Europas nächste Tech-Wette ohne KI-Regeln: Der Quantum-Act-Entwurf setzt auf Beschaffung, nicht auf Vorschriften
Brüssel will im November einen Quantum Act vorlegen. Der Entwurf drängt die EU-Regierungen, Quantentechnik bei europäischen Anbietern zu kaufen, wie POLITICO aus einem Entwurf berichtet. Der Schritt bricht bewusst mit dem regelzentrierten Ansatz des AI Act.
POLITICO berichtete am 31. Oktober über den Entwurf. Er ist das bislang konkreteste Zeichen dafür, wie die EU mit der Technologie nach der KI umgehen will. Statt Compliance-Pflichten setzt er auf Förderung und öffentliche Beschaffung. Regierungen sollen Quantensysteme bei Unternehmen mit Sitz in der EU kaufen oder in Ländern, mit denen eine strategische Partnerschaft für diese Technologie besteht.
"Es geht nicht um Regulierung. Es gibt nichts zu regulieren", sagte ein hochrangiger Kommissionsbeamter zu POLITICO. Der Satz sitzt in dieser Woche. Europäische Regulierer streiten weiter darüber, wie der AI Act durchgesetzt werden soll und was mit Chatbots und Urheberrecht geschieht. Auch die eigenen Berater der EU äußern sich inzwischen zu diesen Fragen.
Brüssel vergleicht das Vorhaben mit seinem Chipplan, dem Chips Act 2.0, und mit dem Paket für Rechenzentren, dem Cloud and AI Development Act. Beide versuchen, die Abhängigkeit von US-Technik zu verringern, indem sie Kapazitäten aufbauen statt Regeln zu schreiben. Der Quantenentwurf folgt demselben Muster.
Warum das KI-Drehbuch fallen gelassen wird
Bei der KI war die EU schnell. Die Kommission legte ihren ersten Vorschlag im April 2021 vor, bevor es ChatGPT gab, die Verhandlungen endeten 2024. Herausgekommen ist ein Gesetz, das regelt, wie eine Technologie genutzt wird. Europäische Manager beschreiben dieses Erbe inzwischen als warnendes Beispiel. Jan Goetz, CEO des finnischen Quantenunternehmens IQM, sagte zu POLITICO, die KI-Strategie der EU sei "sehr regulatorisch" gewesen, während die USA weiter investierten: "Jetzt sind wir in einer Lage, in der alle großen KI-Labore in den USA sitzen, die Chips kommen aus den USA."
Théau Peronnin, CEO des französischen Quantenunternehmens Alice & Bob, brachte den Unterschied auf den Punkt, auf den sich der Entwurf stützt. KI, sagte er, "betrifft die Nutzung einer Technologie, sie ist eine Lösung, während Quanten eine Infrastruktur sind. Es ist eine Ressource, es ist Hardware, es ist Rechenleistung." Sein Fazit: "Rechenleistung reguliert man nicht, man reguliert, was man mit dieser Rechenleistung macht."
Beim Sicherheitsaspekt geht es um viel. Quantenmaschinen könnten irgendwann die Verschlüsselung brechen, die moderne Kommunikation und Bankgeschäfte schützt. POLITICO merkt an, dass die meiste Forschung noch im Labor stattfindet. Fachleute erwarten, dass die Technik innerhalb von fünf Jahren breiter verfügbar ist.
Die Geldfrage ist weiter offen
Beschaffungsvorgaben sind für Brüssel schnell geschrieben und für die Mitgliedstaaten schwer zu finanzieren. Laut Entwurf soll verhindert werden, dass nationale Champions aus Kapitalmangel nicht skalieren können. Das ist dasselbe Problem, das die europäische KI begleitet hat. Ob der November-Vorschlag neues Geld mitbringt, geht aus dem berichteten Entwurf nicht hervor.
Daten zu europäischen Wagniskapitalinvestitionen zeigen, wie groß die Lücke ist. Der Wochenrückblick von Tech.eu vom 2. November zählte in der Vorwoche mehr als 60 Finanzierungsrunden mit über 1,3 Milliarden Euro Volumen in Europa. Auf KI entfielen 815,6 Millionen Euro, allein auf das Vereinigte Königreich 1 Milliarde Euro. Das ist eine gute Woche, keine Kriegskasse für Quanten.
An anderer Stelle läuft die Regulierungsmaschine auf alten Gleisen weiter. The Guardian berichtete am 2. November über 29 NHS Trusts. NHS England führte sie als Einrichtungen, die "Nutzen erzielen" aus Palantirs föderaler Datenplattform im Wert von 330 Millionen Pfund. Die Trusts erklärten, das System sei nicht in Betrieb oder werde nicht genutzt. Das Office for Statistics Regulation hat den Fall in seine Fallbearbeitung aufgenommen. Chi Onwurah, Vorsitzende des Wissenschafts- und Technologieausschusses im Unterhaus, sagte, es müssten ernste Fragen gestellt werden, ob die Erwartungen an Palantirs Produkte der Realität entsprechen.
Genau dieses Risiko soll der Quantum Act vermeiden: eine Schlagzeile mit einer Zahl, ein Beschaffungsversprechen und eine Lieferlücke, die niemand messen kann.
Auf der KI-Seite hat sich die Debatte an die Ränder verschoben. TechCrunch berichtete am 1. November, dass Anthropic an die Börse geht, gerade als die Wall Street die Lust an hohen KI-Ausgaben verliert. Führungskräfte von Dazzle AI und OpenAI äußern sich weiter mit Bemerkungen, die bei normalen Nutzern schlecht ankommen. Europas Wette lautet, dass es diese Phase überspringen kann, indem es zuerst die Hardware finanziert.
"Quanten sind eine dieser Technologien, bei denen wir definitiv führen können und sollten", sagte Peronnin zu POLITICO.
Das ist eine Behauptung, die geprüft werden muss, kein Ergebnis. Der Entwurf soll im November kommen. Das erste echte Signal wird sein, ob die Mitgliedstaaten Beschaffungsgeld dahinterstellen oder die Vorgabe als weitere ungedeckte Anweisung aus Brüssel behandeln.
Quellen
10- 01Forget AI, Europe has a plan to win the next tech revolutionEN
- 02Palantir AI tech unused or little used by 29 NHS trusts said to be benefiting from itEN
- 03European tech weekly recap: Over €1.3B invested across 60+ dealsEN
- 04AI can make tech CEOs' lives easier. What about everyone else?EN
- 05In one of the largest deals in tech history, Marvell buys Lumentum for $115BEN
- 06London-based LO:TECH lands $12M Series A led by MMCEN
- 07Chip Industry Technical Paper Roundup: Nov. 3EN
- 08How Beta Technologies Is Clearing the Runway for Electric FlightEN
- 09Media rights squeeze, US investment and AI tech: The sports business trends from Sportel 2026EN
- 10The biggest conversations in health techEN
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Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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