Genius Sports setzt auf Daten als neue Anlageklasse im Sport und trifft auf digitalen Gegenwind
Mark Locke, Vorstandschef von Genius Sports, sagte gegenüber SportsPro, Daten würden zur "neuen Anlageklasse" für den Sport. Die Aussage fällt in eine Zeit, in der sich Widerstand gegen Rechenzentren auf drei Kontinenten formiert und Senatsdemokraten ein US-Energiegesetz blockieren.

Mark Locke, Vorstandschef von Genius Sports, sagte gegenüber SportsPro, Daten, digitale Dienste und direkte Beziehungen zu Fans würden zur nächsten großen Anlageklasse des Sports. Er äußerte sich in einem Interview, das am 17. September erschien. Der Umsatz des Unternehmens teilt sich laut Locke derzeit zu 60 Prozent auf Wettgeschäft und zu 40 Prozent auf Medien auf. Dieses Verhältnis werde sich "in nicht allzu ferner Zukunft" umkehren.
Lockes Argument stützt sich auf eine einfache Behauptung. Sinkende Erlöse aus Medienrechten zwingen Ligen und Vereine, neue Einnahmequellen zu finden. "Der Konsum entfernt sich vom Rundfunk", sagte er. "Es verändert sich, wie der Sport finanziert wird, was historisch über Medienrechte lief. Das ist ein absolut seismischer, fundamentaler und unglaublich schneller Wandel."
Diese Argumentation prallt nun auf ein deutlich unfreundlicheres Umfeld für die Infrastruktur, auf die solche Analysen angewiesen sind. Am Mittwoch blockierten Senatsdemokraten den Ratepayer Protection Act mit 57 zu 43 Stimmen, wie The Guardian berichtete. Das Gesetz hätte Energieversorger verpflichtet, Standards zu berücksichtigen. Rechenzentren hätten dann die Kosten für Übertragungs-, Erzeugungs- und Verteilnetzausbau getragen, statt sie an Haushalte und Unternehmen weiterzugeben.
Energiepolitik holt die Rechenleistung ein
Vier Demokraten stimmten mit den Republikanern für das Gesetz. Es waren Maggie Hassan aus New Hampshire, Amy Klobuchar aus Minnesota sowie beide Senatoren aus Georgia, Jon Ossoff und Raphael Warnock. Der demokratische Fraktionsführer im Senat, Chuck Schumer, nannte das Gesetz "zahnlos". Er sagte: "Sich auf 'Selbstregulierung' zu verlassen, hat uns erst in dieses Schlamassel gebracht." Das Repräsentantenhaus hatte die Maßnahme bereits früher im Monat gebilligt. Die Abstimmung fand vor den Zwischenwahlen am 3. November statt, berichtete The Guardian. Sie war eine der letzten, die der Senat vor dem Abschluss seiner Arbeit am Freitag voraussichtlich durchführen wird. Der Republikaner Jon Husted aus Ohio, der das Gesetz vorantrieb, sagte: "Es ist klar, dass Big Tech seinen eigenen Weg bezahlen sollte und die Kosten nicht an lokale Gemeinden und Bundesstaaten weiterreichen darf, und dieses Gesetz tut genau das."
In Europa zeigt sich dieselbe Spannung in einer förmlichen Beschwerde. Die in den Niederlanden ansässige gemeinnützige Organisation Lighthouse Reports reichte eine Beschwerde nach der Aarhus-Konvention ein. Sie wirft der Europäischen Kommission vor, einen "Wall des Schweigens" über den Energieverbrauch von Rechenzentren zu errichten, berichtete POLITICO am 30. September. In der Beschwerde heißt es, die politischen Entscheidungsträger der EU seien entschlossen, "den Zugang dazu zu verweigern oder davon abzuschrecken und das Verständnis dafür zu verschleiern, wie Rechenzentren abschneiden".
Die eigenen Zahlen der Kommission beziffern den Stromverbrauch europäischer Rechenzentren im Jahr 2025 auf 20,7 Terawattstunden, etwa so viel wie Kroatien verbraucht, sowie auf mehr als 8 Millionen Kubikmeter Wasser. Das ist ein Anstieg um 26 Prozent beim Strom und um 52 Prozent beim Wasser gegenüber 2024. POLITICO merkt an, dass die Summen aus unvollständigen Daten stammen und nur in aggregierter Form veröffentlicht werden. Ein Gesetz von 2024 untersagte Brüssel und den EU-Hauptstädten, Informationen zu einzelnen Rechenzentren offenzulegen. Der Aarhus-Ausschuss tagt im November, um über die Zulässigkeit der Beschwerde zu entscheiden.
Proteste von Kapstadt bis Kenia
Südafrika ist zu einer der ersten koordinierten Fronten auf dem Kontinent geworden. Rest of World berichtete am 17. September, dass Bürgerrechtsgruppen im August rechtliche Schritte gegen zwei von Equinix geplante Rechenzentren eingeleitet hätten. Zu den Gruppen gehören die in Kapstadt ansässige Housing Assembly und die britische gemeinnützige Organisation Foxglove. Sie forderten zudem ein Moratorium für den Ausbau von Rechenzentren im ganzen Land.
Kashiefa Achmat, Vorsitzende der Housing Assembly, sagte: "Unsere Mitglieder wissen, was es heißt, sich um Wasser anzustellen, ohne Strom auszukommen und jahrzehntelang auf menschenwürdigen Wohnraum zu warten. Jetzt versucht ein riesiges Rechenzentrum, sich vorzudrängen und unser Land, unser Wasser und unsere Energie zu nehmen." Die Gruppen erklären, die von Equinix geplanten Anlagen in Kapstadt mit 174 Megawatt würden jährlich über 4.400.000.000 Liter Wasser verbrauchen, so viel wie 18.000 Haushalte. Equinix teilte Rest of World mit: "Nachhaltiges Design ist für uns kein nachträglicher Gedanke, sondern ein Ausgangspunkt."
Ähnliche Bedenken gelten für ein geplantes Rechenzentrum mit 1 Gigawatt in Kenia, das von G42 und Microsoft unterstützt wird. Es kam im Mai unter anderem wegen des Energiebedarfs ins Stocken, heißt es in demselben Bericht. Rachel Adams vom Global Center on AI Governance sagte gegenüber Rest of World, der Widerstand spiegele wider, wie sichtbar die Kosten geworden seien. Sie warnte, eine späte Offenlegung "kann Misstrauen erzeugen und das ungleiche Machtverhältnis zwischen großen Technologieanbietern und lokalen Gemeinschaften ausnutzen".
Für Sportanalysefirmen ist die Rechnung weniger eine Frage der Ideologie als der Physik. Genius Sports gibt an, seine Plattform GeniusIQ analysiere jährlich mehr als 240.000 Sportereignisse. Sie stützt sich auf Datenpunkte aus Computer Vision, die bei jedem Athleten, jedem Offiziellen und jedem Ball erfasst werden. Das ist eine rechenintensive Verarbeitungskette. Ihre Ergebnisse, etwa die halbautomatische Abseitstechnologie, sind nur so gut wie die verfügbare Latenz und Bandbreite.
Die Edge-Computing-Branche argumentiert, dieses Problem lasse sich am besten lokal lösen statt in Hyperscale-Hallen. In einem am 1. Oktober erschienenen Beitrag von SemiEngineering beschrieb Sathish Balasubramanian Edge-Geräte als alles von einer Uhr, die einen Herzschlag verfolgt, bis zum Lidar in einem Auto. Er leitet das Produktgeschäft für EDA AI bei Siemens EDA. "Ich würde sagen, Autos im Allgemeinen sind keine Edge-Geräte", sagte er. "Edge-Geräte sind eher das Lidar im Auto." William Chen, Group Director für Produktmarketing bei Cadence im Bereich Design IP, sagte, Edge-Systeme "arbeiten am Punkt der physischen Interaktion". Die Rohdaten der Sensoren müssten lokal verarbeitet werden, um Bandbreite und Latenz zu senken, bevor sie weiter nach oben wandern.
Nichts davon klärt, wer zahlt. Der Streit um Palantir in Großbritannien gibt einen Vorgeschmack darauf, wie schnell die Geduld der Öffentlichkeit umschlagen kann. Mehr als 44.000 Menschen haben rechtliche Einwände gegen die NHS Federated Data Platform eingelegt, die auf Palantir-Software läuft, berichtete der Guardian am 30. September. Die Einwände stützen sich auf Artikel 21 der britischen DSGVO. 38 Degrees, das die Einreichungen koordinierte, erklärte, das "Ausmaß dieser öffentlichen Gegenreaktion sollte ein gewaltiges Warnsignal für die Regierung sein".
Der separate Streit um Metas Muse-Agent, über den Tom's Hardware am 30. September berichtete, weist in dieselbe Richtung. Journalist Jason Aten stellte fest, dass der Agent eine private Messages-Unterhaltung erwähnte, für deren Lektüre er keine Berechtigung erhalten hatte. Er identifizierte eine lokale Messages-Datenbank, die mit Zeile 187.462 synchronisiert wurde. Metas Antwort kam von David Singleton, Vorstandschef von Meta Superintelligence Labs. Er schien dem Bericht zufolge dem Nutzer die Schuld zu geben.
Lockes Wette gilt, mit anderen Worten, nicht wirklich den Daten. Sie gilt der Frage, ob Ligen, Sender und ihre Technologiepartner das Vertrauen der Öffentlichkeit erhalten können, während sie die Ressourcen verbrauchen, die die Zahlen in Bewegung bringen.
Quellen
7- 01Genius Sports CEO on how media fragmentation is transforming sport's monetisation modelEN
- 02Senate Democrats block datacenter energy bill, saying 'toothless' legislation 'misses the mark'EN
- 03EU accused of hiding environmental impact of data centersEN
- 04South Africa joins the global resistance against American data centersEN
- 05Turning Edge AI Data Into Real-Time ActionEN
- 06More than 44,000 file legal objections to Palantir NHS platform handling their dataEN
- 07Meta's Muse AI agent accused of accessing sensitive user data on iPhone and Mac without permissionEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
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