,7 GW in Texas.

Forscher der Georgetown University und der Duke University argumentierten in der vergangenen Woche, Batterien sollten der Standard vor Gas sein, wie Canary Media am 3. November berichtete. Sie wiesen darauf hin, dass US-Versorger mehr als 60 GW neue Gaskraftwerke für den Bedarf der Rechenzentren planen. Rund 90 GW an Gaskraftwerken hinter dem Zähler seien vorgeschlagen. BloombergNEF erwartet inzwischen einen US-Speicherausbau von über 11.000 Gigawattstunden bis 2036, ein Plus von 30 Prozent gegenüber der Prognose sechs Monate zuvor.

Nichts davon benennt irgendetwas um. Die Kritiker von OpenAI sagten das direkt. „Rebranding them 'compute campuses' may fool listeners once or twice but it's not the name 'data center' that is unpopular“, sagte Holly Elmore, Gründerin von PauseAI US, zu The Verge. TechCrunch vermerkte am 1. November, Chris Lehane, Chief Global Affairs Officer, habe die Debatte über Rechenzentren als „good and healthy“ bezeichnet. Lehane sagte außerdem, Gemeinden „should hold companies responsible and accountable“.

Für Betreiber liegt das praktische Risiko in der Regulierung, nicht in der Rhetorik. Data Center Watch fand im ersten Halbjahr 2026 Projekte im Wert von fast 200 Milliarden Dollar, die wegen politischen und lokalen Widerstands verzögert, ins Stocken geraten oder blockiert wurden, wie TechCrunch am 31. Oktober berichtete. Bundesstaaten wie Pennsylvania, Georgia, Texas, New York und Virginia prüfen strengere Regeln.

Die Formulierung in den eigenen Unterlagen von Drax verrät die Lage. Das Unternehmen braucht vor 2031 Genehmigungen, um den Standort direkt zu beliefern und künftige Erlöse zu sichern. Die Genehmigungen entscheiden, wer zahlt, nicht die Pressemitteilung.

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Quellen

12
  1. 01OpenAI is quietly renaming data centers 'compute campuses'EN
  2. 02'America hates data centers' - New data highlights public sentimentEN
  3. 03Google data center wins approval in Minnesota after protests delay council vote twiceEN
  4. 04UK's most polluting power plant could power country's largest AI datacentreEN
  5. 05National Grid to site biggest substation in UK near planned Teesside datacentreEN
  6. 06SpaceX loses bid to toss NAACP lawsuit over Memphis data center air pollutionEN
  7. 07SpaceX loses bid to dismiss lawsuit over xAI data center pollutionEN
  8. 088 converted jet engines are powering xAI data centersEN
  9. 09Behind-the-meter generation could deliver five times more grid relief than data center load shiftingEN
  10. 10Why batteries, not gas plants, should be data centers' first choiceEN
  11. 11OpenAI might rebrand its data centers as 'AI compute campuses'EN
  12. 12Data centers are now a midterm issue, even in BrooklynEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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